Rückdelegation: Das Phänomen

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Rückdelegation entsteht, wenn Mitarbeiter delegierte Aufgaben wieder an die Führungskraft zurückgeben, oft mit Begründungen wie mangelnder Kompetenz oder fehlender Teamzuständigkeit. Dieses Phänomen führt dazu, dass die ursprünglich beabsichtigte Entlastung ausbleibt und die Arbeitslast der Führungskraft ungewollt steigt. Erfolgreiches Delegieren erfordert daher nicht nur die Auftragserteilung, sondern auch die aktive Vermeidung der Rücknahme durch klare Prozesse und eine bewusste Haltung.

Die wichtigsten Punkte:

  • Rückdelegation untergräbt die Führungsautorität und erhöht die Arbeitsbelastung.
  • Führungskräfte müssen eigene Fehler im Delegationsprozess (z. B. falsche Einschätzung der Fähigkeiten) reflektieren.
  • Das Verhalten und die Vorlieben einzelner Mitarbeiter müssen für eine gezielte Abwehr von Rückgaben berücksichtigt werden.
  • Die erfolgreiche Abwehr einer Rückgabe ist entscheidend, damit das Delegieren im Team langfristig funktioniert.
29.08.2025 Von: Brigitte Miller
Rückdelegation

Wie verhindern Sie als Führungskraft erfolgreich die Rückdelegation von Aufgaben?

Oft genug führt die Delegation nicht zur angestrebten Entlastung, sondern wird zu einer zusätzlichen Belastung. Denn so mancher Mitarbeiter bestürmt Sie als Führungskraft - «Dies schaffe ich nicht» oder «Bei dieser Aufgabe ist doch eigentlich das Team gefragt» - mit dem Ziel, die Aufgabe wieder an Sie zurückzugeben. In solchen Fällen wird von Rückdelegation gesprochen.

Ohne es zu wollen, landet die Aufgabe wieder auf Ihrem Schreibtisch

Jede Führungskraft sieht sich solchen Situationen ausgesetzt - oft voller Verwunderung. Der eigene Fokus so stark auf den Delegationsprozess gerichtet, werden Einwände, die der Rückdelegation dienen, kaum oder gar nicht einkalkuliert. Als müsste die Aufgabe «nur» erfolgreich an den Mitarbeiter delegiert werden, damit alles weitere reibungslos verläuft.

Leider ist dies nicht immer der Fall - wie Sie selbst erfahren haben. Und deshalb trifft die Rückdelegation viele Führungskräfte völlig unerwartet. Mit der Folge: Ihnen als Führungskraft gelingt es nicht, sich der Rückdelegation zu erwehren. Ohne es zu wollen, landet die Aufgabe wieder auf Ihrem Schreibtisch. So stellt sich eine Frage: Wie können Sie in dieser Situation, als auch zukünftig mit dem Phänomen Delegation erfolgreich umgehen?

Das Phänomen Rückdelegation einkalkulieren

Um dieses Phänomen einzudämmen, muss es erst einmal als Bestandteil des Delegationsprozesses gesehen werden. Denn sobald im eigenen Bewusstsein verankert ist: «Es besteht die Möglichkeit der Rückdelegation», kann sich damit auch gezielt auf zwei Ebenen auseinander gesetzt werden:

1. Das eigene Tun im Delegationsprozess prüfen

Bei jeder Delegation sollte geprüft werden, ob Sie als Führungskraft eine Mitverantwortung tragen. Vielleicht haben Sie die Fähigkeiten des Mitarbeiters fehlerhaft eingeschätzt. Vielleicht neigen Sie dazu, bei auftretenden Problemen die Aufgaben schnell wieder an sich zu reissen. Analysieren Sie die Ursache und setzen Sie anschliessend Ideen frei, um zukünftig die Risiken für eine Rückdelegation zu minimieren.

Achtung wichtig! Viele Ideen, als auch Anregungen wie Sie nicht allein die Risiken für eine Rückdelegation verringern, sondern auch Ihren kompletten Delegationsprozess optimieren können, erhalten Sie im Dossier «Erfolgreich delegieren: Stress verringern und Mitarbeiterzufriedenheit steigern», das auch den entscheidenden Unterschied zwischen «Aufgaben zuweisen» bzw. «Aufgaben delegieren» aufzeigt.

2. Das Verhalten des Mitarbeiters besser einschätzen

Sich für den Habitus des einzelnen Mitarbeiters zu sensibilisieren, erhöht die Chance, Versuche der Rückdelegation gezielter abwenden zu können. Denn jeder Mitarbeiter wird seine Vorliebe haben. So können Sie sich mental auf eine potenzielle Umkehr der Delegation einstellen.

Checkliste

  • Prüfen Sie vor der Delegation, ob Sie die Fähigkeiten des Mitarbeiters realistisch eingeschätzt haben.
  • Sichern Sie sich ab, dass keine Tendenz besteht, bei Problemen sofort wieder die Aufgabe zu übernehmen.
  • Analysieren Sie die Ursache, falls eine Rückdelegation bereits stattgefunden hat.
  • Sensibilisieren Sie sich für den spezifischen Habitus und die Vorlieben des jeweiligen Mitarbeiters.
  • Machen Sie sich bewusst, dass Rückdelegation ein möglicher Teil des Delegationsprozesses ist.
  • Vermeiden Sie es, die Aufgabe bei ersten Einwänden sofort zurückzunehmen.
  • Kommunizieren Sie klar, dass die Verantwortung bei der Delegation beim Mitarbeiter verbleibt.
  • Nutzen Sie das Wissen über den Unterschied zwischen Aufgaben zuweisen und Aufgaben delegieren.
  • Informieren Sie sich über Strategien zur Optimierung des gesamten Delegationsprozesses.
  • Achten Sie darauf, dass eine erfolgreiche Rückgabe nicht als Musterbeispiel im Team wahrgenommen wird.

… und warum Sie als Führungskraft eine Rückdelegation immer zurückdelegieren sollten

Der Rückgabe zu erliegen, kann grossen Schaden anrichten. Zum einen führt eine solche sofort zu einem Mehr an Arbeit auf Ihrem Schreibtisch. Zum anderen - und dies darf nicht ignoriert werden - wird sich die erfolgreiche Rückgabe einer delegierten Aufgabe im Team herumsprechen, so dass Sie Ihre Führungsautorität verlieren und das Delegieren von Aufgaben für Sie immer schwieriger werden wird.

FAQ: Rückdelegation

Was genau versteht man unter Rückdelegation?

Rückdelegation liegt vor, wenn ein Mitarbeiter eine ihm übertragene Aufgabe wieder an die Führungskraft zurückgibt, oft begleitet von Begründungen wie fehlender Kompetenz oder der Annahme, dass das Team zuständig sei.

Warum ist es wichtig, eine Rückdelegation zu verhindern?

Eine Rückdelegation führt zu einem Mehr an Arbeit für die Führungskraft und schwächt die Führungsautorität, da sich im Team herumspricht, dass Aufgaben erfolgreich zurückgegeben werden können.

Welche Rolle spielt die eigene Führungskraft bei der Rückdelegation?

Oft trägt die Führungskraft Mitverantwortung, etwa durch eine fehlerhafte Einschätzung der Mitarbeiterfähigkeiten oder durch die Tendenz, bei Problemen die Aufgabe schnell wieder an sich zu reissen.

Wie kann man sich mental auf eine Rückdelegation einstellen?

Indem man sich für den Habitus des einzelnen Mitarbeiters sensibilisiert und dessen Vorlieben kennt, kann man sich mental auf potenzielle Umkehrversuche der Delegation einstellen und diese gezielter abwenden.

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