14.09.2016

Lohnberechnung: Formeln mit Tücken

Die Berechnung des Ferien-, Überstunden- und Teilzeitlohns hat ihre Tücken. Folgender Beitrag zeigt anhand von einem Beispiel, wo in der Praxis häufig Rechnungsfehler begangen werden.

Von: Martin Farner   Drucken Teilen   Kommentieren  

Martin Farner, Fachanwalt SAV Arbeitsrecht

Nach dem Abschluss des Studiums der Rechtswissenschaften an der Uni Zürich arbeitete Martin Farner als Auditor, Sekretär und Ersatzrichter an zwei Bezirksgerichten im Kanton Zürich, ab Oktober 1974 am Bezirksgericht Zürich. 1978 erwarb er das zürcherische Rechtsanwaltspatent und amtierte von 1980 bis 1986 als Bezirksrichter am Bezirksgericht Zürich, ab 1986 als Vorsitzender der 4. Abteilung am Arbeitsgericht Zürich. Seit 2006 arbeitet Herr Farner als Rechtsanwalt in Zürich mit Schwerpunkt Arbeits- und Zivilrecht sowie öffentliches Arbeitsrecht. Überdies ist er seit 2011 Fachanwalt SAV Arbeitsrecht

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Lohnberechnung

Ausgangssituation

Frau Huber hat am 1. Januar 2015 eine Stelle als Assistentin der Geschäftslei­tung angetreten. Ihr Monatslohn beträgt CHF 7500.– plus eine Gratifikation bei gu­tem Geschäftsgang. Der Ferienanspruch beträgt 5 Wochen. Per 31. Dezember 2015 scheidet Frau Huber wieder aus dem Unternehmen aus, um sich beruf­lich weiterzuentwickeln. Sie konnte von den ihr zustehenden fünf Ferienwochen nur deren drei beziehen. Kein Problem, sagt sich die Arbeitgeberin, wir zahlen die zwei fehlenden Wochen aus. Die Abrech­nung sieht so aus:

 

MonatslohnCHF 7500.00
Taglohn21.75CHF 344.83
Restanspruch Ferien10CHF 3448.28

 Viele Arbeitgeber rechnen falsch

Diese Art der Abrechnung eines Ferienanspruchs, der nicht in natura durch Freizeit bezogen werden konnte, wird in Schweizer Unternehmen tausendfach sopraktiziert. Auch ich selbst weiche gelegentlich bequemlichkeitshalber auf diese Berechnungsart aus, obwohl mir klar ist, dass die Abrechnung falsch ist. Der Fehler ist darum nicht sofort ersichtlich, weil die getroffenen Annahmen auf den ersten Blick plausibel erscheinen.

Die Abrechnung setzt voraus, dass man 21,75 Tage arbeiten muss, um einen Monatslohn zu erwerben. Wenn wir uns einen Monat ohne Ferien vorstellen, ist das im Durchschnitt korrekt, denn ein Kalenderjahr besteht aus 52 Wochen (der 365. Tag des Jahres wird vernachlässigt). Somit verbleiben 365 – 104 = 261 Ar­beitstage pro Jahr oder 21,75 pro Monat im Durchschnitt. Die ebenfalls gebräuch­liche Berechnung 364 – 104 = 260 führt zu 21,66 Arbeitstagen pro Monat.

Knackpunkt Nebenanspruch

Zu den arbeitsrechtlichen Grundannah­men gehört, dass der Lohn das Korrelat zur geleisteten Arbeit ist und daher im Gleichschritt mit der geleisteten Arbeits­zeit anwachsen muss. Das ist eine Folge des arbeitsrechtlichen Austauschverhält­nisses. Was jedoch bei Berechnungen wie der oben gezeigten übersehen wird, ist, dass die Leistung von Arbeit immer auch den Nebenanspruch Ferien gene­riert. Wer eine Stunde arbeitet, erwirbt sich dadurch einen Ferienanspruch von 5 Minuten bei einem Ferienanspruch von 4 Wochen (bzw. von 6,38 Minuten bei 5 Ferienwochen). Frau Huber im Beispiel oben muss 47 Wochen arbeiten, um den Jahreslohn von CHF 90 000.– zu erwer­ben und nicht etwa 52 Wochen. Folg­lich entspricht der Jahreslohn nicht 260 oder 261 mal dem Taglohn, sondern nur 235 mal. Bricht man das auf den Monat herunter, ergeben sich im Durchschnitt 19,58 Arbeitstage. Damit steigt der Wert eines Arbeitstages deutlich:

 

MonatslohnCHF 7500.00
Taglohn19,58CHF 383.04
Restanspruch Ferien10CHF 3830.44

Berechnung mit Ferienanteil

Man kann einen Ferienanspruch auch ganz anders berechnen als unter Zuhil­fenahme von Arbeitstagen, über deren Wert man streiten kann. Bei einem Ferien­anspruch von n Wochen pro Jahr beträgt der Anteil der Ferien verglichen mit der reinen Arbeitszeit n/(52-n), in unserem Fall also 5/47 = 10,64 Prozent. Wenn man in der zuerst gezeigten Berechnung die­sen Ferienanteil hinzuaddiert, erhält man fast das Resultat der zweiten Berechnung:

 

MonatslohnCHF 7500.00
Taglohn21,75CHF 344.83
Restanspruch Ferien10CHF 3448.28
Ferienanteil10,64%CHF 366.90
Total AnspruchCHF 3815.17

Dass überhaupt noch eine Differenz von rund CHF 15.– besteht, rührt daher, dass wir mit 21,75 statt mit 21,66 Arbeitstagen pro Monat gerechnet haben.

Die am Anfang dieses Beitrags angeführte Berechnung setzt voraus, dass Frau Huber, da sie genau ein Jahr Mitarbeiterin der Firma war, einen Ferienanspruch von fünf Wochen hat, von dem sie drei Wochen durch Freizeit bezogen hat, sodass noch zwei Wochen auszuzahlen wären. An die­sem Vorgehen ist unrichtig, dass die zwei Wochen, die Frau Huber mehr gearbeitet hat, als zum Erwerb des ganzen Jahres­lohns nötig gewesen wäre, ebenfalls ei­nen Ferienanspruch generiert haben. Ihr Ferienanspruch ist daher grösser als die fünf Wochen, die sich bei vollständigem Ferienbezug in natura ergeben hätten.

Feiertage mitberücksichtigen

Bei diesen Berechnungen haben wir je­doch immer noch eine Vereinfachung akzeptiert, die von der Sache nicht zu rechtfertigen ist: Wir haben die Feierta­ge weggelassen. Feiertage sind wie die Sonntage arbeitsfrei und sind daher zu­sätzliche freie Tage, die dazu führen, dass zum Erwerb des Monats- bzw. Jahres­lohns etwas weniger gearbeitet werden muss. Die Berücksichtigung der Feiertage würde den Tageslohn um etwa 3 Prozent erhöhen.

Ferienanspruch bei Überstunden

Wenn es um die Auszahlung von Über­stunden geht, rechnen viele Arbeitgeber intuitiv wie folgt, um den Stundenlohn zu ermitteln, wobei der Monat mit 4,333 Wochen gleichgesetzt wird:

 

MonatslohnCHF 7500.00
Arbeitsstunden/ Woche40
Arbeitsstunden/ Monat173,32
Lohn pro StundeCHF 43.27

Das ist der gleiche Ansatz wie bei der ersten, oben dargestellten Ferienlohn-berechnung. Genauso, wie dort ange­nommen worden ist, man müsse 21,75 Tage arbeiten, um einen Monatslohn zu erwerben, wird bei dieser Bestimmung des Stundenlohns vorausgesetzt, dass der Monatslohn das Äquivalent für 173,32 Arbeitsstunden ist. Da jedoch jede Ar­beitsstunde auch den Nebenanspruch Ferien produziert, ist der Wert der effektiv geleisteten Arbeitsstunde höher. Der Mo­natslohn entspricht daher den geleisteten Arbeitsstunden plus dem Ferienanspruch, der in dieser Periode erworben worden ist. Daher ist es sachgerecht, den Wert der Arbeitsstunde nach der effektiv zu leistenden Arbeitszeit ohne Ferien zu be­stimmen, was zu folgender Berechnung führt:

 

JahreslohnCHF 90 000.00
Arbeitsstunden/ Jahr2080
davon Ferien200
reine Arbeitsstunden1880
StundenlohnCHF 47.87

Die Differenz dieser beiden Stundenlöh­ne entspricht dem Ferienanteil am Lohn von Frau Huber. In der Fachliteratur hat Christoph Senti dieses Problem behan­delt (Christoph Senti, Überstunden, AJP 2003 Seite 373 ff.). Sein Kernargument lautet: «Durch die Leistung von Über­stunden nimmt der Ferienanspruch des Arbeitnehmers nicht zu.» Doch ist das wirklich so?

Entschädigung von Mehrarbeit

In unserem Beispiel zur Ferienberechnung oben arbeitet Frau Huber 49 Wochen im Jahr 2015, obwohl sie zum Erwerb des Jahreslohns nur 47 Wochen arbeiten müsste. Dass diese Mehrarbeit auch ei­nen höheren Ferienlohn auslöst, ist aner­kannt. Nun kann man Mehrarbeit nicht nur so leisten, dass man mehr Tage ar­beitet, sondern auch dadurch, dass man an Arbeitstagen mehr Stunden leistet, als das Soll ausmacht. Hätte sich Frau Huber so organisiert, dass zwar ihre 5 Ferienwo­chen im Jahr 2015 Platz gehabt hätten, und hätte sich das dadurch erkauft, dass sie 80 Überstunden (= 2 Wochen Arbeit) leistet, so ist nicht einzusehen, wieso die­se Mehrarbeit pro Stunde 10,64 Prozent tiefer entlöhnt werden soll als eine nor­male Arbeitsstunde.

Der Gesetzgeber hat im Gegenteil Über­stunden mit dem 25-Prozent-Zuschlag verteuert, um damit zur Vermeidung von Mehrarbeit anzuregen. Der Zuschlag entschädigt somit den mit der Arbeit verbundenen Nebenanspruch nicht. Die Entschädigung von Überstunden ohne Zuschlag auf der Basis von CHF 47.87 er­gibt gleich viel wie die richtig berechnete Entschädigung für zwei Ferienwochen (CHF 3829.79). Das ist auch richtig, denn es kann nicht darauf ankommen, wie die Mehrarbeit zustande kommt, sondern nur, ob sie überhaupt geleistet wird.

Ferienanspruch bei Teilzeit

Das Leben von Personalverantwortlichen wäre einfacher, wenn es keine Teilzeit-Arbeitsverhältnisse gäbe. Das Berechnen der arbeitsrechtlichen Nebenansprüche bereitet bei diesen Arbeitsverhältnissen regelmässig Kopfzerbrechen. Dabei lau­tet eine der häufigsten Fragen: Hat auch ein Teilzeitangestellter den vollen Ferien­anspruch?

Zur Diskussion dieser Frage verwandeln wir unsere Frau Huber in eine Teilzeitmit­arbeiterin mit einem 40-Prozent-Pensum und den Arbeitstagen Montag und Diens­tag. Fünf Wochen Ferien bedeuten daher eine Abwesenheit von 5 mal 2 Arbeits­tagen. Der Teilzeitcharakter wird hier in Tagen des Ferienanspruchs ausgedrückt. Dabei ist der Wert eines Arbeitstages gleich wie bei einer 100-Prozent-Anstel­lung:

 

Monatslohn100%CHF 7500.00
Monatslohn40%CHF 3000.00
Lohn pro Arbeitstag8,7CHF 344.83

Die 8,7 Arbeitstage pro Monat erhält man, wenn man die 261 Arbeitstage des Jahres mit 40 Prozent multipliziert und durch 12 teilt. Der Taglohn ist der gleiche wie bei unserer ersten Taglohnberechnung oben. Gewisse Arbeitgeber berechnen den Tag­lohn bei Teilzeitlern durch Division durch 21,75. Das führt dann zu gleichwertigen Resultaten, wenn man dem Teilzeitler einen Ferienanspruch von 25 Tagen an­rechnet. Zu empfehlen ist dieser Ansatz aber nicht, weil er dazu verleitet, bei Blau­machen an einem einzigen Tag einen zu geringen Lohnabzug vorzunehmen.

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