27.01.2017

Krankentaggeldversicherung Schweiz: Leistung nach Wartefrist

Bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit erbringt eine Krankentaggeldversicherung Taggeldleistungen. Dies in der Regel auf der Grundlage von 80 % des versicherten Verdienstes während 720, bzw. 730 Tagen. Wie die Regelungen der Krankentaggeldversicherung Schweiz sind, erfahren Sie hier.

Von: René Mettler   Drucken Teilen   Kommentieren  

René Mettler, eidg. dipl. Versicherungsfachmann

René Mettler arbeitet nach über zwanzigjähriger Erfahrung in den Schadenabteilungen von Versicherungsgesellschaften und nach seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Schleudertrauma-Verbandes seit 2002 als selbständiger Berater für verunfallte und erkrankte Personen in Versicherungs- und Leistungsfällen. Er ist in den Bereichen Haftpflicht-, Versicherungs- und Sozialversicherungsrecht Dozent an verschiedenen Schulen/Fachhochschulen.

 zum Portrait

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Krankentaggeldversicherung Schweiz

Die Krankentaggeldversicherung kann nach den Grundsätzen des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) oder als privatrechtlicher Versicherungsvertrag gemäss Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz, VVG) abgeschlossen werden.

Nach OR Art. 324a muss die abgeschlossene Krankentaggeldversicherung mit der gesetzlichen Lohnfortzahlungspflicht gleichwertig sein. Unbestritten ist, dass bei Bestehen einer Krankentaggeldversicherung, welche mindestens zur Hälfte durch den Arbeitgeber finanziert wird, während zwei Jahren Taggeldleistungen erbringt und die Taggelder 80 % des versicherten Verdienstes ausmachen, als gleichwertig gilt. Dabei können ein bis drei Karenztage einzel- oder gesamtarbeitsvertraglich vereinbart werden. Karenztage bedeuten, dass den Arbeitgeber keine Lohnfortzahlungspflicht für diese Tage trifft.

Meist ist versicherungsvertraglich eine Wartefrist vorgesehen, d. h. die Taggeldleistungen der Krankentaggeldversicherung werden erst nach Ablauf der Wartefrist ausgerichtet. Dabei kann es sich um 14, 30, 90 oder 180 Tage handeln. Eine häufige Frage ist, welche Lohnfortzahlung den Arbeitgeber während einer Wartefrist trifft.

Praxisbeispiel:
Muriel Sommer ist während 20 Tagen arbeitsunfähig. Ihr Arbeitgeber hat eine Krankentaggeldversicherung mit einer Wartefrist von 30 Tagen abgeschlossen. Hat sie Anspruch auf den vollen Lohn oder nur auf 80 %? Während der Wartefrist hat der Arbeitgeber den Lohn auszurichten. Vertraglich kann vereinbart sein, dass sich die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers während der Wartefrist auf 80 % des Lohnes beschränkt.

Taggeldleistungen aus der Krankentaggeldversicherung unterstehen nicht der AHV Beitragspflicht. Leistungen aus der Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers hingegen schon. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer während der Wartefrist nicht 80 % seines Lohnes erhält, sondern darauf auch die Arbeitnehmer-Beiträge an die Sozialversicherungen in Abzug gebracht werden.

Krankentaggeldversicherung Schweiz nach KVG

Das Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) und die dazugehörende Verordnung (KVV) enthalten Bestimmungen zur freiwilligen Krankentaggeldversicherung. Diese Vorschriften sind bei der Vertragsgestaltung zwingend zu berücksichtigen. Wesentlicher Bestandteil eines Vertrags bilden die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) oder das Reglement des Krankenversicherers. Wesentlich ist, dass grundsätzlich auch das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) und die dazugehörige Verordnung (ATSV) zur Anwendung gelangen.

Versicherungsnehmer und Versicherer vereinbaren das versicherte Taggeld. Sie können die Deckung auf Krankheit und Mutterschaft beschränken. Dies im Unterschied zur obligatorischen Krankenpflegeversicherung, welche das Unfallrisiko immer subsidiär mitversichert.

Krankentaggeldversicherung Schweiz nach VVG

Die meisten Kollektiv-Krankentaggeldversicherungen werden nach den Grundsätzen des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag (VVG) abgeschlossen. Es handelt sich dabei ausschliesslich um einen privatrechtlichen Vertrag mit grosser Parteiautonomie. Der Versicherungsvertrag darf nicht gegen die zwingenden oder halbzwingenden Bestimmungen des VVG verstossen. Die Bestimmungen des KVG und des ATSG hat er nicht einzuhalten.

Im Unterschied zur Krankentaggeldversicherung nach KVG gewähren VVG-Verträge in der Regel Taggeldleistungen während 730 Tage pro Leistungsfall, und nicht während 720 Tagen innert 900 Tagen für sämtliche Erkrankungen. Damit eignen sich Krankentaggeldversicherungen nach VVG besonders für die Koordination mit den Invalidenrenten aus der beruflichen Vorsorge (BVG).

Unterschiede KVG/VVG

Ein Unterschied zur Krankentaggeldversicherung nach KVG kann bei privatrechtlichen Verträgen auch darin bestehen, dass nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses die Taggeldleistungen an die versicherte Person bis zum Ablauf der 730 Tage weiterhin ausgerichtet werden, ohne dass zwingend ein Übertritt in die Einzelversicherung notwendig ist. Es gibt auch Versicherungsbedingungen, welche über die Kündigung hinaus nur noch während einer gewissen Dauer (180 oder 360 Tage) Taggeldleistungen erbringen.

Gesundheitsvorbehalte

Verlangt der Privatversicherer beim Eintritt neuer Arbeitnehmer eine Gesundheitsdeklaration, ist diese selbstredend wahrheitsgetreu auszufüllen. Werden Tatsachen, welche dem Arbeitnehmer bekannt sind oder bekannt sein müssten, verschwiegen oder falsch mitgeteilt, entfällt der Versicherungsschutz im Leistungsfall, sofern dieser in einem ursächlichen Zusammenhang mit der verschwiegenen oder unrichtig mitgeteilten Tatsache steht. In der Praxis begegnen wir meist der sogenannten Vollversicherung, d. h. jeder Arbeitnehmer wird ohne Gesundheitsprüfung aufgenommen. Bei dieser heute meist üblichen Versicherungsvariante gibt es keine Leistungsbeschränkungen für vorbestehende Krankheiten, welche während des Arbeitsverhältnisses zu einem Rückfall führen.

Produkt-Empfehlungen

  • Sozialversicherungs Praxis

    Sozialversicherungs Praxis

    Sicherheit in allen Fragen zu den Schweizer Sozialversicherungen.

    ab CHF 168.00

  • Newsletter Arbeitsrecht

    Newsletter Arbeitsrecht

    Die neusten Gerichtsentscheide und Praxisfälle, verständlich kommentiert.

    Mehr Infos

  • Lohnfortzahlung und Versicherungsleistungen

    Lohnfortzahlung und Versicherungsleistungen

    Rechtssichere Antworten, Beispiele und Praxistipps

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Krankentaggeld- und Unfallversicherung

    Mehr Sicherheit im Umgang mit Versicherungsansprüchen

    Nächster Termin: 29. Juni 2017

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Sozialversicherungen Refresher II

    Leistungen bei Krankheit, Unfall und Mutterschaft

    Nächster Termin: 20. Juni 2017

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Lohnfortzahlung - Praxisbeispiele und Rechtsfragen

    Knifflige Fälle sicher und korrekt lösen

    Nächster Termin: 03. Mai 2017

    mehr Infos