13.12.2017

Bauwerkvertrag: Definitionen und Vertragsinhalt

Mit einem Bauwerkvertrag verpflichtet sich der Unternehmer gegenüber dem Bauherrn zur Herstellung eines Bauwerkes und dessen Übereignung. Er schuldet ein Werk und einen Leistungserfolg. Im Gegenzug schuldet der Bauherr dem Unternehmer einen Werklohn.

Von: Matthias Streiff   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. iur. Matthias Streiff

Matthias Streiff ist Rechtsanwalt in Wetzikon (ZH) und vorwiegend im Bereich Immobilienrecht tätig (www.this-law.ch). Vormals führte er während mehrerer Jahre die Rechtsdienste der Immobiliengesellschaften Mobimo (Küsnacht) und Allianz Suisse Immobilien AG (Volketswil). Seit Herbst 2004 ist er zudem Dozent beim Nachdiplomstudium der HWZ (Zürich) für den ‹Master of Advanced Studies in Real Estate Management MREM› sowie seit 2008 Dozent am IFZ Zug für den Master in Immobilienmanagement.

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Bauwerkvertrag

Rechtliche Grundlagen

 Beim Bauwerkvertrag handelt es sich um eine spezifische Entwicklung des allgemeinen Werkvertrages gemäss OR 363 ff.

Terminologie und Begriffe

Der Besteller ist der Bauherr. Der Unternehmer ist und bleibt der Unternehmer.

Generalunternehmer: Er fasst die verschiedenen Bauleistungen unter seiner Verantwortung zusammen, wobei er typischerweise verschiedene Arbeiten auf Subunternehmer weiter überträgt.

Totalunternehmer: Dieser unterscheidet sich vom Generalunternehmer nur – aber immerhin – dadurch, dass er auch die Projektierung des Bauvorhabens erbringt. Die Abgrenzung zum Generalunternehmer ist mithin schwierig und erfolgt graduell.

Abgrenzung zum Kauf-(Bau)-Werkvertrag

Der Bau-Werkvertrag ist vom Kauf-(Bau)-Werkvertrag zu unterscheiden:

  • Beim Bau-Werkvertrag verpflichtet sich ein Unternehmer zur Herstellung eines Bauwerkes auf dem Land des Bestellers.
  • Beim Kauf-Werkvertrag erwirbt der Käufer ein Bauwerk im Projektstadium. Der Verkäufer verpflichtet sich nicht nur zur Übertragung des Eigentums am Land (Kaufteil) sondern auch zur Herstellung des Bauwerks. Der Kauf-Werkvertrag beinhaltet Elemente des Grundstückkauf- und des ordentlichen Werkvertrages.

Vertragsphasen

Vorvertragsphase:

  • Ausschreibung
  • Einladung zu Verhandlungen
  • Offerten
  • Vertragsverhandlungen
  • Vertragsschluss

Vertragsphase:

  • Produktion
  • Lieferung
  • Leistung
  • Überlassung
  • Übereignung

Nachvertragsphase:

  • Mängelbehebung
  • Garantiefrist
  • Urheberschutz
  • Schlussabrechnung

Regelungsbereiche

Mit dem Werkvertrag sind Parteien, Preis, Qualität und Termine klar zu regeln:

Preis:

  • Pauschalpreis
  • Globalpreis
  • Offene Abrechnung mit oder ohne Kostendach
  • Zahlungsplan
  • MWSt
  • Verzugszinse

Qualität:

  • Leistungsbeschrieb, Baubeschrieb (BKP)
  • Baubewilligung als Bestandteil
  • Pläne (Massstab)
  • Qualitätsforderungen gem. technischen SIA Ordnungen
  • Mängelprozedere
  • Bauleitung (Verantwortung)
  • Haftung und Garantie

Termin:

  • Baubeginn, Verantwortung Baufreigabe
  • Bauzeit, Meilensteine
  • Übergabe, Bezugstermin
  • Abnahmen, Garantiefrist

Vertragsbestimmungen:

  • Der Bauwerkvertrag kann alleine dem OR und dem Vertragstext folgen, oder es können die SIA Normen als dispositives Recht miteinbezogen werden.
  • Es ist die Rangfolge zu regeln.

Abgrenzungen und Vertragsgrundlagen

Der Bauwerkvertrag ist ein bauspezifischer Werkvertrag. So vielfältig die Bauwerke sind, so verschiedenartig sind die Bauwerkverträge in der Praxis. Jeder Vertrag auf Herstellung und Übereignung eines Bauwerkes wird als Bauwerkvertrag qualifiziert.

Demgegenüber sind die Dienstleistungsverträge abzugrenzen. Dienstleistungsverträge haben nicht die Herstellung eines Werkes, sondern die Mitarbeit an einem Werk zu Vertragsgegenstand. Typische Dienstverträge an Bauwerken sind Ingenieurleistungen, Bauleitung, Bauherrentreuhand oder Baureinigungen oder dergleichen. Dienstleistungsverträge folgen OR 393 ff., dem auftragsrecht.

Der Bauwerkvertrag ist im OR unter den übrigen Werkverträgen in OR 363 ff. geregelt. Das OR stellt keinen bauspezifischen Bauwerkvertrag als Muster zur Verfügung. Diese "Lücke" hat beispielsweise der private SIA mit der SIA-Norm 118 gefüllt. Diese vertragliche Norm bildet eine differenzierte und breit anerkannte Grundlage für Bauwerkverträge. Sie wird wie eine AGB angewendet und kommt deshalb nur zum Zuge, wenn der Bauwerkvertrag ausdrücklich festhält, dass die SIA Norm 118 gelten soll. Gleiches gilt für andere AGB und Musterverträge anderer Vereinigungen. Massgebend ist und bleibt der abgeschlossene Vertrag, mit oder ohne seine "integrierenden" Bestandteile.

Die Rangfolge unter den Vertragsbestandteilen ist im Vertrag selber zu regeln.

Produkt-Empfehlungen

  • Rechtssicher

    Rechtssicher

    Sicherheit bei Rechtsfragen im Geschäftsalltag

    CHF 78.00

  • WEKA Musterverträge

    WEKA Musterverträge

    Die in der Praxis am häufigsten eingesetzten Musterverträge.

    Mehr Infos

  • BaurechtPraxis

    BaurechtPraxis

    Bauprojekte sicher nach SIA-Norm 118 und OR umsetzen.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Baumängel und Bauversicherungen

    Mängel effizient abwickeln und Versicherungsschutz optimieren

    Nächster Termin: 27. Februar 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Bauwerkvertrag nach SIA und OR

    Senken Sie Aufwand und Kosten dank besseren Verträgen

    Nächster Termin: 17. April 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Planer und Bauleiter im Recht

    Sichere Verträge erstellen und Haftungsrisiken vermeiden

    Nächster Termin: 22. März 2018

    mehr Infos