15.06.2018

Demografischer Wandel: Ältere, aber nicht weniger Arbeitskräfte

Auf dem Hintergrund des demografischen Wandels werden Themen des Personalmarketings vermehrt diskutiert. Kaum ein Unternehmen, welches sich nicht Gedanken macht, wie es sich für den Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte und die «erfolgskritischen Kompetenzen» rüstet. Was erwartet uns in Zukunft.

Von: Thomas Wachter  DruckenTeilen 

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren beim Personalamt des Kantons Luzern. Früher als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, zuletzt als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Weitere Tätigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent für Personalmanagement, -administration und -führung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke «PersonalPraxis» und «Praxisleitfaden Personal».

Demografischer Wandel

Der demografische Wandel führt nicht generell und wird auch nicht zu einem Mangel an Arbeitskräften führen. Dennoch bekunden besonders kleine bis mittelgrosse Unternehmen Mühe bei der Anwerbung qualifizierter Personen. Hauptgrund dafür ist nicht etwa ein Mangel an qualifiziertem Personal, sondern die Übermacht des Finanzsektors auf dem Arbeitsmarkt, der häufig attraktivere Angebote selbst für nicht im Finanzwesen ausgebildete Arbeitskräfte bietet.

Es gilt deshalb, den Markt der Mitarbeiter, den Arbeitsmarkt zu betrachten. Die Personalbeschaffung beginnt nicht erst bei der Stellenausschreibung. Schon lange vorher ist es wichtig, dass

  • das Unternehmen bei möglichen Mitarbeitern bekannt ist,               
  • es in der Öffentlichkeit über einen guten Ruf verfügt (Image),                   
  • die notwendigen Kontakte vorhanden sind, um mögliche Interessentinnen und Interessenten anzusprechen, wie beispielsweise Absolventen von Ausbildungen,                   
  • die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter positiv zum Unternehmen eingestellt sind.

Steigende Bevölkerungszahl

Das Bundesamt für Statistik rechnet für die kommenden Jahre mit einer steigenden Bevölkerungszahl. Allerdings ist die Prognose der Bevölkerungsentwicklung mit Unsicherheiten verbunden. Dabei geht das Bundesamt für Statistik von drei sehr unterschiedlichen Szenarien aus.

Im Jahr 2045 wird die Gesamtbevölkerungszahl zwischen 9,4 Mio. und 11,0 Mio. betragen, das mittlere Szenarium rechnet mit rund 10,2 Mio.

Demografischer Wandel – mehr ältere Personen

Dramatisch ist dabei die Entwicklung der Altersgruppen: während 2015 gut jede 6. Person über 65 Jahre alt war (18,0%), wird diese Bevölkerungsgruppe bis 2045 auf rund 26% anwachsen. Insbesondere wird mit einer starken Entwicklung des Anteils der über 80-jährigen Personen gerechnet.

in Tausend20152045
0 bis 19 Jahre1'671.720%1'896.919%+13%
20 bis 64 Jahre 5'166.262%5'588.855%+8%
65 Jahre und mehr1'501.718%2'690.526%+79%
Total8'339.5100%10'176.1100%+22%

Entwicklung der Altersgruppen (Szenarium mittel, BFS 2015)

Diese Entwicklung wird mit dem so genannten Altersquotient ausgedrückt. Im Jahr 2015 kommen 29 Personen über 65 Jahren auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter 20 bis 64. Bis 2045 steigt dieser Wert auf 48.

Höhere Soziallasten

Diese Entwicklung ist für die volkswirtschaftlichen Fragen sehr bedeutungsvoll. Es lässt sich unschwer erkennen, dass die Soziallasten massiv ansteigen. Für die betriebswirtschaftlichen Entwicklungen ist diese Entwicklung jedoch noch näher zu betrachten.

Anzahl der Erwerbstätigen konstant

Die Anzahl der Erwerbstätigen wird sich nicht – wie häufig behauptet – stark rückläufig entwickeln. Vielmehr rechnet das Bundesamt für Statistik bis 2045 im mittleren Szenarium mit einer steigenden Zahl der Erwerbstätigen. Allerdings wird der bisherige starke Anstieg (1995 auf 2010 um 16%) sich vermutlich nicht fortsetzen. Bis 2045 kann jedoch noch von einem Anstieg um total rund 10% ausgegangen werden.

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