13.10.2020

FAQ Bewerbungsgespräch: Häufige Unsicherheiten

In Bewerbungsgesprächen tauchen in der Praxis häufig Unsicherheiten auf, ob gewisse Fragen an Stellenbewerbende zulässig sind oder nicht. In diesem FAQ Bewerbungsgespräch finden Sie Antworten zur Zulässigkeit von typischen Praxisfragen.

Von: Sabine Taxer  DruckenTeilen 

Sabine Taxer

Sabine Taxer ist vorwiegend in den Bereichen des Arbeits- und Ausländerrechts sowie im allgemeinen Gesellschafts- und Handelsrecht in der Anwaltskanzlei Wenger & Vieli AG tätig.

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FAQ Bewerbungsgespräch

FAQ Bewerbungsgespräch

1. Frage: Wie ist es um Ihre religiöse Ausrichtung bestellt?

Antwort: Fragen zur Religion, Weltanschauung oder Glaubensausrichtung sind unzulässig, sofern sie keinen Bezug zur Eignung für die Arbeitsstelle haben. Sollte eine Person aufgrund ihrer Religion nur bedingt arbeitsfähig sein, so ist sie ausnahmsweise verpflichtet, beim Bewerbungsgespräch darauf hinzuweisen.

2. Frage: Unterliegen Sie einem nachvertraglichen Konkurrenzverbot?

Antwort: Diese Frage ist zulässig, da sich ein solcher Sachverhalt auf die zukünftige Arbeitsstelle auswirken könnte.

3. Frage: Möchten Sie in Zukunft Kinder haben?

Antwort: Die Frage über Zukunftspläne und Kinderwunsch ist unzulässig, da sie nicht im Zusammenhang mit der Arbeitsstelle steht und in den Privat- und Intimbereich der Stellenbewerbenden fällt. Ausnahmen bilden Berufe, in denen körperliche Tätigkeiten ausgeführt werden müssen. Balletttänzerinnen, Sportlehrerinnen oder Models können daher nach einer Schwangerschaft gefragt werden.

4. Frage: Rauchen Sie regelmässig?

Antwort: Das ist eine unzulässige Frage im Bewerbungsgespräch. Wenn Rauchpausen von Mitarbeitenden überborden, ist es Sache der Arbeitgebenden, an rauchende Mitarbeitende Dienstanweisungen zu erteilen.

5. Frage: Haben Sie gesundheitliche Probleme?

Antwort: Fragen zum Gesundheitszustand sind prinzipiell unzulässig. Bestehen aber gesundheitliche Probleme oder Krankheiten, die sich negativ auf die Arbeit auswirken (z.B. überdurchschnittlich häufige Arztbesuche), müssen diese im Bewerbungsgespräch offengelegt werden. Allergien oder Operationen ohne Folgen für die Arbeitstätigkeit müssen nicht erwähnt werden.

6. Frage: Liegen gegen Sie Betreibungen, Pfändungen oder Verlustscheine vor?

Antwort: Dies ist grundsätzlich eine unzulässige Frage. Ausnahmen gelten beispielsweise für die Anstellung bei einer Bank oder einer Vermögensverwaltung, sofern die finanziellen Verhältnisse für die Berufsausübung relevant sind (Zugang zu grösseren Vermögenswerten oder bei Bestechungsgefahr).

7. Frage: Sind Sie vorbestraft?

Antwort: Fragen nach Vorstrafen sind nur zulässig, wenn sie für die entsprechende Arbeitsstelle von Bedeutung sind. Ein Strafregisterauszug darf ausnahmsweise verlangt werden, wenn es angesichts einer besonders verantwortungsvollen Position, z.B. bei der Polizei, angebracht ist. Seit dem 1. Januar 2015 existiert ein Sonderprivatauszug, welcher nur Urteile hinsichtlich eines Berufsverbotes, Tätigkeitsverbotes oder Kontakt- und Rayonverbotes enthält, sofern dieses Verbot zum Schutz von Minderjährigen oder anderen besonders schutzbedürftigen Personen erlassen wurde. Bei Arbeitsstellen in Grundschulen, in Kindersportvereinen oder in Pflegeheimen kann ein solcher Sonderprivatauszug von Stellenbewerbenden verlangt werden.

8. Frage: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Antwort: Was Stellenbewerbende in ihrer Freizeit machen, hat für den Arbeitgebenden keine Relevanz, sofern die Freizeitgestaltung keine negativen Auswirkungen auf die Arbeitstätigkeit hat. Weniger heikle Punkte dürfen aber durchaus angesprochen werden, wie beispielsweise übliche Hobbys, insbesondere auch unter bestehender Erwähnung im Bewerbungsdossier. Betätigen sich Stellenbewerbende hingegen in aussergewöhnlichen Hobbys wie z.B. in Risikosportarten, so müssen diese nicht an Arbeitgebende mitgeteilt werden.

9. Frage: Woher kommen Sie ursprünglich?

Antwort: Die Frage nach der ethnischen Herkunft verletzt die Privatsphäre der Stellenbewerbenden und ist unzulässig. Erlaubt ist hingegen aber, nach der Muttersprache bzw. allgemein nach den Sprachkenntnissen zu fragen, sofern diese für die Berufsausübung relevant sind.

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