21.08.2018

Arbeitsstreitigkeiten: Wann sind Zeugnisbeanstandungen gerechtfertigt?

Das Arbeitszeugnis kann vom Arbeitnehmenden beanstandet werden. Dabei ist zwischen der gerechtfertigten und der ungerechtfertigten Beanstandung zu unterscheiden. Arbeitszeugnisse bergen immer wieder Grund für Arbeitsstreitigkeiten, die vor Gericht entschieden werden müssen. Es geht darum, was im Zeugnis erwähnt werden darf und was nicht und ob man ein zu gutes Zeugnis als Arbeitgeber zurückfordern kann.

Von: Thomas Wachter  DruckenTeilen Kommentieren 

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren im Personalamt des Kantons Luzern. Früher als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, aktuell als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Weitere Tätigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent für Personalmanagement, -administration und -führung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke «PersonalPraxis» und «Praxisleitfaden Personal».

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Gerechtfertigte Zeugnisbeanstandungen

Es gibt Situationen, in welchen der Arbeitnehmer mit dem ausgehändigten Arbeitszeugnis nicht einverstanden sein kann. Mögliche Gründe sind:

  • Wesentliche Aufgaben und Arbeiten wurden im Zeugnis nicht aufgezeichnet.
  • Die Dauer gewisser Arbeiten wird nicht korrekt wiedergegeben.
  • Die persönlichen Daten sind falsch oder fehlerhaft .
  • Orthographie- oder andere sprachliche Fehler müssen korrigiert werden.
  • Der Arbeitgeber hat Leistung und Verhalten überhaupt nicht erwähnt.
  • Der Arbeitgeber hat sich nicht eindeutig zu Leistung und Verhalten geäussert.
  • Der Arbeitgeber hat nur die Leistung qualifiziert.
  • Der Arbeitgeber hat nur das Verhalten qualifiziert. 

Solche Fehler berechtigen den Arbeitnehmer, eine Zeugnisänderung Mängel kollidieren nämlich mit dem Kriterium der Vollständigkeit.

Geht ein Arbeitgeber nicht auf diese gerechtfertigten Einwände ein, hat der Arbeitnehmer die Möglichkeit, ein korrekt ausgestelltes Zeugnis auf dem Gerichtsweg durchzusetzen. Die Organisation der Gerichte im Zusammenhang mit Arbeitsstreitigkeiten ist Sache der Kantone.

Einfaches und rasches Verfahren bei Arbeitsstreitigkeiten

Das Arbeitsrecht macht insofern eine Ausnahme, indem es den Kantonen vorschreibt, bei Arbeitsstreitigkeiten ein einfaches und rasches Verfahren vorzusehen. Der Sachverhalt muss von Amts wegen festgestellt werden. Es dürfen ausserdem keine Gerichtskosten auferlegt werden, da sich der Streitwert weit unter den vom Gesetz vorgesehenen CHF 30 000.– befindet (OR 343, Abs. 2 und 3). Der Streitwert von Arbeitszeugnissen wird je nach Kantonen sehr unterschiedlich angenommen.

Nicht gerechtfertigte Zeugnisbeanstandungen

Es gehört zur Pflicht eines Arbeitgebers, die unterstellten Mitarbeiter zielbezogen zu führen und periodisch zu qualifizieren. Es ist für einen Arbeitgeber absolut zwingend, sich regelmässig über die Zielerfüllung, Mängel und Verbesserungsmöglichkeiten der Angestellten auszusprechen. Qualifikationen und Rückmeldungen des Arbeitgebers stellen eine unerlässliche Orientierungshilfe für den Arbeitnehmer dar: Sie helfen ihm, sich gezielt zu verbessern. Ausserdem dienen die ausgestellten Qualifikationen der langfristigen Personalentwicklung.

Da die meisten Menschen nicht gerne Kritik einstecken, ist es für einen Arbeitgeber wichtig, sich auf Qualifikationsgespräche und anzubringende Kritik sehr gut vorzubereiten. Wohlwollend geäusserte Kritik wird meistens eher akzeptiert als ungerechtfertigtes, vages Nörgeln.

Brückentechnik empfehlenswert

Kritik, Qualifikationen und wohlgemeinte Verbesserungsvorschläge werden von den Mitarbeitern hin und wieder missverstanden. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass die in Arbeitszeugnissen zu verwendende Brückentechnik gepflegt wird. Wohl ist es bedeutend anspruchsvoller, transparente Arbeitszeugnisse mit Gütesiegel auszustellen, als auf die jahrzehntealte, obsolete Technik der Codierung zurückzugreifen.

Arbeitszeugnisse auf dokumentierte Qualifikationen aufbauen

Erfahrungsgemäss gibt es Angestellte, die nach erfolgtem Umstellen eines Unternehmens auf transparente, uncodierte Arbeitszeugnisse nach wie vor Zeugnisse mit gängiger Codierung verlangen. Dieser Uneinsichtigkeit gilt es mit gezielter Aufklärung entgegenzutreten. Kein Arbeitsgericht kann einen Arbeitgeber zwingen, unwahre und unvollständig abgefasste Zeugnisse auszustellen. Zwingend für Arbeitgeber ist jedoch, dass sie nur transparente Zeugnisse verfassen, die auf zuvor klar kommunizierten und dokumentierten Qualifikationen aufbauen. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, ist es für einen Arbeitgeber leicht, das korrekt ausgestellte Zeugnis durchzusetzen.

Angst vor Arbeitsgerichten ist absolut unbegründet, wenn ein Zeugnis den nachfolgenden Kriterien entspricht:

  • Wahrheit
  • Wohlwollen
  • Vollständigkeit
  • Einheitlichkeit
  • Klarheit 

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