18.05.2021

Schichtarbeit: Die verschiedenen Modelle

Schichtarbeit liegt vor, wenn zwei oder mehrere Gruppen von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen nach einem bestimmten Zeitplan gestaffelt und wechselweise am gleichen Arbeitsplatz zum Einsatz gelangen. Bei der Gestaltung von Schichtarbeit sind die arbeitsmedizinischen und arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zu beachten.

Von: Thomas Wachter   Drucken Teilen  

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren beim Personalamt des Kantons Luzern. FrĂŒher als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, zuletzt als Leiter HR-Support sowie Mitglied der GeschĂ€ftsleitung. Weitere TĂ€tigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent fĂŒr Personalmanagement, -administration und -fĂŒhrung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke «PersonalPraxis» und «Praxisleitfaden Personal».

Schichtarbeit

Was ist Schichtarbeit?

Schichtarbeit kombiniert oftmals Fragen von Nachtarbeit und Sonntagsarbeit. Schichtarbeit ist bewilligungspflichtig, sofern das Nachtarbeits- oder/und das Sonntagsarbeitsverbot berĂŒhrt werden. Zudem kennt das Arbeitsgesetz zusĂ€tzliche Regeln fĂŒr die Schichtarbeit. Das Arbeitsgesetz sucht den Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Interessen der Betriebe und den gesundheitlichen Gefahren fĂŒr die Arbeitnehmer. Es wurde deshalb eine Vielzahl von Regelungen, aber auch Ausnahmen unter bestimmten Bedingungen, geschaffen. Dies erschwert den schnellen Überblick, gibt den berechtigten Betrieben aber die Möglichkeit, flexible Schichtarbeitsmodelle einzufĂŒhren.

Der vorliegende Artikel versucht, die Vorschriften möglichst klar darzustellen, ohne sich in einzelnen Details zu verlieren. Die Betriebe kommen deshalb nicht darum herum, auch das Arbeitsgesetz (ArG) und die Verordnungen (insbesondere die ArGV1) zu studieren.

Ausnahmeregelungen

Ausnahmeregelungen bestehen fĂŒr Betriebe, auf die im Rahmen der Verordnung 2 Sonderbestimmungen anwendbar sind. Die entsprechenden Hinweise finden sich im Kapitel "Arbeitsgesetz".

Arbeit in zwei Schichten

Die Arbeit in 2 Schichten, die nicht in den Zeitraum der Nachtarbeit ĂŒbergreift, ist ohne Bewilligung möglich. Dabei sind aber die Grenzen der Tag- und Abendarbeit einzuhalten (fĂŒr die EinfĂŒhrung der Abendarbeit sind zudem vorgĂ€ngig die Arbeitnehmer anzuhören).

Die Arbeitszeit fĂŒr beide Schichten betrĂ€gt maximal 17 Stunden wie folgt:

Tagesarbeit: 06.00 Uhr und 20.00 Uhr.
Abendarbeit: 20.00 Uhr und 23.00 Uhr.

Diese Zeiten dĂŒrfen max. um eine Stunde verschoben werden:

statt: 06.00 Uhr und 23.00 Uhr
zwischen: 05.00 Uhr und 22.00 Uhr oder
zwischen: 07.00 Uhr und 24.00 Uhr

Voraussetzung fĂŒr die Verschiebung der Grenzen:

  • EinverstĂ€ndnis der Mehrheit der betroffenen Arbeitnehmer oder der Vertretung der Arbeitnehmer im Betrieb.
  • Die Verschiebung muss fĂŒr den ganzen Betrieb gelten.

In bestimmten FĂ€llen kann eine Stunde Nachtarbeit zwischen 05.00 Uhr und 06.00 Uhr oder zwischen 23.00 Uhr und 24.00 Uhr bewilligt werden, ohne dass sie aus technischen oder wirtschaftlichen GrĂŒnden unentbehrlich ist. Dies ist dann der Fall, wenn:

  • der Betrieb regelmĂ€ssig auf eine Betriebszeit von 18 Stunden angewiesen ist und dadurch weitere Nachtarbeit zwischen 24.00 Uhr und 05.00 Uhr vermieden wird und
  • im gesamten Betrieb eine Arbeitszeitorganisation in 2 Schichten existiert, und
  • das EinverstĂ€ndnis des Arbeitnehmers bekundet wird

Die Stunde Nachtarbeit ist dabei bei vorĂŒbergehender Nachtarbeit (weniger als 25 NĂ€chte pro Jahr) mit 25% Lohnzuschlag abzugelten, bei dauernder Nachtarbeit mit 10% Zeit- oder Lohnzuschlag (Achtung: Lohnzuschlag ist mit Ausnahme dieser Zusatzstunde bei dauernder Nachtarbeit nicht erlaubt). Die Kombination dieser beiden Varianten (Verschiebung oder zusĂ€tzliche Nachtstunde) ist nicht erlaubt.

Die Arbeitszeit darf 11 Stunden pro Schicht, Pausen inbegriffen, nicht ĂŒbersteigen. Wird in zwei Schichten tags und abends gearbeitet, muss der Arbeitnehmer in beiden Schichten zu gleichen Teilen zum Einsatz kommen. Dabei muss die Arbeitszeit muss so organisiert sein, dass kein Arbeitnehmer lĂ€nger als 6 Wochen hintereinander in derselben Schicht zum Einsatz gelangt. Mit dem EinverstĂ€ndnis des betroffenen Arbeitnehmers kann die Wechselperiode von 6 Wochen verlĂ€ngert oder abgeschafft werden, wenn Arbeitnehmer aus besonderen persönlichen GrĂŒnden nur am Morgen oder am Abend arbeiten können; oder eine der beiden Schichten wesentlich kĂŒrzer ist und nicht mehr als 5 Stunden betrĂ€gt.

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Schichtarbeit in 3 (oder mehr) Schichten

Da in diesen Modellen Nachtarbeit enthalten ist, ist die Arbeit in 3 (oder mehr) Schichten bewilligungspflichtig. Die Bewilligung wird erteilt, wenn ein dringendes BedĂŒrfnis vorliegt (vorĂŒbergehend) resp. Unentbehrlichkeit vorliegt (dauernd oder wiederholt). Die Arbeitszeit darf höchstens 9 Stunden reine Arbeitszeit umfassen in einem Zeitraum von höchstens 10 Stunden inkl. Pausen. Unter gewissen Voraussetzungen sind jedoch auch lĂ€ngere Schichten möglich: eine Arbeitszeit von 10 Stunden im Zeitraum von 12 Stunden. Die Voraussetzungen sind:

  • der Arbeitnehmer wird in höchstens drei von sieben aufeinanderfolgenden NĂ€chten beschĂ€ftigt.
  • der Arbeitnehmer ist keinem erhöhten Risiko und keinen ausserordentlichen Belastungen ausgesetzt und die Entstehung von Gefahrensituationen kann vermieden werden.
  • in einer medizinischen Untersuchung wurde die Eignung des Arbeitnehmers festgestellt (nur bei dauernder oder wiederholter Nachtarbeit, d.h. ab 25 NĂ€chte im Jahr. Bei vorĂŒbergehender Nachtarbeit genĂŒgt das EinverstĂ€ndnis des Arbeitnehmers).
  • die effektiv zu leistende Arbeitszeit ĂŒberschreitet innert 24 Stunden 10 Stunden nicht.

FĂŒr vorĂŒbergehende Nachtarbeit ist fĂŒr die Nachtstunden (also in der Regel von 23 bis 6 Uhr) ein Lohnzuschlag von (mindestens) 25% zu leisten, fĂŒr dauernde Nachtarbeit ein Zeitzuschlag von 10%. Bei dauernder Nachtarbeit (ab 25 NĂ€chte pro Jahr) gilt der Zeitzuschlag von 10% absolut. Von dieser Verpflichtung kann auch nicht mit Zustimmung der Arbeitnehmer abgewichen werden. Es gibt von obiger Regelung dennoch zwei Ausnahmen (eine wurde schon bei der 2-Schicht-Arbeit erwĂ€hnt). Der Zeitzuschlag muss nicht gewĂ€hrt werden, wenn:

  • die durchschnittliche Schichtdauer aller Schichten im Betriebsteil einschliesslich der Pausen sieben Stunden nicht ĂŒberschreitet. In diesem Fall darf die wöchentliche Höchstarbeitszeit eines Vollpensums 35 Stunden einschliesslich Pausen nicht ĂŒbersteigen.
  • wenn die Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerinnen an nicht mehr als vier NĂ€chten pro Woche zum Einsatz gelangen. In diesem Fall muss die Vier-Tage Woche fĂŒr den ganzen Betrieb gelten und einem Vollpensum entsprechen. ZusĂ€tzlich darf die wöchentliche Höchstarbeitszeit nicht mehr als 36 Stunden betragen.

Die Leistung von Überzeitarbeit ist nur an sonst arbeitsfreien Werktagen zulĂ€ssig und soweit, als an diesen Tagen nicht gesetzliche Ruhe- oder Ausgleichsruhezeiten bezogen werden.

Wird in drei oder mehr Schichten gearbeitet, muss der Arbeitnehmer in allen Schichten zu gleichen Teilen zum Einsatz kommen. Zwingend vorgeschrieben ist eine sogenannte VorwĂ€rtsrotation: von FrĂŒh zu Abend zu Nacht. Ausnahmsweise ist der Wechsel in umgekehrter Reihenfolge erlaubt, unter der Bedingung, dass der Arbeitnehmer regelmĂ€ssig lĂ€ngere wöchentliche Ruhezeiten - 3 oder mehr Tage - einhalten kann. Der Wechsel von der Nacht- zur FrĂŒhschicht darf nur zwischen 05.00 Uhr und 08.00 Uhr erfolgen, je nach den im Betrieb festgelegten Grenzen der Tag- und Abendarbeit.

Die Nachtarbeit darf nicht lĂ€nger als ĂŒber eine Periode von höchstens 6 Wochen erfolgen. SpĂ€testens nach dieser Zeit muss der Arbeitnehmer Tag- oder Abendarbeit ausfĂŒhren können. Nachtarbeit ĂŒber eine Zeitspanne von höchstens 12 Wochen ohne Wechsel ist unter folgenden Bedingungen erlaubt, wenn:

  • betriebliche GrĂŒnde es erfordern
  • der Arbeitnehmer schriftlich sein EinverstĂ€ndnis erklĂ€rt hat (z.B. im Arbeitsvertrag) 
  • innert 24 Wochen (6 Monate) die Tagesarbeits-Perioden insgesamt mindestens gleich lang sind wie die Nachtarbeits-Perioden.

Auf den Wechsel zwischen Nacht-, Morgen- und Abendschicht kann verzichtet werden, wenn

  • der Arbeitnehmer keinem erhöhten Risiko und keinen ausserordentlichen Belastungen ausgesetzt ist und die Entstehung von Gefahrensituationen vermieden werden kann
  • in einer medizinischen Untersuchung die Eignung des Arbeitnehmers festgestellt worden ist,
  • es aus betrieblichen GrĂŒnden notwendig ist
  • der Arbeitnehmer schriftlich sein EinverstĂ€ndnis erklĂ€rt hat,
  • der Arbeitnehmer höchstens 5 von 7 resp. 6 von 9 aufeinanderfolgende NĂ€chte beschĂ€ftig ist,
  • der Arbeitnehmer keine Überzeitarbeit leistet.

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Ununterbrochener Betrieb

Als ununterbrochener Betrieb gilt ein Arbeitszeitsystem bei dem wĂ€hrend 24 Stunden und an sieben Tagen der Woche Schichtarbeit geleistet wird (also sowohl Nachtarbeit als auch Sonntagsarbeit im Schichtbetrieb geleistet wird). Unterunterbrochener Betrieb ist bewilligungspflichtig. Die Bewilligung wird erteilt, wenn der ununterbrochene Betrieb aus technischen oder wirtschaftlichen GrĂŒnden unentbehrlich ist (dauernd) oder wenn ein dringendes BedĂŒrfnis nachgewiesen wird (vorĂŒbergehend).

Die oben beschriebenen Regelungen fĂŒr die Arbeit in 3 oder mehr Schichten gelten auch fĂŒr den ununterbrochenen Betrieb und es sind die Vorschriften ĂŒber die Nacht- und Sonntagsarbeit anwendbar. ZusĂ€tzlich gelten folgende Bestimmungen (mit Ausnahme von Arbeitnehmern, welche nur vereinzelt im Schichtbetrieb eingesetzt werden):

Wochenendschichten

Es ist möglich, am Wochenende in zwei Schichten Ă  12 Stunden zu arbeiten: Diese Bestimmung ermöglicht den Arbeitnehmern mehr freie Wochenenden, der Betrieb wechselt dann vom 3-Schichtsystem wĂ€hrend der Woche zum einem 2-Schichtsystem (mit Nachtarbeit) zwischen Freitagabend und Montagmorgen. Die Bedingung fĂŒr die VerlĂ€ngerung der Arbeitszeit auf 12 Stunden zwischen Freitagabend und Montagmorgen ist die GewĂ€hrung einer Pause von 2 Stunden. Diese kann innerhalb der Schicht hĂ€lftig geteilt und gestaffelt angeordnet werden. Diese Bestimmung ist Ă€hnlich wie die VerlĂ€ngerung der Schicht auf 12 Stunden im 3-Schichtsystem (vgl. oben).

FĂŒr die Wochenendschichten darf zusĂ€tzliches Personal eingestellt werden, welches ausschliesslich zwischen Donnerstagabend (20 Uhr) und Montagmorgen (5 Uhr bis 7 Uhr) arbeitet. Diese Arbeitnehmer dĂŒrfen jedoch in der ĂŒbrigen Zeit der Woche keiner weiteren ErwerbstĂ€tigkeit nachgehen. Die genauen Bestimmungen finden sich in der ArGV1 Art. 39.

Höchstarbeitszeit

Die wöchentliche Höchstarbeitszeit betrĂ€gt in industriellen Betrieben 45 Stunden, diese darf bei ununterbrochenem Betrieb in der Regel im Durchschnitt von 16 Wochen (Ausnahme: 20 Wochen) nicht ĂŒberschritten werden. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit kann fĂŒr einzelne ZeitrĂ€ume von sieben aufeinander folgenden Tagen auf 52 Stunden (resp. 60 Stunden bei vorwiegend PrĂ€senzdienst) verlĂ€ngert werden.

Ruhetage

Nach spĂ€testens sieben Tagen ist dem Arbeitnehmer eine tĂ€gliche Ruhezeit von 24 Stunden zu gewĂ€hren. Im Kalenderjahr sind den Arbeitgebern wenigstens 61 wöchentliche Ruhetage zu gewĂ€hren, die zusammen mit der tĂ€glichen Ruhezeit mindestens 35 aufeinander folgende Stunden umfassen. Ist aus betrieblichen oder organisatorischen GrĂŒnden nicht in jeder Woche ein wöchentlicher Ruhetag möglich, so ist dieser spĂ€testens in der dritten Folgewoche zu gewĂ€hren. Von den Ruhetagen mĂŒssen wenigstens 26 auf einen Sonntag fallen und mindestens die Zeit von 6–16 Uhr umfassen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Anzahl der auf einen Sonntag fallenden Ruhetage herabgesetzt werden (bei max. 8 Stunden tĂ€glicher Arbeitszeit, siehe ArGV1 Art. 37).

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