11.10.2017

Leistungsanalyse: Bewertung der betrieblichen Leistungen

Der Begriff Leistungsanalyse bezeichnet die Untersuchung der Leistungen einer Organisation, die somit ein Pendant zur Kostenanalyse darstellt. Sowohl in Industrie- als auch Dienstleistungsunternehmen ist die Kosten- und Leistungsrechnung von weitreichender Bedeutung, da sie dem Management ermöglicht festzustellen, ob und wie das Unternehmen seine Wirtschaftlichkeitsziele erreicht hat.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen  

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

Leistungsanalyse

Ziel und Gegenstand der Leistungsanalyse

Während die Kostenrechnung sich mit dem Wert der in einer Periode eingesetzten betrieblichen Ressourcen (Input) befasst, steht bei der Leistungsrechnung die Bewertung der betrieblichen Leistungen (Output) im Vordergrund. Beide ergänzen sich da, wo das Bemühen um Kostensenkung zugleich mit der Leistungsseite des Unternehmens abgestimmt werden muss, weil beispielsweise zugleich eine Anpassung des Leistungsumfangs oder eine Leistungssteigerung erforderlich ist. 

Mit einer Leistungsanalyse wird die Performance einer Untersuchungseinheit gemessen. Dabei stehen die folgenden Analysebereiche im Mittelpunkt:

  • das Leistungsvolumen,
  • das Leistungsprogramm,
  • die Leistungsintensität und
  • die Leistungsqualität.

Bei der Messung des Leistungsvolumens wird die mengenmässige Leistung erfasst und beurteilt. Die Messung des Leistungsprogramms fokussiert dagegen auf den Umfang der Leistungsarten.  Die Leistungsintensität …. und die Leistungsqualität bewertet die Qualität der abgegebenen Leistungseinheiten und befasst sich zugleich mit der Vermeidung von Qualitätsdefiziten.

Die Leistungsmessung (Performance measurement) erfolgt zumeist im Hinblick auf die zwei Kriterien Effektivität und Effizienz:

Die Effektivität einer Leistung beschreibt das Verhältnis zwischen Zielerreichung und Zielvorgabe. Sie charakterisiert den Zielerreichungsgrad hinsichtlich einer festgelegten Zielvereinbarung und unter Bezug auf ein bestimmtes Objekt (z.B. den Leistungsgrad eines Vertriebsteams).

Die Effizienz einer Leistung bezeichnet das Verhältnis von Input zu Output. So beschreibt der Mittelaufwand im Verhältnis zum erreichten Zielniveau die Effizienz eines Messobjekts. In Zusammenhang mit der Leistungsmessung beschreibt Effizienz die Wirtschaftlichkeit der Umsetzung von Aktivitäten der Leistungserbringung (z.B. Anzahl Behebungen von Störungen im Verhältnis zur Anzahl Servicetechnikern).

Zur Leistungsanalyse werden Leistungsindikatoren bzw. -kennzahlen eingesetzt, die dazu dienen, die Effektivität und Effizienz der Leistung unterschiedlicher Betrachtungsobjekte zu quantifizieren und zu bewerten.  

Leistungsarten und Leistungsstellen

Im Hinblick auf die Leistungsanalyse einer Organisation ist zunächst zu fragen, welche Arten von Leistungen erbracht werden. So kann die Gesamtleistung einer Organisation grundsätzlich in Absatzleistungen (dies sind Leistungen gegenüber externen Kunden) und innerbetriebliche Leistungen unterschieden werden. Die Absatzleistung wurde vom Unternehmen in der Periode entweder bereits verkauft oder aber ihr Verkauf ist unmittelbar zu erwarten, weshalb sie zuvor z.B. als Bestandserhöhung an unfertigen oder fertigen Produkte oder als noch nicht abgerechnete Dienstleistung der betrieblichen Gesamtleistung erfasst werden. Die innerbetrieblichen Leistungen werden in aktivierungsfähige Eigenleistungen sowie in nicht aktivierungsfähige Eigenleistungen unterschieden. Letztere werden regelmässig durch eine Kostengutschrift im Rahmen der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung  an die leistende Organisationseinheit (i.d.R. eine Kostenstelle) erfasst. Die nachfolgende Abbildung illustriert die Systematik der zuvor genannten Leistungsarten als Bestandteile der betrieblichen Gesamtleistung:                  

Abbildung 1: Systematik der Leistungsarten

Mit einer Leistungsanalyse wird erst die Voraussetzung geschaffen, eine zielorientierte Steuerung des fixkostenverursachenden Leistungspotenzials einer Organisation zu erreichen. Sofern Kostenstellen in einer Organisation auch Bearbeitungskapazitäten zur Verfügung stellen, bilden sie ebenfalls Leistungsstellen, wie z.B. Vertriebsstellen, die Absatzleistungen vollbringen oder Service Center, die ihre Leistungen als interne Leistungsstellen an andere Kostenstellen abgeben. So gibt in vielen Produktionsunternehmen beispielsweise eine Reparatur- und Instandhaltungsstelle ihre Dienstleistungen an eine oder mehrere leistungsbeziehende Fertigungskostenstellen ab, wofür sie innerhalb der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung eine Kostengutschrift erhält, die sich in Abhängigkeit von der geleisteten Arbeitszeit und einem Tarif- bzw. Kostenfaktor je Zeiteinheit bemisst. Zur Bewertung des Leistungspotentials solcher unterstützender Organisationseinheiten, zu denen z.B. auch eine zentrale Instandhaltung gehört, müssen geeignete Wertansätze in Form von leistungsorientierten Verrechnungspreisen für innerbetriebliche Einsatzleistungen angewendet werden.

Die Leistungsanalyse und Leistungsmessung von Dienstleistungen ermöglicht die kontinuierliche Überwachung der Effektivität und Effizienz des Leistungserbringungsprozesses. Durch die Operationalisierung der Leistungserstellung können somit die (messbaren) Anforderungen an einen Dienstleister klar definiert und kontinuierlich überwacht werden.

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