Führungsgerechte Deckungsbeitragsrechnung: Sechs wichtige Ansprüche
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Eine führungsgerechte Deckungsbeitragsrechnung trennt strikt zwischen proportionalen und fixen Kosten sowie zwischen beeinflussbaren und kalkulatorischen Kosten. Sie verzichtet vollständig auf Umlagen, um Willkür bei der Kostenverteilung zu vermeiden, und bildet Deckungsbeitragsstufen entlang der tatsächlichen Organisationsstruktur und Verantwortungsbereiche. Nur so erhalten Manager relevante Zahlen, die sie direkt steuern können, statt auf einem Zahlenfriedhof zu landen.
Die wichtigsten Punkte:
- Nur beeinflussbare Kosten dürfen in den Ergebnisberichten der Führungskräfte erscheinen.
- Umlagen sind zu vermeiden, da sie keinen direkten Verursachungszusammenhang haben.
- Deckungsbeitragsstufen müssen der Hierarchie und den Verantwortungsbereichen entsprechen.
- Bestandsänderungen sind im Management Accounting ausschliesslich zu proportionalen Herstellkosten zu bewerten.
- Mehrdimensionale Auswertungen (Produkt, Region, Kanal) sind notwendig, um komplexe Strukturen abzubilden.

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Wie muss eine Deckungsbeitragsrechnung gestaltet sein, damit Führungskräfte korrekte Entscheidungen treffen?
Führungsgerechte Deckungsbeitragsrechnung: Wer führt braucht Entscheidungsgrundlagen
Es wurde empirisch belegt, dass Führungskräfte aller hierarchischen Stufen auf Basis von Vollkostenrechnungen oder unechter Deckungsbeitragsrechnungen dazu verleitet werden, falsche Entscheide bezüglich Produkten, Services und Kunden zu treffen.
Führungskräfte sollen auch stufengerecht Verantwortung für Ergebnisziele übernehmen. Dies setzt voraus, dass sie diejenigen Werte auch wirklich beeinflussen können müssen, die sich auf ihre Resultate auswirken. Die Führungskräfte wollen folglich in ihren Ergebnisberichten nur Grössen sehen, deren Höhe sie selber verändern können oder von denen sie wissen, dass sie das ganze Jahr über gleich bleiben, wenn sie ausserhalb ihres direkten Einflussbereichs liegen. Damit diese Bedürfnisse auch in der vertriebsbezogenen Ergebnisrechnung erfüllt werden können, haben wir sechs Regeln für die Gestaltung einer echten führungsgerechten Deckungsbeitragsrechnung formuliert (vgl. Rieder/Berger-Vogel, Controller-Magazin 1/2008, S. 24-33).
Führungsgerechte Deckungsbeitragsrechnung: Sechs Anforderungen für die Gestaltung
Nachfolgend finden Sie die Anforderungen, die für die führungsgerechte Deckungsbeitragsrechnung wichtig sind.
1. Kostenstellen- und kostenartenweise Spaltung der Plankosten in ihren proportionalen und ihren fixen Kostenteil.
Mit der Kostenstellenplanung wird die Steuerungsgrundlage geschaffen. Die eigentliche Steuerung erfolgt auf Basis des Vergleichs der Istdaten zu den Planangaben. Im nächsten Schritt der Kostenstellenplanung wird die Kostenspaltung vorgenommen. Gesucht werden diejenigen Kostenanteile, die direkt durch die produktive Leistung verursacht werden, also die proportionalen Fertigungskosten der Kostenstelle. Alle weiteren Kostenarten kann der Kostenstellenleiter nicht mehr direkt beeinflussen.
2. Unterscheidung zwischen beeinflussbaren und kalkulatorischen Kosten.
Diese Anforderung muss erfüllt werden, damit der Kostenstellenleiter umgehend erkennen kann, auf welche Kosten er sein Augenmerk richten muss, wenn er die Sollkosten einhalten soll.
3. Eine echte führungsgerechte Deckungsbeitragsrechnung enthält keinerlei Umlagen.
Mit Umlagen soll üblicherweise erreicht werden, dass die vielen nicht leistungsabhängigen Kostenarten einigermassen gerecht auf die Kostenstellen und von dort auf die Produkte verrechnet werden. Mangels direktem Verursachungszusammenhang zu den hergestellten Einheiten werden die Umlagen jedoch nie richtig sein. Denn mit jeder angewendeten Schlüsselgrösse ist ein gewisses Mass an Willkür verbunden.
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4. Organisationsgerechte Bildung von Deckungsbeitragsstufen durch Abzug der eindeutig zuordenbaren beeinflussbaren Strukturkosten.
Eine Führungsperson, die sowohl Umsätze, prop. Kosten als auch diejenigen Fixkosten verantworten soll, die sie selbst direkt beeinflussen kann, erwartet zu Recht eine passende Kenngrösse. Diese entsteht, wenn von den Nettoerlösen die proportionalen Herstellkosten und diejenigen Fixkosten abgezogen werden, welche direkt in der Verantwortung des jeweiligen Managers stehen. Die zu berichtenden Deckungsbeitragsstufen müssen folglich entlang der Verantwortungs- und Organisationsstruktur von der Marktbearbeitung bis hin zur Kostenstellengliederung entsprechen.
5. Eine stufenweise führungsgerechte Deckungsbeitragsrechnung mehrdimensional ermöglichen.
Aus Sicht der Produktion und des Product Managements ist die Strukturierung der Ergebnisrechnung nach Produkten und Produktgruppen das Normale. Die Führungskräfte denken, planen und steuern in der Dimension Produkt. Ist jedoch der Verkauf nach Gebieten und Ländern oder nach Kundenbranchen organisiert oder werden strategische Geschäftsfelder nach Absatzkanälen oder Verwendungsgruppen geschnitten, ergibt sich die Notwendigkeit, zusätzlich auch Ergebnisrechnungen in diesen Dimensionen zu erstellen. Dabei müssen die Anforderungen 1 – 4 ebenfalls eingehalten werden. Das kann die Folge haben, dass Fixkosten der produktbezogenen Verkaufsförderung zwar eindeutig einer Produktgruppe zuordenbar sind, nicht jedoch einer Verkaufsregion, da die Werbung für alle Regionen gemeinsam gemacht wird. In der aussendienstbezogenen DB-Rechnung nach Regionen können die Product Management-Kosten damit nicht eindeutig zugerechnet werden, sondern nur in höheren Aggregationsebenen, z.B. Produktgruppen. Andererseits können die Fixkosten eines Aussendienstlers eindeutig seiner Region zugeordnet werden, nicht aber einer einzelnen Produktgruppe, sofern er mehrere verkauft.
Checkliste
- Kostenstellenpläne erstellen und darin proportionale von fixen Kosten trennen.
- Kalkulatorische Kosten identifizieren und von beeinflussbaren Kosten abgrenzen.
- Alle Umlagen aus der internen Ergebnisrechnung eliminieren.
- Deckungsbeitragsstufen entlang der Organisationsstruktur definieren (z. B. von der Marktbearbeitung bis zur Kostenstelle).
- Sicherstellen, dass das Berichtswesen mehrdimensional (Produkt, Region, Kanal) auswertbar ist.
- Lagerbestände im internen Reporting ausschliesslich zu proportionalen Herstellkosten bewerten.
- Prüfen, ob das ERP-System die geforderte Granularität unterstützt oder ob Parallelrechnungen nötig sind.
- Verantwortungsbereiche der Führungskräfte klar mit den zugewiesenen Kostenstellen verknüpfen.
- Steuern und Planen auf Basis der neuen Deckungsbeiträge einführen und schulen.
6. Bestandsänderungen im Management Accounting immer nur zu proportionalen Herstellkosten bewerten.
Rechnungslegungsstandards verlangen, dass in der externen Berichterstattung die Lagerbestände (Halb- und Fertigfabrikate sowie Aufträge in Arbeit) zu vollen Herstellkosten zu bewerten sind. Einem ergebnisverantwortlichen Manager kann diese Vorgabe nicht einleuchten. Denn er eiss sehr wohl, dass ein sehr grosser Teil der Fixkosten der Herstellung, z.B. Abschreibungen, Wartungs- und Unterhaltsabonnemente oder Personalkosten der Betriebsleitung, des Einkaufs, der Lagerung oder der Produktionssteuerung Periodenkosten sind. Diese fallen weitgehend unabhängig von den hergestellten Einheiten und Mengen an. Werden Lagerbestände zu vollen Herstellkosten bewertet, führt dies jedoch dazu, dass in Perioden, in denen der produzierte Wert höher ist als der verkaufte, Periodenfixkosten aktiviert, also als Wert in die Bilanz geschrieben werden. Dadurch steigen in einer solchen Periode der extern zu berichtende Gewinn und folglich auch die davon zu bezahlenden Ertragsteuern. Wird in einer Periode mehr verkauft als produziert, geschieht das Umgekehrte.
Im führungsorientierten Management Accounting und im daraus entstehenden internen Berichtswesen sollten folglich die Lagerbestände immer nur zu (standardisierten) proportionalen Herstellkosten bewertet werden. Dadurch wird die Verzerrung der Monatsergebnisse verhindert und Manager finden sich in ihren Ergebnisrechnungen besser zurecht, wenn die Bestände gleich bewertet sind wie die Kosten der Produkte.
Unsere Absicht ist es, in den Unternehmen den Aufbau entscheidungs- und verantwortungsgerechter Management Accounting-Systeme zu fördern. Führungskräfte sollen anstelle eines Zahlenfriedhofs für ihren Bereich relevante Zahlen finden und nach diesen steuern können. Leider stellen wir fest, dass die meisten angebotenen ERP-Systeme im Standard nicht in der Lage sind, die beschriebenen Anforderungen vollständig zu erfüllen. Der führungsorientierte Controller muss sein Instrumentarium zur Planungs- und Steuerungsunterstützung somit teilweise parallel zur bestehenden ERP-Installation aufbauen. Auf die Gestaltung der mehrstufigen DB-Rechnung wird im Beitrag "Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung" eingegangen.
FAQ: Führungsgerechte Deckungsbeitragsrechnung
Warum sind Vollkostenrechnungen für Führungskräfte problematisch?
Vollkostenrechnungen können Führungskräfte zu falschen Entscheidungen verleiten, da sie Kosten enthalten, die nicht in ihrem direkten Einflussbereich liegen. Dies führt dazu, dass sie Verantwortung für Resultate übernehmen, die sie nicht steuern können.
Was bedeutet es, wenn eine Deckungsbeitragsrechnung keine Umlagen enthält?
Das Fehlen von Umlagen verhindert, dass nicht leistungsabhängige Kosten durch willkürliche Schlüsselgrössen auf Produkte oder Kostenstellen verteilt werden. Dies erhöht die Genauigkeit und Akzeptanz der Kennzahlen bei den Verantwortlichen.
Warum sollen Lagerbestände nur zu proportionalen Herstellkosten bewertet werden?
Die Bewertung zu vollen Herstellkosten führt dazu, dass Periodenfixkosten in die Bilanz aktiviert werden, was den Gewinn und die Steuern verzerrt. Eine Bewertung zu proportionalen Kosten verhindert diese Verzerrung und bildet die Realität des Managements besser ab.
Wie geht man mit mehrdimensionalen Auswertungen um?
Je nach Organisationsstruktur (z. B. nach Regionen oder Produktgruppen) müssen Fixkosten dort zugeordnet werden, wo sie eindeutig veranlasst sind. Kosten, die mehreren Dimensionen gemeinsam sind (z. B. Werbung für alle Regionen), werden auf höheren Aggregationsebenen ausgewiesen.