06.07.2021

Taggeld: Wissenswertes zum Anspruch auf Taggelder

Wenn es um die Taggeldberechnung geht, dann hat jede Sozialversicherung ihre Eigenheiten. Wie die Berechnungen von Kranken-, Unfall-, EO- und ALV-Taggelder erfolgen und Besonderheiten der einzelnen Versicherungen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Von: Ralph B├╝chel, Thomas Wachter   Drucken Teilen  

Ralph B├╝chel

Ralph B├╝chel ist Gesch├Ąftsleiter von Caveris. Er hat seine Berufserfahrung in der Gewerbe- und Industriebranche begonnen. Danach wechselte er ins Treuhand/Revisionsgesch├Ąft und sp├Ąter in die Steuerverwaltung. Bevor er dann seine eigene Firma die Caveris AG vor ├╝ber 10 Jahren gr├╝ndete, war er Abteilungsleiter Besoldungsadministration/Versicherungen eines gr├Âsseren Unternehmens. In dieser Funktion war er gleichzeitig Gesch├Ąftsleiter einer Pensionsversicherung.

In seinem beruflichen Werdegang hat er sich fundiertes Wissen im Finanz- und Rechnungswesen, in der Lohnbuchhaltung und rund um die soziale Sicherheit (Sozialversicherungsabkommen und Sozialversicherungen) angeeignet. Berufsbegleitend hat Ralph B├╝chel unter anderem Ausbildungen zum Wirtschaftstechniker SVTS, Treuh├Ąnder mit eidg. Fachausweis und Sozialversicherungs-Fachmann mit eidg. Fachausweis abgeschlossen. Seine letzte Ausbildung schloss er mit dem Eidg. Diplom zum Sozialversicherungs-Experten ab. Im methodisch-didaktischen Bereich ist er zertifizierter ECo-C Trainer TQS (European communication certificate) und hat das Zertifikat f├╝r Berufsp├Ądagogische Bildung f├╝r den Unterricht an h├Âheren Fachschulen. Er ist Pr├╝fungsexperte in verschiedenen Ausbildungen.

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren beim Personalamt des Kantons Luzern. Fr├╝her als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, zuletzt als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Gesch├Ąftsleitung. Weitere T├Ątigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent f├╝r Personalmanagement, -administration und -f├╝hrung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke ┬źPersonalPraxis┬╗ und ┬źPraxisleitfaden Personal┬╗.

Taggeld

Taggeld korrekt berechnen

Die Taggeldabrechnung und Auszahlung erfolgt meist pro Kalendertag. F├╝r die Berechnung von Unfalltaggeldern sind 365 Kalendertage einzusetzen. Gleich verfahren in der Regel Krankentaggeldversicherungen, diese k├Ânnen jedoch auch eine Berechnung mit 360 Tagen vorsehen. Bei EO-Taggeldern (Dienstleistende, Mutterschaft und Vaterschaft) ist hingegen grunds├Ątzlich von 360 Kalendertagen auszugehen. Nochmals anders ist die Berechnungsweise bei Arbeitslosentaggeldern, hier wird pro Arbeitstag abgerechnet.

Der 13. Monatslohn wird bei Kranken-, Unfall- und EO-Taggeldern mit eingerechnet. Bei Lohnfortzahlung in der Wartefrist (Karenztage) und Erh├Âhung des Taggelds auf 90 Prozent bzw. 100 Prozent durch den Arbeitgeber, ist ein 13. Monatslohn auf diesen Lohnbestandteilen geschuldet. Werden hingegen nur die Taggelder ├╝ber den Arbeitgeber den Mitarbeitenden ausbezahlt, ist darauf kein 13. Monatslohn geschuldet. Dies f├╝hrt dazu, dass am Jahresende bei Arbeitsverhinderungen oft nur noch ein gek├╝rzter 13. Monatslohn f├Ąllig ist.

1. Krankentaggeld

In der Regel werden ein Krankentaggeld von 80 Prozent und eine Wartefrist von 7, 14, 30, 60 oder 90 Tagen vereinbart. Bis zur Leistungspflicht der Krankentaggeldversicherung hat der Arbeitgeber Lohnfortzahlung zu leisten, je nach arbeitsvertraglicher Vereinbarung von 80 Prozent oder 100 Prozent. Das Krankentaggeld wird dann ab dem 8., 15., 31., 61. oder 91. Tag bezahlt. Die Basis f├╝r die Berechnung des Krankentaggelds ist meist der letzte vor Krankheitsbeginn bezogene AHV-pflichtige Lohn, einschliesslich noch nicht bezahlter Lohnbestandteile, auf die ein Rechtsanspruch besteht. F├╝r Arbeitnehmende mit stark variierendem Lohn gilt der Durchschnitt der letzten 12 Monate vor Beginn der Arbeitsunf├Ąhigkeit oder der bereits vorhandene Arbeitsplan als Berechnungsbasis. Familienzulagen sind in der Regel nicht mitversichert und nicht eingerechnet. Meist ist ein Maximallohn vereinbart (z.B. 200ÔÇÖ000 Franken).

2. Unfalltaggeld

Die Berechnungsbasis f├╝r das Unfalltaggeld ist der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn inklusive Naturalleistungen und Familienzulagen. Eingerechnet werden noch nicht ausbezahlte Lohnbestandteile, auf die ein Rechtsanspruch besteht, wie beispielsweise der Anteil des 13. Monatslohns, zugesicherte Boni, Dienstaltersgeschenke etc.

Wichtig: In der Unfallmeldung m├╝ssen alle Lohnbestandteile aufgef├╝hrt werden.

Das Unfalltaggeld betr├Ągt 80 Prozent bis zum maximal versicherten Lohn von 148'200.ÔÇô Franken. Lohnteile dar├╝ber sind nicht versichert, sofern keine Zusatzversicherung abgeschlossen wurde. Das Taggeld berechnet sich als 1/365 von 80 Prozent des versicherten Lohnes inklusive Familienzulagen. Es betr├Ągt maximal 80 Prozent ├Ś 148 200.ÔÇô Franken / 365 = 324.80 Franken pro Kalendertag.

Bei Lernenden, die aufgrund eines Lehrvertrags besch├Ąftigt werden, ist der effektive Lohn massgebend. Hingegen gilt f├╝r Praktikanten, Volont├Ąre und zur Abkl├Ąrung der Berufswahl t├Ątige Personen (z.B. Schnupperlehrlinge) ein Mindestlohn von 82 Franken pro Tag ab vollendetem 20. Altersjahr und von 41 Franken pro Tag vor vollendetem 20. Altersjahr, sofern der tats├Ąchliche Verdienst nicht ├╝ber diesen Ans├Ątzen liegt. Beachten Sie die im Vertrag geregelten Deklarationspflichten. Zum Beispiel kann eine Versicherung Schnupperlehrlinge von der Deklaration ausnehmen und eine Gratisdeckung gew├Ąhren. Probearbeitende ohne Entgelt sind analog Praktikanten, Volont├Ąre geregelt, aber auch hier ist die im Vertrag geregelte Deklarationspflicht zu beachten, um nicht im Leistungsfall eine Leistungsabwehr wegen falscher Deklaration zu erhalten. Zum Beispiel kann eine Versicherungen Probearbeiten auf 1-3 Tage beschr├Ąnkt von der Deklaration befreien und es wird eine Gratisdeckung gew├Ąhrt. Im Leistungsfall wird auch bei einer Gratisdeckung eine Taggeldleistung auf Basis des Mindestlohnes bezahlt.

Beginn des Taggeldanspruchs

Der Anspruch auf Taggeld entsteht am dritten Kalendertag nach dem Unfalltag, sofern der Versicherte infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunf├Ąhig ist. F├╝r den Unfalltag und zwei Folgetage ÔÇô die sogenannten ┬źKarenztage┬╗ ÔÇô wird kein Taggeld ausbezahlt. Bei beruflichen Erkrankungen gilt entweder das Datum der ersten Arztkonsultation oder das Datum der Arbeitsniederlegung als ┬źUnfalltag┬╗. Ob am Unfalltag noch gearbeitet wurde oder nicht, spielt f├╝r das Taggeld keine Rolle.

Beispiel: Unfall am Mittwoch, 1. September, am Abend auf dem Nachhauseweg: Taggeld ab Samstag, 4. September. Unfall am Freitag, 3. September, fr├╝hmorgens: Taggeld ab Montag, 6. September.

Ende des Taggeldanspruchs 

Der Anspruch endet mit dem Wiedererlangen der vollen Arbeitsf├Ąhigkeit (bzw. mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod des Versicherten). Wenn der Verunfallte wieder arbeitsf├Ąhig ist, jedoch zur ├Ąrztlichen Behandlung stundenweise der Arbeit fernbleiben muss, kann f├╝r diese Ausfallstunden ebenso Taggeld beansprucht werden. W├Ąhrend der drei Karenztage wird jedoch grunds├Ątzlich kein Taggeld geleistet, auch nicht f├╝r Ausfallstunden und es besteht Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.

3. EO-Taggelder

Im Gegensatz zu den 365 Kalendertagen bei den Kranken- und Unfalltaggeldern rechnet die Erwerbsersatzordnung (EO) mit 360 Kalendertagen pro Jahr. F├╝r die verschiedenen Personengruppen sind unterschiedliche Ans├Ątze festgelegt.

Mutterschaftsentsch├Ądigung

Die Mutterschaftsentsch├Ądigung (MSE) wird w├Ąhrend 98 Tagen erbracht, sofern die Mutter die Arbeit nicht ganz oder teilweise vorher wieder aufnimmt. Das Taggeld betr├Ągt 80 Prozent des massgebenden Einkommens (ohne Familienzulagen), jedoch maximal 196 Franken pro Tag (= 80 Prozent von 245 Franken). Das Maximum entspricht einem Jahreslohn von 88ÔÇś200 Franken bzw. einem Monatslohn von 7ÔÇÖ350 Franken (x 12) oder 6ÔÇÖ784.60 Franken (x 13). Das erste Taggeld wird f├╝r den Tag der Geburt geleistet.

Nach dem Ende des Mutterschaftsurlaubs kann die Mutter noch zwei Wochen unbezahlten Urlaub nehmen (Art. 35a ArG).

Vaterschaftsentsch├Ądigung

Die Vaterschaftsentsch├Ądigung (VSE) wird w├Ąhrend 14 Tagen erbracht, die wochenweise oder tageweise bezogen werden kann. Das Taggeld betr├Ągt 80 Prozent des massgebenden Einkommens (ohne Familienzulagen), jedoch maximal 196 Franken pro Tag (= 80 Prozent von 245 Franken) und ist somit gleich wie bei der Mutterschaftsentsch├Ądigung. Das erste Taggeld kann bereits f├╝r den Tag der Geburt beantragt werden, muss aber sp├Ątestens nach Ablauf der Rahmenfrist von sechs Monaten nach der Geburt vollst├Ąndig bezogen worden sein. Das Taggeld wird nachsch├╝ssig, und zwar nach dem Bezug des letzten Vaterschaftsurlaubstages ausgerichtet. Zu beachten ist: das Kindesverh├Ąltnis entsteht durch Eheschliessung mit der Mutter, durch Vaterschaftsanerkennung oder durch ein Gerichtsurteil. Bei Adoption besteht kein Anspruch auf den Vaterschaftsurlaub.

Erwerbsausfallentsch├Ądigung bei Dienstleistungen

W├Ąhrend Dienstleistungen werden minimal 62 Franken und maximal 245 Franken pro Tag ausgerichtet. Der Betrag ist abh├Ąngig von der Art des Dienstes, der vorberuflichen Erwerbst├Ątigkeit sowie von Kindern und Betreuungskosten.

4. ALV-Taggeld

Bei der Arbeitslosenversicherung (ALV) wird nicht mit Kalender-, sondern mit Arbeitstagen gerechnet. Das Arbeitslosentaggeld ist mit 21,7 Arbeitstagen pro Monat zu berechnen und betr├Ągt 70 Prozent, bei keinem unterhaltspflichtigen Kind (unter 25 Jahren) und das volle Taggeld betr├Ągt mehr als 140.- Franken. Hingegeben bekommt man 80 Prozent, wenn Arbeitslose f├╝r Kinder aufkommen m├╝ssen oder eine IV-Rente bzw. Unfallrente beziehen und deren volles
Taggeld weniger als 140.- Franken betr├Ągt.

Hier finden Sie eine ├ťbersicht zur Berechnung von ALV-Taggeldern.

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