Talentstrategie: Fünf Top-Prioritäten für HR und Talententwicklung

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Talente nicht nur zu halten, sondern auch für die Zukunft zu entwickeln. Die Analyse globaler Unternehmen zeigt fünf zentrale Stellschrauben: eine auf die Strategie ausgerichtete Unternehmenskultur, die Transformation bestehender Talente, die Entwicklung zukunftsfähiger Führungskräfte, die gelebte Diversität sowie die effektive Nutzung digitaler Daten. Diese Prioritäten sind entscheidend, um im «New Normal» wettbewerbsfähig zu bleiben und junge Generationen wie die Gen Z anzusprechen.

Die wichtigsten Punkte:

  • Kultur als zentrales Unterscheidungsmerkmal und Employee Value Proposition (EVP) nutzen.
  • Bestehende Mitarbeitende durch Upskilling in die Talente von morgen transformieren.
  • Führungskräfte mit Resilienz und Wachstumsmentalität ausstatten.
  • Diversität und Inklusion als Treiber für Innovation und Bindung integrieren.
  • Datenkompetenz aufbauen, um fundierte Personalentscheidungen zu treffen.
14.04.2025 Von: Selina Gentele, Stefan Mauersberger
Talentstrategie

Welche fünf Game Changer definieren eine erfolgreiche Talentstrategie für HR und Unternehmen?

Krisen sind nicht mehr die Ausnahme, sondern vielmehr Teil unseres New Normals geworden. Doch wie können Unternehmen in dieser neuen Realität bestehen? Und worauf sollte HR künftig den Fokus legen? Wir zeigen fünf zentrale Prioritäten für das HR, die Talententwicklung und eine zukunftsgerichtete Talentstrategie.

Fachkräftemangel, veränderte Ansprüche der Mitarbeitenden an die Arbeitswelt, insbesondere der Generation Z, Megatrends wie Quiet Quitting – die stille innere Kündigung von Mitarbeitenden und aufeinanderfolgende Krisen prägten die vergangenen Jahre. Das spiegelt sich auch im Engagement der Mitarbeitenden wider, welches in Schweizer Unternehmen im zweiten Quartal 2022 auf 55% gesunken ist. Und auch die Bereitschaft der Mitarbeitenden, in ihrem Unternehmen zu bleiben, sank auf 49%. Im Vergleich: 2020 lag dieser Wert noch bei 62%. Viele Unternehmen stehen aktuell nicht nur vor der Herausforderung, ihre bestehenden Talente zu halten, sondern im Zuge der Nachfolgeplanung und mit Blick in die Zukunft auch die Talente von morgen anzuziehen und zu entwickeln. Denn insbesondere junge Mitarbeitende haben häufig ganz andere Prioritäten als noch vor 20 Jahren – Work-Life-Balance, Sinnhaftigkeit und ihr Beitrag zur Veränderung stehen für viele «New Joiner» an erster Stelle. Für Unternehmen bedeutet das, mit dem Puls der Zeit zu gehen und die Talentstrategie nicht nur gründlich zu überdenken, sondern auch deren Wichtigkeit zu erkennen. Denn Talententwicklung ist nicht die alleinige Aufgabe der HR-Abteilung, sondern hat ebenso Priorität für Vorstand, Management, Führungskräfte und die Mitarbeitenden selbst.

Fünf Game Changer zur Etablierung einer nachhaltigen Talentstrategie

Basierend auf Interviews mit CHROs und Talent Heads von führenden, global tätigen Unternehmen konnten fünf wirkungsvolle Stellschrauben für Personalabteilungen und die Talentförderung identifiziert werden – die Game Changer. Zentral ist hierbei vor allem die holistische Betrachtung der Talentstrategie, begonnen bei der Rekrutierung, Weiterentwicklung und Förderung von Talenten bis hin zur Führung und zur Sammlung und Interpretation von Daten.

Game Changer 1: Kultur als Unterscheidungsmerkmal

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal stellt eine auf die zukünftige Unternehmensstrategie ausgerichtete Unternehmenskultur dar. Eine starke «Employee Value Proposition» (EVP) und die authentische Kommunikation dieser helfen nicht nur dabei, neue Talente auf sich aufmerksam zu machen, sondern auch aus weiteren Wettbewerbern positiv hervorzustechen. Zudem profitieren bestehende Mitarbeitende von einem klaren Werteversprechen und einer Employee Experience, welche die Unternehmenskultur widerspiegelt. Wichtige Bestandteile einer erfolgreichen Unternehmenskultur sind neben der Vermittlung von Sinnhaftigkeit und Zugehörigkeit auch die Fähigkeit, den Stimmen der Mitarbeitenden Gehör zu schenken und Feedback anzunehmen. Eine Kulturanalyse hilft zudem dabei, herauszufinden, ob an den richtigen Schrauben gedreht wird und welche Schritte notwendig sind, um die Zielkultur zu erreichen.

Game Changer 2: Talenttransformation

Die Talente von morgen findet man nicht nur auf dem Bewerbermarkt, sondern auch im Unternehmen selbst. Dabei ist es die Aufgabe des Arbeitgebers, bestehende Mitarbeitende weiterzuentwickeln und auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten. Ganz nach dem Motto: Transform the talent you have into the talent you need. Ein erster wichtiger Schritt besteht darin, die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Denkweisen der Zukunft zu identifizieren, Mitarbeitende darin zu schulen und auf neue Rollen vorzubereiten. Die Bereitschaft, zu lernen und zu wachsen, ist hierbei nur ein wichtiger Aspekt von vielen, der von potenziellen, aber auch bestehenden Mitarbeitenden gelebt werden sollte.

Game Changer 3: Führungskräfte der Zukunft

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Frage, welche Prioritäten Unternehmen für das kommende Jahr setzen müssen, fällt für 77% der befragten CHROs auf das Thema Führung. Denn zukunftsfähige Mitarbeitende brauchen zukunftsfähige Führungskräfte. Es ist essenziell, seine Führungskräfte mit neuen Superkräften rund um Resilienz, einer Mentalität des Wachstums und der Offenheit für Veränderung auszubilden. Führungskräftetrainings auf allen Ebenen sind ein erster Schritt, um diese mit den entsprechenden Werkzeugen, Fähigkeiten sowie dem Selbstvertrauen und der Entschlossenheit auszustatten. Nur so können Führungskräfte die notwendige organisationale Widerstandsfähigkeit aufbauen, ihre Teams inspirieren und die Weiterentwicklung der Talente beschleunigen.

Game Changer 4: Diversität leben

Neue und vor allem wichtige Möglichkeiten, Talente zu gewinnen und zu halten, eröffnet auch die Diversitätsstrategie eines Unternehmens. Wird diese in die Führungs- und Talentstrategie integriert, kann ein faires und inklusives Umfeld entstehen, welches bei Mitarbeitenden die Bindung an das Unternehmen stärkt und Fluktuation mindert. Doch nicht nur deshalb sehen 81% der Führungskräfte Diversität und Gleichberechtigung als wichtige Geschäftspriorität an. Wenn Diversität, Gleichberechtigung und Integration gelebt werden, kann das zudem die Innovation, Kundenzufriedenheit und Rentabilität steigern.

Game Changer 5: Digitalisierung voranbringen

Zuletzt stellt die digitale Transformation sowie die Fähigkeit, die richtigen Daten zu sammeln und zu interpretieren, eine Priorität vieler CHROs und Talent Heads dar. Um die Daten jedoch auch effektiv nutzen zu können, müssen Mitarbeitende in digitalen Fähigkeiten und der richtigen Interpretation der Erkenntnisse geschult werden. So können Talentdaten zukünftig dabei unterstützen, fundierte Personalentscheidungen zu treffen, Investitionen zu priorisieren und die Wirkung von Talententwicklung zu demonstrieren.

Die fünf Game Changer auf einen Blick

  1. Definieren Sie Ihre Zielkultur und stellen Sie sicher, dass diese in die Unternehmens-DNA übergeht.
  2. Transformieren Sie die Talente, die Sie haben, in die Talente, die Sie brauchen.
  3. Entwickeln Sie die Führungskräfte der Zukunft.
  4. Leben Sie Diversität, Gleichberechtigung und Integration.
  5. Lernen Sie, Daten richtig zu nutzen und zu interpretieren.

Game Changer identifizieren und handeln

Sowohl die Suche nach motivierten und zukunftsfähigen Talenten als auch die Weiterbildung und Talenttransformation von bestehenden Mitarbeitenden ist für den zukünftigen Geschäftserfolg von grosser Bedeutung. Unternehmen sollten sich demnach jetzt fragen, wo sie bei den oben identifizierten Game Changern stehen – und welche Handlungen notwendig sind, diese zu verbessern und somit den grössten Mehrwert für das Unternehmen zu schaffen.

Checkliste

  • Führen Sie eine Kulturanalyse durch, um Lücken zur Zielkultur zu identifizieren.
  • Definieren Sie eine authentische Employee Value Proposition (EVP) und kommunizieren Sie diese klar.
  • Identifizieren Sie die zukunftsrelevanten Fähigkeiten und Denkweisen innerhalb Ihres Unternehmens.
  • Implementieren Sie gezielte Weiterbildungsprogramme zur Transformation bestehender Talente.
  • Starten Sie Führungskräfteentwicklungsprogramme mit Fokus auf Resilienz und Wandelbereitschaft.
  • Integrieren Sie Diversitätsziele konsequent in die Führungs- und Talentstrategie.
  • Schulen Sie Mitarbeitende im Umgang mit Talentdaten zur Unterstützung strategischer Entscheidungen.

FAQ: Talentstrategie

Warum ist Talententwicklung nicht nur Aufgabe der HR-Abteilung?

Talententwicklung betrifft die gesamte Unternehmenshierarchie, da Vorstand, Management und Führungskräfte die Rahmenbedingungen schaffen und die Vorbildfunktion übernehmen müssen, um Talente zu halten und zu fördern.

Was bedeutet «Talenttransformation» konkret?

Es geht darum, die vorhandenen Talente im Unternehmen weiterzuentwickeln und auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten, anstatt sich ausschliesslich auf den externen Bewerbermarkt zu verlassen.

Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur bei der Talentgewinnung?

Eine starke, authentische Kultur und ein klares Werteversprechen sind entscheidende Unterscheidungsmerkmale, die helfen, neue Talente anzuziehen und die Bindung bestehender Mitarbeitender zu stärken.

Wie können Daten in der Talentstrategie effektiv genutzt werden?

Durch die Sammlung und Interpretation von Talentdaten können Unternehmen fundierte Personalentscheidungen treffen, Investitionen priorisieren und die Wirkung von Entwicklungsmassnahmen messbar machen.

Warum ist Diversität für den Geschäftserfolg relevant?

Eine gelebte Diversitätsstrategie schafft ein faires Umfeld, was die Bindung stärkt und gleichzeitig Innovation, Kundenzufriedenheit sowie die Rentabilität des Unternehmens steigern kann.

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