Gleitzeitreglement: So erstellen Sie es rechtssicher

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Ein Gleitzeitreglement ist essenziell, um flexible Arbeitszeiten im Betrieb rechtssicher zu organisieren und Klarheit für alle Mitarbeitenden zu schaffen. Es definiert verbindlich die Rahmenbedingungen von Arbeitszeiten, Pausen und der Zeiterfassung unter Einhaltung des Arbeitsgesetzes (ArG) und des Obligationenrechts (OR). Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Block- und Gleitzeiten sowie die klare Regelung des Monatsübertrags und der Behandlung von Überstunden.

Die wichtigsten Punkte:

  • Festlegung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit sowie der Blockzeiten.
  • Einhaltung der Höchstarbeitszeiten nach Art. 10 ArG und Pausenvorschriften.
  • Definition der Regeln für den Monatsübertrag von Plus- oder Minusstunden.
  • Verpflichtende detaillierte Zeiterfassung gemäss Art. 73 ArGV 1.
  • Klare Zuordnung von Überstunden und Kompensationsfristen.
04.08.2025 Von: David Schneeberger
Gleitzeitreglement

Wie erstelle ich ein rechtssicheres Gleitzeitreglement für meinen Betrieb?

Wenn Sie im Betrieb für die Angestellten ein flexibles Arbeitszeitsystem einführen wollen, benötigen Sie ein Gleitzeitreglement, damit für alle Mitarbeitenden die gleichen Regelungen gelten. Dieser Arbeitshilfen-Beitrag zeigt Ihnen, wie Sie ein möglichst optimales Gleitzeitreglement zusammenstellen können.

Schritt 1: Arbeitszeit definieren  

Setzen Sie die Arbeitszeit fest, welche pro Tag/Woche/Monat einzuhalten ist.

Schritt 2: Block- und Gleitzeiten festlegen

Bestimmen Sie, welchen Zeitraum die Blockzeiten am Vor- und Nachmittag umfassen, in denen die Arbeitnehmer am Arbeitsplatz zu sein haben. Definieren Sie auch den frühesten Arbeitsbeginn und das späteste Arbeitsende pro Tag für die Gleitzeit. Beachten Sie dabei die Höchstarbeitszeiten nach ArG (Art. 10 ArG). Legen Sie die Minimal- und Maximaldauer der täglichen Pausen fest.

Schritt 3: Monatsübertrag bestimmen

Entscheiden Sie sich, wie viele Stunden (plus/minus) am Monatsende auf den Folgemonat übertragen werden dürfen (das muss dann auch monatlich überprüft werden).

Schritt 4: Art der Zeiterfassung

Ein Gleitzeitsystem funktioniert nur, wenn eine detaillierte Zeiterfassung vorgenommen wird (ohnehin in Art. 73 ArGV 1 vorgeschrieben). In Frage kommen Stempeluhren, Zeittotalisator, Erfassung durch den Arbeitnehmer in einer Zeittabelle im EDV-System.

Schritt 5: Arbeitsverhinderungen aus persönlichen Gründen  

Halten Sie im Gleitzeitreglement fest, dass Arbeitsverhinderungen aus persönlichen Gründen (insbesondere Arztbesuche usw.) nach Möglichkeit in die Randzeiten der Gleitzeit zu legen sind. Regeln Sie, wieweit diese Ausfallzeiten vor- oder nachgeholt werden müssen (Art. 324a OR beachten). Halten Sie auch fest, wer Absenzen während der Blockzeit oder Ferien bewilligt.

Schritt 6: Überstunden im Gleitzeitreglement  

Halten Sie im Reglement fest, dass ein positiver Gleitzeitsaldo nur dann als Überstundenarbeit angesehen werden kann, wenn es sich um angeordnete oder betriebsnotwendige Mehrarbeit gehandelt hat. Regeln Sie, in welcher Zeitdauer diese Mehrarbeit zu kompensieren ist.

Schritt 7: Weiter zu beachtende Vorschriften  

Für Industriebetriebe, die dem ArG unterstellt sind, gelten noch weitere Vorschriften, die einzuhalten sind, z.Bsp.: 

  • es muss eine Betriebsordnung erstellt werden, welche dem kantonalen Arbeitsamt zur Genehmigung vorzulegen ist (Art. 37 - 39 ArG);
  • der Stundenplan und die Arbeitszeitbewilligungen sind den Angestellten bekannt zu geben (Art. 47 ArG).

Checkliste

  • Arbeitszeitvolumen pro Tag, Woche und Monat festlegen.
  • Blockzeiten für Vor- und Nachmittag sowie Gleitzeitfenster definieren.
  • Höchstarbeitszeiten nach ArG und minimale Pausendauer prüfen.
  • Regeln für den Übertrag von Stunden auf den Folgemonat bestimmen.
  • Ein geeignetes System zur Zeiterfassung (z. B. EDV) auswählen und einrichten.
  • Regelungen für Arbeitsverhinderungen und Absenzen (Art. 324a OR) formulieren.
  • Kriterien für die Anerkennung von Überstunden festlegen.
  • Erforderliche Betriebsordnung und Bewilligungen für Industriebetriebe prüfen.
  • Entwurf des Reglements durch die Arbeitnehmervertretung genehmigen lassen.
  • Reglement durch Unterschrift oder Bekanntgabe in Kraft setzen.

Schritt 8: Verfassen des Gleitzeitreglements  

Erstellen Sie das Gleitzeitzeitreglement.  

Schritt 9: Genehmigung  

Lassen Sie das Gleitzeitreglement durch die Arbeitnehmervertretung im Betrieb oder die Angestellten genehmigen (vgl. Art. 48 ArG für industrielle Betriebe).  

Schritt 10: Bekanntgabe  

Setzen Sie das Reglement in Kraft durch entsprechende Bekanntgabe (für industrielle Betriebe) oder durch Genehmigung der einzelnen Angestellten (mittels Unterschrift).

FAQ: Gleitzeitreglement

Ist ein Gleitzeitreglement für alle Betriebe in der Schweiz zwingend?

Ein Gleitzeitreglement ist nicht für alle Betriebe gesetzlich vorgeschrieben, wird jedoch dringend empfohlen, sobald flexible Arbeitszeiten eingeführt werden. Es schafft Rechtssicherheit und verhindert Missverständnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern.

Wie müssen Überstunden im Gleitzeitmodell behandelt werden?

Ein positiver Gleitzeitsaldo gilt nur dann als Überstundenarbeit, wenn die Mehrarbeit angeordnet oder betriebsnotwendig war. Das Reglement muss festlegen, innerhalb welcher Frist diese Mehrarbeit durch Freizeit oder Lohn ausgeglichen werden muss.

Welche Rolle spielt die Arbeitnehmervertretung?

Die Arbeitnehmervertretung muss dem Gleitzeitreglement zustimmen, bevor es in Kraft tritt. Für Industriebetriebe unterliegt das Reglement zudem einer Genehmigungspflicht durch das kantonale Arbeitsamt.

Müssen persönliche Absenzen wie Arztbesuche in die Gleitzeit fallen?

Ja, im Reglement sollte festgehalten werden, dass Arbeitsverhinderungen aus persönlichen Gründen nach Möglichkeit in die Randzeiten der Gleitzeit gelegt werden. Die Vor- oder Nachholpflicht für diese Ausfallzeiten ist ebenfalls zu regeln.

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