Assessment-Anbieter: Seriöse Angebote erkennen
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Im Gegensatz zur Medizin unterliegt die psychologische Diagnostik noch keiner flächendeckenden staatlichen Akkreditierung. Unternehmen müssen daher selbst prüfen, ob Anbieter über fundierte psychologische Ausbildung verfügen und klare methodische Standards einhalten. Ein abgeschlossenes Studium in Arbeitspsychologie oder ein Zertifikat des Vereins Swiss Assessment dienen als verlässliche Indikatoren für Professionalität.
Die wichtigsten Punkte:
- Assessments erfordern eine strikte Trennung zwischen Beobachtung und Beurteilung.
- Mehrere, speziell ausgebildete Assessoren müssen das Verhalten systematisch beobachten.
- Nur akademisch fundierte Ausbildung garantiert faire und treffsichere Ergebnisse.
- Das Zertifikat von Swiss Assessment ist ein wichtiger Qualitätsnachweis.

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Wie erkenne ich einen seriösen und professionellen Assessment-Anbieter?
Ähnlich wie die Medizin, wenn auch zeitverzögert, entwickelte sich auch die psychologische Diagnostik in Bezug auf Professionalität und Akkreditierung.
Um vor lauter Bäumen den Wald zu sehen, zeigen wir Ihnen einige bedeutende Qualitätsstandards und Qualitätsprüfungsmöglichkeiten auf.
Die Beurteilung einer Person, auch im Rahmen eines Assessments, ist ein subjektiver Prozess. Deshalb gilt es, diesen im Assessment zu kontrollieren, mit dem Ziel, ein realistisches und treffsicheres Ergebnis zu erzielen. Wie ist dies zu bewerkstelligen?
Relevantes Verhalten provozieren
Die Kandidierenden müssen das anforderungsrelevante Verhalten zeigen können. Das bedeutet, wenn beispielsweise die Kompetenz «Durchsetzungsvermögen» beurteilt werden soll, müssen im Assessment, Situationen geschaffen und diejenigen Instrumente eingesetzt werden, die genau diese Kompetenz im Verhalten der Kandidierenden prüfbar machen.
Systematische Beobachtung von Verhalten
Das Verhalten wird von mehreren, in psychologischer Diagnostik ausgebildeten Assessorinnen und Assessoren systematisch beobachtet. Systematisch bedeutet, dass im Vorhinein klar definiert ist, welches Verhalten zu welcher Beurteilung führt. Hierzu liegen präzis beschriebene Verhaltenskategorien vor, die punkto Qualität quantifiziert werden können. Mindestens zwei Assessierende beobachten unabhängig voneinander das Verhalten der Kandidierenden. Später besprechen sie dieses und einigen sich im Rahmen einer Assessorinnen- oder Assessorenkonferenz.
Trennung Beobachtung und Beurteilung
Der Prozess der Beobachtung und der Beurteilung wird strikt getrennt. Während der Beobachtung werden lediglich Notizen gemacht, die später als Erinnerungsstütze für das Gesehene dienen. Erst anschliessend, im Prozess der Beurteilung, wird mit Hilfe der angefertigten Notizen das Verhalten der beobachteten Person systematisch beurteilt. Ansonsten läuft auch diagnostisch bestens ausgebildetes Personal die Gefahr, darauffolgendes Verhalten verzerrt wahrzunehmen, zu schubladisieren und vorschnell ein Urteil zu fällen. Bei Uneinigkeit in der Beurteilung stützt man sich auf die Urteile/Argumente, welche durch klare Verhaltensbeobachtungen begründbar sind.
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Ausbildung der Assessierenden
Die Assessorinnen und Assessoren sollten über eine seriöse Ausbildung in psychologischer Diagnostik verfügen, welche meist im Rahmen eines Psychologiestudiums erfolgt. Weder ein Wochenendkurs noch viel Führungserfahrung oder gesunder Menschenverstand reichen aus, um eine faire und professionelle Beurteilung im Rahmen von Assessments zu gewährleisten.
Checkliste
- Verfügen die Assessorinnen und Assessoren über ein abgeschlossenes Psychologiestudium?
- Wurde eine klare Trennung zwischen Beobachtung und Beurteilung im Prozess etabliert?
- Werden mehrere unabhängige Assessoren für die Beobachtung eingesetzt?
- Sind die Verhaltenskategorien und Beurteilungskriterien vorab definiert?
- Wird das anforderungsrelevante Verhalten durch spezifische Situationen provoziert?
- Existiert ein Zertifikat des Vereins Swiss Assessment für die Organisation?
- Werden bei Uneinigkeit nur Argumente auf Basis konkreter Beobachtungen gewichtet?
- Wird auf reine Führungserfahrung oder Wochenendkurse als Qualifikationsnachweis verzichtet?
- Findet eine Assessorinnen- oder Assessorenkonferenz zur Konsensfindung statt?
- Sind die Instrumente so gewählt, dass sie spezifische Kompetenzen prüfbar machen?
Qualitätscheck durch Ausbildung oder Zertifikat
Auch im Bereich der Qualitätsprüfung ist die Medizin der psychologischen Diagnostik einen grossen Schritt voraus. Wer über einen Abschluss mit Doktorat in Medizin und entsprechender Zusatzausbildung verfügt, kann bei den Gesundheitsdirektionen der Kantone eine Betriebsbewilligung beantragen. Wer als Chirurgin oder Chirurg in einem Spital arbeiten will, muss akkreditiert sein. Und auch ausserhalb der Medizin haben sich die meisten Branchen betreffend Qualitätschecks organisiert. Bevor Ware auf den Markt gelangt, durchlaufen sie strengste Kontrollen. Kurzum, die Qualitätsprüfung überlassen wir in den meisten Fällen dem Staat oder einer vertrauenswürdigen Organisation. Nicht so in der psychologischen Diagnostik. Hier liegen nur wenige Möglichkeiten vor, um die Qualifikation der Expertinnen und Experten oder der Anbieter für Assessments zu prüfen. Gerade deswegen sollten diese besonders beachtet werden. So dient auf Ebene Individuum, ein abgeschlossenes Studium in Arbeitspsychologie, oder auf Ebene Organisation, ein Zertifikat des Vereins Swiss Assessment (www.swissassessment.ch) als Anhaltspunkt für gesicherte Professionalität.
Über kurz oder lang – es zahlt sich aus, nicht nur in die Durchführung von Assessments zu investieren, sondern auch in die Entwicklung der Überprüfung der jeweiligen Anbieter.
Die Begriffe Assessment Center (AC) und Assessment werden in der Praxis oft als gleichbedeutend verwendet. Entsprechend wird in diesem Artikel konsistent der Begriff Assessment verwendet, worunter auch ein AC verstanden wird.
FAQ: Assessment-Anbieter
Warum ist die Trennung von Beobachtung und Beurteilung wichtig?
Diese Trennung verhindert, dass Assessoren spätere Beobachtungen durch vorgefasste Urteile verzerren. Sie sorgt dafür, dass die Beurteilung ausschliesslich auf fundierten Notizen und Fakten basiert.
Reicht viel Führungserfahrung für die Durchführung von Assessments?
Nein. Weder Führungserfahrung noch gesunder Menschenverstand ersetzen eine akademische Ausbildung in psychologischer Diagnostik. Nur diese gewährleistet faire und professionelle Ergebnisse.
Welche Rolle spielt der Verein Swiss Assessment?
Da es keine staatliche Akkreditierung wie in der Medizin gibt, dient das Zertifikat des Vereins Swiss Assessment als wichtiger Anhaltspunkt für gesicherte Professionalität auf Organisationsebene.
Wie wird sichergestellt, dass das Verhalten der Kandidierenden korrekt beurteilt wird?
Durch die systematische Beobachtung mehrerer Assessoren und die anschliessende Besprechung in einer Konferenz, bei der nur klar begründbare Verhaltensbeobachtungen als Entscheidungsgrundlage dienen.