Deckungsbeitragsrechnung: Ein ideales Planungs- und Steuerungsinstrument

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Die Deckungsbeitragsrechnung (DBR) ist ein Teilkostenrechnungssystem, das sich auf Grenzkosten und Einzelkosten stützt und Fixkosten nur dort zuordnet, wo sie verursachungsgerecht erfassbar sind. Im Gegensatz zum Betriebsabrechnungsbogen (BAB) ermöglicht die DBR eine differenzierte Betrachtung nach Verantwortungsbereichen, Produkten oder Produktgruppen, was sie zu einem zentralen Instrument der Vertriebssteuerung und des Controllings macht.

Die wichtigsten Punkte:

  • Die DBR liefert entscheidungsrelevante Informationen für das Management und ersetzt nicht den BAB, sondern ergänzt ihn durch eine verursachungsgerechte Fixkostenzurechnung.
  • Sie ist ein ideales Instrument zur Planung und Steuerung, insbesondere für die Analyse von Preisuntergrenzen und die Bewertung von Produktgruppen.
  • Die mehrstufige DBR erlaubt eine sukzessive Subtraktion der Fixkosten, um verschiedene Preisuntergrenzen von der langfristigen Selbstkostenpreisgrenze bis zur kurzfristigen variablen Kostenuntergrenze zu ermitteln.
13.01.2026 Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch
Deckungsbeitragsrechnung

Wie funktioniert die Deckungsbeitragsrechnung und wie berechnet man Preisuntergrenzen für strategische Entscheidungen?

Die Deckungsbeitragsrechnung gilt seit langem als das in der Praxis am weitesten verbreitete Teilkostenrechnungssystem. Der vorliegende Beitrag zeigt die Grundzüge und Anwendungsmöglichkeiten der Deckungsbeitragsrechnung zur Unternehmens- und Kostensteuerung auf.

Das System der Deckungsbeitragsrechnung

Eine Vielzahl von Autoren bzw. Lehrbüchern hat sich bis heute mit ihr befasst und so kennen wir auch zahlreiche unterschiedliche Varianten der Deckungsbeitragsrechnung (DBR). Eine frühe Ausgestaltung kam von Riebel. Kilger und Plaut brachten diese schon sehr früh auf den Grossrechner in der Industrie. In der betrieblichen Praxis wurde die DBR schliesslich zu einem wertvollen Instrument des Controllings entwickelt. Hierzu gibt es im deutschsprachigen Raum ein gutes Dutzend Deckungsbeitragsrechnungsvarianten. Welches dabei die richtige ist, ist dabei nicht die entscheidende Frage, sondern welche Informationen und Zahlen vom Management im Unternehmen benötigt werden. Welche Entscheidungsgrundlagen erhalten wir? Diese Überlegungen stehen im Vordergrund. Dabei ist es verständlich, dass es auch branchenspezifische Unterschiede in den Deckungsbeitragsrechnungen gibt.

Grundsätzlich lässt sich die DBR wie folgt definieren:
Die DB-Rechnung ist ein Rechnungssystem aus der Basis von Grenzkosten (neu: Produktkosten) und Einzelkosten.

Die DBR berücksichtigt schon das Verursacherprinzip. Fixe Kosten werden im Prinzip dort zugeordnet, wo das erfassbar ist. Dies im Gegensatz zum Betriebsabrechnungsbogen BAB, in dem fixe Kosten aufgeschlüsselt und verteilt werden. Das Konzept der DBR brachte auch eine neue Dimension ins Rechnungswesen. Die Deckungsbeiträge können nach Verantwortungsbereichen oder nach Produkten und Produktgruppen gegliedert werden. Damit entwickelte sich die DBR zu einem idealen und hervorragenden Instrument der Vertriebssteuerung und so zu einem Steuerungsinstrument schlechthin.

Wichtig: Die DBR ist damit ein ideales Planungs- und Steuerungsinstrument, liefert Informationen und Entscheidungsgrundlagen und ist damit ein wertvolles Instrument für das Controlling

Wesentlich für die DBR ist dabei, wie sie aufgebaut, angewendet und umgesetzt wird. Es kommt nicht darauf an, dass man eine hat, weil es sich gehört oder gar modern ist. Es kommt darauf an, dass obige Funktionen der Planung, Steuerung, Informationen und Entscheidungsgrundlagen erfüllt werden. Deshalb sind die folgenden Ausführungen so aufgeführt, dass der Interessent eine DBR auch mit EDV einrichten und aufbauen und die Ergebnisse auch entsprechend interpretieren kann.

Mehrstufige DBR

Die mehrstufige DBR wird nachfolgend anhand eines Praxisbeispiels erklärt.

Bei der Bürgi AG ist die Geschäftsleitung unsicher betreffend die möglichen Hintergründe des gerade berichteten signifikanten Absatzrückganges bei der Produktgruppe Scharniere. Der Vertriebsleiter bekennt unverblümt, dass die hauseigenen Verkaufspreise für die Scharniertypen ST 101 und ST 102 seit einigen Tagen über den Preisen der Konkurrenzanbieter liegen, und somit ihre Kunden dort und nicht mehr bei Ihnen einkaufen würden. Die extreme Preissensibilität ihrer Abnehmer würde zu einer sofortigen Umorientierung zum billigsten Anbieter führen.

Als Lösung schlägt der Vertriebsleiter vor, ausgehend vom derzeitigen Verkaufspreis, welcher eine Gewinnmarge enthält, einerseits die substanzerhaltende Preisuntergrenze für die Scharniertypen zu berechnen, welche langfristig mindestens zu erzielen ist, jedoch auch kurzfristige Preisuntergrenzen mit stufenweiser Fixkostenberücksichtigung zu definieren, wobei die absolute Schmerzgrenze die variablen Kosten darstellen. Auf diese Weise könnten sie kurzfristig versuchen, dem Preiskampf mit Preisrückgängen entgegenzustehen.

Der Geschäftsführer hält Rücksprache mit seinem Sohn, welcher die retrograde Ermittlung der Preisuntergrenzen mittels der Methode der mehrstufigen Deckungsspannenrechnung vorschlägt. Bei dieser Methode werden die Fixkosten sukzessive angelehnt an der Fixkostendeckungsrechnung subtrahiert.

Für die Berechnung der Preisuntergrenzen stehen dem Vertriebsleiter folgende Daten zur Verfügung:

(alle Werte in CHF)Scharniertyp ST 101Scharniertyp ST 102
derzeitiger Verkaufspreis9,9510,75
Gewinnmarge1,001,08
fixe Kosten der Bürgi AG0,540,54
fixe Kosten des Bereichs Produktion0,360,36
fixe Kosten der Produktgruppe Scharniere0,180,18
fixe Kosten des Produktes0,310,42

Checkliste

  • Klären Sie die Informationsbedürfnisse des Managements, bevor Sie eine spezifische DBR-Variante auswählen.
  • Unterscheiden Sie strikt zwischen variablen und fixen Kosten in Ihrer Datenbasis.
  • Ordnen Sie fixe Kosten dort zu, wo sie verursachungsgerecht erfassbar sind, statt sie willkürlich zu verteilen.
  • Gliederen Sie die Deckungsbeiträge nach Verantwortungsbereichen, Produkten oder Produktgruppen.
  • Nutzen Sie die DBR zur Ermittlung von Preisuntergrenzen bei Preiskämpfen oder Absatzrückgängen.
  • Berechnen Sie sukzessive die verschiedenen Preisstufen, um kurzfristige und langfristige Strategien zu definieren.
  • Stellen Sie sicher, dass die Ergebnisse der DBR interpretierbar und in die operative Planung integrierbar sind.
  • Vermeiden Sie die Einführung einer DBR nur aus Modetrends; fokussieren Sie auf die Erfüllung von Planungs- und Steuerungsfunktionen.
  • Integrieren Sie die DBR in Ihre EDV-Systeme für eine effiziente Datenerfassung und Auswertung.

Lösung

Die Preisuntergrenzen lassen sich sukzessive wie folgt berechnen:

(alle Werte in CHF)Scharniertyp ST 101Scharniertyp ST 102
derzeitiger Verkaufspreis = Preis 19,9510,75
Gewinnmarge1,001,08
Preis 2 = Selbstkosten8,959,67
fixe Kosten der Bürgi AG0,540,54
Preis 38,419,13
fixe Kosten des Bereichs Produktion0,360,36
Preis 48,058,77
fixe Kosten der Produktgruppe Scharniere0,180,18
Preis 57,878,59
fixe Kosten des Produktes0,310,42
Preis 67,568,17

Die Bürgi AG sollte langfristig die Scharniertypen nicht unter ihren Selbstkosten verkaufen, denn sonst zehrt sie an ihrer eigenen Substanz. Kurzfristig jedoch können die Preise 3 bis 6 geboten werden, wobei der Preis 6 nur noch die variablen Kosten deckt und somit den absoluten "Kampfpreis", d. h. die Schmerzuntergrenze darstellt.

FAQ: Deckungsbeitragsrechnung

Was ist der Hauptunterschied zwischen der Deckungsbeitragsrechnung und dem Betriebsabrechnungsbogen (BAB)?

Im BAB werden fixe Kosten aufgeschlüsselt und verteilt, während die DBR fixe Kosten nur dort zuordnet, wo sie verursachungsgerecht erfassbar sind, und sich auf Grenzkosten und Einzelkosten stützt.

Warum ist die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung für Preisentscheidungen wichtig?

Sie ermöglicht die sukzessive Ermittlung verschiedener Preisuntergrenzen, von den langfristigen Selbstkosten bis zur kurzfristigen Schmerzgrenze (variable Kosten), was strategische Preissenkungen fundiert begründet.

Wie bestimmt man die absolute Schmerzgrenze bei einem Preisverfall?

Die absolute Schmerzgrenze entspricht den variablen Kosten; ein Preis darunter deckt nicht einmal die direkten Kosten des Produkts und führt zu einem Verlust auf jedes verkaufte Stück.

Ist die Deckungsbeitragsrechnung branchenunabhängig anwendbar?

Ja, das Grundprinzip ist universell, jedoch gibt es branchenspezifische Unterschiede in der Ausgestaltung, die sich an den spezifischen Informationsbedürfnissen des Managements orientieren müssen.

Welche Rolle spielt die EDV bei der Deckungsbeitragsrechnung?

Die EDV ist essenziell, um die komplexen Berechnungen der mehrstufigen DBR effizient durchzuführen, Ergebnisse zu interpretieren und die Daten für Planungs- und Steuerungszwecke nutzbar zu machen.

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