29.06.2021

Agile Teams: Scrum-Methode sorgt für Projekt-Sprints

Die Scrum-Methode unterstützt agile Teams bei der Selbstorganisation und Durchführung von Projekten. Erfahren Sie, wie Sie Sprints, Daily Scrums und Sprint Reviews durchführen.

Von: Brigitte Miller   Drucken Teilen  

Brigitte Miller

Brigitte Miller ist freie Autorin und Journalistin. Seit 1990 schreibt sie für namhafte Verlage und Online-Portale im In- und Ausland zu den Themenbereichen Management, Mitarbeiterführung, Zeitmanagement, Kreativität und Selbstmanagement. In ihre Beiträge lässt sie nicht nur die vielen Tipps und Erfahrungen fliessen, die sie durch Gespräche und Interviews erhält, sondern auch persönliche Erkenntnisse, die ihr der Berufsalltag beschert.

Agile Teams

Agile Teams organisieren sich selbst

Effektiv. Effizient. Empowered. Agile Teams halten die Zügel bei den Projekten selbst in der Hand. Es gibt keinen Projektleiter und somit keine Vorschriften. Die Teamgrösse ist überschaubar. Jeder bringt sich mit seinem Know-How und Wissen ein. Es wird interdisziplinär vorgegangen und entschieden.

 

So die Theorie. Die Praxis mag dennoch zu Frustrationen auf allen Seiten führen: Beim Kunden, dem Vorgesetzten und dem agilen Team. Einfach, weil Projekte zwar gut geplant sind, aber die Zeitangaben, die vom Kunden vorgegeben wurden, leider nicht eingehalten werden können. Sei es, weil diese unrealistisch sind. Sei es, weil durch Rückmeldungen des Kunden neue Wünsche, also Kriterien, für das Produkt mit integriert werden müssen. Und so rückt das Ziel – das funktionsfähige Produkt – immer mehr in weite Ferne.

Die Scrum-Methode ist die Lösung

Eine weitere Ursache für diesen Frust ist: Das Fehlen geeigneter Projektprozess-Methoden. Denn agiles Projektmanagement benötige Methoden die auf die Anforderungen und Bedürfnisse eines agilen Teams eingehen. Eine solche Methode ist die Scrum-Methode.

 

Die Scrum-Methode im Überblick

Hintergrund

Der Begriff Scrum stammt aus dem Mannschaftssport Rugby und bedeutet so viel wie „dichtes Gedränge“, das entsteht, wenn sich im Rugby viele Spieler um den Ball sammeln.

Agiles Projektmanagement

Genau dieser Fakt des „dichten Gedränge“ wird beim agilen Projektmanagement aufgegriffen. Einzelkämpfer sind den heutigen Anforderungen von Schnelligkeit und Flexibilität oft alleine nicht gewachsen. Ein Team dagegen schon. Denn als Team-Spieler wird sich der „Ball“ stets zugeworfen, d.h. mal ist ein Team-Player dran, dann der nächste mit seinen Fähigkeiten, dann wieder ein anderer, bis letztendlich das Projekt-Ziel von allen zusammen erreicht wird.

Voraussetzungen für die Scrum-Methode 

Es existieren nur wenige Regeln. Das Team muss (!) sich selbst organisieren und wird interdisziplinär zusammengesetzt – also Entwickler, Tester, Architekten, technische Redakteure, IT-Spezialisten etc.  Ein Scrum-Team besteht aus fünf bis zehn Personen; ideal sind Teamgrössen von sieben Personen.

Grundlagen der Scrum-Methode

Bei der Scrum-Methode wird auf das Know-How und die Erfahrungen der Teammitglieder zurückgegriffen. Die Durchführung erfolgt in kleinen Schritten – den Sprints - und dem gezielten Austausch des Teams – den Daily Scrums und den Sprint Reviews.

Die Scrum-Methode im Einsatz: 3 Aspekte

Die Scrum-Methode kann mit wenig Hilfsmitteln und geringem Aufwand in agilen Team angewendet werden. Also bestens geeignet für alle Projekte, bei denen keine aufwendige Dokumentation gefordert ist.

Aspekt 1: Die drei Rollen innerhalb des Scrum-Prozesses

Innerhalb des Scrum-Prozesses sind drei Funktionen für die Umsetzung vorgesehen:

Product Owner

Der Product Owner vertritt die Auftraggeberseite fachlich kompetent im agilen Projektteam. Ein Product Owner muss nicht unbedingt ein Manager sein, aber die Funktion muss immer in den Händen einer Person liegen, d.h. die Rolle kann nicht einfach mal nach einer gewissen Zeit getauscht werden.

Aufgaben des Product Owner

Do’s

Dont’s

  • Pflegt das Product Backlog, d.h. erstellt dafür die Einträge
  • Stellt sicher, dass alle im Team die Einträge im Product Backlog verstehen
  • Benennt die fachlichen Anforderungen des Projektzieles – und priorisiert die Entwicklungsschritte
  • Nimmt an den Daily Scrums bei – passiv -, um sich zu informieren
  • Steht dem Team für Rückfragen, beispielsweise zur Klärung der Wünsche der Auftraggeberseite, zur Verfügung
  • Übernimmt keine Projektleitung bzw. tritt wie ein „Chef“ auf
  • Keine Moderation der Daily Scrums
  • Keine aktive Teilnahme an den Daily Scrums, beispielsweise Fragen stellen, kritisieren oder die eigene Meinung äussern
  • Beeinflusst während eines Sprints nicht den Sprint Backlog
  • ist kein Team-Mitglied, um keinen Interessenkonflikt entstehen zu lassen
  • Agiert nicht als Scrum Master
  • Nimmt seine Aufgaben nur (!) zu Beginn und zum Ende eines Sprints wahr

Scrum Master

Der Scrum Master sorgt für Ordnung im agilen dynamischen „Chaos“. Er ist die Seele des Prozesses – und darf sich auch als Moderator verstehen. Denn, er vermittelt sowohl innerhalb des Teams, als auch nach aussen. Der Scrum Master muss somit über viele Fähigkeiten verfügen:

  • gute Kommunikation
  • gutes Organisationstalent
  • Empathie, um Nöte und Sorgen im Team zu erkennen
  • Verhandlungsgeschick, um Hindernisse in einer Win-Win-Lösung aus dem Weg zu räumen
  • Fokussiert sein und bleiben

Aufgaben des Scrum Masters

Do’s

Dont’s

  • Trägt die Verantwortung für den gesamten Scrum-Prozess
  • Sorgt dafür, dass der Scrum Prozess korrekt implementiert wird, also die Regeln eingehalten werden
  • Agiert als Vermittler und Unterstützer
  • Strebt maximalen Nutzen an
  • Optimiert den Prozess, falls nötig
  • Stellt die Weichen für einen guten Informationsfluss zwischen dem Team und dem Product Owner
  • Moderiert die Scrum Meetings
  • Behält die Aktualität im Blick mit Hilfe des Product Backlogs oder Sprint Backlogs
  • Schützt das Team, indem er ungerechtfertigte Eingriffe während des Sprints abblockt
  • Agiert nicht als „Chef“ des agilen Teams
  • Bestimmt nicht, wer welche Aufgabe auf welche Weise erledigt
  • Setzt nicht eigene Vorstellungen durch
  • Drückt keine Aufgaben durch
  • übernimmt keine Doppelfunktionen, d.h. der Scrum Master agiert weder als Team-Mitglied, noch als Product Owner, um einen Interessenkonflikt zu vermeiden

Scrum-Team

Das Team steht im Zentrum – ist das Zentrum – des Scrum-Prozesses. Denn es sorgt für die Umsetzung der gewünschten Anforderungen, die an das Produkt und dessen Funktionalität gestellt werden. Das Team ist somit auch einer von drei (!) Managern im Scrum-Prozess.

Aufgaben des Scrum-Teams

Do’s

Dont’s

  • Entscheidet über das Zerlegen der Vorgaben – Requirements – in einzelne Aufgaben (Tasks)
  • Verteilt gemeinsam die Aufgaben an einzelne Team-Mitglieder
  • Erstellt das Sprint Backlog
  • Trifft sich täglich zum Daily Scrum
  • Liefert nach jedem Sprint einen Sprit Review, der im Sprint-Review-Meeting präsentiert wird
  • Das Big Picture des Projektes ist jedem Team-Mitglied stets vertraut
  • Tägliche Aktualisierung im Sprint Backlog, wie der Stand der eigenen Aufgaben durch die einzelnen Team-Mitglieder ist
  • Erstellt keine Fachkonzepte, dafür ist der Product Owner zuständig, der diese im Product Backlog notiert
  • Übergibt keine Aufgaben an den Product Owner
  • Gibt die Selbstorganisation nicht wieder ab, d.h. lässt sich nicht vom Product Owner die Arbeitsweise vorschreiben
  • Berichtet im Daily Scrum nicht dem Product Owner und/oder dem Scrum Master, sondern nur den anderen Team-Mitgliedern
  • Vernachlässigt nicht das Sprint Backlog
  • Schottet sich nicht ab und handelt aus dem „Elfenbeinturm“ heraus

Aspekt 2: Die 3 Meetings

Das agile Team agiert eigenverantwortlich. Meetings finden statt, damit sich ausgetauscht und der Informationsfluss erhalten bleibt. Dabei kommen drei typische Meeting-Schwerpunkte zum Einsatz.

Sprint Planning

In diesem Meeting plant das Team den nächsten Sprint. Dabei wird festgelegt, welches potenziell lieferbare Ergebnis innerhalb dieses Sprints realisiert werden kann – dies wird auch Festlegen eines Inkrements genannt. Für die Umsetzung solch eines Sprints werden normalerweise 30 Kalendertage festgelegt, aber auch 14 Tage bis zu einer Woche sind machbar.

Das Team zerlegt schliesslich die Anforderungen in konkrete Aufgaben, die innerhalb eines Tages realisiert werden können. Diese werden ins Sprint Backlog eingetragen und täglich während des Daily Scrums kontrolliert und besprochen.

Daily Scrums

Ein Daily Scrum Meeting findet an jedem (!) Arbeitstag statt. Maximale Dauer des Meetings sind 15 Minuten, in denen das Team

  • stehen bleibt, um die Konzentration zu erhöhen,
  • sich abstimmt,
  • sich gegenseitig informiert – beispielsweise über Fragen wie
    • Wurden die besprochenen Aufgaben seit dem letzten Daily Scrum alle erledigt?
    • Was blieb liegen oder wurde nur halb fertig gestellt? Warum?
    • Welche Probleme sind aufgetreten?
    • Wie können diese behoben werden?
    • Was ist bis morgen – dem nächsten Daily Scrum – von wem geplant?

Sprint Review Meeting

Der Sprint ist zu Ende. Das Team präsentiert an diesem Zeitpunkt dem Product Owner und allen anderen Interessierten (z.B. Stakeholdern) seine Ergebnisse. Bei einem Sprint Review Meeting können sowohl der Product Owner, als auch die Stakeholder aktiv teilnehmen. Feedback, Verbesserungsvorschläge, Lob und Kritik sind an diesem Zeitpunkt erwünscht und fliessen in die weitere Arbeit des agilen Teams ein.

Aspekt 3: Transparenz schaffen

Transparenz ist für alle Beteiligten sehr wichtig. Deshalb kommen bei der Scrum Methode vorrangig zwei Dokumente zum Einsatz.

Das Sprint Backlog

In diesem erfasst das Team alle Aufgaben, welche den Arbeitsumfang des Teams und seiner Teammitglieder innerhalb eines Sprints festlegt. Das Sprint Backlog wird täglich von allen Team-Mitgliedern gepflegt. Es muss (!) immer den aktuellen Stand der Bearbeitung und Aufgaben reflektieren. Mit Hilfe des Sprint Backlogs erkennt der Scrum Master, wo das Team steht und kann, falls nötig, eingreifen, damit das Ziel – der Sprint Goal – nicht gefährdet wird.

Product Backlog

Im Product Backlog listet der Product Owner die priorisierten Anforderungen auf. Das Product Backlog ist keine statische Liste, sondern ändert sich im Laufe der Zeit, weil sich die Anforderungen ständig den Gegebenheiten des Projektes anpassen. So entfernt der Product Owner realisierte oder verworfene Vorgaben, aktualisiert die Schätzwerte, nimmt neue Anforderungen auf und verändert entsprechend die Prioritäten. 

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