20.11.2019

Vorsorge: Vorsorgemöglichkeiten und steuerliche Folgen

Die Vorsorge wird in der Schweiz auch steuerlich gefördert. Dies sieht die Bundesverfassung in Art. 11 Abs. 4 BV vor. Der nachfolgende Beitrag gibt einen Überblick über die steuerliche Behandlung der drei Säulen des Schweizer Vorsorgesystems.

Von: Dr. Alain Villard  DruckenTeilen 

Dr. Alain Villard, EMBA Taxation

Dr. Alain Villard, EMBA Taxation, ist als Steuerberater bei der Bratschi AG tätig und war zuvor 6 Jahre Konzernsteuerberater. Er berät vorwiegend Privatpersonen bei Steuerfragen und allgemeinen rechtlichen Belangen sowie Unternehmen in den Bereichen Steuer- und Gesellschaftsrecht. Seine Tätigkeitsbereiche umfassen das Mehrwertsteuerrecht, das Unternehmenssteuerrecht, das Steuerverfahrensrecht und das internationale Steuerrecht sowie auch das Verrechnungssteuer-, das Stempelabgabe-, das Grundstückgewinnsteuer- und das Einkommenssteuerrecht. Berufsbegleitend absolvierte er einen EMBA im Steuerrecht. Seit 2014 ist er Prüfungssteller bei den Diplomarbeiten der Steuerexpertenprüfungen. Seit 2017 ist er Mitherausgeber und Autor des Praxiskommentars zum Basler Steuergesetz.

Vorsorge

Vorsorge in drei Säulen

Das erklärte politische Ziel der Schweizerischen Vorsorge ist es, dass steuerpflichtige Personen die finanziellen Risiken von Alter, Tod und Invalidität durch Versicherungen oder auf andere Weise absichern können. Das Schweizerische Vorsorgesystem basiert auf dem so genannten "Dreisäulenprinzip":

  • Die erste Säule umfasst die staatliche Vorsorge (AHV/ IV/ EO),

  • die zweite Säule die berufliche Vorsorge und

  • die dritte Säule die Selbstvorsorge, mit der gebundenen (so genannte Säule 3a) und der freien Vorsorge (so genannte Säule 3 b).

Anmerkung: Unter den Bereich der Säule 3b fällt an sich auch das freie Banksparen sowie die (ungebundenen) Lebensversicherungen.

Vorsorge ausserhalb der drei Säulen

Ausserhalb des Dreisäulenprinzips stehen verschiedene weitere Sozialversicherungen zur Abdeckung anderer Risiken zur Verfügung:

Steuerliche Bedeutung der Einkünfte aus Vorsorge

Um die steuerliche Behandlung der Vorsorgeeinkünfte verstehen zu können, ist weit stärker als in anderen Bereichen die steuerliche Behandlung der zugehörigen Abzüge (Grundsatz: Steuerbarkeit der Leistungen gegeben, falls die finanzierenden Beiträge ganz oder teilweise als Abzüge geltend gemacht werden konnten) heranzuziehen.

Wichtiger Grundsatz: Grundsätzlich gilt dabei das so genannte "Waadtländer-System", wonach die Beiträge vollumfänglich vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können, währenddem als Gegenstück die ausgerichteten Leistungen grundsätzlich in vollem Umfang zum steuerbaren Einkommen hinzugerechnet und dementsprechend erfasst werden.

Die Steuergesetze enthalten für die erste und die zweite Säule den Grundsatz der vollen Abziehbarkeit der Beiträge - wogegen die dannzumaligen Leistungen der vollen Einkommenssteuer unterstehen. Der Grundsatz der vollen Abzugsfähigkeit der Beiträge wird jedoch im Bereich des Einkaufs von Beitragsjahren teilweise durchbrochen.

Bei der Säule 3a sind die Beiträge in begrenztem Umfang abzugsfähig und die Leistungen voll steuerpflichtig (wobei Kapitalleistungen zum tieferen Vorsorgetarif erfasst werden). Die Formen der freien Selbstvorsorge (Säule 3b) sind sehr vielfältig - dementsprechend unterschiedlich ausgestaltet ist auch deren steuerliche Behandlung. Teilweise wird die Säule 3b steuerlich gefördert (beispielsweise bei den Lebensversicherungen), teilweise gelangen die ordentlichen Besteuerungsregeln zur Anwendung.

Folgende Gesetzliche Grundlagen bestehen:

EbeneRechtsnorm
BundArt. 22 DBG
KantoneArt. 7 Abs. 1 und 2 StHG
BernArt. 22 StG BE
Zürich§ 22 StG ZH
Aargau§ 31 StG AG
St. GallenArt. 35 StG SG

Die in der obigen Tabelle angeführten Gesetzesbestimmungen umfassen nicht die gesamte steuerliche Behandlung von Einkünften aus Vorsorge. In diesen Gesetzesbestimmungen wird nur die Besteuerung der Einkünfte aus

  • AHV/IV (1. Säule),
  • BVG (2. Säule) und
  • der gebundenen Selbstvorsorge (Säule 3a)

geregelt.

Der weite Bereich der freien Selbstvorsorge (Säule 3b) wird dagegen nur teilweise, nämlich nur für die Einkünfte aus Leibrenten und Versicherungen erfasst. Für die übrigen Einkünfte aus Selbstvorsorge müssen dagegen unterschiedliche Gesetzesbestimmungen herangezogen werden (so etwa Art. 20 Abs. 1 lit. a DBG; Art. 23 lit. a und b DBG und Art. 24 lit. a-d DBG).

 Über die steuerlichen Konditionen der Einkünfte aus der beruflichen Vorsorge informiert Sie der Beitrag «Vorsorgeplanung: Einkünfte aus beruflicher Vorsorge» ausführlich.

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