20.05.2016

Kreditlimite: Wie viel Risiko darf ich bei meinem Kunden eingehen?

Im täglichen Wirtschaftsleben braucht es Kreditlimiten. Viele Unternehmen sind sich dessen bewusst. Nur bei der konkreten Umsetzung mangelt es häufig. So verfügen heute die meisten Unternehmen über Systeme, welche die Festlegung von Kreditlimiten unterstützen, sei es im Bereich der Debitorenbuchhaltung oder in der Auftragsabwicklung. Doch das allein macht noch kein Kreditlimiten-Management. Entscheidend für erfolgreiche Geschäfte sind Antworten auf ganz konkrete Fragen: Wie lange ist eine Kreditlimite gültig? Wann muss eine Kreditlimite angepasst werden? Und wie lege ich die Höhe der Kreditlimite im Einzelfall fest?

Von: Raoul Egeli  DruckenTeilen 

Raoul Egeli

Raoul Egeli, geboren 1968, ist Präsident des Schweizerischen Verbandes Creditreform, Präsident von Creditreform International, Geschäftsführer der Creditreform Egeli Gesellschaften in Basel, St.Gallen und Zürich. Zudem war er von 2009 bis 2013 Zentralpräsident von TREUHAND|SUISSE. Raoul Egeli studierte an der Fachhochschule für Wirtschaft in St.Gallen und ist Autor mehrerer Fachbücher.

Zum Portrait

Kreditlimiten-Management

Der vorliegende Beitrag gibt Antworten auf relevante Fragen und zeigt auf, warum die Vernachlässigung des Kreditlimiten-Managements im Geschäftsalltag riskante Situationen schafft. Im Zentrum steht der Umgang mit Informationen, die für eine Bonitätsbeurteilung und die Festlegung seriöser Kreditlimiten relevant sind.

Im Zusammenhang mit dem Kreditlimiten-Management kommt dem Zeitfaktor eine zentrale Rolle zu. In der Regel müssen alle Fakten für die Beurteilung spätestens vor Abgabe der Offerte, in Einzelfällen auch erst vor der Auslieferung vorliegen. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig ein anderes Bild. Viele Unternehmen prüfen die Bonität erst nach Rechnungstellung beziehungsweise bei Zahlungsverzug. Dies im Irrglauben, man könne dann noch etwas erreichen. Dann aber ist es in den allermeisten Fällen bereits zu spät. Die Folge sind ärgerliche Verluste.

Die beste Prävention sind aktuelle Bonitätsauskünfte. Sie helfen, gefährliche Informationslücken zu schliessen. Das gilt zunächst einmal im Fall von Neukunden, bei denen gar keine Informationen vorliegen. Doch auch bei Bestandeskunden fehlen diese oft. Zumal erste Anzeichen für Bonitätsprobleme ohne Einbezug von Drittinformationen kaum zu erkennen sind. Häufiger Fall: Ein Kunde mit Zahlungsschwierigkeiten bezahlt die Rechnung seines wichtigsten Lieferanten immer noch pünktlich, während er die Rechnungen weniger wichtiger Lieferanten bereits offen lässt (hier kann er den Anbieter noch «problemlos» wechseln). Bezahlte Rechnungen sind also noch keine Garantie für eine gute Bonität!

Und schliesslich muss die Bonität der Kunden regelmässig überwacht werden. Veränderungen können immer auftreten, was eine Anpassung der Kreditlimite notwendig macht – auch gegen oben.

Einflussfaktoren auf Kreditlimite

Folgende Faktoren haben einen grossen Einfluss auf das Kreditlimiten-Management:

Ausgangslage: Das Kreditlimiten-Management ist keine Kernfunktion von ERP-Lösungen. Die Systemunterstützung beschränkt sich meist auf einige wenige Funktionen:

  • Warnmeldung bei Überschreiten der Kreditlimite
  • Anzeigen der Kreditlimite bei verschiedenen Auswertungen      
  • Verfügen eines Lieferstopps für noch offene Aufträge

Schwächen: Bonitätsrelevante Informationen sind nicht integriert. Zudem sind die zur Verfügung stehenden Datenfelder oft über verschiedene Module verteilt und unterstützen den Arbeitsablauf nur unbefriedigend.

Wer mehr Funktionen nutzen möchte, muss spezifische Softwarelösungen dazukaufen, sogenannte Kreditrisikomanagement-Applikationen. Diese sind aber derart spezialisiert, dass sich der Einsatz für die meisten Unternehmen nur schon aus Kostengründen nicht lohnt.

Bezug von Drittinformationen: Für die Festlegung von kundenindividuellen Kreditlimiten sind aktuelle und fundierte Bonitätsinformationen erforderlich. Diese fehlen bei Neukunden immer. Bei Bestandeskunden ist die Aussagekraft der vorhandenen Informationen abhängig von der Dauer und der Intensität der Kundenbeziehung. Informationslücken müssen in jedem Fall durch den Bezug von Drittinformationen sowie dem Austausch von Zahlungserfahrungen geschlossen werden.

Informationsquellen: Die sichere Bonitätsbeurteilung stützt sich auf viele externe Quellen. Zu diesen zählen Grunddaten aus dem Handelsregister, aber auch Auszüge aus dem Betreibungsregister sowie – ganz zentral für die Prävention – der Austausch von Zahlungserfahrungen. Handelsübliche ERP-Lösungen erlauben keinen Zugriff auf diese Daten. Das wäre auch nicht sinnvoll. Die strukturierte Recherche ist mit grossem personellem und technischem Aufwand verbunden und kann nur durch professionelle Dienstleister sichergestellt werden.

Automatisierung: Bei Neukunden steht die Initialprüfung im Vordergrund, bei Bestandeskunden die Überwachung von Bonitätsveränderungen (Monitoring). Da nicht jeder Kunde individuell überwacht werden kann, sind bedarfsgerechte Lösungen gefragt. Unternehmen müssen heute sehr flexibel und rasch auf veränderte Markbedürfnisse reagieren können.

Rahmenbedingungen

Unternehmen benutzen verschiedene Applikationen zur Unterstützung ihrer Prozesse. Im Zentrum steht die finanzielle Führung des Unternehmens.  

Abbildung 1

Die Applikationen aus dem gesamten ERP-Angebot variieren von Anbieter zu Anbieter. Eine effiziente Lösung im Bereich Kreditlimiten-Management muss demzufolge unabhängig sein. Zugleich gilt es aber Medienbrüche auf ein Minium zu reduzieren, da sich der Einsatz eines spezialisierten Kreditrisikomanagement-Systems in der Regel nicht rechnet. Diesen zwei Aspekten in einer Lösung gerecht zu werden, stellte eine grosse Herausforderung dar.

Wichtige Kriterien für eine optimale Lösung sind eine gute Integrationsfähigkeit sowie ein hoher Grad der Automatisierung. Beides fördert auch die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden, was für den Erfolg mitentscheidend ist.

Weiter ist zentral, dass die Unternehmen jederzeit Zugriff auf die Kreditlimite haben und die Aktualität der Kreditlimite sichergestellt ist. Dies bildet die Kernfunktion des Kreditlimiten-Management.

Abbildung 2

Das Kreditlimiten-Management der Creditreform ist einzigartig und bildet die Grundlage für eine effiziente Systemanbindung mit minimalem Aufwand. Die Verbindung  zwischen Bonitätsdaten, einer bonitätsabhängigen Kreditlimiten-Steuerung und dem Kundensystem ist unkompliziert. Sie erfolgt direkt über die Kundennummer oder über die Crefo-Nummer (Identifikationsschlüssel), die von der Creditreform zur Verfügung gestellt wird.

Weitere Informationen rund um das Kreditlimiten-Management erhalten Sie in unserem Gratis-Download «Kreditlimiten-Management».

Seminar-Empfehlung

Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

Mahnwesen und Inkasso erfolgreich managen

So kommen Sie schneller zu Ihrem Geld

Gehen Sie neue Wege im Mahnwesen durch eine kundenorientierte Strategie. Mit einem proaktiven Forderungsmanagement begegnen Sie Verlustrisiken rechtzeitig und kommen schneller zu Ihrem Geld.

Nächster Termin: 03. April 2019

mehr Infos

Produkt-Empfehlungen

  • Newsletter Finanz- und Rechnungswesen

    Newsletter Finanz- und Rechnungswesen

    Aktuelles Praxiswissen aus dem Finanz- und Rechnungswesen mit Experten Know-How, Best Practice und Praxisbeispielen.

    CHF 78.00

  • Finanzbuchhaltung

    Finanzbuchhaltung

    Ihre Online-Lösung für eine sichere Buchführung und ein effizientes Rechnungswesen

    Mehr Infos

  • Mahnung und Betreibung

    Mahnung und Betreibung

    Alles für die Durchsetzung von Forderungen gegen säumige Schuldner

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Aktuelle Rechnungslegung nach OR erfolgreich umsetzen

    Praxisrelevante Bilanzierungsfragen richtig lösen

    Nächster Termin: 26. Februar 2019

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Mahnwesen und Inkasso erfolgreich managen

    So kommen Sie schneller zu Ihrem Geld

    Nächster Termin: 03. April 2019

    mehr Infos

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos