19.09.2019

Kostenrechnung: Bringt Transparenz in Ihre Kosten

Obwohl die Kostenrechnung seit Jahrzehnten in mehreren Unternehmen erfolgreich eingesetzt wird, begegnen viele Führungsverantwortliche diesem Instrument mit eleganter Zurückhaltung. Diese Abneigung basiert vielfach auf schlechten Praxisbeispielen, bei denen trotz Kostenrechnung eine Krise nicht abgewendet werden konnte, oder auf falschen Vorstellungen über die Aufgaben der Kostenrechnung in einer Unternehmung.

Von: Stefan Hunziker, Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch  DruckenTeilen 

Stefan Hunziker, MScBA

Prof. Dr. Stefan Hunziker, Studium der Wirtschaftswissenschaften und Soziologie, Doktorat zum internen Kontrollsystem; Dozent und Studiengangleiter MAS/DAS Risk Management an der Hochschule Luzern – Wirtschaft, Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ; Dozent an der Schweizerischen Akademie für Wirtschaftsprüfung; Lehraufträge in den Bereichen Risikomanagement, interne Kontrollsysteme und Controlling; Verfasser von zahlreichen Büchern und Fachartikeln zu den Themen internes Kontrollsystem und Risikomanagement. Stefan Hunziker ist zudem Präsident der Swiss Enterprise Risk Management Association SwissERM.

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich und seit Januar 2019 Leiter des Departments Business Analytics & Technology sowie Mitglied der Schulleitung. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

Kostenrechnung

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Zielsetzungen der Kostenrechnung

Mit der Einführung einer Kostenrechnung werden u. a. folgende Zielsetzungen verfolgt:

  • Führungsinstrument zur Unterstützung der Planung, Steuerung und Kontrolle: Die Kostenrechnung unterstützt den Planungsprozess, bildet die Voraussetzung einer produktorientierten Steuerung und stellt ein aussagekräftiges Controlling-Instrument dar.
  • Kosten- und Erlöstransparenz: Der Ausweis der verursachten Kosten und Erlöse erlaubt eine Überprüfung der vorgegebenen Zielgrössen.
  • Schaffung von Kosten- und Erlösbewusstsein: Die Kenntnis der angefallenen Kosten soll die Mitarbeitenden zu einem haushälterischen Umgang mit den Ressourcen anhalten.
  • Kalkulationsbasis: Die Kostenrechnung dient zur Ermittlung von kostendeckenden Verkaufs- und Verrechnungspreisen (interne Leistungsverrechnungen).
  • Entscheidungsgrundlagen: Die Kostenrechnung hilft mit, grundlegende Informationen für Produkt- und Investitionsentscheidungen aufzubereiten.
  • Schaffung einer Benchmarking-Basis: Die Kostenrechnung liefert Daten für einen internen oder externen Vergleich.
  • Vernünftiges Kosten-Nutzen-Verhältnis: Die Ergebnisse der Kostenrechnung sind mit einem vertretbaren Aufwand zu erheben. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit ist zu beachten.

Ausgehend von den allgemeinen Zielsetzungen der Kostenrechnung sind für jedes Unternehmen die betriebsspezifischen Informationsbedürfnisse zu bestimmen, welche mit Hilfe einer Kostenrechnung zu ermitteln sind. Dabei geht es darum, einerseits die für das Unternehmen relevanten Führungs- und Steuerungsinformationen zu definieren und andererseits die Aufbereitung von unnötigen Daten zu verhindern. In diesem Prozess sind alle Mitarbeitenden (Unternehmensleitung, Abteilungsleitung, Gruppenleitung), die zur Erfüllung ihrer Aufgabe über spezifische Informationen verfügen müssen, zu befragen. Dies kann entweder in mündlicher oder schriftlicher Form erfolgen, oder die Mitarbeitenden stellen selbständig eine Informationsbedarfsliste zusammen. Es ist auch möglich, den Informationsbedarf aus den Aufgaben der Mitarbeitenden abzuleiten. In der Regel führt ein Methoden-Mix der Informationsbeschaffung zum bestmöglichen Ergebnis.

 

Illustrationsbespiel aus der Elektrizitätswirtschaft

Die Kostenrechnung soll Auskunft geben über folgende Grössen:

  • Kosten und Erlös für das Elektrizitätsversorgungsunternehmen
  • Kosten und Erlös für jeden Bereich des Elektrizitätsversorgungsunternehmens
    (Energie, Produktion, Netznutzung, Dienstleistungen)
  • Kosten und Erlös für jede Produktgruppe (z.B. Energie feste Endverbraucher) und für jedes Produkt (z.B. Easy Energie)
  • Kosten für jede Kostengruppe (z.B. Kostengruppe 100: Kapitalkosten der Netzinfrastruktur)
  • Kalkulationssätze (Gemeinkostensätze) für die gewählten Kostenstellen (z.B. CHF/kWh)
 

Es empfiehlt sich, bereits bei der Konkretisierung der Informationsbedürfnisse festzulegen, für welchen Zeitraum die Daten der Kostenrechnung ausgewertet werden. Die Bandbreite der Periodizität richtet sich nach den Informationsbedürfnissen der Unternehmen. Sie erstreckt sich von einem Monat, einem Quartal, einem Halbjahr bis zu einem Jahr. Aus unternehmerischer Sicht kann es sinnvoll sein, die Ergebnisse der Kostenrechnung für unterjährige Perioden auszuwerten. Solche Zwischenabschlüsse sind insbesondere angezeigt, wenn die Kostenrechnungs-Informationen der Kurzperioden wichtige Entscheidungsgrundlagen für die Führung des Unternehmens darstellen.

Kostenrechnungs-Konzept

Das Kostenrechnungs-Konzept umfasst folgende Fragestellungen:

 

Schritte Fragestellung
1Welches Kostenrechnungs-System erfüllt die Informationsbedürfnisse des Unternehmens am besten?
2Welche Kostenträger, Kostenstellen und Kostenarten werden in der Kostenrechnung geführt?
3Wie werden die Resultate der Kostenrechnung ausgewertet?

Eine Möglichkeit zur Umsetzung ist beispielsweise die direkte Produktrentabilität. Dieser Ansatz wird in diesem Artikel genauer beschrieben.

Schlussfolgerung

Der Aufbau einer Kostenrechnung – unabhängig von der Branche - ist ein sehr komplexes und anspruchsvolles Projekt, das ein hohes Fach- und Sachverständnis aller beteiligten Mitarbeitenden voraussetzt. Der Erfolg des Projektes hängt zum grössten Teil von der Begeisterungsfähigkeit und Initiative der eigenen Mitarbeitenden ab. Aus diesem Grunde sollten alle betroffenen Mitarbeitenden zu beteiligten Mitarbeitenden gemacht werden.

Eine Einführung dieses Führungsinstrumentes wirkt sich jedoch nicht nur isoliert auf das Rechnungswesen aus, sondern beeinflusst auch andere Teilbereiche des Unternehmens (Planung, Budget, u.a.m.). Der Nutzen der Kostenrechnung ist umso grösser, je besser es gelingt, die Interdependenzen aller Teilsysteme des Unternehmens zu erkennen und bedürfnisgerecht in die Überlegungen einzubeziehen.

Das Ziel eines jeden Kosten-Managements besteht nicht darin, lediglich die Kosten zu berechnen, sondern diese mit geeigneten Massnahmen als Führungs- und Steuerungsgrössen zu beeinflussen.

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