27.01.2017

Krankentaggeldversicherung Schweiz: Leistung nach Wartefrist

Bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit erbringt eine Krankentaggeldversicherung Taggeldleistungen. Dies in der Regel auf der Grundlage von 80 % des versicherten Verdienstes während 720, bzw. 730 Tagen. Wie die Regelungen der Krankentaggeldversicherung Schweiz sind, erfahren Sie hier.

Von: René Mettler   Drucken Teilen   2 Kommentare  

René Mettler, eidg. dipl. Versicherungsfachmann

René Mettler arbeitet nach über zwanzigjähriger Erfahrung in den Schadenabteilungen von Versicherungsgesellschaften und nach seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Schleudertrauma-Verbandes seit 2002 als selbständiger Berater für verunfallte und erkrankte Personen in Versicherungs- und Leistungsfällen. Er ist in den Bereichen Haftpflicht-, Versicherungs- und Sozialversicherungsrecht Dozent an verschiedenen Schulen/Fachhochschulen.

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am 30.06.17 02:53 schreibt Zani Gruj
Hallo meine frage ist , wie ist es bei der KTG Versicherung Ferien Anspruch wenn mann seit 8 Monaten krank geschrieben ist und noch gekündigt ist ?
Herzlichen Dank für Infos
Lg
 
am 18.07.17 09:33 schreibt René Mettler
Guten Tag

Gesetzliche Grundlage:

Art. 329b Abs. 2 und 3, OR

Kein Verschulden des Arbeitnehmers an der Verhinderung

Absatz 2 löst bei schuldloser Verhinderung aus Gründen, die in der Person des Arbeitnehmers liegen, nach dem ersten Monat keine Kürzung aus; ab vollendetem 2. Monat der Verhinderung tritt eine Kürzung von einem Zwölftel pro vollen Abwesenheitsmonat ein.

Bei Schwangerschaft sind es nach Absatz 3 sogar drei Monate, die erst eine Kürzung um einen Zwölftel zulassen. Nicht berücksichtigt werden darf dabei aber der gesetzliche Mutterschaftsurlaub.

z.B. Krankheit, Unfall, Erfüllung gesetzlicher Pflichten (Militär), Ausübung eines öffentlichen Amtes oder Jugendurlaub

Auslegung/Rechtsprechung dazu:

Den Angestellten steht von Gesetzes wegen eine Schonfrist zu, in der der Ferienanspruch nicht gekürzt werden darf (siehe oben).
Wird die Schonfrist überschritten, so kann der Ferienanspruch um 1/12 und mit jedem weiteren vollen Monat Arbeitsverhinderung um einen weiteren Zwölftel gekürzt werden.

Angebrochene Monate der Verhinderung bleiben für die Kürzung unberücksichtigt.

Die Ferien dürfen grundsätzlich für jeden vollen Monat gekürzt werden, in dem der Arbeitnehmer in einem Dienstjahr an der Arbeit insgesamt verhindert ist. Das bedeutet, dass mehrere Absenzen innerhalb der 12 Monate ab dem ersten Abwesenheitstag zusammengerechnet werden.

Nicht darunter fallen aber Arbeitsverhinderungen infolge Annahmeverzugs des Arbeitgebers, beispielsweise weil es an Arbeit fehlt.

Die Schonfristen stehen dem Arbeitnehmer in jedem Dienstjahr von neuem zu. Dies gilt auch bei einer Verhinderung des Angestellten, die den Wechsel zu einem neuen Dienstjahr überdauert. Ferner hat das Bundesgericht entschieden, dass die Schonfristen nicht gekürzt werden dürfen, auch wenn das Arbeitsverhältnis im Verlaufe eines Dienstjahres zu Ende geht (JAR 1999 S. 167ff.).

Anerkannt ist zudem, dass die Schonfristen nicht kumuliert werden dürfen, sondern alternativ zueinander stehen.

Falls der Arbeitnehmer nicht vollständig an der Arbeit verhindert ist, sondern in reduziertem Umfang Arbeit leistet, werden weiter die Schonfristen entsprechend verlängert.

Ebenso ist hier eine Kürzung der Ferien erst dann zulässig, wenn die aufgerechneten Zeiten mit teilweiser Abwesenheit von der Arbeit jeweils einem vollen Monat vollständiger Verhinderung entsprechen.

Freundliche Grüsse
René Mettler
 
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Krankentaggeldversicherung Schweiz

Die Krankentaggeldversicherung kann nach den Grundsätzen des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) oder als privatrechtlicher Versicherungsvertrag gemäss Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz, VVG) abgeschlossen werden.

Nach OR Art. 324a muss die abgeschlossene Krankentaggeldversicherung mit der gesetzlichen Lohnfortzahlungspflicht gleichwertig sein. Unbestritten ist, dass bei Bestehen einer Krankentaggeldversicherung, welche mindestens zur Hälfte durch den Arbeitgeber finanziert wird, während zwei Jahren Taggeldleistungen erbringt und die Taggelder 80 % des versicherten Verdienstes ausmachen, als gleichwertig gilt. Dabei können ein bis drei Karenztage einzel- oder gesamtarbeitsvertraglich vereinbart werden. Karenztage bedeuten, dass den Arbeitgeber keine Lohnfortzahlungspflicht für diese Tage trifft.

Meist ist versicherungsvertraglich eine Wartefrist vorgesehen, d. h. die Taggeldleistungen der Krankentaggeldversicherung werden erst nach Ablauf der Wartefrist ausgerichtet. Dabei kann es sich um 14, 30, 90 oder 180 Tage handeln. Eine häufige Frage ist, welche Lohnfortzahlung den Arbeitgeber während einer Wartefrist trifft.

Praxisbeispiel:
Muriel Sommer ist während 20 Tagen arbeitsunfähig. Ihr Arbeitgeber hat eine Krankentaggeldversicherung mit einer Wartefrist von 30 Tagen abgeschlossen. Hat sie Anspruch auf den vollen Lohn oder nur auf 80 %? Während der Wartefrist hat der Arbeitgeber den Lohn auszurichten. Vertraglich kann vereinbart sein, dass sich die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers während der Wartefrist auf 80 % des Lohnes beschränkt.

Taggeldleistungen aus der Krankentaggeldversicherung unterstehen nicht der AHV Beitragspflicht. Leistungen aus der Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers hingegen schon. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer während der Wartefrist nicht 80 % seines Lohnes erhält, sondern darauf auch die Arbeitnehmer-Beiträge an die Sozialversicherungen in Abzug gebracht werden.

Krankentaggeldversicherung Schweiz nach KVG

Das Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) und die dazugehörende Verordnung (KVV) enthalten Bestimmungen zur freiwilligen Krankentaggeldversicherung. Diese Vorschriften sind bei der Vertragsgestaltung zwingend zu berücksichtigen. Wesentlicher Bestandteil eines Vertrags bilden die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) oder das Reglement des Krankenversicherers. Wesentlich ist, dass grundsätzlich auch das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) und die dazugehörige Verordnung (ATSV) zur Anwendung gelangen.

Versicherungsnehmer und Versicherer vereinbaren das versicherte Taggeld. Sie können die Deckung auf Krankheit und Mutterschaft beschränken. Dies im Unterschied zur obligatorischen Krankenpflegeversicherung, welche das Unfallrisiko immer subsidiär mitversichert.

Krankentaggeldversicherung Schweiz nach VVG

Die meisten Kollektiv-Krankentaggeldversicherungen werden nach den Grundsätzen des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag (VVG) abgeschlossen. Es handelt sich dabei ausschliesslich um einen privatrechtlichen Vertrag mit grosser Parteiautonomie. Der Versicherungsvertrag darf nicht gegen die zwingenden oder halbzwingenden Bestimmungen des VVG verstossen. Die Bestimmungen des KVG und des ATSG hat er nicht einzuhalten.

Im Unterschied zur Krankentaggeldversicherung nach KVG gewähren VVG-Verträge in der Regel Taggeldleistungen während 730 Tage pro Leistungsfall, und nicht während 720 Tagen innert 900 Tagen für sämtliche Erkrankungen. Damit eignen sich Krankentaggeldversicherungen nach VVG besonders für die Koordination mit den Invalidenrenten aus der beruflichen Vorsorge (BVG).

Unterschiede KVG/VVG

Ein Unterschied zur Krankentaggeldversicherung nach KVG kann bei privatrechtlichen Verträgen auch darin bestehen, dass nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses die Taggeldleistungen an die versicherte Person bis zum Ablauf der 730 Tage weiterhin ausgerichtet werden, ohne dass zwingend ein Übertritt in die Einzelversicherung notwendig ist. Es gibt auch Versicherungsbedingungen, welche über die Kündigung hinaus nur noch während einer gewissen Dauer (180 oder 360 Tage) Taggeldleistungen erbringen.

Gesundheitsvorbehalte

Verlangt der Privatversicherer beim Eintritt neuer Arbeitnehmer eine Gesundheitsdeklaration, ist diese selbstredend wahrheitsgetreu auszufüllen. Werden Tatsachen, welche dem Arbeitnehmer bekannt sind oder bekannt sein müssten, verschwiegen oder falsch mitgeteilt, entfällt der Versicherungsschutz im Leistungsfall, sofern dieser in einem ursächlichen Zusammenhang mit der verschwiegenen oder unrichtig mitgeteilten Tatsache steht. In der Praxis begegnen wir meist der sogenannten Vollversicherung, d. h. jeder Arbeitnehmer wird ohne Gesundheitsprüfung aufgenommen. Bei dieser heute meist üblichen Versicherungsvariante gibt es keine Leistungsbeschränkungen für vorbestehende Krankheiten, welche während des Arbeitsverhältnisses zu einem Rückfall führen.

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