22.12.2015

Schichtarbeit: Die verschiedenen Modelle

Schichtarbeit liegt vor, wenn zwei oder mehrere Gruppen von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen nach einem bestimmten Zeitplan gestaffelt und wechselweise am gleichen Arbeitsplatz zum Einsatz gelangen. Bei der Gestaltung von Schichtarbeit sind die arbeitsmedizinischen und arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zu beachten.

Von: Thomas Wachter   Drucken Teilen   Kommentieren  

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren im Personalamt des Kantons Luzern. Fr├╝her als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, aktuell als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Gesch├Ąftsleitung. Weitere T├Ątigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent f├╝r Personalmanagement, -administration und -f├╝hrung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke ┬źPersonalPraxis┬╗ und ┬źPraxisleitfaden Personal┬╗.

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Schichtarbeit

Was ist Schichtarbeit?

Schichtarbeit kombiniert oftmals Fragen von Nachtarbeit und Sonntagsarbeit. Schichtarbeit ist bewilligungspflichtig, sofern das Nachtarbeits- oder/und das Sonntagsarbeitsverbot ber├╝hrt werden. Zudem kennt das Arbeitsgesetz zus├Ątzliche Regeln f├╝r die Schichtarbeit. Das Arbeitsgesetz sucht den Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Interessen der Betriebe und den gesundheitlichen Gefahren f├╝r die Arbeitnehmer. Es wurde deshalb eine Vielzahl von Regelungen, aber auch Ausnahmen unter bestimmten Bedingungen, geschaffen. Dies erschwert den schnellen ├ťberblick, gibt den berechtigten Betrieben aber die M├Âglichkeit, flexible Schichtarbeitsmodelle einzuf├╝hren.

Der vorliegende Artikel versucht, die Vorschriften m├Âglichst klar darzustellen, ohne sich in einzelnen Details zu verlieren. Die Betriebe kommen deshalb nicht darum herum, auch das Arbeitsgesetz (ArG) und die Verordnungen (insbesondere die ArGV1) zu studieren.

Ausnahmeregelungen:
Ausnahmeregelungen bestehen f├╝r Betriebe, auf die im Rahmen der Verordnung 2 Sonderbestimmungen anwendbar sind. Die entsprechenden Hinweise finden sich im Kapitel "Arbeitsgesetz".

Arbeit in zwei Schichten

Die Arbeit in 2 Schichten, die nicht in den Zeitraum der Nachtarbeit ├╝bergreift, ist ohne Bewilligung m├Âglich. Dabei sind aber die Grenzen der Tag- und Abendarbeit einzuhalten (f├╝r die Einf├╝hrung der Abendarbeit sind zudem vorg├Ąngig die Arbeitnehmer anzuh├Âren).

Die Arbeitszeit f├╝r beide Schichten betr├Ągt maximal 17 Stunden wie folgt:

Tagesarbeit: 06.00 Uhr und 20.00 Uhr.
Abendarbeit: 20.00 Uhr und 23.00 Uhr.

Diese Zeiten d├╝rfen max. um eine Stunde verschoben werden:

statt: 06.00 Uhr und 23.00 Uhr
zwischen: 05.00 Uhr und 22.00 Uhr oder
zwischen: 07.00 Uhr und 24.00 Uhr

Voraussetzung f├╝r die Verschiebung der Grenzen:

  • Einverst├Ąndnis der Mehrheit der betroffenen Arbeitnehmer oder der Vertretung der Arbeitnehmer im Betrieb.
  • Die Verschiebung muss f├╝r den ganzen Betrieb gelten.

In bestimmten F├Ąllen kann eine Stunde Nachtarbeit zwischen 05.00 Uhr und 06.00 Uhr oder zwischen 23.00 Uhr und 24.00 Uhr bewilligt werden, ohne dass sie aus technischen oder wirtschaftlichen Gr├╝nden unentbehrlich ist. Dies ist dann der Fall, wenn:

  • der Betrieb regelm├Ąssig auf eine Betriebszeit von 18 Stunden angewiesen ist und dadurch weitere Nachtarbeit zwischen 24.00 Uhr und 05.00 Uhr vermieden wird und
  • im gesamten Betrieb eine Arbeitszeitorganisation in 2 Schichten existiert, und
  • das Einverst├Ąndnis des Arbeitnehmers bekundet wird

Die Stunde Nachtarbeit ist dabei bei vor├╝bergehender Nachtarbeit (weniger als 25 N├Ąchte pro Jahr) mit 25% Lohnzuschlag abzugelten, bei dauernder Nachtarbeit mit 10% Zeit- oder Lohnzuschlag (Achtung: Lohnzuschlag ist mit Ausnahme dieser Zusatzstunde bei dauernder Nachtarbeit nicht erlaubt). Die Kombination dieser beiden Varianten (Verschiebung oder zus├Ątzliche Nachtstunde) ist nicht erlaubt.

Die Arbeitszeit darf 11 Stunden pro Schicht, Pausen inbegriffen, nicht ├╝bersteigen. Wird in zwei Schichten tags und abends gearbeitet, muss der Arbeitnehmer in beiden Schichten zu gleichen Teilen zum Einsatz kommen. Dabei muss die Arbeitszeit muss so organisiert sein, dass kein Arbeitnehmer l├Ąnger als 6 Wochen hintereinander in derselben Schicht zum Einsatz gelangt. Mit dem Einverst├Ąndnis des betroffenen Arbeitnehmers kann die Wechselperiode von 6 Wochen verl├Ąngert oder abgeschafft werden, wenn Arbeitnehmer aus besonderen pers├Ânlichen Gr├╝nden nur am Morgen oder am Abend arbeiten k├Ânnen; oder eine der beiden Schichten wesentlich k├╝rzer ist und nicht mehr als 5 Stunden betr├Ągt.

Schichtarbeit in 3 (oder mehr) Schichten

Da in diesen Modellen Nachtarbeit enthalten ist, ist die Arbeit in 3 (oder mehr) Schichten bewilligungspflichtig. Die Bewilligung wird erteilt, wenn ein dringendes Bed├╝rfnis vorliegt (vor├╝bergehend) resp. Unentbehrlichkeit vorliegt (dauernd oder wiederholt). Die Arbeitszeit darf h├Âchstens 9 Stunden reine Arbeitszeit umfassen in einem Zeitraum von h├Âchstens 10 Stunden inkl. Pausen. Unter gewissen Voraussetzungen sind jedoch auch l├Ąngere Schichten m├Âglich: eine Arbeitszeit von 10 Stunden im Zeitraum von 12 Stunden. Die Voraussetzungen sind:

  • der Arbeitnehmer wird in h├Âchstens drei von sieben aufeinanderfolgenden N├Ąchten besch├Ąftigt.
  • der Arbeitnehmer ist keinem erh├Âhten Risiko und keinen ausserordentlichen Belastungen ausgesetzt und die Entstehung von Gefahrensituationen kann vermieden werden.
  • in einer medizinischen Untersuchung wurde die Eignung des Arbeitnehmers festgestellt (nur bei dauernder oder wiederholter Nachtarbeit, d.h. ab 25 N├Ąchte im Jahr. Bei vor├╝bergehender Nachtarbeit gen├╝gt das Einverst├Ąndnis des Arbeitnehmers).
  • die effektiv zu leistende Arbeitszeit ├╝berschreitet innert 24 Stunden 10 Stunden nicht.

F├╝r vor├╝bergehende Nachtarbeit ist f├╝r die Nachtstunden (also in der Regel von 23 bis 6 Uhr) ein Lohnzuschlag von (mindestens) 25% zu leisten, f├╝r dauernde Nachtarbeit ein Zeitzuschlag von 10%. Bei dauernder Nachtarbeit (ab 25 N├Ąchte pro Jahr) gilt der Zeitzuschlag von 10% absolut. Von dieser Verpflichtung kann auch nicht mit Zustimmung der Arbeitnehmer abgewichen werden. Es gibt von obiger Regelung dennoch zwei Ausnahmen (eine wurde schon bei der 2-Schicht-Arbeit erw├Ąhnt). Der Zeitzuschlag muss nicht gew├Ąhrt werden, wenn:

  • die durchschnittliche Schichtdauer aller Schichten im Betriebsteil einschliesslich der Pausen sieben Stunden nicht ├╝berschreitet. In diesem Fall darf die w├Âchentliche H├Âchstarbeitszeit eines Vollpensums 35 Stunden einschliesslich Pausen nicht ├╝bersteigen.
  • wenn die Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerinnen an nicht mehr als vier N├Ąchten pro Woche zum Einsatz gelangen. In diesem Fall muss die Vier-Tage Woche f├╝r den ganzen Betrieb gelten und einem Vollpensum entsprechen. Zus├Ątzlich darf die w├Âchentliche H├Âchstarbeitszeit nicht mehr als 36 Stunden betragen.

Die Leistung von ├ťberzeitarbeit ist nur an sonst arbeitsfreien Werktagen zul├Ąssig und soweit, als an diesen Tagen nicht gesetzliche Ruhe- oder Ausgleichsruhezeiten bezogen werden.

Wird in drei oder mehr Schichten gearbeitet, muss der Arbeitnehmer in allen Schichten zu gleichen Teilen zum Einsatz kommen. Zwingend vorgeschrieben ist eine sogenannte Vorw├Ąrtsrotation: von Fr├╝h zu Abend zu Nacht. Ausnahmsweise ist der Wechsel in umgekehrter Reihenfolge erlaubt, unter der Bedingung, dass der Arbeitnehmer regelm├Ąssig l├Ąngere w├Âchentliche Ruhezeiten - 3 oder mehr Tage - einhalten kann. Der Wechsel von der Nacht- zur Fr├╝hschicht darf nur zwischen 05.00 Uhr und 08.00 Uhr erfolgen, je nach den im Betrieb festgelegten Grenzen der Tag- und Abendarbeit.

Die Nachtarbeit darf nicht l├Ąnger als ├╝ber eine Periode von h├Âchstens 6 Wochen erfolgen. Sp├Ątestens nach dieser Zeit muss der Arbeitnehmer Tag- oder Abendarbeit ausf├╝hren k├Ânnen. Nachtarbeit ├╝ber eine Zeitspanne von h├Âchstens 12 Wochen ohne Wechsel ist unter folgenden Bedingungen erlaubt, wenn:

  • betriebliche Gr├╝nde es erfordern
  • der Arbeitnehmer schriftlich sein Einverst├Ąndnis erkl├Ąrt hat (z.B. im Arbeitsvertrag) 
  • innert 24 Wochen (6 Monate) die Tagesarbeits-Perioden insgesamt mindestens gleich lang sind wie die Nachtarbeits-Perioden.

Auf den Wechsel zwischen Nacht-, Morgen- und Abendschicht kann verzichtet werden, wenn

  • der Arbeitnehmer keinem erh├Âhten Risiko und keinen ausserordentlichen Belastungen ausgesetzt ist und die Entstehung von Gefahrensituationen vermieden werden kann
  • in einer medizinischen Untersuchung die Eignung des Arbeitnehmers festgestellt worden ist,
  • es aus betrieblichen Gr├╝nden notwendig ist
  • der Arbeitnehmer schriftlich sein Einverst├Ąndnis erkl├Ąrt hat,
  • der Arbeitnehmer h├Âchstens 5 von 7 resp. 6 von 9 aufeinanderfolgende N├Ąchte besch├Ąftig ist,
  • der Arbeitnehmer keine ├ťberzeitarbeit leistet.

Ununterbrochener Betrieb

Als ununterbrochener Betrieb gilt ein Arbeitszeitsystem bei dem w├Ąhrend 24 Stunden und an sieben Tagen der Woche Schichtarbeit geleistet wird (also sowohl Nachtarbeit als auch Sonntagsarbeit im Schichtbetrieb geleistet wird). Unterunterbrochener Betrieb ist bewilligungspflichtig. Die Bewilligung wird erteilt, wenn der ununterbrochene Betrieb aus technischen oder wirtschaftlichen Gr├╝nden unentbehrlich ist (dauernd) oder wenn ein dringendes Bed├╝rfnis nachgewiesen wird (vor├╝bergehend).

Die oben beschriebenen Regelungen f├╝r die Arbeit in 3 oder mehr Schichten gelten auch f├╝r den ununterbrochenen Betrieb und es sind die Vorschriften ├╝ber die Nacht- und Sonntagsarbeit anwendbar. Zus├Ątzlich gelten folgende Bestimmungen (mit Ausnahme von Arbeitnehmern, welche nur vereinzelt im Schichtbetrieb eingesetzt werden):

Wochenendschichten

Es ist m├Âglich, am Wochenende in zwei Schichten ├á 12 Stunden zu arbeiten: Diese Bestimmung erm├Âglicht den Arbeitnehmern mehr freie Wochenenden, der Betrieb wechselt dann vom 3-Schichtsystem w├Ąhrend der Woche zum einem 2-Schichtsystem (mit Nachtarbeit) zwischen Freitagabend und Montagmorgen. Die Bedingung f├╝r die Verl├Ąngerung der Arbeitszeit auf 12 Stunden zwischen Freitagabend und Montagmorgen ist die Gew├Ąhrung einer Pause von 2 Stunden. Diese kann innerhalb der Schicht h├Ąlftig geteilt und gestaffelt angeordnet werden. Diese Bestimmung ist ├Ąhnlich wie die Verl├Ąngerung der Schicht auf 12 Stunden im 3-Schichtsystem (vgl. oben).

F├╝r die Wochenendschichten darf zus├Ątzliches Personal eingestellt werden, welches ausschliesslich zwischen Donnerstagabend (20 Uhr) und Montagmorgen (5 Uhr bis 7 Uhr) arbeitet. Diese Arbeitnehmer d├╝rfen jedoch in der ├╝brigen Zeit der Woche keiner weiteren Erwerbst├Ątigkeit nachgehen. Die genauen Bestimmungen finden sich in der ArGV1 Art. 39.

H├Âchstarbeitszeit

Die w├Âchentliche H├Âchstarbeitszeit betr├Ągt in industriellen Betrieben 45 Stunden, diese darf bei ununterbrochenem Betrieb in der Regel im Durchschnitt von 16 Wochen (Ausnahme: 20 Wochen) nicht ├╝berschritten werden. Die w├Âchentliche H├Âchstarbeitszeit kann f├╝r einzelne Zeitr├Ąume von sieben aufeinander folgenden Tagen auf 52 Stunden (resp. 60 Stunden bei vorwiegend Pr├Ąsenzdienst) verl├Ąngert werden.

Ruhetage

Nach sp├Ątestens sieben Tagen ist dem Arbeitnehmer eine t├Ągliche Ruhezeit von 24 Stunden zu gew├Ąhren. Im Kalenderjahr sind den Arbeitgebern wenigstens 61 w├Âchentliche Ruhetage zu gew├Ąhren, die zusammen mit der t├Ąglichen Ruhezeit mindestens 35 aufeinander folgende Stunden umfassen. Ist aus betrieblichen oder organisatorischen Gr├╝nden nicht in jeder Woche ein w├Âchentlicher Ruhetag m├Âglich, so ist dieser sp├Ątestens in der dritten Folgewoche zu gew├Ąhren. Von den Ruhetagen m├╝ssen wenigstens 26 auf einen Sonntag fallen und mindestens die Zeit von 6ÔÇô16 Uhr umfassen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Anzahl der auf einen Sonntag fallenden Ruhetage herabgesetzt werden (bei max. 8 Stunden t├Ąglicher Arbeitszeit, siehe ArGV1 Art. 37).

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