05.11.2014

Business Model Canvas: Eine praktische Methode zur Überprüfung von Geschäftsmodellen

Der „Business Model Canvas“ lehnt sich – wie der Name schon sagt – eng an die Leinwand eines Malers an, auf der frei gestaltet werden kann. Er soll als eine Art „Handwerkszeug“ für Geschäftsleute, Berater oder Gründer dienen, die mit diesem Modell sowohl neue Ideen überprüfen als auch etablierte Unternehmen untersuchen können.

Von: Wigbert Boell   Drucken Teilen   Kommentieren  

Wigbert Boell

Wigbert Boell ist ein internationaler Manager und Kommunikationsexperte, der sich auf strategische Beratung spezialisiert hat. Nach vielfältigen Erfahrungen in und um startups, kleinen und mittleren Unternehmen, sowie mit Gründern in Europa und den USA, konzentriert er sich inzwischen auf die Kreativ-Industrie und den non-profit Bereich. Durch langfristige Verträgen mit einem Deutschen Werbemittel- und Geschenkartikel Hersteller für den Marken-Aufbau in den USA und später in Nord- und Osteuropa hat er Geschäfte in über 50 Ländern durchgeführt. Ebenso hat er auch als Projektmanager und Marketingberater mit den verschiedensten Organisationen und Unternehmen gearbeitet, inklusive z.B. UNDP, GermanTV und Film Festivals. Bereits seit 1998 erforscht Wigbert Boell das Netz, schreibt Online-Beiträge, publiziert Newsletter und Blogs und ist ein früher Nutzer der sozialen Medien. Zur Zeit des ersten Internet-Booms war er Abteilungsleiter Business Development für ein US-Israelisches startup. Wigbert Boell hat ein M.A. in Kommunikationswissenschaften, sowie Kultur- und Medien-Management.

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Business Model Canvas

Der Kern der Canvas-Methode ist es, schon bei der Ideen-Entwicklung (oder bei der Analyse eines existierenden Business) einen Kunden-Fokus zu übernehmen und davon ausgehend möglichst effektive Konsequenzen zu ziehen, die wiederum mit einem Erfolg versprechenden Unternehmens-Modell komplettiert werden.    

Anstatt einen Businessplan zu schreiben, was oft eine längerfristige und grössere Aufgabe ist, kann mit dieser Methode zunächst das Wesentliche auf einer Seite (Canvas) intuitiv und visuell dargestellt werden. Darüber hinaus sind Business Pläne oft – auch wenn sie gut recherchiert werden – zu sehr Ideen- oder Produktorientiert. In der Canvas-Methode wird dagegen durch möglichst viele Feedback-Runden mit allen am Prozess Beteiligten (Kunden, Partner, Mitarbeiter) und anhand eines klar strukturierten Systems konsequente Kundenorientierung eingeübt und bis zu einem Marktgang (oder einer Umstrukturierung oder Verbesserung) durchgeführt.

 Entwickelt wurde die Methode von dem Schweizer Alex Osterwalder, der bereits in seiner Dissertation an der Universität von Lausanne über Geschäftsmodelle und Management Information Systems forschte. Wie in seinem eigenen Blog (businessmodelalchemist.com) nachzulesen ist, entwickelte er in den folgenden Jahren mit dem Input von hunderten Zuschriften und freiwilligen Testern und in einer Kooperation mit Prof. Yves Pigneur sein Modell weiter, bis daraus der „Business Model Canvas“ entstand, der den zentralen Teil der Methode ausmacht.    

Die 9 Bausteine des Business Model Canvas  

Das Canvas-Modell enthält 9 Bausteine, die für jedes Geschäftsmodell und jedes Unternehmen anwendbar sind, unabhängig von der Branche oder der Grösse. Ebenso ist es unerheblich, ob man den Canvas auf eine Gründung oder Startup anwendet oder für ein etabliertes Unternehmen einzelne Geschäftsbereiche untersucht.  

Die zentralen 9 Bausteine der Canvas-Methode sind:

  1. Kundensegmente (Customer Segments)
  2. Wertangebote (Value Proposition)
  3. (Distributions- und Kommunikations-) Kanäle (Channels)
  4. Kundenbeziehungen (Customer Relationships)
  5. Einnahmequellen (Revenue Streams)
  6. Schlüsselressourcen (Key Resources)
  7. Schlüsselaktivitäten (Key Activities)
  8. Schlüsselpartnerschaften (Key Partnerships)
  9. Kostenstruktur

 Jeder einzelne der Bausteine sollte in der Methode dann mit Leben gefüllt werden – also das Business/die Idee nach den einzelnen Kriterien untersucht werden. Es wird empfohlen, ein Canvas-Poster aufzuhängen und dann alle relevanten Elemente mit Heftzetteln in die einzelnen Felder zu befestigen, um so einen Überblick zu erhalten. Das Interessante an der Canvas-Methode ist also nicht nur das freie Arbeitsfeld, was benutzt werden kann, sondern auch wie die einzelnen Bausteine miteinander verknüpft sind und ineinander verzahnt agieren.  

Alle Bausteine auf dem Canvas müssen dann im Einzelnen mit den wichtigsten Elementen ausgefüllt werden. Es gibt zahlreiche links und Beispiele, die man online findet (siehe auch die Links im Tool). Am Besten ist es aber, einfach mit der Methode zu experimentieren (z.B. auf der web seite www.canvanizer.com). Man erhält sehr schnell Zugang und durch die konsequente Systematik und den visuellen Aufbau ist es auch relativ einfach, anzufangen.  

Hilfreich sind dabei auch noch die folgenden Überlegungen, die ebenfalls frei verfügbar im Netz gefunden werden können. So kann man sich durchaus ein Unternehmen auch als eine Art Theater vorstellen, bei der es eine Bühne gibt („front stage“) und den ebenso wichtigen technischen und organisatorischen Teil („back stage“), ohne die die Aufführung nicht funktionieren würden. Gebaut sind diese Teile aber auf einem soliden Fundament.

Das Buch  

Die Arbeit mit der „Canvas-Methode“ ist aber nicht der einzige Inhalt in dem erwähnten Buch „Business Model Generation“, dass inzwischen zu einer Art  Bibel vieler Gründer geworden ist, besonders, wenn ein neues Geschäftsmodell oder eine Idee entwickelt werden soll.  Das Buch vertieft in 5 Kapiteln die Methode und gibt neben Beispielen auch systematische Hintergründe und einen fundamentalen theoretischen Rahmen. Dabei ist es immer leicht verständlich geschrieben und sehr praktisch angelegt, was sicherlich auch durch die kollaborative Entwicklung begründet ist, bei der viele Entrepreneure aus der ganzen Welt Feedback gegeben haben. Schliesslich wird auch noch der Gestaltungsprozess eines Geschäftsmodells genau beschrieben, der sich in 5 Schritten vollzieht:

  1. mobilisieren
  2. verstehen
  3. gestalten
  4. implementieren
  5. kontrollieren

Insgesamt ist sowohl das Buch als auch die Methode wärmstens zu empfehlen. Das Business Model Canvas ist ein sehr praktisches und schnell durchführbares Werkzeug, dass auch unerfahrenen Neugründern erste Business-Methodik näher bringt.  

Darüber hinaus bietet es auch folgende Vorteile:

  • es zwingt einen, über sein Business methodisch und formal (wissenschaftlich) nachzudenken.
  • es reduziert das Geschäftsmodell auf eine begrenzte Anzahl von Annahmen, die (nacheinander) getestet und damit dann bejaht oder abgelehnt werden können.
  • das Layout des Canvas zwingt einen über alle Schlüsselaspekte des Business nachzudenken, denn wenn ein Platz auf der “Leinwand” leer ist, muss man sich diesbezüglich gedanklich noch mehr anstrengen.  
  • es ist visuell und intuitiv, wodurch auch Ideen schneller und einfacher (untereinander) kommuniziert werden können.
  • es ist einfach herzustellen und zu pflegen, womit auch eine ständige Weiterentwicklung und Anpassung, die im Einklang mit den Realitäten der Geschäftsentwicklung steht,  möglich ist.

Während der Canvas selbst also schon viele praktische Vorteile bringt, ist auch die konsequente kollaborative Arbeit, also das gemeinsame Entwickeln und brainstormen ein weiteres Plus. Das zentrale Vorgehen der Methode beinhaltet die konsequente Visualisierung des Geschäftsmodells und die ständige Optimierung durch Abstimmung. Damit werden Prototypen und Szenarien erschaffen, die getestet und kontrolliert werden können. Die Business-Modell-Canvas-Methode ist letztendlich eine ideale Grundlage, um anschliessend einen konkreten Business Plan zu schreiben.

Es sei aber noch mal betont, dass die Methode auch ein gutes System bildet, um bestehende Geschäftsmodelle zu überprüfen und auch gerade bei Weiter- und Neuentwicklungen hilfreich ist. Wenn es beispielsweise neue Produktlinien oder Ambitionen neue Märkte zu erobern gibt, ist die Methode wertvoll, da es gilt, die hohen Investitionen zielorientiert und gewinnbringend zu platzieren. Weitere Verwendung ist die regelmässige Prüfung des derzeitigen Geschäftsmodelles mit dem aktuellen Portfolio zur Erkennung neuer Chancen und Risiken.      

In der Vielzahl der Business Ratgeber, Unternehmens-Büchern und Fachliteratur für Gründer stach in den letzten Jahren eine Methode heraus, die von Dr. Alex Osterwalder entwickelt und in dem Buch „Business Model Generation: Ein Handbuch für Visionäre, Spielveränderer und Herausforderer” beschrieben wurde. Seit der Veröffentlichung 2010 wurden weltweit bereits Millionen von Kopien verkauft und das Buch in über 30 Sprachen übersetzt.

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