25.01.2019

Testament: Richtig vererben und erben

Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wer später einmal in den Genuss Ihrer Ersparnisse kommen soll? Häufig kommt es nach einem Todesfall zu Erbstreitigkeiten, vor allem wenn kein Testament existiert, welches die Wünsche des Verstorbenen klar und unangreifbar dokumentiert.

Von: Dr. iur. Bernhard Madörin  DruckenTeilen 

Dr. iur. Bernhard Madörin

Dr. iur. Bernhard Madörin ist in Basel geboren und aufgewachsen. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Gymnasiums studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Basel und beendete sein Studium mit der Dissertation im Steuerrecht. Erste Berufserfahrungen im Treuhandbereich sammelte er in den Jahren 1983 bis 1998 als Mitarbeiter und späterer Partner im Treuhandbüro seines Vaters, wodurch er sich in der Branche etablierte. Mit der Gründung seines eigenen Treuhandbüro «Treuhand Dr. iur. Bernhard Madörin» im Jahre 1998 machte er sich selbstständig. Seit 2000 ist Dr. iur. Madörin nun Partner und langjähriges Mitglied des Verwaltungsrates der artax Fide Consult AG. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer hat er als Steuer- und Treuhandexperte die Gesamtverantwortung für die Bereiche Steuern, Recht und Unternehmungsberatung inne und kann heute auf rund 30 Jahre Berufserfahrung als Treuhänder und selbständiger Unternehmer zurückblicken. Um das Angebot im Bereich einer umfassenden Finanzberatung abzurunden, hat Herr Dr. iur. Madörin die Ausbildung zum Versicherungsvermittler VBV erfolgreich abgeschlossen und sich über ein Partnerunternehmen im Vermittlerregister der FINMA eintragen lassen.

Testament

Die Erbengemeinschaft

Die Möglichkeiten, innerhalb einer Erbengemeinschaft zu handeln, hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Während früher die Bank noch Vollmachten über den Tod hinaus akzeptiert hat und damit Vermögensverschiebungen fern jeder erbrechtlicher Grundlage zuliess, wurde dies später eingeschränkt, aber bestehende Vollmachten über eheliche Vermögen oder Familienvermögen waren noch möglich. So ist heute aber ein Ehevermögen oder Familienvermögen im Todesfall blockiert. Dies bedeutet zum Beispiel für eine Witwe, dass sie genügend eigenes Vermögen und Einkommen haben muss, um zu leben, da eine Erbteilung erst die Verfügbarkeit über andere Vermögenswerte ermöglicht. Dies kann faktisch dazu führen, dass eheliches Vermögen im Nachlass eines verstorbenen Ehegatten handlungsunfähig wird. Aus diesem Grund sind Vorkehrungen zu treffen, damit eine solche Blockade nicht auftaucht.

In einem vom Autor kürzlich begleiteten Fall tauchte eine bisher nicht bekannte Halbschwester auf. Dies führte dazu, dass sie den ganzen Nachlass wirksam blockieren konnte und damit ihre erbrechtlichen Ansprüche übermässig geltend machen konnte. Im Ergebnis hat das für die übrigen Mitglieder dazu geführt, dass die Handlungsfähigkeit freigekauft werden musste. Bis ein Gericht über eine Erbteilung urteilt, kann es Jahre dauern. Während dieser Zeit ist das Vermögen blockiert. Massnahmen zur Verhinderung einer solchen Situation können sein, dass bereits schon in der Familie lebzeitig ein Erbvertrag vereinbart wird, welcher die Erbteilung antizipiert vorwegnimmt. Gleichzeitig werden in einem solchen Vertrag Konventionalstrafen vereinbart für den Fall, dass solche Vermögenszuteilungen von Kontrahenten vertragswidrig verhindert werden.

Wirksames Mittel ist auch die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers. Über diese Person wird die Handlungsfähigkeit des Nachlasses gewahrt ab Todestag bis zur Erteilung. Damit kann Schaden abgewendet werden.

Bei grösseren Vermögen besteht die Möglichkeit, in einem Vertrag bereits schon früher Vermögen an die Nachkommen zu übertragen mit der Einschränkung, dass ein Konzilium mitbestimmend über Vermögenswerte wacht. Damit kann ein unkontrollierter Vermögensverfall verhindert werden.

Der Ehevertrag

In einem Ehevertrag können die Ehegatten ehegüterrechtliche Bestimmungen miteinander vereinbaren, welche die Zuordnung der Gütermassen regelt. Dies kann zugunsten des einen oder anderen Ehegatten sein oder zugunsten des Überlebenden. In einem solchen Vertrag kann auch die Bestimmung aufgenommen werden, dass die Errungenschaft dem überlebenden Ehegatten kraft Ehegüterrechts zukommt. Mit einer solchen Bestimmung wird bei Ehen, in denen der wesentliche Vermögensteil durch Errungenschaft aufgebaut worden ist, erreicht, dass der überlebende Ehegatte das meiste Vermögen erhält. Mit einer solchen Bestimmung ist aber trotzdem nicht bestimmt, dass in einem Todesfall der überlebende Ehegatte handlungsfähig bleibt. Die Qualifi kation, was Güterrecht ist und was Erbmasse ist, bleibt den Erben vorbehalten und kann nicht einseitig vom überlebenden Ehegatten vorgenommen werden.

Der Erbvertrag

In einem Erbvertrag können sich die Ehegatten gegenseitig als Erben einsetzen. Sie können aber auch bestimmen, was sinnvoll sein kann, dass beim Zweitversterben die leiblichen Kinder der Ehegatten die gesetzlichen Erben sein sollen. Dies beruhigt in einem Nachlass die Situation, da die Erben der nachfolgenden Generation eine gewisse Sicherheit haben, dass auch sie einmal zum Zuge kommen. Offen ist dann die Frage, ob für die Erben eine Sicherheit errichtet werden soll oder nicht. Der überlebende Ehegatte kann in der Regel frei über sein Vermögen verfügen und könnte im Falle einer Zweitverheiratung sämtliche Güter der zweiten Ehefrau schenken. Liegt diese Schenkung mehr als fünf Jahre seit dem Todesfall des Zweitversterbenden zurück, gehen die Kinder aus erster Ehe leer aus.

In einem Erbvertrag können aber auch die Ehegatten und die Nachkommen bereits schon gemeinschaftlich Regelungen treffen, die vor allem eine einvernehmliche und planbare Lösung beinhalten. Der Nachteil einer solchen Regel ist, dass es ein bindender Vertrag ist und (ein paar Jahre) nach Abschluss dieses Vertrags ein solcher nicht abänderbar ist und ohne Zustimmung aller unterzeichneten Vertragsparteien als bindendes Element in Stein gehauen dasteht.

Das Testament

Schlussendlich steht es jeder Person frei, ein Testament niederzuschreiben und damit letztwillige Verfügungen auf den Tod hin festzulegen. Soweit dieses nicht ehevertragliche Bestimmungen verletzt oder Pflichtteilsrechte von gesetzlichen Erben einschränkt, sind solche testamentarischen Verfügungen wirksam. Ein solches Testament ist empfehlungsweise ausschliesslich beim Erbschaftsamt zu hinterlegen. Dort ist es sicher und wird auch eröffnet. Ein Testament zu Hause kann von demjenigen, der es fi ndet und der mit dem Inhalt nicht zufrieden ist, eliminiert werden. Es kann aber auch sein, dass das Testament gar nicht gefunden wird oder viel zu spät nach vielen Jahren, nachdem alles schon geregelt ist.

Zu vermeiden sind Anordnungen bezüglich der Kremation. Diese sind an anderen Orten zu platzieren (Friedhofsverwaltung). In der Regel hat die Beerdigung schon stattgefunden, wenn ein Testament eröffnet wird.

Erbschaftsteuern

Neben den gesetzlichen Erben und den eingesetzten Erben partizipiert der Staat als weiterer Erbe. In der Schweiz sind Erbschaften in der Familie in auf- und absteigender Linie und unter Ehegatten steuerfrei. Die Erbschaftsteuer erhöht sich, je höher das Erbbetreffnis ist und je weiter der Verwandtschaftsgrad ist. Bei Nichtverwandten kann dies gut 50% erreichen. Planung ist sinnvoll, vor allem wenn das Vermögen in verschiedenen Kantonen und Ländern liegt.

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