14.04.2015

Vorsorge: Schritte zur Ausgleichung der Einbussen nach einer Scheidung

Das Vorsorgerecht zielt darauf ab, dass jede Person nach einer Scheidung die Vorsorge wieder optimieren bzw. die eigene Vorsorgesituation analog dem Zustand vor der Trennung wiederherstellen kann. Deshalb dürfen Gatten, die wegen der Scheidung einen Vorsorgeausgleich leisten mussten, diese entstandene Vorsorgelücke durch ausserordentliche Einzahlungen schliessen.

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Vorsorge

Der steuerplanerische Aspekt

Die Breite der Kluft dieser Vorsorgelücke kann durch ausserordentliche Einzahlungen während der Ehe beeinflusst werden. Es ist demnach nicht zu untersuchen, ob (bezogen auf das gültige Reglement) überhaupt eine Deckungslücke besteht. Der Betrag, der im Scheidungsfall mitgegeben wurde, darf nun so oder so erneut in die eigene Pensionskasse einbezahlt werden. Hierunter finden Sie die Schritte, welche es bei Wiederauffüllung der Scheidungslücke zu beachten gilt.

Steuerplanerisch bedeutet dies, dass das maximale Nachzahlungspotenzial entsteht, wenn die Scheidungslücke möglichst gross ist. Dabei ist es unerheblich, ob das Vorsorgevermögen früher durch ordentliche Einzahlungen oder durch Nachzahlungen gebildet wurde. Die Höhe dieser Scheidungslücke wird oft durch unbewusste Massnahmen verändert. Insbesondere wird zu wenig beachtet, welche Vor- oder Nachteile damit verbunden sind.

Die Erhöhung der Scheidungslücke

Es ist als Beispiel festzustellen, dass die ausserordentliche Einzahlung von CHF 200'000 im Jahr unmittelbar vor der Scheidung die Scheidungslücke um CHF 100'000 erhöht. Denn von diesen CHF 200'000 mussten 50% (CHF 100'000) als zusätzlicher Ausgleich weitergegeben werden. Steuerlich interessant ist dies vor allem aus der Optik des Ehegatten, der einen solchen Ausgleich leisten muss:

  • Die ausserordentlichen Einzahlungen vor der Scheidung von CHF 200'000 wurden steuerlich in Abzug gebracht.
  • Der Ausgleich (und der somit mitgegebene hälftige Anteil von CHF 100'000) erfolgte steuerneutral.
  • Die steuerneutral mitgegebenen CHF 100'000 werden nun bei der Wiedereinzahlung steuerlich erneut in Abzug gebracht.

Gesamthaft ist eine Logik zu erkennen, denn bezogen auf beide Gatten sind danach um die Gesamtsumme von CHF 300'000 weniger Pensionskassenlücken vorhanden. Für die Person, die einen Ausgleich leistete, ergab sich dadurch zusätzliches Einzahlungspotenzia.

Darstellung

Im Alltag ist bei einer der beiden Personen jedoch oft keine Pensionskasse vorhanden oder es besteht bei ihr keine Deckungslücke. Es eröffnet sich nur für Personen Steuerplanungspotenzial, die Vorsorgegelder aus ihrem Vorsorgekonto auf ein Konto ihres Partners überweisen.

Aus Sicht der zahlenden Person ergibt sich so ein unerwartetes neues Steuerplanungsspektrum. Dies zu nutzen ist vor allem dann erwägenswert, wenn gemäss Reglement kein Nachzahlungspotenzial mehr vorhanden ist, ausserordentliche Einzahlungen aber aufgrund der übrigen Umstände erwünscht und finanzierbar sind.

Beispiel

Das Wiederauffüllen der Scheidungslücken

Den gegenteiligen Fall illustriert diese Darstellung. Anstelle des theoretischen Anteils am Vorsorgevermögen von CHF 250'000 wurde zusätzliches Errungenschaftsvermögen mitgegeben. Wegen des Verzichts auf den quotenmässigen Ausgleich des Vorsorgevermögens entstand für den Mann gar keine Scheidungslücke. Einerseits ist es möglich, dass ihm damit gedient ist. Anderseits kann es aber auch sein, dass er dieses zusätzliche Steuerplanungspotenzial gerne nutzen würde. Durch die richtige Aufteilung und das spätere Wiederauffüllen der Scheidungslücke hätte er übrigens die genau gleiche Vermögenskonstellation wieder erreicht.

Darstellung

Der vorsorgerechtliche Aspekt

Solche Wiedereinzahlungen haben jedoch auch Konsequenzen im Hinblick auf die neue Lebenssituation. Besteht erneut eine Lebensgemeinschaft, die in der Begünstigtenordnung berücksichtigt ist, vermag diese Nachzahlung evtl. eine Hinterlassenenrente im Schadenfall zu erhöhen. Ob dem tatsächlich so ist, muss individuell abgeklärt werden. Entscheidend ist, wie die Rente in diesem Fall berechnet wird. Wieder einbezahltes Vermögen wird grundsätzlich der güter- und erbrechtlichen Auseinandersetzung entzogen und in das Spezialvermögen Vorsorge überführt.

Ob dies aufgrund der neuen Lebenssituation sinnvoll ist, muss fallweise beurteilt werden. Ebenfalls ist aufgrund der neuen Lebenssituation frisch zu prüfen, ob ergänzende erbvertragliche Regelungen nötig werden.

Die Kapitaloption danach

Werden ausserordentliche Einzahlungen in die Pensionskasse getätigt und steuerlich in Abzug gebracht, dürfen anschliessend drei Jahre lang keine Kapitalauszahlungen erfolgen (Art. 79b BVG). Eine Ausnahme stellt das Wiedereinzahlen einer Scheidungslücke dar (Art. 79b Abs. 4 BVG). Wenn jemand in den Jahren nach der Scheidung die entstandene Scheidungslücke durch ausserordentliche Einzahlungen aufgefüllt hat, darf er diese auch steuerlich abziehen, wenn er innert drei Jahren die Kapitaloption geltend macht. Vorsorgerechtlich ist dies nachvollziehbar, denn durch die Wiedereinzahlungen stellte er lediglich seine Situation her wie sie vor der Scheidung schon bestanden hatte.

Wenn nun die Höhe der Wiedereinzahlung teilweise das Resultat ausserordentlicher Einzahlungen vor der Scheidung war, stellt sich die Frage, ob auf dieses Ereignis zurückgeschaut wird und somit für diesen Teil die Dreijahressperrfrist gilt. In der Praxis ist (noch) kein derartiger Fall bekannt. Bei Vorliegen eines solchen Problems ist eine Steuerabklärung aber sicher ratsam.

Ähnlich stellt sich die Frage für die Person, die den Vorsorgeausgleich erhielt. Da dieser Ausgleich damals steuerneutral erfolgt, ist auch diese ausserordentliche Einzahlung betreffend Kapitaloption kurz danach nicht steuerschädlich. Die Ausgleichszahlung wurde ja steuerlich von ihr nicht in Abzug gebracht. Da diese Person bei der seinerzeitigen Einzahlung kurz vor der Scheidung zusammen mit ihrem damaligen Partner veranlagt wurde, könnten die Steuerbehörden trotzdem zur Ansicht gelangen, dies sei steuerschädlich.

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