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Digitale Technologien: Die Veränderungen im Controlling und Accounting

Der Megatrend Digitalisierung zeigt sich immer stärker und verändert sowohl die Gesellschaft als auch die Arbeitswelt ganz wesentlich. Nicht nur die Schweizer Grossunternehmen, sondern ebenso die KMU werden durch innovative digitale Technologien zunehmend unter Druck gesetzt und müssen deshalb ihr Geschäftsmodell an die digitalen Bedürfnisse ihrer Kunden ausrichten. Neben der Digitalisierung der Kundenbedürfnisse gilt es auch die unternehmensinternen Prozesse zu digitalisieren, wofür sich auch das Finanz- und Rechnungswesen anbietet.

13.08.2021 Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch
Digitale Technologien

Digitale Technologien als Treiber für Veränderung im Controlling und Accounting

Digitale Technologien verändern Art und Weise des täglichen Lebens und bewirken einen starken Wandel in den Bereichen wie Kommunikation, Arbeit und Wirtschaft, weil sie eine umfassende Vernetzung dieser Bereiche vorantreibt.

Vor allem Controlling und Accounting sind im Rahmen dieses Wandels nicht nur betroffene Bereiche, sondern übernehmen nicht selten sogar die proaktive Steuerung der digitalen Transformation im Unternehmen. Aus einer Controlling-Perspektive ist im Unternehmen zu klären, welche Aufgaben durch bzw. nach der Digitalisierung künftig im Controlling verbleiben sollen, weil das Controlling in der Prozesslandschaft, im Technologiebereich, im Organisationsaufbau sowie im Rollenverständnis weitreichende Änderungen erfährt (Grönke, 2017):

  • Der Effizienzdruck im Finanzbereich wird enorm zunehmen, weil Routineprozesse zunehmend verschlankt werden und auf der Basis klarer Entscheidungsregeln zum Objekt einer Automatisierung durch Software-Roboter (Robotics Process Automation) werden.
  • Ein effektives und effizientes Datenmanagement von der Datengewinnung über die Erfassung, Speicherung bis zur Archivierung bildet für das Controlling zukünftig eine zentrale Bedingung, um die Funktion eines Business-Partners einzunehmen. Wertschöpfungsbezogene und wertschöpfungsübergreifende Daten müssen dabei nicht nur verfügbar sein, sondern durch geeignete Datenanalysen und -auswertungen zeit- und adressatengerecht umgesetzt werden.
  • Die Unternehmenssteuerung wird als Kernaufgabe des Controllings anders funktionieren und anders organisiert werden müssen, aus der reaktiv-analytischen Dominanz zu einer proaktiv-prognostizierenden Rolle des Controllers. Dabei gilt es als Bedingung, dass der gesamte Finanzbereich über eine integrierte Sichtweise über seine Aktivitätsfelder, über neue Kompetenzen, über eine erhöhte Effizienz und über die Verantwortlichkeit für die Governance verfügen sollte.

Digitale Technologien bestimmen die Zukunft

Der wesentliche Nutzen einer umfassenden Datenkompetenz beim Controlling liegt in der Auswertungsmöglichkeit von bisher nicht vorhandenen Daten, um neue Erkenntnisse für die Unternehmenssteuerung basierend auf den analysierten Daten zu erzeugen. Das alleinige Sammeln und Speichern von grossen Datenmengen sichert noch keinen wirtschaftlichen Nutzen. Erst das Erzeugen von Ergebnissen mittels der Analysemethoden generiert einen gewinnbringenden Vorteil aus Sicht des Controllings. Während herkömmliche Datenanalysen dazu genutzt werden, um Informationen aus der Vergangenheit und Gegenwart zu analysieren, um so Werte für die Zukunft abzuschätzen, dienen sog. Data Analytics/Predictive Analytics zur automatisierten Herleitung und Vorhersage von Zusammenhängen zwischen finanziellen Ergebnisgrössen. Diese Fähigkeiten werden nicht nur im Zusammenhang mit der Gestaltung und Pflege der Informationsversorgungssysteme des Controllings und Accountings benötigt, sondern befähigen Controllerinnen und Controller ebenso dazu, ein zeitgemässes Berichtswesen sowie Planung und Steuerung umzusetzen.

Für wiederkehrende Aktiviäten entlang der zentralen Geschäftsprozesse wie Beschaffung, Bereinigung, Aufbereitung und Pflege der Daten im Datenmanagement bietet sich der Einsatz von Robotics Process Automation (RPA) an. Hierunter versteht man die automatisierte sowie selbstständige Ausführung von wiederkehrenden, regelbasierenden und komplexen Prozessschritten durch spezifisch programmierte Software-Roboter. Mit dieser Prozessautomatisierung werden System- und Applikationsgrenzen ohne die Programmierung von komplexen Schnittstellen überwunden.

RPA kann menschliche Interaktion nachahmen (imitieren) und routinemässige Arbeitsschritte anhand von programmierten Entscheidungsregeln selbstständig durchführen. Voraussetzung für den Einsatz von RPA ist das Vorhandensein von strukturierten, wiederkehrenden und regelbasierenden Prozessen. Mit RPA kann sowohl die Effizienz als auch die Prozess- und Ergebnisqualität gesteigert werden. Ein weiterer Vorteil ist die Reduktion von Ressourcen und Kapazitäten.

Controller stehen vor neuen Herausforderungen

Nicht nur die klassischen Controlling-Aufgaben wie Planung, Prognose (engl. Forecasting) und Berichtswesen werden durch digitale Technologien und Innovationen zukünftig noch stärker automatisiert, sondern es wird auch im Berufsprofil der Controllerinnen und Controller zu massgeblichen Veränderungen kommen, damit diese ihrer Rolle als Business-Partner gerecht werden. Dazu gehören zum einen die erweiterte Kompetenz zur Analyse- und Beratungstätigkeit und zum anderen die IT-Affinität, um mit den Möglichkeiten von maschinellem Lernen zukunftsgerichtete Zusammenhänge in Daten erkennen und entscheidungsbezogen aufbereiten zu können. Damit automatisierte Simulationen, Auswertungen und Berichte unter Einsatz von Robotic Process Automation die Controller-Tätigkeit bereichern können, müssen die dazu erforderlichen digitalen Technologien und Kompetenzen zunächst beherrscht werden. Dazu wird auch ein Umdenken in der bisherigen Controller-Aus- und -Weiterbildung erforderlich werden, damit diese veränderten Kompetenzen erworben werden können.

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