12.03.2015

Homeoffice: So gestalten Sie einen Homeofficevertrag rechtssicher

Spätestens seit der Lancierung des Homeoffice Day durch Mircrosoft vor bald fünf Jahren erfreut sich das tageweise Arbeiten von zuhause aus (Homeoffice) immer grösserer Beliebtheit. Mit den neuen technologischen Entwicklungen, die Vernetzung und Erreichbarkeit jederzeit sicherstellen, ist physische Präsenz am Arbeitsplatz nicht mehr gleich wichtig wie einst.

Von: Astrid Lienhart   Drucken Teilen   1 Kommentar  

Astrid Lienhart

RA Astrid Lienhart ist nach mehrjähriger Tätigkeit an einem erstinstanzlichen Gericht selbständig praktizierende Rechtsanwältin in Zürich und verfügt über profunde Kenntnisse des Privat- und Prozessrechtes. Sie berät und vertritt KMU, Privatpersonen und Startups in allen Belangen des Arbeits-, Vertrags-, IT- und e-Commerce-Rechts sowie des Urheber- und des Wettbewerbsrechts und bearbeitet auch Mandate aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor. In letzter Zeit sind vermehrt Vortragstätigkeiten zu ihrer Tätigkeit dazu gekommen. Auf WEKA Business Media erscheinen regelmässig Fachbeiträge und andere Publikationen von ihr.

 
am 16.11.16 17:00 schreibt Marc Steiner
Ich arbeite als rack jobber und habe mein lager zu hause. Nach meiner tour muss ich mein lager wieder für den nächsten tag bereit machen. Gilt dann meine heimfahrt als meine zeit? Oder noch als arbeitszeit? Und die zeit im lager zu hause wäre normale arbeitszeit oder?
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Homeoffice

Der Ruf nach Homeoffice wird immer lauter

Bis heute sind es primär die Arbeitnehmenden, die sich vermehrt die Möglichkeit wünschen, tageweise im Homeoffice arbeiten zu können. Sie sehen darin die Möglichkeit, Beruf und Familie besser vereinbaren zu können und nutzen den Gewinn an Zeit, der durch den Wegfall immer öfter verstauter Arbeitswege anfällt. Arbeitgeber begegnen dem Konzept aber auch heutzutage noch oft mit abwartendem Misstrauen. Dabei zeigen Studien, dass Homeofficearbeiter weniger gestresst und damit leistungsfähiger sind und ihre Arbeiten dank der Ruhe zuhause rascher erledigen können.

Meist kein entweder oder...  

Die Einführung von Homeoffice stellt in den allermeisten Fällen keine Entweder-oder-Entscheidung dar, das heisst, die Mitarbeiter behalten in den allermeisten Fällen einen Arbeitsplatz im Unternehmen. Dies sollte Unternehmen aber nicht dazu verleiten, die Sache planlos anzugehen oder einfach mal auszuprobieren. Nur wer das neue Modell von Anfang an sauber regelt, schafft die Voraussetzungen für eine Win-Win-Situation.

... aber wenn schon, denn schon!

Unter dem Stichwort Heimarbeitsvertrag kennt das schweizerische Obligationenrecht in Art. 351 – 355 OR schon seit Jahrzehnten eine gesetzliche Regelung der Arbeit von zuhause aus. Neben diesen Artikeln kommen die Bestimmungen über den Einzelarbeitsvertrag ab Art. 319 ff. OR ergänzend zur Anwendung. Doch beide Regelungseinheiten basieren auf einem Arbeitsbild, welches nicht mehr dem heutigen entspricht: der heutige Heimarbeiter oder eben homeofficer arbeitet nicht mehr manuell, sondern geistig, während der klassische Einzelarbeitsvertrag das Arbeiten von zuhause aus nicht kennt. Dem neuen Zeitgeist muss deshalb im Rahmen der Arbeitsverträge Rechnung getragen werden.

Homeoffice versus Freelancing

Doch zunächst ist zu betonen, dass es von überaus grosser Wichtigkeit ist zu bestimmen, ob es sich bei der Zusammenarbeit überhaupt um ein Arbeitsverhältnis handelt oder ob vielmehr die Rede von einem Freelancing ist. Ein Freelancer ist selbständig erwerbstätig, nimmt Aufträge von mehreren Auftraggebern entgegen, versichert sich selber bei den Sozialversicherungen und haftet für deren Prämien. Je nach Konzeption der Zusammenarbeit lassen die Sozialversicherungen aber eine Selbständigkeit nicht gelten und qualifizieren die Zusammenarbeit als klassisches Arbeitsverhältnis (Etwa, wenn ein Freelancer nur einen Auftraggeber hat und sich dessen Weisungen unterziehen muss). Dies hat für den überraschten Arbeitgeber die u.U. äusserst einschneidenden Folge einer Haftung für die Sozialversicherungsbeiträge auf bis zu fünf Jahre zurück. Insbesondere wenn eine Unternehmung mit mehreren vermeintlichen Freelancern zusammen gearbeitet hat, kann sich das zum finanziellen Desaster entwickeln. Im Zweifelsfalle ist der Beizug von juristischem Rat daher sehr zu empfehlen.

Ist die Rede von einem Arbeitsverhältnis, so ist in einem Homeoffice-Vertrag den Besonderheiten und Bedürfnissen dieser Arbeitsform Rechnung zu tragen, indem Sie folgende Punkte regeln:

Bestimmung des Arbeitsortes

Bestimmen Sie, dass neben dem Arbeitsort am Sitz der Firma auch der Wohnsitz des Arbeitnehmers Arbeitsort sein kann. Die „kann“-Formulierung lässt Ihnen den Freiraum, auf die Möglichkeit des Homeoffice zurück zu greifen, wenn Sie das wollen, ohne es aber zu müssen. Sehen Sie das Recht des Arbeitgebers vor, Homeoffice ganz fallen zu lassen, wenn wichtige Gründe das gebieten. Das scheint mir sinnvoll, um zu verhindern, dass ein Arbeitsvertrag gekündigt werden muss, wenn sich Homeoffice im Einzelfall nicht umsetzen lässt oder mit zu grossen Nachteilen verbunden ist.

Anreisezeit = Arbeitszeit?

Steht fest, dass ein Arbeitnehmer den überwiegenden Teil der Arbeitszeit von seinem Zuhause aus erledigen wird, dann gelten – anders als der normale Arbeitsweg – die Anreisezeiten zu Sitzungen als Arbeitszeit. Ebenso kann ein solcher Arbeitnehmer „an seinem gewöhnlichen Arbeitsort“ eine Klage gegen den Arbeitgeber einleiten (Art. 34 Abs. 1 ZPO).

Ausstattung und Finanzierung des Homeoffice

Sodann ist zu regeln, wer die Arbeitsgerätschaften finanziert, mit denen von Zuhause aus gearbeitet werden soll (Computer, Multifunktionsdrucker, Telefon, Internet, Möbel, Räumlichkeiten etc.). Grundsätzlich ist dies Sache des Arbeitgebers. Ist beim Arbeitnehmer bereits eine Infrastruktur vorhanden, so hat der Arbeitgeber diese angemessen zu entschädigen. Regeln Sie diese Punkte detailliert. Ideal ist die Erstellung einer Inventarliste, die Aussagen über die Eigentumsverhältnisse und die vereinbarte Entschädigung macht, sofern die Geräte dem Arbeitnehmer gehören. Die Vereinbarung einer monatlichen oder periodischen Pauschalzahlung ist zulässig.

Pflichten bei Vertragsbeendigung

Wichtig ist sodann, was mit diesen Gerätschaften und insbesondere mit den darauf gespeicherten Daten zu geschehen hat, wenn das Arbeitsverhältnis aufgelöst wird. Vereinbaren Sie eine umgehende Rückgabeverpflichtung oder die Pflicht zur sofortigen und unwiederbringlichen Löschung geschäftlicher Daten auf den Geräten des Arbeitnehmers, nachdem diese dem Arbeitgeber übergeben worden sind. Um diesen Klauseln mehr Durchsetzungskraft zu verleihen, können sie mit einer angemessenen Konventionalstrafe verbunden werden.

Ganz gewöhnlich: Regelung der Arbeitszeiten und Überstunden

Insbesondere wegen der verschwindenden Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit ist beim Homeoffice die vertragliche Regelung von Arbeitszeiten, Pausen und deren Dauer sowie Überstunden wichtig. Inhaltlich können sie wie ein normales Arbeitsverhältnis ausgestaltet werden. Ebenso entspricht die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung der eines normalen Arbeitsverhältnisses und kann neben technischen Mitteln auch dem Mitarbeiter übertragen werden. Schaffen Sie im Arbeitsvertrag ausserdem eine Grundlage für die Zulässigkeit einer elektronischen Kontrolle z.B. über die Auswertung von Zugriffen auf den Firmenserver, sofern der Verdacht auf ein  Fehlverhalten besteht.

Geheimhaltung

Ein wichtiger Punkt ist die Geheimhaltungsverpflichtung, die im Homeoffice-Vertrag wegen der räumlichen Verhältnisse eine besondere Bedeutung erlangt. Der Arbeitnehmer hat dafür zu sorgen, dass die Geschäftsgeheimnisse und vertraulichen Informationen des Arbeitgebers stets gewahrt bleiben. Der Vertrag sollte Massnahmen wie das Schützen aller Geräte durch geheime Passwörter etc. verbindlich vorsehen. Auch hier kann die Verbindlichkeit über eine Konventionalstrafe erhöht werden.

Weitere Punkte

In einer Weisung zu regeln sind die Zeiten von Erreichbarkeit, die Pflicht zur Teilnahme an regelmässigen oder zu vereinbarenden Sitzungen, die auch virtuell, z.B. über Skype oder ähnliche Videokonferenzsysteme stattfinden können.

Abschliessend sind wie allerorts Versicherungsfragen zu beachten. Dies betrifft namentlich die Betriebshaftpflichtversicherung, weil beim Homeoffice unklar sein kann, ob ein Schaden am zuhause stehenden Gerät von der Versicherung des Arbeitgebers gedeckt wird oder von jener des Arbeitnehmers. Die Haftung für Schäden des Arbeitnehmers gegenüber Dritten sind auch unter Homeoffice-Verträgen unverändert dieselben wie bei konventionellen Arbeitsverträgen.

Produkt-Empfehlungen

  • ArbeitsrechtPraxis Professional

    ArbeitsrechtPraxis Professional

    Kommentiertes Schweizer Arbeitsrecht-Wissen für Personal-Verantwortliche.

    ab CHF 168.00

  • PersonalPraxis Premium

    PersonalPraxis Premium

    Einfache und komplexe Personalaufgaben sicher umsetzen, Geschäftsleitung und Linienverantwortliche kompetent unterstützen.

    Mehr Infos

  • Newsletter Arbeitsrecht

    Newsletter Arbeitsrecht

    Die neusten Gerichtsentscheide und Praxisfälle, verständlich kommentiert.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Arbeitsverträge, Reglemente und Spezialvereinbarungen

    Rechtssichere Gestaltung, Formulierung und Umsetzung von Arbeitsverhältnissen

    Nächster Termin: 14. Juni 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Datenschutz am Arbeitsplatz

    Rechte und Pflichten rund um das Personaldossier und die Nutzung von Social Media

    Nächster Termin: 05. Juni 2018

    mehr Infos