Lohnfindung: Was ist ein marktgerechter Lohn?

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Die Bestimmung eines marktgerechten Lohns erfordert in der Schweiz mehr als den Blick auf die Teuerung, da diese in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist. Unternehmen sollten stattdessen die Nominallohnentwicklung analysieren und die Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) als zentrale Datenquelle nutzen. Diese Erhebung liefert repräsentative Medianwerte, die nach Region, Branche und Funktionsstufe differenziert sind und so einen präzisen Vergleich ermöglichen.

Die wichtigsten Punkte:

  • Die Nominallohnentwicklung ist ein besserer Indikator als die reine Teuerungsrate.
  • Der Median der LSE ist statistisch aussagekräftiger als der Durchschnittswert.
  • Löhne müssen auf eine Standardarbeitszeit von 40 Stunden und 2080 Jahresstunden umgerechnet werden.
  • Regionale Unterschiede sind signifikant, besonders im Kaderbereich.
  • Verbandsangaben und Lohnrechner dienen als ergänzende Orientierungshilfen.
12.01.2026 Von: Ralph Büchel
Lohnfindung

Wie ermitteln Schweizer Unternehmen einen marktgerechten Lohn?

Mit der Lohntransparenz ist es in der Schweiz bekanntlich nicht weit her. Manche Unternehmen versuchen ihren Mitarbeitenden gar zu verbieten, über die Löhne zu reden. Es ist nicht nur für Mitarbeitende, sondern auch für Unternehmen schwierig festzustellen, ob marktgerechte Löhne bezahlt werden. Dabei machen die Lohnkosten in einem Unternehmen meist einen Grossteil der Gesamtaufwendungen aus. Kommt dazu, dass die Löhne nach Branchen und Region stark unterschiedlich sind und von Unternehmen zu Unternehmen je nach Funktion ebenfalls stark streuen. Eine einfache Lohntabelle kann folglich nicht existieren. Wie also kann ein Unternehmen durch eine gezielte Lohnfindung feststellen, ob marktgerechte Löhne bezahlt werden?

Praxis-Tipp: Wir empfehlen als Orientierungshilfe neben den Salärvergleichen und Auskünften von Verbänden und befreundeten Unternehmen die Schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik, welche alle zwei Jahre aktualisiert wird, die verschiedenen Lohnrechner auf dem Web sowie die Empfehlungen des KV-Schweiz für die Berufsgruppen kaufmännische Angestellte und Verkauf.

Lohfindung

Anfang der 70er-Jahre lag die Teuerung regelmässig über 6% und spielte eine grosse Rolle bei der Lohnentwicklung. Seit 10 Jahren entwickelt sich der Landesindex der Konsumentenpreise meist unter 1%, teilweise deutlich darunter. Die Bedeutung der Teuerung ist deshalb stark zurückgegangen.

Stärker orientieren sich die Unternehmen heute an der Nominallohn-Entwicklung. Der Nominallohn umfasst die gesamte Entwicklung der Löhne, unabhängig davon, ob es sich um teuerungsbedingte, generelle oder individuelle Anpassungen handelt. Dabei gilt:

Insgesamt haben die Löhne in den 10 Jahren um rund 0,5% pro Jahr entwickelt, was bei einer leicht negativen Gesamtteuerung zu einer deutlichen Reallohnentwicklung geführt hat.

Anhand der Nominallohnentwicklung lässt sich für Ihr Unternehmen abschätzen, ob Sie insgesamt mit der Entwicklung der Löhne auf dem Markt mithalten konnten oder über resp. unter der allgemeinen Lohnentwicklung liegen.

Lohnstrukturerhebung: Methodik

Die Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) wird alle zwei Jahre im Oktober durchgeführt und basiert auf einem schriftlichen Fragebogen. Rund 49 000 private und öffentliche Unternehmen werden erfasst. Sie gibt mit ihren rund 1,9 Mio. Lohndaten einen repräsentativen Überblick über die Lohnsituation der Beschäftigten in der Industrie und im Dienstleistungssektor, sowie in den verschiedenen Grossregionen.

Der in der Statistik angegebene Zentralwert oder Median ist der mittlere Wert und statistisch aussagekräftiger als der Durchschnitt. Für die Hälfte der Arbeitnehmer/innen liegt der standardisierte Lohn über, für die andere Hälfte dagegen unter dem Median.

Um den Vergleich zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten zu ermöglichen, werden die realen Löhne auf standardisierte Monatslöhne umgerechnet, das heisst auf eine einheitliche Arbeitszeit von 4,33 Wochen zu 40 Stunden.

Es handelt sich um den Bruttolohn im Monat Oktober (d.h. vor Abzug der Arbeitnehmerbeiträge an die Sozialversicherungen), inkl. 13. Monatslohn, Naturalleistungen, regelmässig ausbezahlte Prämien-, Umsatz- oder Provisionsanteile, Entschädigungen für Schicht-, Nacht- und Sonntagsarbeit.

Achtung! Eingerechnet ist der 13. Monatslohn (8,33% des 13. Monatslohns) sowie 8,33% der jährlichen Sonderzahlungen (Boni). Zudem basieren die Löhne auf einer 40-Stundenwoche oder 2080 Stunden. Ihre Löhne sind folglich umzurechnen:

Praxis-Beispiel

Monatslohn CHF 5800.–, 13 Monatslöhne, Bonus CHF 1600.–, Arbeitszeit 41,5 Wochenstunden = 2158 Jahresstunden

Jahreslohn bei 2158 Std. = CHF 5800.– × 13 + CHF 1600.– = CHF 77 000.–

Jahreslohn bei 2080 Std.= 2080 × CHF 77 000.– : 2158 = CHF 74 217.–

Monatslohn bei 40 Wochenstunden = CHF 74 217.– : 12 = CHF 6185.–

Checkliste

  • Sammeln Sie alle Lohnbestandteile Ihres Unternehmens (Bruttolohn, 13. Monatslohn, Prämien, Sonderzahlungen).
  • Rechnen Sie die Jahresstunden Ihrer Mitarbeitenden auf das Standardmass von 2080 Stunden um.
  • Nutzen Sie die Schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik.
  • Berücksichtigen Sie bei der Datenauswahl die spezifische Grossregion Ihres Unternehmens.
  • Unterscheiden Sie zwischen Kaderfunktionen und Mitarbeitenden ohne Kaderfunktion.
  • Vergleichen Sie Ihren Medianwert mit den offiziellen Statistiken der Branche.
  • Ziehen Sie bei kaufmännischen Angestellten die Empfehlungen des KV Schweiz hinzu.
  • Prüfen Sie, ob Ihre Löhne mit der Nominallohnentwicklung von rund 0,5 % pro Jahr mithalten.
  • Dokumentieren Sie Ihre Vergleichsmethodik für interne Transparenz.

Lohnstrukturerhebung: Regionale Unterschiede

Es zeigen sich bedeutende regionale Unterschiede, welche bei den Kaderlöhnen deutlicher ausgeprägt sind als bei Mitarbeitenden ohne Kaderfunktion.

Gesamthaft ergibt sich das folgende Bild der Abweichungen vom Durchschnittslohn der Schweiz:

alleOberstes bis mittleres KaderUnteres KaderUnterste KaderOhne Kaderfunktion 
Schweiz0%0%0%0%0%
Zürich (ZH)+7%+9%+9%+10%+2%
Nordwerstschweiz (BS, BL, AG)+2%+4%+2%+4%+2%
Genferseeregion (GE, VD, VS)+1%+6%+7%+1%0%
Zentrales Mittelland (BE, FR, NE, SO, JU)–1%–6%-6%-1%+1%
Zentralschweiz (LU, NW, OW, UR, SZ, ZG)-1%–5%–7%–5%0%
Ostschweiz (SH, TG, SG, AI, AR, GL, GR)–6%–13%–13%–8%–3%
Tessin (TI)–17%–19%–19%–18%–15%

Quelle: Bundesamt für Statistik, Lohnstrukturerhebung 2020. Umgerechnet in Prozent durch den Autor.

Nützliche Adressen

Lohnstrukturerhebung

Bundesamt für Statistik: www.statistik.admin.ch

Lohnrechner

www.lohnrechner.bfs.admin.chSalarium liefert Ihnen den monatlicher Bruttolohn und die Spannweite für den Lohn in einer bestimmten Branche, Region oder Funktion. Datenquelle: Lohnstrukturerhebung (LSE), privater Sektor
www.lohnrechner.chLohnrechner zur Berechnung ortsüblicher Branchenlöhne des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes
www.lohn-sgb.ch/#calculatorUnterschied zwischen Frauen- und Männerlöhnen für individuelle Profile. Schweizerischer Gewerkschaftsbund
www.lohncheck.chDetaillierte Lohnberechnung aufgrund statistischer Berechnungen von Löhnen
www.lohnanalyse.ch/ch/loehne.htmlLohnvergleich Schweiz-Deutschland-Österreich

www.beobachter.ch/rechner/lohnvergleich

www.karriere.ch/kompetenzen/lohnrechner.asp

Lohnrechner. Es ist eine Anmeldung erforderlich, indem zunächst die eigenen Lohnangaben eingegeben werden.

Kaufmännische Angestellte und Verkauf

Der Kaufmännische Verband Schweiz (KV Schweiz) gibt jährlich Salärempfehlungen für kaufmännische Angestellte und Verkauf heraus. Diese sind nach Funktionsstufen (Ausbildungsniveau und Funktion) und Erfahrung abgestuft und machen Angaben zu Minimum- und Maximumlöhnen.

Infoschrift Nr. 1: Salärempfehlungen

CHF 30.–, für KV-Mitglieder CHF 15.–

Bestellung: www.kfmv.ch

 

Fazit Lohnfindung 

Eine klare und strukturierte Lohnfindung ist entscheidend, um die Zahlung marktgerechter und transparenter Löhne zu gewährleisten. Sie unterstützt Unternehmen dabei, sich wettbewerbsfähig zu positionieren und gleichzeitig das Vertrauen sowie die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu stärken.

FAQ: Lohnfindung

Warum ist der Median in der Lohnstrukturerhebung aussagekräftiger als der Durchschnitt?

Der Median ist der mittlere Wert, bei dem die Hälfte der Löhne darüber und die andere Hälfte darunter liegt. Er wird weniger stark durch extrem hohe oder niedrige Ausreisser verzerrt als der Durchschnitt und bildet daher die Realität der meisten Beschäftigten besser ab.

Wie müssen Löhne für einen fairen Vergleich umgerechnet werden?

Löhne müssen auf eine Standardarbeitszeit von 40 Wochenstunden (2080 Jahresstunden) umgerechnet werden. Dies ermöglicht den direkten Vergleich zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten sowie zwischen Unternehmen mit unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen.

Welche Löhne sind in der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung enthalten?

Erfasst sind der Bruttolohn im Oktober inklusive 13. Monatslohn, Naturalleistungen, regelmässige Prämien, Provisionsanteile sowie Entschädigungen für Schicht-, Nacht- und Sonntagsarbeit. Einmalige Boni werden nur anteilig (8,33 %) berücksichtigt.

Gibt es signifikante regionale Unterschiede bei den Löhnen?

Ja, die Unterschiede sind beträchtlich, besonders im Kaderbereich. Während Zürich und die Nordwestschweiz über dem Durchschnitt liegen, liegen das Tessin und Teile der Ostschweiz deutlich darunter. Diese Abweichungen müssen bei der Lohnfindung zwingend berücksichtigt werden.

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