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Taggeld: Wissenswertes zum Anspruch auf Taggelder

Wenn es um die Taggeldberechnung geht, hat jede Sozialversicherung ihre Eigenheiten. Wie die Berechnung von Kranken-, Unfall-, EO- und ALV-Taggeldern erfolgt und was die Besonderheiten der einzelnen Versicherungen sind, lesen Sie in diesem Beitrag.

07.11.2022 Von: Ralph Büchel, Thomas Wachter
Taggeld

Taggeld korrekt berechnen

Die Taggeldabrechnung und Auszahlung erfolgt meist pro Kalendertag. Für die Berechnung von Unfalltaggeldern sind 365 Kalendertage einzusetzen. Gleich verfahren in der Regel Krankentaggeldversicherungen, diese können jedoch auch eine Berechnung mit 360 Tagen vorsehen. Bei EO-Taggeldern (Dienstleistende, Mutterschaft und Vaterschaft) ist hingegen grundsätzlich von 360 Kalendertagen auszugehen. Nochmals anders ist die Berechnungsweise bei Arbeitslosentaggeldern, hier wird pro Arbeitstag abgerechnet.

Der 13. Monatslohn wird bei allen Taggeldern mit eingerechnet. Bei Lohnfortzahlung in der Wartefrist und Erhöhung des Taggelds auf 90 Prozent bzw. 100 Prozent durch den Arbeitgeber, ist ein 13. Monatslohn auf diesen Lohnbestandteilen geschuldet. Werden hingegen nur die Taggelder über den Arbeitgeber den Mitarbeitenden ausbezahlt, ist darauf kein 13. Monatslohn geschuldet. Dies führt dazu, dass am Jahresende bei Arbeitsverhinderungen oft nur noch ein gekürzter 13. Monatslohn fällig ist.

1. Krankentaggeld

In der Regel wird ein Krankentaggeld von 80 Prozent und eine Wartefrist von 7, 14, 30, 60 oder 90 Tagen vereinbart. Bis zur Leistungspflicht der Krankentaggeldversicherung hat der Arbeitgeber Lohnfortzahlung zu leisten, je nach arbeitsvertraglicher Vereinbarung von 80 Prozent oder 100 Prozent. Das Krankentaggeld wird dann ab dem 8., 15., 31., 61. oder 91. Tag bezahlt. Die Basis für die Berechnung des Krankentaggelds ist meist der letzte vor Krankheitsbeginn bezogene AHV-pflichtige Lohn, einschliesslich noch nicht bezahlter Lohnbestandteile, auf die ein Rechtsanspruch besteht, wie beispielsweise der 13. Monatslohn. Für Arbeitnehmende mit stark variierendem Lohn gilt der Durchschnitt der letzten 12 Monate vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit oder der bereits vorhandene Arbeitsplan als Berechnungsbasis. Familienzulagen sind in der Regel nicht mitversichert und nicht eingerechnet. Meist ist ein Maximallohn vereinbart (z.B. 200’000 Franken).

2. Unfalltaggeld

Die Berechnungsbasis für das Unfalltaggeld ist der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn inklusive Naturalleistungen und Familienzulagen. Eingerechnet werden noch nicht ausbezahlte Lohnbestandteile, auf die ein Rechtsanspruch besteht, wie beispielsweise der 13. Monatslohns, zugesicherte Boni, etc.

Wichtig: In der Unfallmeldung müssen alle Lohnbestandteile aufgeführt werden.

Das Unfalltaggeld beträgt 80 Prozent bis zum maximal versicherten Lohn von 148'200.– Franken. Lohnteile darüber sind nicht versichert, sofern keine Zusatzversicherung abgeschlossen wurde. Das Taggeld berechnet sich als 1/365 von 80 Prozent des versicherten Lohnes inklusive Familienzulagen. Es beträgt maximal 80 Prozent × 148 200.– Franken / 365 = 324.80 Franken pro Kalendertag.

Bei Lernenden, die aufgrund eines Lehrvertrags beschäftigt werden, ist der effektive Lohn massgebend. Hingegen gilt für Praktikanten, Volontäre und zur Abklärung der Berufswahl tätige Personen (z.B. Schnupperlehrlinge) ein Mindestlohn von 82 Franken pro Tag ab vollendetem 20. Altersjahr und von 41 Franken pro Tag vor vollendetem 20. Altersjahr, sofern der tatsächliche Verdienst nicht über diesen Ansätzen liegt. Beachten Sie die im Vertrag geregelten Deklarationspflichten. Zum Beispiel kann eine Versicherung Schnupperlehrlinge von der Deklaration ausnehmen und eine Gratisdeckung gewähren. Probearbeitende ohne Entgelt sind analog Praktikanten, Volontäre geregelt, aber auch hier ist die im Vertrag geregelte Deklarationspflicht zu beachten, um nicht im Leistungsfall eine Leistungsabwehr wegen falscher Deklaration zu erhalten. Zum Beispiel kann eine Versicherungen Probearbeiten auf 1-3 Tage beschränkt von der Deklaration befreien und es wird eine Gratisdeckung gewährt. Im Leistungsfall wird auch bei einer Gratisdeckung eine Taggeldleistung auf Basis des Mindestlohnes bezahlt.

Beginn des Taggeldanspruchs

Der Anspruch auf Taggeld entsteht am dritten Kalendertag nach dem Unfalltag, sofern der Versicherte infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig ist. Für den Unfalltag und zwei Folgetage – die sogenannten «Wartetage» – wird kein Taggeld ausbezahlt. Bei beruflichen Erkrankungen gilt entweder das Datum der ersten Arztkonsultation oder das Datum der Arbeitsniederlegung als «Unfalltag». Ob am Unfalltag noch gearbeitet wurde oder nicht, spielt für das Taggeld keine Rolle.

Beispiel: Unfall am Donnerstag, 1. September, am Abend auf dem Nachhauseweg: Taggeld ab Sonntag, 4. September. Unfall am Freitag, 2. September, frühmorgens: Taggeld ab Montag, 5. September.

Ende des Taggeldanspruchs 

Der Anspruch endet mit dem Wiedererlangen der vollen Arbeitsfähigkeit (bzw. mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod des Versicherten). Wenn der Verunfallte wieder arbeitsfähig ist, jedoch zur ärztlichen Behandlung stundenweise der Arbeit fernbleiben muss, kann für diese Ausfallstunden ebenso Taggeld beansprucht werden. Während der drei Wartetagewird jedoch grundsätzlich kein Taggeld geleistet, auch nicht für Ausfallstunden und es besteht Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.

3. EO-Taggelder

Im Gegensatz zu den 365 Kalendertagen bei den Kranken- und Unfalltaggeldern rechnet die Erwerbsersatzordnung (EO) mit 360 Kalendertagen pro Jahr. Für die verschiedenen Personengruppen sind unterschiedliche Ansätze festgelegt.

Mutterschaftsentschädigung

Die Mutterschaftsentschädigung (MSE) wird während 98 Tagen erbracht, sofern die Mutter die Arbeit nicht ganz oder teilweise vorher wieder aufnimmt. Bei einem längeren Spitalaufenthalt des Kindes - mindestens 14 Tage – verlängert sich der Anspruch um die Zeit im Spital, höchstens aber um 56 Tage. Die maximale Bezugsdauer von 154 Tagen, entsprechend 22 Wochen. Das Taggeld beträgt 80 Prozent des massgebenden Einkommens (ohne Familienzulagen), jedoch maximal 196 Franken pro Tag (= 80 Prozent von 245 Franken). Das Maximum entspricht einem Jahreslohn von 88‘200 Franken bzw. einem Monatslohn von 7’350 Franken (x 12) oder 6’784.60 Franken (x 13). Das erste Taggeld wird für den Tag der Geburt geleistet.

Nach dem Ende des Mutterschaftsurlaubs kann die Mutter noch zwei Wochen unbezahlten Urlaub nehmen (Art. 35a ArG).

Vaterschaftsentschädigung

Die Vaterschaftsentschädigung (VSE) wird während 14 Tagen erbracht, die wochenweise oder tageweise bezogen werden kann. Das Taggeld beträgt 80 Prozent des massgebenden Einkommens (ohne Familienzulagen), jedoch maximal 196 Franken pro Tag (= 80 Prozent von 245 Franken) und ist somit gleich wie bei der Mutterschaftsentschädigung. Das erste Taggeld kann bereits für den Tag der Geburt beantragt werden, muss aber spätestens nach Ablauf der Rahmenfrist von sechs Monaten nach der Geburt vollständig bezogen worden sein. Das Taggeld wird nachschüssig, und zwar nach dem Bezug des letzten Vaterschaftsurlaubstages ausgerichtet. Zu beachten ist: das Kindesverhältnis entsteht durch Eheschliessung mit der Mutter, durch Vaterschaftsanerkennung oder durch ein Gerichtsurteil. Bei Adoption besteht kein Anspruch auf den Vaterschaftsurlaub, sondern ab 2023 auf Adoptionsentschädigung.

Adoptionsentschädigung

Anspruch auf die Adoptionsentschädigung haben Erwerbstätige ab 2023, die ein Kind von unter vier Jahren zur Adoption aufnehmen. Die übrigen Anspruchsvoraussetzungen sind die gleichen wie für die Mutter- und Vaterschaftsentschädigung und das Taggeld wird ebenfalls gleich berechnet. Die Adoptionsentschädigung wird während 14 Tagen erbracht und der Adoptionsurlaub muss innerhalb des ersten Jahres nach Aufnahme des Kindes bezogen werden. Die Adoptiveltern können bei einer gemeinschaftlichen Adoption wählen, wer von ihnen den Adoptionsurlaub in Anspruch nimmt oder ihn untereinander aufteilen, nicht aber gleichzeitig beziehen. Für Eltern, die das Kind der Ehegattin bzw. des Ehegatten oder der Partnerin bzw. des Partners adoptieren, ist keine Entschädigung vorgesehen.

Betreuungsentschädigung

Eltern, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder einschränken müssen, um ein wegen Krankheit oder Unfall gesundheitlich schwer beeinträchtigtes minderjähriges Kind zu betreuen, haben An- spruch auf einen 14-wöchigen entschädigten Betreuungsurlaub (BUE). Es werden maximal 98 Taggelder während der Rahmenfrist von 18 Monaten ausgerichtet, wobei die Berechnung gleich wie bei der Mutter- Vater- oder Adoptionsentschädigung erfolgt. Der Betreuungsurlaub kann am Stück bezogen werden, wochenweise oder an einzelnen Tagen. Die Anzahl der effektiven Urlaubstage richtet sich nach dem Beschäftigungsgrad. Die Eltern können den Urlaub frei unter sich aufteilen.

Erwerbsausfallentschädigung bei Dienstleistungen

Während Dienstleistungen werden minimal 62 Franken und maximal 245 Franken pro Tag ausgerichtet. Der Betrag ist abhängig von der Art des Dienstes, der vorberuflichen Erwerbstätigkeit sowie von Kindern und Betreuungskosten.

4. ALV-Taggeld

Bei der Arbeitslosenversicherung (ALV) wird nicht mit Kalender-, sondern mit Arbeitstagen gerechnet. Das Arbeitslosentaggeld ist mit 21,7 Arbeitstagen pro Monat zu berechnen und beträgt 70 Prozent, bei keinem unterhaltspflichtigen Kind (unter 25 Jahren) und das volle Taggeld beträgt mehr als 140.- Franken. Hingegeben bekommt man 80 Prozent, wenn Arbeitslose für Kinder aufkommen müssen oder eine IV-Rente bzw. Unfallrente beziehen und deren volles
Taggeld weniger als 140.- Franken beträgt.

Hier finden Sie eine Übersicht zur Berechnung von ALV-Taggeldern.

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