12.07.2016

Best Practice Arztzeugnis: Diverse Fallbeispiele

Die Arbeitnehmenden müssen Arbeitsunfähigkeiten umgehend dem Arbeitgeber melden. Der Arbeitnehmer ist beweispflichtig für die Arbeitsverhinderung und muss auf Verlangen ein Arztzeugnis beibringen.

Von: Thomas Wachter   Drucken Teilen   Kommentieren  

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren im Personalamt des Kantons Luzern. Früher als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, aktuell als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Weitere Tätigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent für Personalmanagement, -administration und -führung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke «PersonalPraxis» und «Praxisleitfaden Personal».

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Best Pratice Arztzeugnis

Ab wann braucht es ein Arztzeugnis?

Es besteht keine allgemein verbindliche Regel, ab dem wievielten Krankheitstag ein Arztzeugnis verlangt werden soll. Sinnvoll erscheint es aber ab dem dritten Krankheitstag.

Praxis-Tipp
Regeln Sie in Ihrem Betrieb die Frage, ab wann ein Arztzeugnis beizubringen ist. In der Regel wird ein Arztzeugnis "spätestens ab dem dritten Arbeitstag" verlangt. Sie sind jedoch berechtigt, auch bei kürzeren Arbeitsunfähigkeiten ein Arztzeugnis zu verlangen.

Unklare Aussagen zur Arbeitsunfähigkeit im Arztzeugnis

Oftmals äussern sich Arztzeugnisse unklar zur Arbeitsunfähigkeit. Beispielsweise ist die Dauer nicht klar geregelt oder aber eine teilweise Arbeitsunfähigkeit ist nicht klar umschrieben. In diesem Fall kann beim Arzt oder der Ärztin nachgefragt werden, wie das Zeugnis zu verstehen ist oder bis wann die Arbeitsunfähigkeit dauert. Das Arztgeheimnis bezieht sich nicht auf Ihre berechtigten Anliegen, präzise Auskünfte zur Arbeitsunfähigkeit zu erhalten.

Praxis-Beispiel: Auffällige Kurzabsenzen
Im Arbeitsvertrag wird ab dem 3. Krankheitstag ein Arztzeugnis verlangt. Ein Mitarbeiter ist dauernd krank, jedoch immer nur ein oder zwei Tage. Kann der Arbeitgeber Arztzeugnisse verlangen?

Dem Arbeitnehmenden kommt eine Beweispflicht im Zusammenhang mit Arbeitsunfähigkeiten zu. Der Arbeitgeber hat das Recht, ab dem ersten Arbeitstag ein Arztzeugnis zu verlangen, auch wenn das Anstellungsreglement etwas anderes vorschreibt.

Praxis-Beispiel: Fehlendes Arbeitszeugnis
Eine Mitarbeiterin war einige Tage krank, jedoch nicht beim Arzt. Nun kann sie folglich kein Arztzeugnis mitbringen. Muss sie nun noch zum Arzt?

Es handelt sich um die Verletzung einer Ordnungsvorschrift, wie die Arbeitnehmer eine Arbeitsunfähigkeit zu belegen haben. Die Lohnfortzahlung ist dennoch gegeben, wenn die Mitarbeiterin anderweitig glaubhaft machen kann, dass sie tatsächlich krank war.

Praxis-Beispiel: Einstellung der Lohnfortzahlung
Im Arbeitsvertrag ist vorgesehen, dass ab dem dritten Krankheitstag ein Arztzeugnis beizubringen ist. Kann die Lohnfortzahlung eingestellt werden, wenn dieses nicht rechtzeitig eintrifft?

Nein, die Lohnfortzahlungspflicht ist nicht an das Beibringen eines Arztzeugnisses gekoppelt. Es handelt sich jedoch um eine betriebliche Ordnungsvorschrift. Das Vorgehen führt deshalb über eine Abmahnung und Nachforderung des Zeugnisses. Lediglich die Weigerung kann zur Einstellung der Lohnfortzahlung führen.

Zweifelhafte Arztzeugnisse

Immer wieder kommt es vor, dass Arbeitgeber einem Arztzeugnis misstrauen. Vorsicht ist insbesondere bei nachträglich ausgestellten Zeugnissen angebracht. Arztzeugnisse, die nur auf Patientenschilderungen abstellen und keine eigenen objektiven Feststellungen des Arztes enthalten oder erst Monate später ausgestellt worden sind, haben kaum Beweiskraft. Dies hat das Kantonsgericht des Kantons St. Gallen in einem Urteil (10.09.2004) festgehalten.

Praxis-Beispiel: Vorgehen bei zweifelhaftem Arbeitszeugnis
Eine Mitarbeiterin bringt ein Arztzeugnis, bei welchem der Arbeitgeber misstraut. Was ist zu tun?

Wir empfehlen im Einverständnis mit der Mitarbeiterin mit dem Arzt Kontakt aufzunehmen. Führt dies zu keinem Resultat, kann ein vertrauensärztliches Gutachten eingefordert werden.

Ein Arztzeugnis kann auch durch das Verhalten des Arbeitnehmenden widerlegt werden. Allerdings genügt es nicht, wenn eine Mitarbeiterin nach ein paar Tagen Bettlägerigkeit beim Spazieren beobachtet wird oder wenn ein psychisch angeschlagener Mitarbeiter im Restaurant angetroffen wird.

Praxis-Beispiel: Haus- und Gartenarbeit trotz Arbeistunfähigkeit
Ein Mitarbeiter ist mit einem Arztzeugnis wegen eines Rückenleidens krankgeschrieben. Nun bringen Sie in Erfahrung, dass er während dieser Zeit sein Haus umgebaut hat.

Im vorliegenden Fall ist das Arztzeugnis durch das Verhalten des Mitarbeiters sicherlich ausreichend widerlegt. Die Firma stellt die Lohnfortzahlung ein und verlangt die geleistete Lohnfortzahlung zurück. Es ist zudem auch eine fristlose Entlassung möglich.

Praxis-Beispiel: Lohnfortzahlung bei Ferien während Krankheit
Ein Mitarbeiter, welcher krankgeschrieben ist, will verreisen. Darf die Firma die Lohnfortzahlung einstellen?

Wenn der Mitarbeiter seit längerem krank ist und der Arzt ausdrücklich sein Einverständnis gibt, kann trotz des Ferienaufenthaltes die Lohnfortzahlung nicht eingestellt werden. Insbesondere ist es denkbar, dass ein solcher Ortswechsel die Erholung fördert. Allfällig empfehlen wir die Abklärung der Frage durch den Vertrauensarzt.

Produkt-Empfehlungen

  • Lohn- und GehaltsPraxis

    Lohn- und GehaltsPraxis

    So wickeln Sie Lohnabrechnungsprozesse in allen Fällen effizient und korrekt ab.

    ab CHF 168.00

  • Lohnfortzahlung und Versicherungsleistungen

    Lohnfortzahlung und Versicherungsleistungen

    Rechtssichere Antworten, Beispiele und Praxistipps

    Mehr Infos

  • Lohn, Lohnabrechnung und Lohndeklaration

    Lohn, Lohnabrechnung und Lohndeklaration

    Die verschiedenen Entlöhnungsformen, die Lohnabrechnung und die Lohndeklaration am Jahresende.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Lohnfortzahlung - Praxisbeispiele und Rechtsfragen

    Knifflige Fälle sicher und korrekt lösen

    Nächster Termin: 08. März 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Lohnabrechnung - Basic

    Sicher und kompetent korrekte Lohnabrechnungen erstellen

    Nächster Termin: 20. März 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Lohnabrechnung - Advanced

    So rechnen Sie komplexe Lohnabrechnungen 100%ig richtig ab

    Nächster Termin: 28. Februar 2018

    mehr Infos