12.07.2019

Arbeitszeugnis bei Krankheit: Das gilt es zu beachten

Immer wieder stellt sich in der Praxis die Frage, ob Arbeitsunterbrüche infolge von Krankheit im Arbeitszeugnis zu erwähnen sind. Einerseits sollte das Arbeitszeugnis wohlwollend im Sinne des Arbeitnehmers verfasst werden, andererseits dürfen wichtige Feststellungen vom Arbeitgeber nicht unterlassen werden. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie Sie ein Arbeitszeugnis bei Krankheit korrekt erstellen.

Teilen Drucken

Arbeitszeugnis bei Krankheit

Arbeitszeugnis bei Krankheit - Die Grundsätze

Das Bundesgericht hielt mit Urteil 4A _187/2010 fest, dass in einem qualifizierten Arbeitszeugnis (Vollzeugnis: Schluss- oder Zwischenzeugnis) auch negative Tatsachen zu erwähnen sind, soweit dies für die Gesamtbeurteilung der Leistung notwendig ist.

Daher sind laut Bundesgericht längere Arbeitsunterbrüche, z.B. wegen Krankheit, in einem qualifizierten Arbeitszeugnis dann zu erwähnen, wenn sie im Verhältnis zur gesamten Vertragsdauer erheblich ins Gewicht fallen und daher ohne Erwähnung ein falscher Eindruck in Bezug auf die tatsächlich erworbene Berufspraxis und -erfahrung entsteht. Haben Arbeisunfähigkeiten einen wesentlichen Einfluss auf die Leistung und/oder das Verhalten oder sind der Grund für die Kündigung, so sind sie ebenfalls zu erwähnen. Allerdings ist die Länge der Krankheit allein nicht entscheidend, sondern vielmehr das Verhältnis zwischen Anstellungs- und Krankheitsdauer. Massgebend ist immer der Einzelfall.

Bemerkungen zu geheilten Gesundheitsproblemen, die keine Auswirkungen hatten und welche die Beurteilung der Leistung oder des Verhaltens des Betroffenen nicht beeinträchtigen, sind laut Bundesgericht dagegen verboten.

Auch übliche krankheitsbedingte Abwesenheiten, wie z.B. Grippe, dürfen nicht in einem Arbeitszeugnis erwähnt werden, auch wenn diese einige Wochen im Jahr ausmachen.

Arbeitszeugnis bei Krankheit - Gerichtsentscheide

Fälle, in denen die Krankheit im Arbeitszeugnis zu erwähnen ist

Im Zeugnis ist eine Krankheit des Arbeitnehmers namentlich zu erwähnen, wenn sie eine Eignung zur Erfüllung der bisherigen Aufgaben infrage stellte und damit einen sachlichen Grund für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses bildete. Diese Voraussetzung ist gegeben, wenn ein Arbeitnehmender infolge Krankheit während mehr als eines Jahres seine bisherige Tätigkeit nicht ausüben konnte und bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht absehbar war, ob und wann er dazu wieder in der Lage sein wird (BGer., 4A_187/2010 = BGE 136 III 510 vom 06.09.10).

Ein Arbeitnehmer aus dem Pflegebereich ist manisch-depressiv veranlagt, was auch zur Entlassung führt, als er einfach in die USA zu den Mormonen davonläuft. Bei einer Pflegetätigkeit darf es dem Arbeitgeber nicht verwehrt sein, einen Hinweis auf den Gesundheitszustand im Zeugnis aufzunehmen, da die Krankheit die Zuverlässigkeit stark beeinträchtigen kann. Ist der Arbeitnehmer damit nicht einverstanden, kann er eine Arbeitsbestätigung verlangen (AGer ZH Publikation 2003 Nr. 15).

Fälle, in denen die Krankheit im Arbeitszeugnis nicht zu erwähnen ist

Bei einer Dauer des Arbeitsverhältnisses von 25 Monaten war der Arbeitnehmende während sechs Monaten krank und ebenso lange freigestellt. Da er während der Zeit der Freistellung krank war, ändert sich die Beurteilung der Arbeitsleistung nicht, weshalb die Krankheit im Zeugnis nicht zu erwähnen ist (AGer ZH Publikation 2005 Nr. 10).

Textbausteine für das Arbeitszeugnis bei Krankheit

Folgende Textbausteine können für ein Arbeitszeugnis bei Krankheit verwendet werden:

  • Leider erkrankte Herr/Frau <Name> im <Monat/Jahr>, so dass er/sie seine/ihre Arbeit nicht mehr fortsetzen konnte. Wir mussten uns deshalb entschliessen, das Arbeits­verhältnis aufzulösen.
  • In der Zeit seit <Datum> zeigte es sich zunehmend, dass Herr/Frau <Name> aus körperlichen (gesundheitlichen) Gründen oft längere Zeit nicht arbeiten konnte und ab <Da­tum> vollständig krankgeschrieben werden musste.
  • (psychische Krankheit) Leider zeigte es sich seit <Monat / Jahr>, dass Herr/Frau <Name> den Belastungen der Stelle nicht immer gewachsen war, was auch längere Abwesenheiten be­dingte.

Seminar-Empfehlung

Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

Arbeitsrecht – Arbeitszeugnisse analysieren und erstellen - Basic

Rechtssichere Arbeitszeugnisse erstellen und kompetente Referenzauskünfte erteilen

So formulieren Sie souverän rechtssichere Zeugnisse und erteilen kompetente Referenzauskünfte. Sie interpretieren Zeugnisse richtig und vermeiden Fehlentscheidungen bei Einstellungen.

Nächster Termin: 12. September 2019

mehr Infos

Produkt-Empfehlungen

  • HR-Professional

    HR-Professional

    Maximale Unterstützung bei Ihrer Personalarbeit dank HR-Fachwissen sowie über 1300 zeitsparenden Vorlagen und Arbeitshilfen.

    ab CHF 290.00

  • Der HR-Profi

    Der HR-Profi

    Schritt-für-Schritt Anleitungen. Umsetzungsbeispiele. HR-Kompetenzen.

    Mehr Infos

  • Arbeitszeugnisse rechtssicher erstellen

    Arbeitszeugnisse rechtssicher erstellen

    Formulierungstipps, Mustertexte und konkrete Antworten auf Praxisfragen.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Arbeitsrecht – Arbeitszeugnisse analysieren und erstellen - Basic

    Rechtssichere Arbeitszeugnisse erstellen und kompetente Referenzauskünfte erteilen

    Nächster Termin: 12. September 2019

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Arbeitsrecht – Arbeitszeugnisse professionell und rechtssicher formulieren – Advanced

    Heikle und spezielle Zeugnisse sicher erstellen und formulieren

    Nächster Termin: 24. Oktober 2019

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Rechtssichere Verwarnung und Kündigung in der Praxis

    Rechtskonform vorgehen und kommunizieren

    Nächster Termin: 26. September 2019

    mehr Infos

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos