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Nachhaltigkeitsbericht: So können Unternehmen einen Beitrag leisten

Die Erreichung von Nettonullemissionen erfordert grosse Verpflichtungen von Regierungen und Unternehmen und wird nur möglich sein, wenn die Aktivitäten, die die Emissionen verursachen, genau dokumentiert werden, um die von ihnen verursachten Auswirkungen sowie die Wirkung getroffener Massnahmen vollständig zu erfassen.

24.01.2023 Von: Mark Veser
Nachhaltigkeitsbericht

Einleitung

Die derzeitigen jährlichen Treibhausgasemissionen der Welt belaufen sich auf etwa 50 Mrd. Tonnen CO2-Äquivalente. Die Klima wissenschaft sagt uns, dass die grössten Kohlenstoffemittenten bis 2050 zu Nettonullemissionen kommen müssen, um eine Klimakatastrophe zu vermeiden.

In ihrem Communiqué vom Juni 2021 forderten die G7-Finanzminister und Zentralbankgouverneure verpflichtende klimabezogene Finanzangaben auf der Grundlage des Rahmenwerks der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD). In ihrem Brief betonten sie die Notwendigkeit, das globale Finanzsystem «grüner» zu machen, damit Finanzentscheidungen Klimaüberlegungen berücksichtigen. Dies wird dazu beitragen, die benötigten Finanzmittel aus dem Privatsektor zu mobilisieren, um die Nettonullverpflichtungen von Unternehmen und Regierungen zu erfüllen. Ähnliches gilt darüber hinaus auch für den Verlust von Biodiversität sowie den Umgang mit weiteren gesellschaftlichen Herausforderungen, die durch die Entwicklungsziele der UN (Sustainable Development Goals [SDGs]) adressiert werden.

Hierzu können auch Wirtschaftsprüfer einen wichtigen Beitrag leisten. Der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer, wie wir ihn heute kennen, entstand im späten 19. Jahrhundert, um Berichts- und Prüfungsleistungen zu erbringen und dem öffentlichen Interesse zu dienen. Im Laufe der Zeit hat der Berufsstand Vertrauen, Transparenz und Zuversicht in die Kapitalmärkte auf der ganzen Welt gebracht. Heute steht der Berufsstand sowohl vor einer Herausforderung als auch vor einer Chance: Er muss seine jahrhundertelange Erfahrung in der Messung, Offenlegung und Prüfung von Kennzahlen nutzen, um in Kooperation mit Regierungen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft den Klimawandel und weitere gesellschaftliche Herausforderungen zielführend zu adressieren. Wirtschaftsprüfer können über drei Arten dabei helfen, die Welt zu retten:

  • Erreichen global konsistenter Metriken
  • Prüfung der Klima- und Nachhaltigkeitsberichterstattung
  • Integration in die Buchhaltungs- und Finanzfunktionen

Aktuelle Entwicklungen

Mit dem wachsenden Bewusstsein ihrer gesellschaftlichen Verantwortung veröffentlichen immer mehr Unternehmen zusätzlich zu ihren Finanzzahlen auch Nachhaltigkeitsberichte. Die Offenlegung entsprechender Angaben soll ein umfassenderes Bild der Leistung eines Unternehmens gewähren, indem auch die Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft in der Berichterstattung adressiert werden. Treiber für diese zunehmende Transparenz sind allen voran die wachsenden Erwartungen von Investoren, Konsumenten, Mitarbeitenden, der breiteren Gesellschaft, der Politik und Regulatoren, aber auch der Industrien selbst.

Anspruchsgruppe «Gesellschaft»

Rund um den Globus fordern verschiedenste Stakeholder von Unternehmen gesellschaftliche und ökologische Verantwortung ein. So geben derzeit 56% der Weltbevölkerung an, dass der Kapitalismus, wie er heute existiert, in der Welt mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Ebenfalls steigen die gesellschaftlichen Erwartungen im Rahmen des Klimaabkommens von Paris sowie der von den Vereinten Nationen definierten 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung bis 2030 (SDGs). Die SDGs haben die Absicht, bis zum Jahr 2030 die weltweite Armut einzudämmen und Ungleichheit, Ungerechtigkeit und den Klimawandel zu bekämpfen. Das Klimaabkommen von Paris, mit dem Ziel der Begrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 °C mit Anstrengungen hinsichtlich 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau, ist mit der Notwendigkeit zu Transformation und Dekarbonisierung der Wirtschaft verbunden. Diese Entwicklungen finden immer breitere gesellschaftliche Unterstützung, u.a. auch durch Bewegungen wie «Fridays for Future» oder auch «Scientists for Future». Darüber hinaus spielt auch nachhaltiger Konsum eine grosse Rolle. So sagen 72,3% der Schweizer, dass sie beim Kauf von Elektronikgeräten auf die Energieeffizienz achten, während 43,2% beim Kauf von Lebensmitteln auch zu Bioprodukten greifen.

Unternehmen weltweit werden eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens und der SDGs spielen. So bemühen sich denn bereits viele Unternehmen, einen Beitrag zur Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen zu leisten.

Anspruchsgruppe «Investoren»

Besonders für Investoren spielen nichtfinanzielle Faktoren aus den Bereichen Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Environment, Social and Governance [ESG]) eine zentrale Rolle bei Investitionsentscheidungen. Eine internationale Studie, in der 298 institutionelle Investoren befragt wurden, zeigt auf, dass fast alle befragten Investoren (98%) eine Evaluierung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Zielunternehmen durchführen. Banken in der Schweiz geben zu 77% an, dass sie den Anteil an nachhaltigen Investitionen wahrscheinlich oder sogar sicher ausbauen werden. Ebenfalls in der Schweiz stiegen gemäss Swiss Sustainable Finance die nachhaltigen Investitionen im Jahr 2020 auf über CHF 1500 Mrd., was einem Wachstum von 31% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Darüber hinaus haben Studien gezeigt, dass Unternehmen und Investmentfonds mit einer besseren Nachhaltigkeitsperformance auch eine bessere finanzielle Performance aufweisen.

Anspruchsgruppe «Regulatoren»

Ebenfalls nehmen die Erwartungshaltungen von Regulierungsbehörden zu, Nachhaltigkeitskriterien in der Unternehmensstrategie, in Investitionsentscheidungen und bei der Berichterstattung zu berücksichtigen, insbesondere vonseiten der Europäischen Union (EU), aber auch in der Schweiz und global. So setzt sich beispielsweise die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) vermehrt mit Klimarisiken auseinander und fordert eine erhöhte Transparenz zu klimabezogenen Finanzrisiken von bedeutenden Banken und Versicherern. Ebenfalls werden durch den Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative (KVI) bestimmte Schweizer Unternehmen verpflichtet, eine nichtfinanzielle Berichterstattung zu diversen Nachhaltigkeitsthemen (inkl. CO2-Zielen) zu veröffentlichen sowie Sorgfaltspflichten in den Bereichen Mineralien und Metallen aus Konfliktgebieten sowie Kinderarbeit wahrzunehmen.

Seit dem Geschäftsjahr 2017 verlangt die EU-Richtlinie 2014/95/EU zur Offenlegung nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen (CSR-Richtlinie) von grossen Unternehmen öffentlichen Interesses mit mehr als 500 Mitarbeitern die Veröffentlichung einer nichtfinanziellen Erklärung. Darüber hinaus zielt der aktuelle EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums darauf ab, Kapital auf nachhaltige Investitionen umzulenken, Risiken des Klimawandels zu managen, Transparenz zu fördern und Kurzfristigkeit im Finanzsektor zu bekämpfen. Der Aktionsplan hat mehrere Gesetzesinitiativen hervorgebracht, welche sich direkt auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen und Finanzmarktteilnehmern auswirken. Zum Beispiel fordert die EU-Verordnung zu nachhaltigkeitsbezogenen Offenlegungspflichten im Finanzsektor (Verordnung [EU] 2019/2088), dass Finanzmarktteilnehmer und Finanzberater ihre Transparenz bezüglich Nachhaltigkeitsrisiken und deren Berücksichtigung in der Vergütungspolitik, negativer Nachhaltigkeitsauswirkungen des Unternehmens sowie Produktinformationen von nachhaltigen Finanzprodukten erhöhen. Des Weiteren verlangt die EU Taxonomie für nachhaltige Investitionen (Verordnung (EU) 2020/852) von Finanzmarktteilnehmern erhöhte Transparenz bei ökologischen Investitionen sowie von Unternehmen, den Anteil der Umsatzerlöse sowie von Investitionsausgaben und Betriebsausgaben, die sich als «grün» klassifizieren lassen, ab 2022 für das Geschäftsjahr 2021 offenzulegen. Ende April 2021 wurde ebenfalls vonseiten der EU-Kommission ein Vorschlag für eine neue aktualisierte CSR-Richtlinie mit der Bezeichnung Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) vorgelegt. Die in der CSRD enthaltenen Änderungen haben weitreichende Auswirkungen auf Unternehmen in der EU sowie Gruppen mit Tochterunternehmen in der EU. Von der neuen CSRD wären ca. 49 000 Unternehmen in der EU betroffen, während die derzeitige CSR-Richtlinie etwa 11 600 Unternehmen abdeckt. Ebenfalls werden die Berichtspflichten erweitert und ein neu zu schaffender Berichterstattungsstandard verpflichtend eingeführt. Diese Anforderungen sollen für die Geschäftsjahre beginnend am oder nach dem 1. Januar 2023 umgesetzt werden.

Integration in die Buchhaltungs- und Finanzfunktionen

Ein Unternehmen kann nur dann Werte für alle seine Stakeholder schaffen, wenn es die Fähigkeiten und den Input der gesamten Organisation hierfür nutzt. Das Rechnungswesen und die Finanzabteilung können eine Schlüsselrolle bei diesen kollektiven Anstrengungen spielen, indem sie sich mit den Anforderungen der verschiedenen Stakeholder – insbesondere der Kunden, Mitarbeitenden und Investoren – auseinandersetzen, diese verstehen und in relevante und belastbare Kennzahlen und Offenlegungen umsetzen.

Damit Unternehmen tatsächlich langfristige Werte generieren (und diese auch messen und kommunizieren können), sollte eine Fokussierung auf die Stakeholder-Ergebnisse tief im Unternehmen verankert sein und vom Unternehmenszweck geleitet werden. Das Eingehen auf die Bedürfnisse der Stakeholder sollte eine holistische Bewertung der Unternehmensstrategie, die für eine erfolgreiche Umsetzung benötigten Ressourcen und Fähigkeiten sowie eine zusammenhängende Erläuterung umfassen, um die Auswirkungen auf den Markt durch Messung, Berichterstattung und Kommunikation transparent zu machen.

Die Entwicklung und Umsetzung einer überzeugenden Strategie, die den Unternehmenszweck bzw. Purpose in den Mittelpunkt stellt, umfasst eine Reihe von Geschäftsaktivitäten, darunter Wettbewerbsbeurteilung, Stakeholder-Mapping, Definition und Aktivierung des Unternehmenszwecks, Mitarbeitererlebnis, Kundenwertversprechen, Lieferkettenmanagement, Entscheidungen zur Kapitalallokation und Anreizsysteme für Führungskräfte.

Immaterielle Vermögenswerte wie Humankapital, Unternehmenskultur, Kundentreue und Vertrauen machen zwischen 50% und 80% des Marktwerts eines Unternehmens aus – in gängigen Rechnungslegungspraktiken werden allerdings nur die Kosten erfasst, die mit immateriellen Werten zusammenhängen. Eine ähnliche Lücke klafft zwischen der aktuellen Rechnungslegung und Aktionärsrenditen. Die Gewinn-und-Verlust-Rechnung berücksichtigt Wertänderungen nur von bestimmten Vermögenswerten und Verbindlichkeiten. Strategisches Know-how wird nicht auf der Habenseite aufgeführt.

Es wird ein gemeinsames Verständnis der Werttreiber dieser Zahlungsströme benötigt, um in der Lage zu sein, die weitgehend immateriellen Eigenschaften von Unternehmen des 21. Jahrhunderts zu messen. Ein Vorschlag ist, Kennzahlen einzuführen, die immaterielle und materielle Vermögenswerte messen und vergleichen. Indem diese schwerer messbaren Faktoren aufgeführt werden, verringert sich der sogenannte Investment Disconnect, also die Diskrepanz zwischen den kurzfristigen Anforderungen der Anleger und dem langfristigen Wertzuwachs des Unternehmens.

Die Berichterstattung muss für die Stakeholder glaubwürdig und relevant sein und eine klare Verbindung zwischen finanziellen und nichtfinanziellen Informationen herstellen. Chief Financial Officers (CFOs) und Finanzcontroller können auf der Grundlage ihrer Erfahrungen und ihres Wissens über Managementinformationssysteme sowie Berichterstattungsprozesse und Kontrollen zur Relevanz und Qualität der Offenlegungen bezüglich nichtfinanzieller Informationen beitragen. Die Finanzfunktionen können zudem unterstützen, eine effektive Governance zu etablieren wie auch eine unabhängige Prüfung nichtfinanzieller Prozesse, Kontrollen und Kennzahlen zu erhalten – eine wichtige Voraussetzung hinsichtlich Schaffung von Vertrauen und Transparenz gegenüber Stakeholdern.

Fazit

Insgesamt geht es bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht nur um Transparenz. Es geht um die Transformation der Wirtschaft. Während regulatorische und freiwillige globale Standards entwickelt werden, darf nicht vergessen werden, dass Klima- und Nachhaltigkeitsberichterstattung allein genommen gesellschaftliche Herausforderungen wie beispielsweise den Klimawandel nicht lösen können. Aber sie sind mitentscheidend, um entsprechende Fortschritte adäquat zu messen und zu kommunizieren.

Wenn Unternehmen die Chancen der Nachhaltigkeitstransformation nutzen, sind sie mit der Einführung neuer Standards auf dem richtigen Weg. Darüber hinaus können sie die gesammelten Informationen nutzen, um ihre Strategien zu informieren, ihre Risiken zu managen und langfristig eine stärkere und nachhaltigere Leistung zu erzielen. Unternehmen können sich dabei ebenfalls auf Prüfungen mit begrenzter oder hinreichender Sicherheit stützen, um das Vertrauen der Interessengruppen zu stärken und die erwarteten regulatorischen Verpflichtungen einzuhalten. Die von der EU vorgeschlagene CSRD wird beispielsweise von betroffenen Unternehmen verlangen, dass sie ihre offengelegten Nachhaltigkeitsinformationen entweder von ihrem Abschlussprüfer oder einem unabhängigen Prüfungsdienstleister einer prüferischen Durchsicht (Prüfung mit begrenzter Sicherheit) unterziehen.

Der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer hat dabei die Möglichkeit, seine Erfahrungen im Umgang mit Berichterstattungssystemen in den Kampf gegen den Klimawandel sowie zur Erreichung der UN-SDGs einzubringen. Rechnungslegungs- und Finanzfachleute werden durch ihre Rolle im Management von Unternehmen, Verbänden und Fachgremien zur Erhöhung der Relevanz und Qualität der Klima- und Nachhaltigkeitsberichterstattung beitragen. Zudem schaffen sie durch unabhängige Prüfungen entsprechender Berichte Vertrauen bei den Nutzern der offengelegten Informationen.

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