20.05.2021

Auszahlung Ferienguthaben: Vier Methoden für die korrekte Auszahlung

Ferien sind grundsätzlich zu beziehen und dürfen nicht ausbezahlt werden. Eine Ausnahme besteht am Ende des Arbeitsverhältnisses, sofern ein Bezug aus dringenden betrieblichen Gründen nicht mehr möglich ist oder sofern der Ferienanspruch die verbleibende Zeit bis zur Beendigung überschreitet. Hier werden Ihnen vier verschiedene Methoden für die Auszahlung von Ferienguthaben vorgestellt.

Von: Michelle Birri, Thomas Wachter   Drucken Teilen  

Michelle Birri

Michelle Birri war knapp 10 Jahre bei der Firma KPMG in Zürich im Bereich der Steuerberatung insbesondere für grenzüberschreitende Sachverhalte beschäft igt. In dieser Funktion hat sie KMU und Grossfi rmen im Bereich der Payroll-Compliance beraten und ist spezialisiert auf die korrekte Abrechnung von sämtlichen Erwerbseinkünft en hinsichtlich Steuern und Sozialversicherung. Im 2015 hat sie die Firma belle tax gmbh in Wallisellen gegründet und berät weiterhin Firmen und natürliche Personen in sämtlichen steuerlichen und lohnadministrativen Belangen. Zudem ist Michelle Birri als Referentin und Dozentin in den Bereichen Lohnadministration und Steuern tätig und vermittelt die Th emen praxisnah.

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren beim Personalamt des Kantons Luzern. Früher als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, zuletzt als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Weitere Tätigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent für Personalmanagement, -administration und -führung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke «PersonalPraxis» und «Praxisleitfaden Personal».

Auszahlung Ferienguthaben

HINWEIS: Dies ist ein Auszug aus dem Produkt «Lohn & SozialversicherungsPraxis». Sie möchten Löhne und Sozialversicherungen effizient und korrekt abwickeln? Jetzt die Online-Lösung für alle Lohn- und Sozialversicherungsfragen abonnieren und unverbindlich testen.

Methode 1: Auszahlung Ferienguthaben aus dem Jahreslohn

1 Tag Ferienauszahlung =  Jahresverdienst (=Monatslohn x 12 oder x13)
                            _______________________________________________________

                             Anzahl Jahresarbeitstage (= 365-104 Sa./So. = 261)

Berechnungsbeispiel:
Monatslohn von CHF 5 000.- (x13)
CHF 65 000.-/ 261 = CHF 249.05

Methode 2: Auszahlung Ferienguthaben aus dem Monatslohn

1 Tag Ferienauszahlung =   Monatslohn evtl. plus Anteil 13. Monatslohn
                             ________________________________________________

                              Anzahl Monatsarbeitstage (= 261/12 = 21.75)

Berechnungsbeispiel:
Montaslohn von CHF 5000.- (x 13)
CHF 5000.- x (13/12) / 21.75 = CHF 249.05

Methode 3: Auszahlung Ferienguthaben aus dem Stundenlohn

1 Tag Ferienauszahlung = Stundenlohn x Anzahl Stunden pro Tag

Berechungsbeispiel:
Monatslohn von CHF 5000.- (x 13), 40-Stunden-Woche
1 Ferientag à 8 Stunden = 8 x 31.25 = 250.00

Die Differenz zu den Methoden 1 und 2 kommt daher, dass 52 Wochen ≠ 365 Tage

Methode 4: Auszahlung Ferienguthaben aus dem Ferienzuschlag

1 Tag Ferienauszahlung = Jahresverdienst (= Monatslohn x 12 oder x 13
                            ______________________________________________

                                         260 - Anzahl Ferientage

Berechnungsbeispiel:
Monatslohn von CHF 5000.– (× 13), 20 Tage Ferien
1 Ferientag = CHF 5000.– × 13/(260 – 20) = 270.85 oder rechnerisch identisch
1 Ferientag = CHF 5000.– × 13 × (8,33% /20) = 270.75


Methode 4 ist unüblich, aber aus rechtlicher Sicht zu bevorzugen. Sie entspricht der Berechnung des Ferienanspruchs im Stundenlohn (bei einer Auszahlung von 20 Ferientagen werden tatsächlich 8,33% Ferien ausbezahlt, bei den andern Methoden sind es 7,66%). Methode 4 ergibt auch sehr ähnliche Werte wie bei einer Verlängerung des Arbeitsverhältnisses, um damit den Ferienbezug noch zu ermöglichen.

Anmerkung Auszahlung Ferienguthaben

Mit den obigen Methoden der Ferienauszahlung werden – mit Ausnahme der Methode 4 – tatsächlich zu tiefe Ansätze für die Ferienauszahlung ausbezahlt.

Ferien sind grundsätzlich zu beziehen und dürfen nicht ausbezahlt werden. Eine Ausnahme besteht am Ende des Arbeitsverhältnisses, sofern ein Bezug aus dringenden betrieblichen Gründen nicht mehr möglich ist oder sofern der Ferienanspruch die verbleibende Zeit bis zur Beendigung überschreitet.

Aus unserer Sicht muss die Berechnung der Ferienauszahlung gleich ausfallen, wie wenn das Arbeitsverhältnis um die Ferientage verlängert würde. Bei einer Verlängerung des Arbeitsverhältnisses erhöht sich jedoch auch der Ferienanspruch, da dieser bis zum späteren Ende des Arbeitsverhältnisses gerechnet wird. Dies wird bei Methode 4 berücksichtigt, weshalb ein höherer Betrag errechnet wird.

Bei den andern Berechnungsmethoden ist, sofern dieser Aspekt berücksichtigt werden soll, zusätzlich der Ferienanspruch für die ausbezahlten Tage aufzurechnen. Insbesondere in Konfliktfällen werden damit allfällige Nachforderungen vermieden.

Beispiel nach Methode I:
CHF 65 000.–/ 261 = CHF 249.05 plus 8,33% = CHF 269.80
(bei 20 Tagen Ferienanspruch)

CHF 65 000.–/ 261 = CHF 249.05 plus 10,64% = CHF 275.55
(bei 25 Tagen Ferienanspruch)

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