19.11.2018

Beteiligungen: Die Bilanzierung und Bewertung nach dem Obligationenrecht

Gem├Ąss dem aktuellen Obligationenrecht werden Aktiven und Verbindlichkeiten in der Regel einzeln bewertet (Art. 960 Abs. 1 OR). Eine Gruppenbetrachtung ist demnach nur noch gestattet, wenn Bilanzpositionen aufgrund ihrer Gleichartigkeit ├╝blicherweise zur Bewertung zusammengefasst werden. Hiervon sind vor allem solche Schweizer Unternehmen betroffen, die ihre Beteiligungen bisher nach dem alten Rechnungslegungsrecht jeweils als Gruppe zusammengefasst und gemeinsam bewertet haben. Im Folgenden wird die aktuelle Bilanzierung und Bewertung von Beteiligungen nach dem Schweizer Obligationenrecht erl├Ąutert.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch  DruckenTeilen Kommentieren 

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor f├╝r Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule f├╝r Wirtschaft Z├╝rich. Weiterhin ist er als Gastprofessor f├╝r Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universit├Ąt Fribourg t├Ątig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachb├╝chern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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Beteiligungen: Bilanzierung nach dem OR

Als Beteiligungen werden gem├Ąss Art. 960d Abs. 3 OR langfristig gehaltene Anteile am Kapital anderer Unternehmungen bezeichnet, mit welchen massgeblich Einfluss ausge├╝bt werden kann. Dieser wird ab einer Stimmrechtsbeteiligung von mindestens 20% vermutet. Das Gesetz stellt damit zwei Bedingungen, damit Kapitalanteile an anderen Gesellschaften als Beteiligung bilanziert werden d├╝rfen: es muss sich um langfristig gehaltene Kapitalanteile handeln und das bilanzierende Unternehmen muss einen massgeblichen Einfluss auf das Beteiligungsunternehmen besitzen.

Abbildung 1: Beteiligungsvoraussetzungen gem├Ąss Art. 960d Abs. 3 OR

Die beiden genannten Voraussetzungen gem├Ąss Art. 960d Abs. 3 OR sind seit Inkrafttreten des revidierten Schweizer Rechnungslegungsrechts seit dem 1.1.2013 massgebend f├╝r die Bilanzierung von Beteiligungen. Die Unterschiede zu der bis dahin geltenden Regelung des Art. 665a OR sind verh├Ąltnism├Ąssig gering: So muss weiterhin ein massgeblicher Einfluss auf die gehaltene Gesellschaft ausge├╝bt werden k├Ânnen, wof├╝r am selben Grenzwert von 20% der Stimmrechte festgehalten wird. Bis dahin galt, dass Kapitalanteile an anderen Unternehmungen als Beteiligung erfasst wurden, sobald die bilanzierende Unternehmung mindestens 20% der Stimmrechte innehatte. Mit dem neuen Rechnungslegungsrecht wird ab diesem Grenzwert jedoch nur noch vermutet, dass ein massgeblicher Einfluss auf die andere Unternehmung ausge├╝bt werden kann. Das neue Recht sieht vor, dass dies widerlegt werden kann, weshalb es m├Âglich ist, dass h├Âhere Stimmrechtsanteile n├Âtig sind, damit die erworbenen Kapitalanteile an einer anderen Unternehmung als Beteiligung erfasst werden k├Ânnen.

Allerdings besteht neu die M├Âglichkeit, dass bereits ein geringerer Anteil an Stimmen ausreicht, um einen massgeblichen Einfluss auf die entsprechende Gesellschaft zu haben. Dies trifft beispielsweise dann zu, wenn sich praktisch alle Aktien im Streubesitz befinden oder durch Stimmkraftbegrenzungen einzelne Aktion├Ąre nicht ihre Stimmrechte aus├╝ben k├Ânnen. F├╝r diesen Fall ist die Bilanzierung einer Beteiligung zu erwarten (B├Âckli, 2014, S. 204 f.).

Weiterhin m├╝ssen Kapitalanteile an anderen Gesellschaften langfristig gehalten werden, damit eine Beteiligung vorliegt. Die langfristige Haltedauer ist in Art. 960d Abs. 2 OR mit mehr als zw├Âlf Monaten definiert.

Sofern die beiden genannten Voraussetzungen f├╝r die Bilanzierung einer Beteiligung nicht erf├╝llt sind, m├╝ssen die betreffenden Anteile am Kapital anderer Unternehmungen in der Bilanz als Wertschriften erfasst und ausgewiesen werden.

Damit deren Bilanzierung korrekt erfolgen kann, sind folgende Fragen zu kl├Ąren:

  • Aus welchem Grund werden diese Wertschriften erworben? (Fokus: Halteabsicht)
  • Werden die betreffenden Wertschriften an der B├Ârse gehandelt oder gibt es daf├╝r einen anderen beobachtbaren Marktpreis?
  • Wie ist die Wesentlichkeit der erworbenen Wertschriften im Vergleich zu den ├╝brigen Aktiven zu beurteilen? (Fokus: Offenlegung gegen├╝ber Aktion├Ąr)

Mit der Beantwortung der ersten Frage kann ermittelt werden, ob die Wertschriften im Umlauf- oder Anlageverm├Âgen zu erfassen sind. Falls eine kurzfristige Haltefrist beabsichtigt ist, weil die Wertschriften zur Ver├Ąusserung bestimmt sind oder als Liquidit├Ątsreserve gehalten werden, m├╝ssen sie im Umlaufverm├Âgen bilanziert werden. Sobald dagegen der l├Ąngerfristige Anlagezweck dominiert, z├Ąhlen die Wertschriften zum Anlageverm├Âgen.

Im Hinblick auf die zweite Frage ist relevant: Im Umlaufverm├Âgen m├╝ssen gem├Ąss Art. 959a Abs. 1 Ziff. 1 lit. a OR kurzfristig gehaltene Aktiven mit B├Ârsenkurs separat ausgewiesen werden. Dadurch k├Ânnen diese nicht mehr wie bisher gemeinsam mit Aktiven ohne B├Ârsenkurs in derselben Bilanzposition im Umlaufverm├Âgen gezeigt werden. Die Mindestgliederungsvorschrift sieht f├╝r Aktiven ohne B├Ârsenkurs keine separate Bilanzposition vor. Somit kommt Art. 959a Abs. 3 OR zur Anwendung, wonach weitere Positionen in der Bilanz einzeln ausgewiesen werden m├╝ssen, sofern sie wesentlich oder aufgrund der T├Ątigkeit des Unternehmens ├╝blich sind. Tragen die Wertschriften ohne B├Ârsenkurs einen wesentlichen Anteil zur gesamten Bilanzsumme bei, muss diese Position folglich separat ausgewiesen werden. Diese kann zum Beispiel als kurzfristige Wertschriften ohne B├Ârsenkurs bilanziert werden. Sind die Wertschriften ohne B├Ârsenkurs f├╝r die Beurteilung der Verm├Âgens- und Finanzierungslage durch Dritte dagegen unwesentlich, k├Ânnen sie auch in der Bilanzposition ├╝briges Umlaufverm├Âgen ausgewiesen werden.

Sofern die Wertschriften zum Anlageverm├Âgen z├Ąhlen, m├╝ssen diese unter den Finanzanlagen gezeigt werden. Aufgrund der Mindestgliederungsvorschriften im Obligationenrecht ist keine Unterscheidung zwischen Wertschriften ohne und mit B├Ârsenkurs oder beobachtbarem Marktpreis vorgesehen. Dennoch sollte ein separater Ausweis in der Bilanz ins Auge gefasst werden, sobald nicht alle Wertschriften im Anlageverm├Âgen nach dem gleichen Modell bewertet werden.

Die Bewertung von Beteiligungen nach dem OR

Bei der Bewertung von Beteiligungen nach dem Obligationenrecht wird im Folgenden zwischen der Ersterfassung und der Folgebewertung unterschieden.

Ersterfassung und -bewertung

F├╝r die Ersterfassung von Wertschriften des Umlauf- sowie des Anlageverm├Âgens und Beteiligungen findet Art. 960a Abs. 1 OR Anwendung. Darin wird geregelt, dass Aktiven h├Âchstens zu den Anschaffungskosten erfasst werden d├╝rfen. Die Anschaffungskosten definieren sich jedoch bei Wertschriften und Beteiligungen unterschiedlich. So d├╝rfen bei Wertschriften neben dem Kaufpreis zus├Ątzlich noch Courtagen und Bankgeb├╝hren erfasst werden. Dies ist jedoch un├╝blich, und so werden diese normalerweise direkt im Aufwand verbucht.

Bei Beteiligungen geh├Âren neben dem vereinbarten Kaufpreis auch noch transaktionsbezogene Nebenkosten zu den Anschaffungskosten. Darunter fallen unter anderem Courtagen, Kommissionen, Spesen (ohne Finanzierungskosten), Hand├Ąnderungssteuern und direkt mit der Akquisition zusammenh├Ąngende Beratungskosten (HWP, 2014, 176). Werden Wertschriften oder Beteiligungen in einer Fremdw├Ąhrung erworben, werden diese ├╝blicherweise zum Wechselkurs am Transaktionstag in Schweizer Franken umgerechnet.

Folgebewertung

Im Gegensatz zur Erstbewertung spielt die Klassifizierung f├╝r die Folgebewertung eine bedeutendere Rolle. So werden bei Wertschriften in Fremdw├Ąhrungen zwei unterschiedliche Bewertungsmodelle (aktueller und historischer Wechselkurs) unterschieden, w├Ąhrend die IFRS im Vergleich dazu bei Wertschriften nur ein Bewertungsmodell kennen.

Abbildung 2: Bewertungsmodelle f├╝r Beteiligungen/Wertschriften im ├ťberblick

Fazit

Seit dem 1.1.2013 ist das aktuelle Schweizer Rechnungslegungsrecht als Teil des Obligationenrechts in Kraft getreten. Darin werden unter anderem die Bewertungsvorschriften wesentlich detaillierter als bisher geregelt. Neuerdings m├╝ssen gem├Ąss Art. 960 Abs. 1 OR Aktiven und Verbindlichkeiten in der Regel einzeln bewertet werden.

Eine Gruppenbetrachtung ist nur noch gestattet, wenn Bilanzpositionen aufgrund ihrer Gleichartigkeit ├╝blicherweise zur Bewertung zusammengefasst werden. Der Grundsatz von Art. 960 Abs. 1 OR findet auch bei den Beteiligungen Anwendung, weshalb diese in der Regel einzeln zu bewerten sind. Eine Gruppenbewertung ist aber vertretbar, wenn verschiedene Beteiligungen unternehmensintern in der F├╝hrung und Beurteilung als wirtschaftliche Einheit betrachtet werden k├Ânnen.

Literatur B├Âckli
Peter (2014), Neue OR-Rechnungslegung, Z├╝rich (Schulthess Verlag).
HWP (2014), Handbuch der Wirtschaftspr├╝fung, Z├╝rich.

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