01.03.2016

Burn-out Symptome: Frühzeitig erkennen und handeln

Einseitige Belastung und somit mangelndes Gleichgewicht von Geben und Nehmen im energetischen Haushalt verursachen psychische und physische Erschöpfungszustände. Mehrere gleichzeitig auftretende Symptome führen schliesslich zu einer Störung im Organismus, das in der Folge als Burn-out bezeichnet werden kann.

Von: Markus Marthaler   Drucken Teilen   Kommentieren  

Markus Marthaler

Seine fachlichen Kompetenzen liegen im Führungs- und im psychologischen Bereich des integrierten Gesundheitsmanagements. Gemeinsam mit der Firma check-up AG betreut er Unternehmen in deren Umsetzung. Er leitet persönlichkeitsbildende Seminare und betreut Programme zur Burn-out-Prophylaxe.

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Burn-out Symptome

Unabhängig von Berufsstand, Alter und intellektuellem Status ist jeder von uns der Gefahr des Burnout ausgesetzt.

Statistische Erhebungen bezeichnen allerdings jene Menschen als besonders gefährdet, bei denen intensive Beziehungen zu anderen Menschen im Mittelpunkt stehen. Speziell betrifft dies sozial engagierte Berufsgruppen wie

  • Lehrer
  • Politiker
  • Ärzte und Krankenschwestern
  • Berufsmilitärs
  • sowie generell Vorgesetzte der mittleren Führungsstufe

Zunehmend sind immer mehr auch allein erziehende Elternteile mit Doppelbelastung von Beruf und Familie betroffen.

Praktische Anzeichen von Burn-out Symptome

  • Das emotionale Erschöpftsein ist eines der ersten Burn-out Symptome, das die Betroffenen direkt spüren. In der Folge muss die fehlende Lebenskraft mit einer Mehranstrengung kompensiert werden, was die ersten Anzeichen noch verstärkt. Die parallel verlaufende eingeschränkte Leistungsfähigkeit löst Stress und somit Angst aus. Das Hamsterrad fängt an sich zu drehen. Unter Missachtung der eigenen Bedürfnisse beginnt der seelische Raubbau. Der innere Dampfkessel als bildliches Symbol wird permanent soweit in den roten Bereich aufgeheizt, bis die schwächste und sensibelste Stelle eine Ventilrolle übernimmt und der Zusammenbruch eintritt.
  • Die Betroffenen flüchten sich in eine konkrete Situation, mit Vorliebe in die Arbeit und holen sich dort eine entsprechende Legitimation. Sie verspüren ähnlich einem Drogenabhängigen die Achterbahn der Gefühle in all ihren verführerischen und zerstörerischen Facetten. Durch die Fokussierung auf nur eine Sache verlieren sie sich immer mehr in einer inneren Haltlosigkeit.
  • Ihre persönlichen Werte und ihr ethisches Verhalten stimmen nicht mehr mit der Realität überein. Ein Spannungsfeld entsteht. Wenn Sachzwänge oder gesellschaftliche Vorstellungen überwiegen, wächst die Gefahr, den eigenen Handlungsweisen untreu zu werden.
  • Die Betroffenen schätzen ihr eigenes Potenzial falsch ein, sei es gegenüber Ansprüchen, die sie an sich selbst stellen oder gegenüber Forderungen, die an sie herangetragen werden. Somit fühlen sie sich permanent unter Druck. Diese Verhaltensweise tritt oft bei älteren Menschen auf: sie messen sich an den Leistungen früherer Tage und missachten dadurch ihre Grenzen. 
  • Gefährdet sind auch Erwerbstätige, die in der Monotonie einer Tätigkeit versinken oder in ihren Herausforderungen kein Ende sehen. Sie laufen Gefahr, aufgrund mangelnder Zielvorgaben innerlich zu resignieren. Denn Motivation und ethisches Verhalten in der Arbeit basieren auf einer gesunden Balance von Qualität und Quantität.
  • Die vom Burn-out Betroffenen schenken ihrem Körper keine Beachtung. Sie behandeln ihn respektlos, verdrängen gesundheitliche Warnsignale und verharmlosen Symptome mit zynischen Bemerkungen. So beginnen sie, sich selbst zu belügen.

Auf einen Blick zusammengefasst:

  • Zunehmender Erschöpfungszustand
  • Flucht jeglicher Art
  • Gewissenskonflikte
  • Persönliche Überforderung
  • Mangelnde Orientierung
  • Verdrängen gesundheitlicher Warnsignale

Die Tragik des Burn-out besteht vielfach darin, dass man irrtümlicherweise glaubt, es treffe immer nur die anderen. Dies mag wohl mit ein Grund sein, dass viele Direktbetroffene im Rückblick kopfschüttelnd erkennen, dass es im psychisch körperlichen Bereich eigentlich viele Warnsignale und Burn-out Symptome gegeben hätte, um einen Richtungswechsel herbeizuführen.

Mögliche Ursachen

Die Ursachen liegen meist im gleichzeitigen Aufeinandertreffen schwieriger Situationen, die sich in einer bereits angespannten Lebensphase abspielen.

Eine plötzlich wahrgenommene Verunsicherung wird beispielsweise mit einseitigen Verhaltensmustern aufgefangen. Alte, zum Teil bereits aus der Kindheit erlebte Erziehungsmechanismen tauchen auf. Man verspürt zum Beispiel den Drang, es allen recht machen zu wollen. Man stellt unrealistische Forderungen an sich selbst und untergräbt gleichzeitig die eigene Gefühlswelt.

Andere wiederum haben sich den Beruf zum Hobby gemacht, Lieblingsspruch der «Workaholics», und sehen sich bei Problemen plötzlich einer doppelten Belastung ausgesetzt.

Der permanente Druck lässt wenig Raum für individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Mangelnde Anerkennung im Umfeld kann zum Verlust der Sinnhaftigkeit und somit zu innerer Leere und Haltlosigkeit führen.

Fehlende Werte, eine kontinuierliche Haltlosigkeit – Folgen der Enttraditionalisierung in der Gesellschaft – tragen dazu bei, sich der täglichen Hetze zu unterwerfen. Zusätzliche Legitimation dazu holt man sich aus dem berauschenden Gefühl, unersetzlich zu sein. Während man versucht, Verpasstes nachzuholen oder Kommendes zu planen, entgeht man der Gegenwart. So verliert man die Momente innerer Achtsamkeit. Ruhe verstreicht ungenutzt.

Viele Menschen leben über ihre materiellen Verhältnisse und begeben sich damit auf finanzielles Glatteis. Die dadurch geschaffene Abhängigkeit kann sich in unerwarteten Geschehnissen ebenfalls verhängnisvoll auf die psychische Belastbarkeit auswirken.

Auf einen Blick zusammengefasst:

  • Drang, es allen recht machen zu wollen
  • Sich selber verleugnen, eigene Unehrlichkeit
  • Verdrängung vorwiegend im emotionalen Bereich
  • Überdurchschnittliches Perfektionsstreben
  • Fehlende Werte, mangelnde Sinnhaftigkeit
  • Innere Unruhe
  • Aufbau von Feindbildern gegenüber der Umwelt
  • Materielle Abhängigkeiten welche zusätzlichen Druck schaffen

Äussere Veränderung und Burn-out Symptome

In der Psychologie kennt man verschiedene Vorstellungen, die der Mensch in seiner Wirkung nach aussen heimlich mitträgt. Hier bestehen differenzierte Bilder. So wie wir zu sein glauben, wie die Aussenwelt uns wahrnimmt, und schliesslich wie wir tatsächlich sind.

Menschen, mit einer hohen Burn-out-Gefährdung nehmen sich erst recht anders wahr, als ihre Umwelt sie erlebt. Die Diskrepanz zwischen Eigenwahrnehmung und der Einschätzung der Aussenwelt schafft somit zusätzliche Spannungen.

Aus diesem Grunde sind die Burn-out Symptom Beschreibungen jeweils nach Eigen- und Fremdwahrnehmung aufgegliedert und in die entsprechenden Beziehungsfelder Körper und  Gesundheit, Partnerschaft und Familie, Arbeit und Beruf sowie restliches Umfeld unterteilt:

Körper und Gesundheit

EigenwahrnehmungFremdwahrnehmung

Erschöpfung

Masslose persönliche Überforderung

Unruhiger Schlaf

Respektlosigkeit im Umgang mit sich selbst

Magenbeschwerden

Suchttendenzen, kein Ende sehen

Rückenprobleme

Ignoranz/Spott gegenüber eigener Verfassung

Veränderte Sexualität

 

Kopfschmerzen

 

Appetitlosigkeit

 

  Partnerschaft und Familie

EigenwahrnehmungFremdwahrnehmung

Emotionales Chaos/Labilität

Passivität in jedem Bereich

Rückzug der Gefühle

Depersonalisation

Apathie

Konfliktverdrängung, Entscheidungsschwäche

Ungeduld

Eigenbrötlerei

Launenhaftigkeit

 Arbeit und Beruf

EigenwahrnehmungFremdwahrnehmung

Misstrauen

Drang zu Perfektionismus

Zeitdruck, fehlende Koordination

Rasche Frustration, emotionale Schwankungen

Überall gleichzeitig sein müssen

Mangelnder Überblick

Reduzierte Kommunikation

Missverständnisse im persönlichen Umgang

Selbstkasteiung

Fehlende Sensibilität gegenüber der Umwelt

Kurzfristige hohe Begeisterung

Interesselosigkeit

Schuldzuweisungen

Unzuverlässigkeit

Fixe Idee «andere wollen mir schaden»

Nicht «nein» sagen können

 Restliches Umfeld

EigenwahrnehmungFremdwahrnehmung

Entstehung von Feindbildern

Stereotype Funktionalität

Keine Zeit für Freunde

Helfersyndrom

Lethargie

Abweisung, taktloses Verhalten

Verändertes Verhältnis zu Finanzen

Aufbau äusserer Widerstände

Können Aussenstehende helfen?

Die leistungsorientierte Gesellschaft gewährt wenig Raum für Schwächen. Deshalb lassen die von Burn-out Symptome Betroffenen sich meist erst dann helfen, wenn sich der Ernst ihrer Situation nicht mehr verdrängen lässt und sie sich ihr Leiden gezwungenermassen eingestehen müssen. Doch selbst dann halten viele lieber an ihrer aktuellen Situation fest, als dass sie ihr Leben aktiv verändern und gestalten. Sie scheuen sich vor den Konsequenzen und haben Angst, einer ungewissen Zukunft entgegentreten zu müssen.

Der Zugang von Freunden und Partnern zu diesen Menschen hängt vom Fundament der bestehenden Beziehung ab. Es ist schwierig, die Betroffenen für ihre Situation zu sensibilisieren. In erster Linie hilft es, wenn man mit psychologischem Geschick ihren Selbstwert zu fördern weiss. Gute Ratschläge hingegen weisen sie oft als Bevormundung zurück.

Meist bleibt den Aussenstehenden nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis der Leidende selbst den Zeitpunkt bestimmt, an dem es ihm möglich ist, eine Wende zu vollziehen. Das Stadium der «Krankheit» bestimmt die Dynamik des Verhaltens.

Man erkennt es an der Intensität der Burn-out Symptome. Am Arbeitsplatz hingegen sind Konsequenzen unumgänglich. Der von Burn-out gefährdete Mitarbeiter macht zunehmend Fehler und erbringt verminderte Leistungen. Sein Vorgesetzter muss deshalb reagieren. Es empfiehlt sich, dass er gegenüber dem Betroffenen konkrete Massnahmen zu einer Behandlung vorschlägt und diese auch konsequent durchsetzt.

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