26.06.2017

Berechnung der Fluktuationsrate: Unterschiedliche Berechnungsmöglichkeiten

Bei der Berechnung der Fluktuationsrate ist die künstlerische Freiheit gross: Jedes Unternehmen hat seine eigenen Berechnungsgrundlagen und Regeln. Selbst in der Literatur findet man verschiedene Berechnungsmethoden. Auf den ersten Blick erscheinen die Unterschiede minimal. Für eine vergleichende Interpretation sind diese jedoch von grosser Bedeutung: Der berechnete Prozentsatz ist je nach Berechnungsweise völlig unterschiedlich.

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Berechnung der Fluktuationsrate

Kurz zusammengefasst

Als Fluktuation wird die Anzahl der austretenden Mitarbeitenden bezeichnet. Austritte kommen aus den verschiedensten Gründen vor: Kündigungen von Mitarbeitenden, welche in ein anderes Unternehmen wechseln, Ablauf des Arbeitsvertrags, Kündigungen von Seiten der Unternehmung, Pensionierungen, Austritte wegen Arbeitsunfähigkeit etc. Die Fluktuation wird durch eine Kennzahl, die Fluktuationsrate (oder Fluktuationsquote), statistisch erfasst. Die Fluktuationsrate drückt in Prozent aus, wie viele Mitarbeitende im Verhältnis zum Personalbestand innerhalb eines Jahres das Unternehmen verlassen. Bei der Berechnung der Fluktuationsrate zur Personalplanung interessieren alle Austritte.

Bei Fragen der Personalerhaltung werden meist nur die freiwilligen Austritte eingerechnet. Fluktuation ist keineswegs nur unerwünscht, hat also auch positive Auswirkungen auf das Unternehmen. Eine hohe Fluktuationsrate wirkt sich jedoch als Know-how-Verlust und finanziell sehr negativ aus.

Was kann unternommen werden, um die Fluktuationsrate zu senken?
Am Anfang steht eine genaue Analyse, welche die zu treffenden Massnahmen vorgibt. Es gilt, die Fluktuationsrate im Zeitvergleich, in den verschiedenen Unternehmensteilen im Quervergleich, das Ausmass der unterschiedlichen Austrittsgründe etc. zu untersuchen. Eine schnelle Lösung bei einer unerwünscht hohen Fluktuationsrate ist wohl kaum möglich. Vielmehr ist eine längerfristige Aufbauarbeit notwendig. Dabei stehen meist die Kompetenzen des Managements und der Führung zur Personalerhaltung im Zentrum.

Unterschiedliche Berechnung der Fluktuationsrate

Woher kommen diese Unterschiede bei der Berechnung der Fluktuationsrate? Es sind vor allem folgende Elemente, welche zu unterschiedlichen Ergebnissen führen:

 

BerechnungsfaktorenMöglichkeiten
Grundgesamtheit, also die in die Berechnung einbezogenen Mitarbeitergruppen Stammpersonal inkl./exkl. Mitarbeitende im Stundenlohn, Teilzeitangestellte, befristete Arbeitsverhältnisse etc.
Austrittsgründe Nur freiwillige oder alle Austritte, inkl./exkl. einzelne Austrittsgründe, wobei die Liste der möglichen Austrittsgründe in jedem Unternehmen anders festgelegt ist.
Definition des Austritts Alle Austritte oder nur wieder ersetzte Mitarbeitende, inkl./exkl. interne Wechsel (in grossen Unternehmen haben unzufriedene Mitarbeitende die Möglichkeit, intern zu fluktuieren).
Berechnungsbasis Pro Kopf oder pro Vollzeitstelle

Die Auswirkung der unterschiedlichen Berechnungsweise in verschiedenen Unternehmen ist klar: Die Fluktuationsraten von Unternehmen lassen sich direkt kaum vergleichen. Die Vergleichbarkeit lässt sich nur durch eine Koordination der Berechnung erarbeiten. Hingegen lässt sich die Fluktuation innerbetrieblich einerseits im Zeitvergleich und andererseits im Quervergleich zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen direkt interpretieren.

Welches ist die optimale Fluktuationsrate?

Bei den folgenden Betrachtungen gehen wir davon aus, dass nur die freiwilligen Austritte in die Fluktuationsrate eingerechnet werden. Oftmals wird die Frage gestellt, welche Fluktuation normal sei. Es soll hier nochmals darauf hingewiesen werden, dass diese von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Genaue Zahlen geben viele Unternehmen nicht bekannt. Dort wo Zahlen verfügbar sind, liegen diese für Grossunternehmen meist zwischen 5% und 15%. Die Berechnungsgrundlagen dieser Angaben sind aber nicht verfügbar. In aller Regel darf davon ausgegangen werden, dass rund 8 bis 12% Fluktuationsrate eine günstige Grösse darstellt. Dann kann damit gerechnet werden, dass eine gesunde Blutauffrischung stattfindet und doch kein schmerzlicher Substanzverlust eintritt. Allerdings ist dieser Wert mit Vorsicht zu geniessen.

Verlassen vor allem die Schlüsselleute das Unternehmen und können nicht ersetzt werden, wird die Leistungserstellung dramatisch gefährdet sein. Verlassen hingegen die neu eingestellten Mitarbeitenden bereits nach kurzer Zeit das Unternehmen, so wird eines Tages der Nachwuchs fehlen. Die Fluktuationsrate dürfte allerdings in vielen Branchen weit von obigem Wert abweichen. In Betrieben mit durchschnittlich kurzer Einarbeitung kann eine bedeutend höhere Fluktuationsrate gut verkraftet werden. In Betrieben mit eigener kostspieliger Ausbildung der Mitarbeitenden ist der Wert sehr hoch.

Praxis-Tipp
Betrachten Sie bei der Berechnung der Fluktuationsrate das Ergebnis immer im Zusammenhang mit der Dienstaltersstatistik. Streben Sie eine Fluktuationsrate von 8 bis 12% und eine  ausgewogene Belegschaft in Bezug auf das Dienstalter an. In vielen Unternehmen kann allerdings eine völlig andere Fluktuationsrate wünschbar oder normal sein.

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