08.02.2017

Geldflussrechnung: Neues Pflichtelement im Jahresabschluss grösserer Unternehmen gemäss revOR

Das Ziel der neuen Rechnungslegung ist, die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens so darzustellen, dass sich Dritte ein zuverlässiges Urteil bilden können.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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Geldflussrechnung

Die Pflicht einer Geldflussrechnung

Dies ist bei KMU wie bis anhin durch die drei herkömmlichen Bestandteile einer Jahresrechnung (Bilanz, Erfolgsrechnung und Anhang) zu erreichen. Hiervon abweichend müssen allerdings gemäss Art. 961 revOR neu alle grösseren Unternehmen, d.h. solche Unternehmen, die zur ordentlichen Revision verpflichtet sind, zusätzlich eine Geldflussrechnung und einen Lagebericht erstellen sowie im Anhang zusätzliche Angaben machen.

Damit gleicht sich die neue Rechnungslegung für die grösseren Unternehmen ein Stück weit den Bedingungen der Swiss GAAP FER, IFRS und US GAAP an, welche beispielsweise die Geldflussrechnung bereits als Pflichtbestandteil der Rechnungslegung kennen.

Konzept einer Geldflussrechnung

Die Geldfluss- oder auch Mittelflussrechnung ist eine Zeitraumrechnung, die sich wie auch die Erfolgsrechnung stets auf das Geschäftsjahr bezieht. Sie ist von grösseren Unternehmen zu erstellen, sofern gemäss Art. 961d Abs. 1 revOR nicht das Unternehmen selbst oder eine juristische Person, die es kontrolliert, eine Konzernrechnung nach einem anerkannten Standard erstellt. Zudem kann bei kleinen und mittleren Unternehmen neu auch eine qualifizierte Minderheit gemäss Art. 961d Abs. 2 revOR eine Geldflussrechnung verlangen.  

Im Unterschied zur Erfolgsrechnung stellt eine Geldflussrechnung nicht die Ertragslage der Unternehmung für das Geschäftsjahr dar, sondern sie informiert über die Herkunft und die Verwendung der flüssigen Mittel im Berichtszeitraum. Dabei stellt sie die Veränderungen des Fonds Flüssige Mittel bzw. Liquide Mittel (engl. Cash Flow) dar, wobei zwar auch andere Arten von Fonds existieren (z.B. Fonds Nettoumlaufvermögen, Fonds Umlaufvermögen), welche aber weder vom revOR noch von anerkannten Standards der Rechnungslegung genannt werden. In der Praxis findet sich überwiegend das Verständnis, dass Geld und geldnahe Mittel, d.h. alle Kassen-, Bank- und Postguthaben, den Fonds Liquide Mittel bilden, dessen Veränderung eben durch die Geldflussrechnung abgebildet wird.  

Für die Präsentation der Geldflussrechnung existiert im Unterschied zur Bilanz und Erfolgsrechnung keine verbindliche Mindestgliederung. Lediglich der Art. 961b revOR gibt vor, dass die Geldflussrechnung die Veränderung der flüssigen Mittel gesondert und dreistufig anzugeben hat:

  1. Geldfluss aus der Geschäftstätigkeit (sog. operativer Cashflow),
  2. Geldfluss aus der Investitionstätigkeit und
  3. Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit.  

Als Geldfluss aus Geschäftstätigkeit werden alle aus der eigentlichen Geschäftstätigkeit resultierenden Einzahlungen und Auszahlungen erfasst, wogegen der Geldfluss aus Investitionstätigkeit nur solche Auszahlungen und Einzahlungen betrifft, welche sich durch Investitionen oder Desinvestitionen ergeben. Schliesslich betrifft der Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit alle Einzahlungen und Auszahlungen, welche sich aus der Finanzierung oder der Definanzierung ergeben, wobei als Finanzierung solche Vorgänge verstanden werden, die zu einer aktiven Beschaffung von Fremd- oder Eigenkapital führen.  

Damit orientiert sich eine Geldflussrechnung allerdings indirekt an Erfolgs- und Bilanzrechnung, da der Mittelfluss aus Geschäftstätigkeit die umsatzbedingte Liquiditätsveränderung angibt, während die Mittelflüsse aus der Investitions- und Finanzierungstätigkeit in engem Zusammenhang mit der Änderung der Aktiven und Passiven in der Bilanz stehen.  

Zwei Methoden zur Berechnungs des Geldflusses aus der Geschäftstätigkeit

Auf die Methoden zu Ermittlung des Mittelflusses gibt das neue Rechnungslegungsrecht ebenso keine genauen Hinweise. Die anerkannten Standards zur Rechnungslegung sowie die betriebliche Finanzlehre sehen allerdings vor allem zwei Methoden als grundlegend für die Berechnung des Geldflusses aus der Geschäftstätigkeit an:

  • Die direkte Ermittlungsart erfordert von den zahlungswirksamen Erlösen die zahlungswirksamen Aufwendungen abzuziehen. Dieses Vorgehen ist allerdings in der Praxis nur schwierig umsetzbar, da die Finanzbuchhaltung nach dem Prinzip der zeitlichen Abgrenzung erfolgt und nicht lediglich auf Zahlungsströme abstellt.
  • Alternativ ist die indirekte Methode zur Ermittlung des Geldflusses aus der Geschäftstätigkeit heranzuziehen, wonach ausgehend vom Reingewinn alle nicht-zahlungswirksamen Aufwendungen addiert bzw. nicht-zahlungswirksamen Erträge subtrahiert werden müssen. Weiterhin sind bei dieser Methode auch die Veränderungen des Netto-Umlaufvermögens zu berücksichtigen.  

Der Grund dafür ist, dass Veränderungen des Nettoumlaufvermögens im Geschäftsjahr dazu führen, dass die in der Erfolgsrechnung ausgewiesenen Erträge und Aufwendungen in der betrachteten Rechnungsperiode nicht in der gleichen Höhe als Einzahlungen und Auszahlungen geflossen sind und deshalb zur Ermittlung des Geldflusses aus Geschäftstätigkeit zu bereinigen sind.  

Entgegen der Methodenwahl bei der Ermittlung des Geldflusses aus Geschäftstätigkeit werden die Geldflüsse aus der Investitions- und der Finanzierungstätigkeit immer direkt ermittelt, da hier von den Geldzuflüssen die Geldabflüsse direkt in Abzug gebracht werden.  

Während beispielsweise die IAS/IFRS empfehlen, den Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit nach der direkten Methode darzustellen (IAS 7/19), findet sich eine solche Empfehlung weder in den Swiss GAAP FER noch im neuen revOR.

Nutzen einer Geldflussrechnung

Die Geldflussrechnung ist ein zusätzliches Informationsinstrument, welches im Unterschied zur Erfolgsrechnung aufzeigt, welche Liquidität dem Unternehmen aus der Geschäftstätigkeit zur Verfügung steht, um allfällige Investitionen, Tilgung von Krediten oder auch Dividendenausschüttung aus eigener Kraft zu finanzieren. Gerade weil die Geldflussrechnung sich auf die Geldflüsse im Berichtsjahr fokussiert, wirken sich hier in Abgrenzung zur Erfolgsrechnung keine Ermessens- und Bewertungsspielräume aus.

Fazit

Die Geldflussrechnung ist nach neuem Rechnungslegungsrecht ein neues, ergänzendes Pflichtelement für grössere Unternehmen geworden, so dass in diesem Punkt keine Abweichung mehr zu den anerkannten Standards der Rechnungslegung existiert. Es ist weder eine spektakuläre Neuerung noch eine besonders beschwerliche Übung für die betroffenen Unternehmen. Für die Leser der Jahresabschlüsse ist die Geldflussrechnung jedoch eine willkommene und überaus aufschlussreiche Zusatzinformation und schon aus diesem Grunde ist die gesetzliche Neuerung positiv zu werten.

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