15.03.2017

Lohnartenübersicht: Lohnarten und Lohnhöhe

Es ist für einen Arbeitgeber entscheidend, ob an den Arbeitnehmer ausgerichtete Leistungen als Lohn im Sinne des Gesetzes gelten oder nicht. Je nach dem müssen diese Leistungen beispielsweise im Krankheitsfall als Lohnfortzahlung ausgerichtet werden.

Von: Tonia Villiger   Drucken Teilen   Kommentieren  

Tonia Villiger, Rechtsanwältin

Lic. iur. Tonia Villiger ist selbständige Rechtsanwältin und Fachanwältin SAV Arbeitsrecht. Sie arbeitet bei Advokatur Villiger in Zürich. Ihre bevorzugten Tätigkeitsgebiete sind insbesondere Vertrags- Arbeits- und Kommunikationsrecht. Tonia Villiger kommuniziert nebst Deutsch in fliessendem Englisch sowie in Spanisch und Französisch.
www.ad-voca.ch

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Lohnartenübersicht

Nebst Geld- gilt auch Naturallohn als gewöhnlicher Lohn. Zum Naturallohn gehören beispiels­weise von der Arbeitgeberin gewährte Unterkunft und Verpflegung, privat nutzbare Geschäfts­wagen, Abgabe von Produkten des Betriebes oder verbilligte Beteiligungspapiere.

Als Zeitlohn wird der Lohn bezeichnet, der sich nach Zeitabschnitten bemisst, so der Monats- oder Stundenlohn. Gerade bei unregelmässiger Teilzeitarbeit wird oft Letzterer vereinbart. Vor­sicht ist hier geboten, wenn der Stundenlohn den Ferienlohn mitenthalten soll, was ohnehin nur bei sehr kurzen oder sehr unregelmässigen Arbeitsverhältnissen möglich ist. Diesfalls muss der Anteil am Stundenlohn, der dem Ferienlohn entspricht (z.B. 8,33% bei 4 Wochen Ferien), sowohl im Arbeitsvertrag wie in jeder Lohnabrechnung separat ausgeschieden werden. Gegenüber dem Zeitlohn stellt der Leistungslohn auf die Arbeitsleistung ab. In diese Kategorie gehört der Akkordlohn, bei dem der Arbeitnehmer die Menge oder Güte der Arbeitsleistung steuern kann. Bei ausschliesslicher Akkordlohnarbeit für nur eine Arbeitgeberin muss diese dem Arbeitnehmer genügend Arbeit zuweisen.

Nebst dem eigentlichen Grundlohn gibt es verschiedene andere Leistungen mit Lohncharakter. Als solche gelten der 13. Monatslohn, Umsatzbeteiligungen, Provisionen, Zulagen oder Pauschalspesen, die den tatsächlichen Aufwand übersteigen. Bei Gratifikationen oder Boni ist in jedem Einzelfall zu prüfen, ob tatsächlich Lohn im Rechtssinne oder bloss eine freiwillige Leistung vorliegt. Ein Bonus ist dann Lohn, wenn er in Grundsatz und Höhe bestimmt oder objektiv bestimmbar ist. Ist dies nicht der Fall, sind weitere Kriterien zu prüfen.

Die Lohnhöhe kann zwischen den Parteien frei vereinbart werden. Es ist zu bestimmen, welche Lohnart vorgesehen ist und ob die vereinbarte Höhe brutto oder netto gemeint ist. Im Zweifelsfall ist von Bruttolohn auszugehen. Gesetzliche Mindestlöhne gibt es in der Schweiz nicht. Solche sind jedoch häufig in einem Gesamtarbeitsvertrag oder Normalarbeitsvertrag vorgesehen. In die Schweiz entsandte Arbeitnehmende sowie Ausländer, die im Rahmen der bilateralen Verträge in der Schweiz arbeiten, haben gegenüber Inländern grundsätzlich Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Frauen und Männer haben ebenfalls einen Gleichbehandlungsanspruch.

Erfolgt überhaupt keine Parteivereinbarung betreffend Lohnhöhe und fehlt ein Gesamt- oder Normalarbeitsvertrag, ist der für die betreffende oder vergleichbare Tätigkeit übliche Lohn zu entrichten.

Welcher Lohn ist bei Krankheit, Ferien, Überstunden oder Minusstunden zu bezahlen?

Der Lohn ist nicht nur als Gegenleistung zur Arbeit auszurichten. Bei unverschuldeter Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers wie Krankheit, Unfall etc. im Sinne von Art. 324a OR sind alle Bestandteile des Lohnes für eine be­schränkte Zeit weiterzuzahlen. Die Lohnfortzahlung gilt auch für regelmässige Zulagen sowie den Naturallohn. Sofern der Naturallohn nicht weiterhin in Natura geleistet werden kann, muss er in Geld entschädigt werden. Bei der Lohnfortzahlung sind Sozialabzüge vorzunehmen, nicht aber bei Krankentaggeldleistungen einer all­fälligen Versicherung.

Die Berechnung des Ferienlohnes, der Überstunden und der Strafzahlungen bei missbräuchlicher oder ungerechtfertigter fristloser Entlassung basieren ebenfalls auf dem Lohn. Der 13. Monatslohn ist dagegen nur dann (anteilig) im Ferienlohn einzu­schliessen, wenn der aufgelaufene Feriensaldo am Ende der Anstellung ausbezahlt wird.

In der Praxis stellt sich die häufige Frage, ob z.B. am Jahresende oder bei Ausscheiden ein Lohnabzug für Minusstunden gemacht werden kann. Das Bundesgericht bejaht dies grundsätzlich, da ohne Arbeit kein Lohn geschuldet ist. Zur Sicherheit ist der Arbeitgeberin aber zu empfehlen, in der Lohnabrechnung einen Vorbehalt anzubringen.

AHV-Lohn und Steuer-Lohn

Die AHV und mit ihr die übrigen Sozialversicherungszweige stellen auf einen eigenen Lohnbegriff ab. Als massgebender AHV-Lohn gelten sämtliche ausbezahlten Entgelte, die der Arbeitnehmende für geleistete Arbeit erhält. Relevant ist somit alles, was wirtschaftlich mit dem Arbeitsver­hältnis zusammenhängt, beispielsweise auch Taggelder gemäss AVIG, EOG, IVG und MVG. Das Merkblatt zum massgebenden Lohn der AHV ist unter www.ahv-iv.info abrufbar.

Was als Lohn gegenüber den Steuerbehörden deklariert werden muss, kann der Wegleitung der Steuerkonferenz entnommen werden, die auf www.steuerkonferenz.ch publiziert ist.

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