20.04.2021

Absenzen: Gesetzlich geregelte Ansprüche

Neben den Ruhezeiten und Ruhe- bzw. Freitagen sind dem Arbeitnehmer im Übrigen die üblichen freien Stunden und Absenzen zu gewähren. Mit dieser Bestimmung erhält der Arbeitnehmer das Recht, während der Arbeitszeit der Arbeit kurzfristig fernbleiben zu können, um besonders dringliche persönliche Angelegenheiten erledigen zu können oder an wichtigen familiären Anlässen teilzunehmen.

Von: Thomas Wachter   Drucken Teilen  

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren beim Personalamt des Kantons Luzern. Früher als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, zuletzt als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Weitere Tätigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent für Personalmanagement, -administration und -führung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke «PersonalPraxis» und «Praxisleitfaden Personal».

Absenzen

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Das wichtigste in Kürze:

Private und familiäre Absenzen wie Umzug, Hochzeiten etc., aber auch die erforderliche Zeit für die Stellensuche werfen in den Unternehmen immer wieder Fragen auf. Unklar ist jeweils, wie viel Freizeit für welche persönlichen Angelegenheiten und ausserberuflichen Tätigkeiten zu gewähren ist. Grundsätzlich gilt ein gesetzlicher Anspruch auf die erforderliche Freizeit für wichtige persönliche oder familiäre Angelegenheiten, soweit sie in die Arbeitszeit fallen. Die Bezahlung der Freizeit durch den Arbeitgeber richtet sich nach dem Anstellungsverhältnis: Bei Angestellten im Monatslohn ist die Absenz in aller Regel bezahlt.

Bei Absenzen wegen eines Arztbesuches ist grundsätzlich von den Regelungen bei Krankheit und Unfall auszugehen und es gilt somit in aller Regel die Lohnfortzahlungspflicht, soweit der Arztbesuch nicht in die Freizeit verlegt werden kann.

Zur Betreuung von Kindern, Familienmitgliedern oder Lebenspartner/in mit gesundheitlicher Beeinträchtigung ist den Arbeitnehmern gegen die Vorlage eines Arztzeugnisses die erforderliche Zeit im Umfang von bis zu drei Tagen pro Ereignis freizugeben. Ausser bei Kindern beträgt der Betreuungsurlaub höchstens 10 Tage im Jahr. Die Lohnfortzahlung beträgt höchstens 3 Tage pro Ereignis und höchstens 10 Tage pro Jahr.

Übliche freie Tage und Stunden für private Abwesenheiten

Für die üblichen dringenden, privaten Besorgungen hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer während der Arbeitszeit Freizeit zu gewähren (Art. 329 Abs. 2 OR). Massgebend ist, dass die Besorgung nicht in der Freizeit erledigt werden kann. Darunter fallen Zahnarzt- oder Arztbesuche, Behördengänge, Prüfungen, Wohnungsabgabe, wichtige familiäre Ereignisse (Hochzeit, Todesfall, Geburt etc.), Teilnahme an Beerdigungen etc. Wie viel freie Zeit dem Arbeitnehmer zur Verfügung stehen muss, regelt das Gesetz nicht. Die Entscheidung darüber liegt im Ermessensspielraum des Unternehmens. Im betrieblichen Alltag besteht bei den verschiedenen Absenzen oft eine Unsicherheit, wie diese zu handhaben sind.

Der Arbeitnehmer hat auf den Arbeitgeber Rücksicht zu nehmen, was meist den Bezug in den Randstunden bedingt. Zusätzlich sollen die Besorgungen in so kurzer wie möglicher Zeit erledigt werden können.

Wird die gewährte Freizeit bezahlt oder nicht? Das Gesetz äussert sich nicht zur Frage, ob die freie Zeit zu bezahlen ist oder nicht. Es ist davon auszugehen, dass bei Angestellten im Monatslohn und im Wochenlohn die obigen Kurzabsenzen, soweit sie in die Arbeitszeit fallen, als bezahlte Arbeitszeit gelten. Der Monatslohn wird – wie bei Feiertagen – nicht gekürzt oder die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter muss die beanspruchte Zeit nicht nach- oder vorholen. Anders ist die Situation bei Angestellten im Stundenlohn. Hier ist eine Bezahlung der freien Zeit nur geschuldet, wenn dies so vereinbart wurde. Es empfiehlt sich aber, im Interesse der Gleichbehandlung, mit Stundenlöhnern eine entsprechende vertragliche Abmachung zu schliessen.

Praxis-Tipp
Wir empfehlen Ihnen, die Absenzen für private Verpflichtungen in der Firma in einem entsprechenden Arbeitszeitreglement einheitlich zu regeln. Sie ersparen sich damit häufige Diskussionen im Einzelfall und stellen sicher, dass die Mitarbeitenden gleich behandelt werden.
 

Musterreglemente bezahlte und unbezahlte Absenzen

Die Regelungen der Unternehmen sind sehr unterschiedlich. Im Folgenden finden Sie ein Beispiel eines betrieblichen Reglements, es besteht nur teilweise ein gesetzlicher Anspruch.

Bezahlte Absenzen

Bei folgenden Ereignissen gewährt die Firma bezahlten Urlaub: 

Absenzen bei Todesfall Umfang des Freizeitanspruchs
Von Lebenspartnern, Kindern, Eltern und anderen, im gleichen Haushalt lebenden Personen 3 Tage
Beerdigung von anderen Familienangehörigen (Grosseltern, Enkel, Geschwister, Schwiegereltern, Schwager etc.) 1 Tag
Beerdigung von Freunden und Kollegen notwendige Zeit
Absenzen bei Hochzeit  
Eigene Hochzeit inklusive Wohnungsbezug 3 Tage
Hochzeit von Kindern, Enkel, Geschwister und Eltern 1 Tag

Absenz bei Schwangerschaft und Niederkunft

Die dafür notwendige Zeit
Schwangerschaftsurlaub 4 Wochen
Niederkunft der Lebenspartnerin (Vaterschaftsurlaub) 10 Tage
Mutterschaftsurlaub (gesetzlich 14 Wochen) 16 Wochen

Nichtbezogener Schwangerschaftsurlaub kann im Anschluss an die Niederkunft mit dem Mutterschaftsurlaub bezogen werden.

 
Absenz bei Arzt- oder Zahnarzttermin  
Planbare Untersuchungen und Behandlungen  Freizeit
Notfallmässige Untersuchungen und Behandlungen                                      notwendige Zeit
Umfangreiche therapeutische Massnahmen gemäss Absprache mit Vorgesetzten   teilweise bezahlt
Absenz zur Betreuung kranker Kinder, Familienmitglieder oder Lebenspartner/innen  

Notwendige Zeit, bis die Betreuung anderweitig organisiert werden kann,

je Krankheitsfall (Art. 329h OR und Art. 36 Abs. 3 und 4 ArG)

3 Tage pro Ereignis
Absenz zur Stellensuche im gekündigten Arbeitsverhältnis  
Stellensuche: notwendige Zeit, in der Regel maximal                      ½ Tag/Woche
Absenz bei Wohnungswechsel  
Wohnungswechsel mit eigenem Haushalt 1 Tag
Wohnungswechsel                               ½ Tag
Absenzen bei Militärdienst und Zivilschutz  
Aushebung in der Schweiz oder im Ausland                          effektive Zeit
Rekrutenschule, Beförderungsdienste und Wiederholungskurse effektive Zeit
Entlassung aus der Wehrpflicht 1 Tag
Eidgenössische Armeewettkämpfe (pro Jahr) 1 Tag  
Absenzen für J + S (Jugend und Sport)  
Erstmalige Teilnahme an J + S-Leiter-Kursen                        max. 5 Tage
Absenzen bei Übernahme öffentlicher Ämter  
Grundsätzlich befürwortet die Firma das Engagement der Mitarbeitenden vor allem in politischen oder kirchlichen Gremien. Vor Übernahme von öffentlichen Ämtern erwartet die Firma, dass das Einverständnis der Geschäftsleitung eingeholt wird. Diese trifft mit der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter eine Regelung der bezahlten Freistellung, soweit Verpflichtungen nicht ausserhalb der Arbeitszeit erledigt werden können.  

Unbezahlte Absenzen

Folgende Absenzen sind nicht bezahlt:

Jugendurlaub  
Unentgeltlich leitende, betreuende oder beratende Tätigkeit in der ausserschulischen Jugendarbeit kultureller oder sozialer Organisationen bis zum vollendeten 30. Altersjahr 5 Tage pro Jahr
Unbezahlter Urlaub  
Die Firma kann nach Absprache in Ausnahmefällen unbezahlten Urlaub gewähren. Die Bewilligung dazu erteilt der Linienvorgesetzte zusammen mit der Personalabteilung. Bei unbezahltem Urlaub, der länger als 4 Wochen dauert, muss der Mitarbeiter vor Antritt des Urlaubs die Versicherungsfragen (Unfall, Pensionskasse) mit der Personalabteilung regeln.  
Absenz zur Betreuung kranker Kinder  
Notwendige Zeit, bis die Betreuung anderweitig organisiert werden kann, je Krankheitsfall (Art. 329h OR und Art. 36 Abs. 3 und 4 ArG), für die Zeit über 10 Tage pro Jahr 3 Tage pro Ereignis

 

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