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Sperrfristen bei Krankheit: Bei Arbeitsunfähigkeit kündigen

Ist der Arbeitnehmer infolge Krankheit oder Unfall an der Arbeitsleistung verhindert, kommt er in den Genuss einer zeitlich beschränkten Sperrfrist. Die Sperrfristen bei Krankheit oder Unfall sind damit zu begründen, dass eine Neuanstellung wegen der Ungewissheit über Dauer und Umfang der Arbeitsunfähigkeit in der Praxis schwierig, wenn nicht aussichtslos ist.

01.06.2021 Von: Thomas Wachter
Sperrfristen bei Krankheit

Sperrfristen bei Krankheit

Der Kündigungsschutz dauert (mit Ausnahme der Probezeit) so lange wie die Arbeitsunfähigkeit. Er wird aber durch die gesetzlichen Maximalfristen begrenzt. Diese Maximalfristen sind nach Dienstjahren abgestuft:

  • 30 Tage im 1. Dienstjahr
  • 90 Tage vom 2. bis und mit 5. Dienstjahr
  • 180 Tage ab dem 6. Dienstjahr

Ist die Sperrfrist abgelaufen, kann die Kündigung ausgeprochen werden, selbst wenn die Arbeitsunfähigkeit noch andauert.

Praxis-Beispiel
Ein Mitarbeiter im 7. Anstellungsjahr erkrankt ernsthaft. Nach 13 Wochen ist die Lohnfortzahlung abgelaufen. Der Arbeitgeber will ihm kündigen. Kann er die Kündigung aussprechen? Antwort: Nein, eine Kündigung wäre ungültig. Er muss warten, bis die Sperrfrist von 180 Tagen abgelaufen ist. Anschliessend ist eine Kündigung rechtsgültig, auch wenn die Krankheit noch andauert.

Geschützt ist nicht nur die volle Arbeitsverhinderung, sondern auch die teilweise, unabhängig vom Grad ihres Ausmasses (Art. 336c Abs. 1 lit. b OR). Umstritten ist, ob auch geringfügige Arbeitsverhinderungen eine Sperrfrist auslösen.

Voraussetzung unverschuldete Arbeitsverhinderungen

Sperrfristen bei Krankheit kommen nur zum Tragen, wenn die Arbeitsunfähigkeit ohne eigenes Verschulden eingetreten ist.

Dies wird bei Krankheit generell vermutet, da eine Differenzierung praktisch unmöglich ist. Lehre und Rechtsprechung lassen denn auch ansteckende Krankheiten wie Aids, Suchtkrankheiten wie z.B. Schäden durch Rauchen oder Alkoholismus sowie psychische Erkrankungen als unverschuldet gelten.

Vom Schutz erfasst sind auch unverschuldete Betriebs- und Nichtbetriebsunfälle. Im Gegensatz zur Krankheit lässt sich bei einem Unfall in der Regel einfacher feststellen, ob es sich um einen selbst verschuldeten gehandelt hat oder nicht. Als unverschuldet gelten solche, die bei Beobachtung eines normalen Risikos eintreten können, z.B.:

  • Normale Sportarten (Fussball, Skifahren, Bergsteigen, Tauchen, Deltafliegen).
  • Verkehrsunfälle bei nur leichtem Verschulden.
  • Selbstmordversuch (bei nicht selbst verschuldetem Zustand völliger Unzurechnungsfähigkeit).
  • Verletzungen bei Ausübung von normalen Heimwerkerarbeiten.

Ist die Unfallgefahr hingegen sehr erheblich oder sogar sicher verschuldet, wird in der Regel von einem Selbstverschulden ausgegangen, z.B.:

  • Bei aktiver Teilnahme an Raufereien oder Schlägereien.
  • Motocrossfahren, Auto- und Motorradrennen.
  • Verkehrsunfall mit grobem Verstoss gegen die Verkehrsregeln oder in angetrunkenem Zustand (FiaZ).
  • Missachtung elementarster Sicherheitsmassnahmen, wie beispielsweise Fahren ohne Sicherheitsgurten oder Helm, Bergsteigen ohne Seil, Schweissarbeiten ohne Schutzbrille usw.
  • Bewusste Missachtung von Suva- und anderen Vorschriften. 
  • Missachtung von ärztlichen Weisungen bei gesundheitlichen Schwächen oder Gebrechen.
  • Absichtliche Selbstverstümmelung.
  • Selbstmordversuch bei vollem Bewusstsein über die Tat.

Geht der Arbeitnehmer ein derartiges Risiko ein, ist er nicht zulasten des Arbeitgebers zu schützen. Ob der Unfall während der Arbeitszeit oder in der Freizeit erfolgt, spielt keine Rolle.

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