27.09.2016

Deckungsbeitragsrechnung: Ein ideales Planungs- und Steuerungsinstrument

Die Kostenrechnung zeichnet sich durch eine Vielfalt von Begriffen aus. Theoretische Grundlagen wechseln in der Literatur mit praktischen Ratschlägen und Anwendungsmöglichkeiten. Aus der Finanzbuchhaltung wurde im Laufe der Zeit Anfang dieses Jahrhunderts die Betriebsbuchhaltung entwickelt, die sich mit Fragen der Kosten und Kostenzuordnungen befasste und auch schon früh als Planungsinstrument zu dienen hatte. Lesen Sie in diesem Beitrag mehr zur Deckungsbeitragsrechnung und profitieren Sie von unserer Arbeitshilfe zum Sofort-Download.

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Deckungsbeitragsrechnung

Die Betrachtung der Kosten

Früh reifte schon die Erkenntnis, dass es im Unternehmen Kosten hatte, die einfach da und schwer beeinflussbar waren, die man bald als fixe Kosten bezeichnete. Andere Kosten entstanden nur, wenn eigentlich etwas produziert wurde, die waren also umsatzabhängig, proportional zum Umsatz, oder auf die gesamte Kostenstruktur betrachtet, variabel. Diese Betrachtungsweise führte bald zur vereinfachten Einteilung in fixe und variable Kosten der Deckungsbeitragsrechnung.

Diese Darstellung führte denn auch zur Entwicklung der Vollkostenrechnung. Diese hat zur Aufgabe, zu erfassen, was denn ein Produkt kostet, das im Unternehmen hergestellt wird. Werden nur wenige grosse Erzeugnisse hergestellt, so ist es verständlich, dass eine Kostenzuordnung nicht schwierig ist. Dies ist auch der Fall, wenn zahlreiche gleichartige, homogene Erzeugnisse produziert werden. Rechnerisch wird es schwierig, wenn eine vielfältige komplexe Produktepalette erstellt wird. Das Problem wurde früh erkannt. Es liegt in der Zuordnung der fixen Kosten. Zahlreiche Methoden und Techniken wurden entwickelt und Systeme bis ins Extreme ausgebaut. In der Praxis wurden dann doch praktikable Methoden aufgearbeitet und die gängige Kostenrechnung im herstellenden Unternehmen ist heute die zuvor beschriebene Standardkostenrechnung, die in den fünfziger Jahren auch an der Uni Zürich von Käfer zusammen mit der Schweizer Industrie perfektioniert wurde.

Die Vollkostenrechnung zeigt: was ein Produkt kostet, wie der Preis für den Verkauf angesetzt werden muss, und hilft, diesen auch im Markt durchzusetzen.

Von der Vollkostenrechnung zur Deckungsbeitragsrechnung

Die Vollkostenrechnung rechnet dabei mit einer konstanten, linearen Entwicklung und Beschäftigung. Keine Antwort mag sie zu geben, wenn die Beschäftigung zurückgeht und Preisnachlässe gemacht werden müssten. Denn in dem Moment, wo weniger produziert wird, erhöht sich die Fixkostenbelastung und man produziert de facto teurer. Um dies zu lösen, suchte man neue Methoden. Wie verhalten wir uns bei schwankender Beschäftigung? Diese entwickelte sich zu einer zentralen Frage. Weitere Fragen waren: An welchen Produkten verdienen wir und oder was haben wir im letzten Monat verdient? Dies führte zu einer Entwicklung der Grenzplankostenrechnung, der Produktkostenrechnung, die vorerst im Direct Costing ihren Niederschlag fand. Dabei wurden erstmals die Kosten in beschäftigungsabhängige (variable, proportionale) Kosten und beschäftigungsunabhängige (fixe, konstante) Kosten, die dem Deckungsbeitrag gegenübergestellt wurden, formuliert.

Das Direct Costing, das in den fünfziger Jahren aus den USA nach Europa kam, wurde von der Lehre und der Industrie aufgenommen, weiter entwickelt und fand ihren Niederschlag in der jetzt bei uns bekannten Deckungsbeitragsrechnung.

Ein gutes Dutzend Autoren hat sich damit befasst und so kennen wir auch zahlreiche unterschiedliche Varianten der Deckungsbeitragsrechnung. Eine frühe Ausgestaltung kam von Riebel. Plaut brachte diese schon sehr früh auf den Grossrechner in der Industrie. Ein spezielles Verdienst kommt aber Dr. Albrecht Deyhle von der Controller-Akademie in Gauting/München zu, der die Deckungsbeitragsrechnung zu einem wertvollen Instrument des Controllings entwickelt hat. Es sei vorweggenommen: es gibt im deutschsprachigen Raum ein gutes Dutzend Deckungsbeitragsrechnungsvarianten. Welches die richtige ist, ist dabei nicht die Frage. Die zentrale Frage dabei ist nämlich: welche Informationen und Zahlen brauchen wir im Unternehmen? Welche Entscheidungsgrundlagen erhalten wir? Diese Überlegungen stehen dabei im Vordergrund. Dabei ist es verständlich, dass es auch branchenspezifische Unterschiede in den Deckungsbeitragsrechnungen gibt.

Grundsätzlich lässt sich die Deckungsbeitragsrechnung wie folgt definieren: Die Deckungsbeitragsrechnung ist ein Rechnungssystem aus der Basis von Produkt- und Einzelkosten.

Die Deckungsbeitragsrechnung berücksichtigt schon das Verursacherprinzip. Fixe Kosten werden im Prinzip dort zugeordnet, wo das erfassbar ist. Dies im Gegensatz zum Betriebsabrechnungsbogen BAB, in dem fixe Kosten aufgeschlüsselt und verteilt werden. Das Konzept der Deckungsbeitragsrechnung brachte auch eine neue Dimension ins Rechnungswesen. Die Deckungsbeiträge können nach Verantwortungsbereichen oder nach Produkten und Produktgruppen gegliedert werden. Damit entwickelte sich die Deckungsbeitragsrechnung zu einem idealen und hervorragenden Instrument der Vertriebssteuerung und so zu einem Steuerungsinstrument schlechthin.

Wichtig: Die Deckungsbeitragsrechnung ist damit ein ideales Planungs- und Steuerungsinstrument, liefert Informationen und Entscheidungsgrundlagen und ist damit ein wertvolles Instrument für das Controlling.

Wesentlich für die Deckungsbeitragsrechnung ist dabei, wie sie aufgebaut, angewendet und umgesetzt wird. Es kommt nicht darauf an, dass man eine hat, weil es sich gehört oder gar modern ist. Es kommt darauf an, dass obige Funktionen der Planung, Steuerung, Informationen und Entscheidungsgrundlagen erfüllt werden. Deshalb sind die folgenden Ausführungen so aufgeführt, dass der Interessent eine Deckungsbeitragsrechnung auch mit EDV einrichten und aufbauen und die Ergebnisse auch entsprechend interpretieren kann.

Proko: Die Produktkosten

Unter Produktkosten versteht man jene Kosten, die durch Produktion einer zusätzlichen Ausbringungseinheit anfallen. Dies ist die klassische betriebswirtschaftliche Definition. Die Kenntnis der Produktkosten ist für eine Unternehmung im Rechnungswesen zum Beispiel dann wichtig, wenn sie darüber entscheiden muss, ob sie einen zusätzlichen Auftrag annehmen soll oder nicht. Dies wird man nur dann tun, wenn wenigstens oder mindestens die Produktkosten durch die zusätzlich anfallenden Erträge gedeckt sind.

Praxis-Beispiel: Zwei Arbeiter produzieren in einer Fabrikationseinrichtung 150 Artikel eines einfachen Haushaltgerätes pro Tag. Aus der Standardkostenrechnung ergibt sich dafür vorerst eine Standardkalkulation in Form einer Zuschlagskalkulation wie folgt.

 

Zuschlagskalkulation CHF
Einzel-Material CHF 15.– pro Stück 2 250
+ Material-Gemeinkosten 10 %    225
2 Arbeiter Total 15 Stunden zu CHF 29.–    435
Fertigungsgemeinkosten CHF 50.– pro Std. (15 Std.)    750
Herstellkosten zu Vollkosten total 3 660
Herstellkosten pro Stück  24.40

 Der kalkulatorische Betrag zeigt CHF 24.40 Herstellkosten. Dazu werden dann die Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten geschlagen = Selbstkosten. Dazu kommt ein Gewinn von z.B. 10 %. Dies wäre der Netto-Verkaufspreis. Müssten wir an der Verkaufsfront einen Rabatt gewähren, wüssten wir nicht, wieviel es vertragen würde. Also möchten wir für diesen Artikel erst einmal die Produktkosten ermitteln.

 

Produktkostenrechnung
Einzel-Material für einen (zusätzlichen) Artikel 15.00
Materialgemeinkosten  –.––
Einzellohn 1/150 von CHF 435.–   2.90
Fertigungsgemeinkosten   –.––
Produktkosten, für das eine Stück 17.90

 Material- und Fertigungsgemeinkosten fallen dabei keine an, d.h. für die Herstellung für ein einziges, zusätzliches Stück. Die Materialgemeinkosten wären verschwindend klein und die Fertigungsgemeinkosten sind für diesen Tag mit CHF 750.– schon abgegolten worden. Die Produktkosten sind dabei eine absolute Preisuntergrenze. Nicht, dass wir für diesen Preis verkaufen würden. Wenn wir ihn aber unterschreiten würden, würden wir mit jedem Stück etwas drauflegen und den Absatz bzw. den Abnehmer subventionieren.

Für die Definition der Produktkosten macht es sich der Controller etwas leichter. Er sagt: Die Produktkosten sind das, was physisch ins Produkt einfliesst. In unseren Fall hier, das Einzelmaterial und die Einzellöhne. Sollten gewisse Gemeinkosten pro produzierte Einheit verrechenbar (und nicht verschwindend klein) sein, so würden diese als Produktkosten ausgewiesen. z.B. braucht es für die Herstellung eines Produktes (Aluminium) sehr viel Energie, so handelt es sich um Produktkosten. Produktkosten sind es also immer dann, wenn mit der Produktion oder der Erstellung der Dienstleistung etwas anfällt, was ins Produkt einfliesst und anrechenbar ist.  

Produktkosten ist demnach ein klar definierbarer Begriff, den man im Controlling und auch für die Deckungsbeitragsrechnung braucht. Deshalb muss man für das Aufstellen einer Deckungsbeitragsrechnung die Produktkosten im eigenen Bereich klar definieren können.

 

In der Produktion sind es vor allem Einzelmaterial und Einzellöhne.
In der Dienstleistung sind es die Löhne (und das Material), das in die spezifische Leistung einfliesst
Im Warenhandel ist es der Einstandspreis der Ware (inkl. Bezugskosten), das was die Ware kostet, bis sie bei uns ist.

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