07.06.2016

Taggeld: Wissenswertes zum Anspruch auf Taggelder

Wenn es um die Taggeldberechnung geht, dann hat jede Sozialversicherung ihre Eigenheiten. Welcher Anspruch besteht und wie die Berechnung von Kranken-, Unfall-, EO- und ALV-Taggelder erfolgt, lesen Sie im aktuellen Beitrag.

Von: Thomas Wachter   Drucken Teilen   Kommentieren  

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren im Personalamt des Kantons Luzern. Früher als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, aktuell als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Weitere Tätigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent für Personalmanagement, -administration und -führung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke «PersonalPraxis» und «Praxisleitfaden Personal».

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Taggeld

Taggeld korrekt berechnen

Die Taggeldabrechnung und Auszahlung erfolgt meist pro Kalendertag. Für die Berechnung von Unfalltaggeldern sind 365 Kalendertage einzusetzen. Gleich verfahren in der Regel Krankentaggeldversicherungen, diese können jedoch auch eine Berechnung mit 360 Tagen vorsehen. Bei EO-Taggeldern (Dienstleistungen, Mutterschaft) ist hingegen grundsätzlich von 360 Kalendertagen auszugehen. Nochmals anders ist die Berechnungsweise bei Arbeitslosentaggeldern, hier wird pro Arbeitstag abgerechnet.

Der 13. Monatslohn wird bei Kranken-, Unfall- und EO-Taggeldern schon mit eingerechnet. Leistet der Arbeitgeber Lohnfortzahlung, ist auf diesen Lohnbestandteilen auch ein 13. Monatslohn geschuldet. Werden hingegen nur die Taggelder über den Arbeitgeber den Mitarbeitenden ausbezahlt, ist darauf kein 13. Monatslohn geschuldet. Dies führt dazu, dass am Jahresende bei Arbeitsverhinderungen oft nur noch ein gekürzter 13. Monatslohn fällig ist.

1. Krankentaggeld

In der Regel werden ein Krankentaggeld von 80% und eine Wartefrist von 7, 14, 30, 60 oder 90 Tagen vereinbart. Bis zur Leistungspflicht der Krankentaggeldversicherung hat der Arbeitgeber Lohnfortzahlung zu leisten, je nach Abmachung von 80% oder 100%. Das Krankentaggeld wird dann ab dem 8., 15., 31., 61. oder 91. Tag bezahlt. Die Basis für die Berechnung des Krankentaggelds ist meist der letzte vor Krankheitsbeginn bezogene AHV-pflichtige Lohn, einschliesslich noch nicht bezahlter Lohnbestandteile, auf die ein Rechtsanspruch besteht. Für Arbeitnehmende mit stark variierendem Lohn gilt der Durchschnitt der letzten 12 Monate vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit als Berechnungsbasis. Familienzulagen sind in der Regel nicht mitversichert und nicht eingerechnet. Meist ist ein Maximallohn vereinbart (z.B. 200’000 Franken).

2. Unfalltaggeld

Die Berechnungsbasis für das Unfalltaggeld ist der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn inklusive Naturalleistungen und Familienzulagen. Eingerechnet werden noch nicht ausbezahlte Lohnbestandteile, auf die ein Rechtsanspruch besteht, wie beispielsweise der Anteil des 13. Monatslohns, zugesicherte Boni, Dienstaltersgeschenke etc.

Wichtig: In der Unfallmeldung müssen alle Lohnbestandteile aufgeführt werden.

Das Unfalltaggeld beträgt 80% bis zum maximal versicherten Lohnes von 148'200.–. Lohnteile darüber sind nicht versichert, sofern keine Zusatzversicherung abgeschlossen wurde. Das Taggeld berechnet sich als 1/365 von 80% des versicherten Lohnes inklusive Familienzulagen. Es beträgt maximal 80% × CHF 148 200.– / 365 = CHF 324.80 pro Kalendertag.

Bei Lernenden, die aufgrund eines Lehrvertrags beschäftigt werden, ist der effektive Lohn massgebend. Hingegen gilt für Praktikanten, Volontäre und zur Abklärung der Berufswahl tätige Personen (z.B. Schnupperlehrlinge) ein Mindestlohn von 81 Franken pro Tag ab vollendetem 20. Altersjahr und von 40 Franken pro Tag vor vollendetem 20. Altersjahr , sofern der tatsächliche Verdienst nicht über diesen Ansätzen liegt. Es handelt sich um 10 bzw. 20 Prozent des Höchstbetrags des versicherten Tagesverdienstes (Art. 23 Abs. 6 UVV).

Beginn des Taggeldanspruchs

Der Anspruch auf Taggeld entsteht am dritten Kalendertag nach dem Unfalltag, sofern der Versicherte infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig ist. Für den Unfalltag und zwei Folgetage – die sogenannten «Karenztage» – wird kein Taggeld ausbezahlt. Bei beruflichen Erkrankungen gilt entweder das Datum der ersten Arztkonsultation oder das Datum der Arbeitsniederlegung als «Unfalltag». Ob am Unfalltag noch gearbeitet wurde oder nicht, spielt für das Taggeld keine Rolle.

Beispiel: Unfall am Montag, 1. Mai, am Abend auf dem Nachhauseweg: Taggeld ab Donnerstag, 4. Mai. Unfall am Mittwoch, 3. Mai, frühmorgens: Taggeld ab Samstag, 6. Mai.

Ende des Taggeldanspruchs 

Der Anspruch endet mit dem Wiedererlangen der vollen Arbeitsfähigkeit (bzw. mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod des Versicherten). Wenn der Verunfallte wieder arbeitsfähig ist, jedoch zur ärztlichen Behandlung stundenweise der Arbeit fernbleiben muss, kann für diese Ausfallstunden ebenso Taggeld beansprucht werden. Während der drei Karenztage wird jedoch grundsätzlich kein Taggeld geleistet, auch nicht für Ausfallstunden.

3. EO-Taggelder

Im Gegensatz zu den 365 Kalendertagen bei den Kranken- und Unfalltaggeldern rechnet die Erwerbsersatzordnung (EO) mit 360 Kalendertagen pro Jahr. Für die verschiedenen Personengruppen sind unterschiedliche Ansätze festgelegt.

Mutterschaftsentschädigung

Die Mutterschaftsentschädigung (MSE) wird während 98 Tagen erbracht, sofern die Mutter die Arbeit nicht ganz oder teilweise vorher wieder aufnimmt. Das Taggeld beträgt 80 Prozent des massgebenden Einkommens (ohne Familienzulagen), jedoch maximal 196 Franken pro Tag (= 80 Prozent von 245 Franken). Das Maximum entspricht einem Jahreslohn von 88‘200 Franken bzw. einem Monatslohn von 7’350 Franken (x 12) oder 6’784.60 Franken (x 13). Das erste Taggeld wird für den Tag der Geburt geleistet.

Nach dem Ende des Mutterschaftsurlaubs kann die Mutter noch zwei Wochen unbezahlten Urlaub nehmen (Art. 35a ArG).

Erwerbsausfallentschädigung bei Dienstleistungen

Während Dienstleistungen werden minimal 62 Franken und maximal 245 Franken pro Tag ausgerichtet. Der Betrag ist abhängig von der Art des Dienstes, der vorberuflichen Erwerbstätigkeit sowie von Kindern und Betreuungskosten.

4. ALV-Taggeld

Bei der Arbeitslosenversicherung (ALV) wird nicht mit Kalender-, sondern mit Arbeitstagen gerechnet. Das Arbeitslosentaggeld ist mit 21,7 Arbeitstagen pro Monat zu berechnen.

Produkt-Empfehlungen

  • Newsletter Lohn und Sozialversicherungen

    Newsletter Lohn und Sozialversicherungen

    Aktuelles Praxiswissen für Personal- und Lohnverantwortliche.

    CHF 98.00

  • Lohn- und GehaltsPraxis

    Lohn- und GehaltsPraxis

    So wickeln Sie Lohnabrechnungsprozesse in allen Fällen effizient und korrekt ab.

    Mehr Infos

  • Sozialversicherungs Praxis

    Sozialversicherungs Praxis

    Sicherheit in allen Fragen zu den Schweizer Sozialversicherungen.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Sozialversicherungen Refresher I - Grundlagen

    Frischen Sie Ihre Grundkenntnisse auf!

    Nächster Termin: 14. März 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Lohnfortzahlung - Praxisbeispiele und Rechtsfragen

    Knifflige Fälle sicher und korrekt lösen

    Nächster Termin: 08. März 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Lohnabrechnung - Basic

    Sicher und kompetent korrekte Lohnabrechnungen erstellen

    Nächster Termin: 20. März 2018

    mehr Infos