29.09.2017

Sozialversicherungen bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses: Phase 3

Welche administrativen Erledigungen müssen Sie als professionelle HR-Fachperson bei einem Austritt Ihres Mitarbeitenden im Bereich Sozialversicherungen beachten?

Von: Daniel Leuzinger   Drucken Teilen   Kommentieren  

Daniel Leuzinger

Herr Leuzinger ist seit 2011 selbstständiger Dozent für Sozialversicherungen und Lehrgangsleiter, Case Manager und Mental Coach.

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Sozialversicherungen wenn das Arbeitsverhältnis endet

Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV)

Ihr/e Mitarbeitende/r sollte 4 bis 6 Monate vor Rentenbeginn das zuständige Formular bei der AHV einreichen, damit die Rente rechtzeitig ausbezahlt wird. Falls Ihr/e Mitarbeitende/r noch Kinder unter 18/25 Jahren hat, erhält er/ sie zusätzlich zu der AHV-Rente noch Kinderrenten ausbezahlt, da er/sie keine Familienzulagen mehr erhalten wird (falls der Partner noch arbeitet, kann er bei seinem Arbeitgeber Familienzulagen beantragen).

Ein Rentenvorbezug 1 oder 2 ganze Jahre (–6,8% pro Jahr lebenslange Kürzung) und ein Rentenaufschub bis Maximum 5 Jahre ist möglich (Zuschlag von 5,2% bis 31,5%), mit den jeweiligen Konsequenzen, in Absprache mit Ihnen als Arbeitgeber. Falls Ihr/e Mitarbeitende/r nach dem Pensionsalter weiterarbeitet, kann er/sie den Rentnerfreibetrag von CHF 1400.– geltend machen = nicht AHV-pflichtig. Übersteigendes Einkommen ist pflichtig, aber nicht mehr rentenbildend. Sie dürfen dem Mitarbeitenden keine ALV-Abzüge mehr machen.

Sie müssen den Mitarbeitenden bei Ihrer AHV-Ausgleichskasse abmelden. Beachten Sie die Gegebenheiten betreffend der Personalakten, die Sie im Personaldossier aufbewahren müssen (5 Jahre).

Berufliche Vorsorge (BVG)

Sie als HR sind das Verbindungsglied zu Ihrer Pensionskasse und deren Stiftungsrat. Die Anmeldung des Rentenbezügers muss nach den Gegebenheiten Ihrer Pensionskasse und deren Reglement, zum Teil bis zu 1 Jahr vorher, beantragt werden, damit die BVG-Rente rechtzeitig berechnet und ausbezahlt werden kann.

Beim Austritt aus der Unternehmung melden Sie Ihre/n Mitarbeitende/n bei Ihrer Pensionskasse ab; und machen Sie bitte Ihren Mitarbeitenden darauf aufmerksam, dass er/sie eine Nachdeckungsfrist für Risikoleistungen von einem Monat hat. Weisen Sie Ihren Mitarbeitenden darauf hin, dass die Freizügigkeitsleistungen (FZ) an die neue Pensionskasse (PK) oder auf ein Freizügigkeitskonto (Bank/ Versicherung) überwiesen werden muss (mittels Einzahlungsschein/Formular).

Falls Ihr/e Mitarbeitende/r Ihnen/Ihrer PK nicht sagt, wohin er seine Freizügigkeitsleistungen überwiesen haben will, muss die PK die Freizügigkeitsleistungen mind. 6 Monate, max. 2 Jahre behalten, dann müssen die Freizügigkeitsleistungen an die Auffangeinrichtung überwiesen werden.

Familienzulagen (FamZ)

Sie als HR/AG müssen Ihren austretenden Mitarbeitenden bei Ihrer Familien-Ausgleichskasse abmelden. Ihr/e Mitarbeitende/r muss sich über den neuen Arbeitgeber bei dieser Familien-Ausgleichskasse anmelden. Falls Ihr/e Mitarbeitende/r nicht arbeitet, kann der Ehepartner die Familienzulagen bei seinem Arbeitgeber anmelden. Wenn beide nicht arbeiten, bezahlen die Kantone die Familienzulagen aus. Dies gilt für Kinder unter 18/25 Jahren.

Unfallversicherung (UVG)

Sie als Arbeitgeber haben eine absolute Informationspflicht gegenüber dem austretenden Mitarbeitenden, dass er eine Nachdeckung von 31 Tagen hat (nach halbem Lohn). Die Nachdeckung erhält man aber nur, wenn man mehr als 8 Stunden pro Woche gearbeitet hat und dadurch NBU-versichert war.

Sie als Arbeitgeber müssen Ihrer Unfallversicherung beweisen können, dass Sie aufgeklärt haben. Lassen Sie von jedem austretenden Mitarbeitenden das Formular Ihres Unfallversicherers ausfüllen und bewahren Sie dieses Formular 5 Jahre im Personaldossier auf.

In der Nachdeckungszeit hat Ihr/e Mitarbeitende das Recht, eine Abredeversicherung von längstens 6 Monaten abzuschliessen und die Prämien einzubezahlen. Anschliessend müssen diese Personen, falls sie nicht arbeiten, unbedingt bei der Krankenkasse die Unfalldeckung miteinschliessen lassen.

Eventuell müssen Sie auch die Jahreslohnsumme anpassen lassen bei Ihrem Unfallversicherer, falls sich die Summe extrem ändert.

Falls eine Unfall-Zusatzversicherung besteht, müssen Sie Ihre/n Mitarbeitende/n über sein Recht betreffend Übertritt in die Einzelversicherung informieren.

Krankentaggeldversicherung (KTGV)

Sie als Arbeitgeber haben eine Informationspflicht gegenüber der/m Mitarbeitenden, dass er/sie das Recht hat, innert der im Vertrag/ Police abgemachten Zeit, in die Einzelkrankentaggeldversicherung vorbehaltslos, überzutreten. Eventuell müssen Sie auch die Jahreslohnsumme bei Ihrem KTGV anpassen lassen.

Krankenkassen (KVG)

Falls Ihr Mitarbeitender länger als 60 Tage Militärdienst leistet, muss er bei seiner Krankenkasse die Prämie sistieren lassen (Rekrutenschule, Zivildienst und Durchdiener). Wenn die/der Mitarbeitende nicht mehr arbeitet und kein Taggeld bezieht, unbedingt in der Krankenkasse die Unfalldeckung einschliessen lassen.

Arbeitslosenversicherung (ALV)

Gekündigte Mitarbeitende müssen bereits in der Kündigungsfrist ihre Stellensuche aufnehmen und belegen können (ca. 10 Bewerbungen pro Monat).

Machen Sie Ihre/n Mitarbeitende/n darauf aufmerksam, dass sie/er nur 70% oder 80% Taggeld bekommt, nach den allgemeinen Wartetagen, und dass die ALV die TG in der Regel erst im Folgemonat ausbezahlen werden. Dies kann zu finanziellen Engpässen Ihrer Mitarbeitenden führen.

Ihr/e Mitarbeitende/r muss vermittlungsfähig sein. Wenn ein/e Mitarbeitende/r länger als 30 Tage krank/verunfallt ist oder 44 einzelne Tage, verliert sie/er den Anspruch auf ALV-TG.

Bei selbst verschuldeter Arbeitslosigkeit werden Einstelltage verfügt, bis zu 60 Tage, das heisst:

  • Sofort bei RAV melden bzw. Arbeitsbemühungen machen (ca. 10 pro Monat) – sonst Einstelltage (Strafe)
  • Wartetage (Tage ohne Zahlung vom RAV) einberechnen, z.B. ohne Unterhaltspflicht ca. 5–15 Tage
  • Während Kündigungsfrist Geld zur Seite legen – manchmal geht es bis zu 1½ Monate, bis das Geld fliesst, je nach Wartetagen etc.
  • Keine Kinder? Nur Taggeld 70% vom letzten Lohn/mit Kindern 80%
  • Geschäftsführer dürfen nicht stempeln – wie Selbstständigewerbende
  • Höchster versicherter Lohn: CHF 12 350.–/ Monat/CHF 148 200.–/Jahr
  • Z.B. ab 25 Jahren (Beitragszeit 2 Jahre) 400 TG, ab 55 Jahren 520 Taggelder
  • Die ALK bestimmt die Höhe des TG, die WT und evtl. Einstelltage.
  • Wenn die Anspruchsberechtigung bei der ALV geklärt ist, ist man automatisch über die ALV bei der SUVA nichtbetriebsunfallversichert
  • Achtung, bis Anspruchsberechtigung gesprochen ist, unbedingt Abredeversicherung abschliessen, falls die 31 Tage Nachdeckung nicht reichen sollten.

Ergänzungsleistungen (EL)

Falls ein Mitarbeiter nur eine kleine AHV/IVund/ oder BVG-Rente erhält oder wenn er ein Taggeld der IV erhält während der Umschulungsmassnahme, soll er unbedingt Ergänzungsleistungen beantragen.

Unter www.prosenectute.ch befindet sich ein Onlinerechner, bei dem man die Anspruchsvoraussetzungen abklären kann.

Sozialhilfe (SH)

Falls ein Mitarbeiter bei der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert wird, muss er sich bei der zuständigen Sozialhilfebehörde melden. Die 26 kantonalen Gesetze und die SKOS-Richtlinien sind zu beachten. Diese prüft nach dem Subsidiaritätsprinzip die Ansprüche und bezahlt Gelder aus.

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