15.02.2017

Bilanzanalyse: Verschiedene Kennzahlen des Unternehmens ermitteln

Die Bilanzanalyse ist immer auf einen Stichtag bezogen, deshalb wird sie auch als statische Analyse bezeichnet. Die absoluten Zahlen (Franken), die uns eine formell und materiell gegliederte Bilanz zeigt, gewähren einen Einblick in Vermögen und Schulden einer Unternehmung. Sie sagen uns aber nicht, ob diese Werte gross, klein, gut oder schlecht sind.

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Bilanzanalyse

Aufbau und die Beziehung zwischen Zahlen des Jahresabschlusses

Da die absoluten Zahlen schwer vergleichbar sind, liegt es nahe, ganz systematisch Zahlen zu berechnen, die solche Verhältnisse in genauer und konzentrierter Form wiedergeben.

Diese Kennzahlen helfen, den Aufbau und die Beziehung zwischen Zahlen des Jahresabschlusses zu überblicken, Veränderung zu erkennen und Schlüsse zu ziehen für weitere Entwicklungen des Unternehmens.

Arten von Kennzahlen

Grundsätzlich sollten Kennzahlen einen Kennwert haben und somit Informationen, die man kennen sollteInformationen, die interessant, wichtig oder gar notwendig sindInformationen, mit denen man arbeiten kannInformationen, die als Messinstrumente oder Vergleichsbasis brauchbar sind – wiedergeben.  

Kennzahlen können demzufolge unterteilt werden in Kennzahlen mit hohem Informationsgrad und solchen, die nur den Charakter eines Massstabes aufweisen.  

Verhältniszahlen

Betriebswirtschaftlich sind vor allem die Verhältniszahlen massgebend. Die Verhältniszahlen können in 3 Gruppen unterteilt werden:

  1. Gliederungszahlen
  2. Beziehungszahlen
  3. Messzahlen (Veränderungszahlen): a. einfache Messzahlen, b. Indexzahlen

Gliederungszahlen für die Bilanzanalyse

Bei den Gliederungszahlen wird eine Struktur analysiert. Zahlen gleicher Art werden zueinander in Beziehung gesetzt.

Kennzahlen Vermögensstruktur
Intensität des Umlaufvermögens
: Umlaufvermögen × 100 / Gesamtvermögen
Intensität des Anlagevermögens: Anlagevermögen × 100 / Gesamtvermögen
Investitionsverhältnis
: Umlaufvermögen × 100 / Anlagevermögen 

Grundsätze dieser Kennzahlen für die Bilanzanalyse: Die Vermögensseite erteilt Auskunft über die Investierung eines Unternehmens, sie gibt eine Information über den Vermögensaufbau, d.h. die Verwendung der finanziellen Mittel. Diese Kennzahlen zeigen, ob ein Unternehmen umlage- oder anlageintensiv ist. Oft bezeichnet man die Kennzahl Intensität des Anlagevermögens auch als Immobilisierungsgrad. Je höher die Anlageintensität ist, desto mehr Kapital ist im Anlagevermögen gebunden, und die Dispositionsfreiheit der Unternehmung ist eingeschränkt. Die Beurteilung dieser Kennzahl hängt sehr stark von der Branche ab. Ein Produktionsunternehmen hat sicher ein höheres Anlagevermögen als ein Dienstleistungsunternehmen. Ein hohes Anlagevermögen (Produktionsanlagen etc.) hat grosse Fixkosten zur Folge, wie Abschreibungen und Kapitalzinsen. Tendenziell können Unternehmungen mit hoher Anlageintensität weniger flexibel auf Veränderungen reagieren. Zur zuverlässigen Beurteilung sind, falls möglich, Branchenvergleichszahlen heranzuziehen.  

Kennzahlen Kapitalstruktur
Fremdfinanzierungsgrad
: Fremdkapital × 100 / Gesamtkapital
Eigenfinanzierungsgrad: Eigenkapital × 100 / Gesamtkapital
Finanzierungsverhältnis: Fremdkapital × 100 / Eigenkapital
Selbstfinanzierungsgrad (1. Variante): Zuwachskapital × 100 / Grundkapital
Selbstfinanzierungsgrad (2. Variante): Gewinnreserven × 100 / Eigenkapital  

Grundsätze dieser Kennzahlen für die Bilanzanalyse: Je grösser der Eigenfinanzierungsgrad bzw. je kleiner der Fremdfinanzierungsgrad (Verschuldungsgrad), desto geringer ist die finanzielle Abhängigkeit der Unternehmung, desto vorsichtiger wurde finanziert. Wenn die Zinssätze für Fremdkapital niedrig sind, wird eine Tendenz bestehen, den Fremdfinanzierungsgrad zu erhöhen. Der Selbstfinanzierungsgrad zeigt das Verhältnis des Zuwachskapitals (die erarbeiteten Eigenmittel wie Reserven, Gewinnvortrag). Die Selbstfinanzierung kann offen erfolgen, indem nach Gesetz oder freiwillig der ausgewiesene Reingewinn ganz oder teilweise zurückbehalten wird, und dem Eigenkapital gutgeschrieben wird. Selbstfinanzierung erfolgt jedoch auch verdeckt, indem stille Reserven gebildet werden. Die Bonität steigt dank einem hohen Eigenfinanzierungsgrad. Das erarbeitete Eigenkapital erhöht die finanzielle Flexibilität.

Beziehungszahlen für die Bilanzanalyse

Bei den Beziehungszahlen werden Bestandesgrössen in Beziehung zu einer Bewegungsmasse gesetzt. Durch die horizontale Betrachtung wird untersucht, in welchem Verhältnis Schulden und Vermögen zueinander stehen.  

Liquidität

Mit diesen Kennzahlen wird untersucht, wie die fälligen Schulden mittels der vorhandenen Mitteln bezahlt werden können. Man unterscheidet 3 Liquiditätskennzahlen:

Liquiditätsgrad 1: liquide Mittel × 100 / kurzfr. Fremdkapital
Liquiditätsgrad 2: (liquide Mittel + Forderungen) × 100 / kurzfr. Fremdkapital
Liquiditätsgrad 3: Umlaufsvermögen × 100 / kurzfr. Fremdkapital  

Grundsätze dieser Kennzahlen für die Bilanzanalyse: Grundsätzlich gilt, je mehr kurzfristige Verbindlichkeiten durch liquide Mittel gedeckt sind, desto grösser ist die Zahlungsbereitschaft des Unternehmens und damit die Sicherheit. Zur Beurteilung der Liquidität muss darauf geachtet werden, dass die Zahlungsfristen für die kurzfristigen Verbindlichkeiten denjenigen der Forderung entsprechen (Fristenkonkruenz). Mit hohen flüssigen Mitteln ist die Zahlungsbereitschaft sehr gut, aber man sollte bedenken, dass gebundene Mittel wenig bis gar keinen Zins abwerfen.  

Weiter zu beachten gilt es, dass die berechneten Liquiditätsgrade nur eine Momentaufnahme der Situation ist. Die Liquidität einer Unternehmung sollte laufend überwacht werden.  

Liquiditätsgrad 1 (Cash Ratio, Barliquidität): Die Höhe dieser Kennzahl ist schwierig abzuschätzen, sie ist abhängig von der Grösse und Branche der Unternehmung. In der Praxis wird ein Liquiditätsgrad 1 von 20–30% als genügend bezeichnet, da meist das kurzfristige Fremdkapital nicht sofort fällig wird.
Liquiditätsgrad 2 (Quick Ratio): Diese Kennzahl wird am häufigsten angewendet. In der Praxis wird ein Wert von 100% als genügend bezeichnet, da dann die liquiden Mittel sowie die Forderungen zusammen die kurzfristigen Schulden decken.
Liquiditätsgrad 3 (Current Ratio): Bei dieser Kennzahl wird ein Wert von 150–200% als genügend bezeichnet. Diese Kennzahl ist vor allem eine Sicherheitskennzahl für eine kreditgebende Bank. Diese kann sich überschlagsmässig vergewissern, dass ihre kurzfristigen Forderungen deutlich kleiner sind als das kurzfristige Vermögen des Schuldners. Eine grosse Problematik liegt allerdings in dieser Kennzahl. Da die Debitorenbestände miteinbezogen werden, muss zusätzlich geprüft werden, ob ein allfällig hoher Bestand nur durch die schlechte Zahlungsmoral der Kunden hervorgerufen wird. Ebenso kann das Warenlager durch Ladenhüter hoch ausfallen.  

Liquiditätsstaffel
Die Liquidität kann auch in einer sogenannten Liquiditätsstaffel dargestellt werden:

liquide Mittel
- kurzfristiges Fremdkapital
= Unterdeckung 1. Stufe
+ Forderungen
= Überdeckung 2. Stufe
+ Vorräte
= Überdeckung 3. Stufe
(Nettoumlaufvermögen)

Anlagedeckungsgrade
Anlagedeckungsgrad 1
: Eigenkapital × 100 / Anlagevermögen
Anlagedeckungsgrad 2: (Eigenkapital + langfr. Fremdkapital) × 100 / Anlagevermögen
Anlagedeckungsgrad 3: (Eigenkapital + langfr. Fremdkapital) × 100 / Anlagevermögen + langfr. Umlaufvermögen

Anlagedeckungsstaffel 

Eigenkapital              
- Anlagevermögen
= Unterdeckung 1. Stufe
+ Langfristiges Fremdkapital
= Überdeckung 2. Stufe
Nettoumlaufvermögen

Grundsätze dieser Kennzahlen für die Bilanzanalyse: Anlagevermögen muss mit langfristigem Kapital finanziert werden, also mit Eigenkapital oder allenfalls mit langfristigem Fremdkapital. Grundsätzlich muss zwischen Vermögen und Schulden eine Fristenkonkruenz für die Fälligkeit bestehen. Kennzahlen über den Deckungsgrad dienen dazu, die Einhaltung der sogenannten goldenen Bilanzregel zu überprüfen.  

Goldene Bilanzregel

Diese Regel verlangt, dass langfristig investiertes Vermögen auch mit langfristigem Kapital finanziert wird, es sollte also Übereinstimmung herrschen zwischen Anlagevermögen und langfristigem Kapital.

Messzahlen

Bei einer Bilanzanalyse können wir auch wertvolle Einblicke in die Entwicklung des Unternehmens gewinnen, wenn wir Zeitvergleiche anstellen. Nicht die absoluten Werte interessieren uns dabei und auch nicht deren Verhältnis zu anderen Grössen des gleichen Abschlusses, sondern der Vergleich gleicher Zahlen mit denen einer vorangehenden Periode. Messzahlen sind also vor allem geeignet, Entwicklungsvergleiche anzustellen, wie z.B. Umsatz des Vorjahres mit dem Umsatz des laufenden Jahres. Bei der Verwendung von Messzahlen muss zuerst ein Jahr als Basiszahl bestimmt werden, alle übrigen Zahlen beziehen sich dann auf diese Basiszahl.  

Indexzahlen

Indexzahlen sind eine besondere Kategorie der Messzahlen. Wir können Mengen- und Preisindex unterscheiden. Der bekannteste Index ist der Konsumentenpreisindex.  

Die Gründe für eine Analyse sind je nach durchführender Interessensgruppe unterschiedlich. Externe Interessenten wie Gläubiger oder Konkurrenten sind an der gegenwärtigen Lage interessiert. Sie können aufgrund der fehlenden internen Daten allerdings nur einen groben Überblick gewinnen. Führt das Unternehmen selbst eine Bilanzanalyse durch, geschieht dies meist als Vorstufe für eine interne Steuerung. Es können Zeitvergleiche, Soll-Ist-Vergleiche oder Benchmarks durchgeführt werden. Auch zur Vorbereitung auf eine Unternehmensbewertung ist die Bilanzanalyse geeignet.

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