22.03.2018

IV berechnen: Diese Leistungen gibt es durch die berufliche Vorsorge

Langdauernde Arbeitsunfähigkeit kann zu einem Anspruch auf Invalidenleistungen führen. In der beruflichen Vorsorge (BVG) sind für Invalidität ebenfalls Leistungen vorgesehen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie die Invalidität definiert ist, wie die IV berechnet wird und wann es zu Zahlungen kommt.

Von: Ralph Büchel   Drucken Teilen  

Ralph Büchel

Ralph Büchel ist Geschäftsleiter von Caveris. Er hat seine Berufserfahrung in der Gewerbe- und Industriebranche begonnen. Danach wechselte er ins Treuhand/Revisionsgeschäft und später in die Steuerverwaltung. Bevor er dann seine eigene Firma die Caveris AG vor über 10 Jahren gründete, war er Abteilungsleiter Besoldungsadministration/Versicherungen eines grösseren Unternehmens. In dieser Funktion war er gleichzeitig Geschäftsleiter einer Pensionsversicherung.

In seinem beruflichen Werdegang hat er sich fundiertes Wissen im Finanz- und Rechnungswesen, in der Lohnbuchhaltung und rund um die soziale Sicherheit (Sozialversicherungsabkommen und Sozialversicherungen) angeeignet. Berufsbegleitend hat Ralph Büchel unter anderem Ausbildungen zum Wirtschaftstechniker SVTS, Treuhänder mit eidg. Fachausweis und Sozialversicherungs-Fachmann mit eidg. Fachausweis abgeschlossen. Seine letzte Ausbildung schloss er mit dem Eidg. Diplom zum Sozialversicherungs-Experten ab. Im methodisch-didaktischen Bereich ist er zertifizierter ECo-C Trainer TQS (European communication certificate) und hat das Zertifikat für Berufspädagogische Bildung für den Unterricht an höheren Fachschulen. Er ist Prüfungsexperte in verschiedenen Ausbildungen.

IV berechnen

IV berechnen – komplexe Ausgangslage

Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder länger dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Massgeblich ist also nicht die vom Hausarzt bestätigte Arbeitsunfähigkeit, sondern der ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten.

Die IV versichert erstrangig die erwerblichen Folgen einer Invalidität. Daneben deckt sie aber auch folgende Risiken ab:

  • Drohende Invalidität, also die sich während der Kindheit und Jugend oder während der Wartezeit von einem Jahr anbahnende Gefahr, invalid zu werden. Die drohende Invalidität kann einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen auslösen, bevor der Versicherte invalid im Sinne des Gesetzes ist;
  • Hilflosigkeit, d.h. die Hilfsbedürftigkeit in den Lebensverrichtungen;
  • Risiko der Eingliederung. Dieses so genannte Eingliederungsrisiko deckt die medizinischen Behandlungskosten ab, die einem Versicherten erwachsen, wenn er im Verlauf einer Eingliederungsmassnahme krank wird oder einen Unfall erleidet.

Eine Invalidität gibt Anspruch auf Leistungen der Eidg. Invalidenversicherung (IV). Die Vorsorgeeinrichtung gemäss BVG ist grundsätzlich an den Entscheid der IV-Stelle gebunden, ob und allenfalls in welchem Ausmass eine Invalidität vorliegt. Sie muss jedoch nur die invaliditätsbedingte Einbusse im Erwerbsteil berücksichtigen.

Die Invalidität wird bei Erwerbstätigen mit einem Vollzeitpensum nach der Erwerbseinbusse bemessen, welche zwischen dem Einkommen ohne Eintritt des Gesundheitsschadens und dem Einkommen trotz Eintritt des Gesundheitsschadens besteht.

Komplexer ist die Situation bei Teilerwerbstätigen. Bei ihnen kommt die so genannte gemischte Methode zur Anwendung. Vorab werden die Anteile der beiden Tätigkeiten – hier im Beruf, dort ausserberuflich – gegenseitig ins Verhältnis gesetzt. Nach der Bestimmung der beiden Teilpensen wird für jeden Bereich gesondert die Invalidität bestimmt. Im Teil "Beruf" erfolgt die Bemessung durch Einkommensvergleich, im Teil "Nichterwerbstätigkeit" durch den Tätigkeitsvergleich. In erster Linie kommt es bei einer Invalidität von mindestens 40% zur Ausrichtung einer IV-Rente nach Ablauf einer Wartezeit von zwölf Monaten.

In der beruflichen Vorsorge (BVG) sind die reglementarischen Invalidenrenten häufig höher als die reglementarischen Altersleistung. Sie werden aber bei Erreichen des ordentlichen AHV-Alters in eine Altersrente umgewandelt, wobei bis zum AHV-Alter die Beiträge von der Vorsorgeeinrichtung einbezahlt und verzinst werden.

Ist die Invalidität Folge eines Unfalls, erbringt auch der obligatorische Unfallversicherer (UVG) Invalidenrenten. Diese belaufen sich zusammen mit den Renten der IV auf maximal 90% des versicherten Verdiensts. Leistungen aus BVG werden zusätzlich erst fällig, wenn sie zusammen mit den Invalidenleistungen der IV und der obligatorischen Unfallversicherung (UVG) 90% des mutmasslich entgangenen Verdienstes nicht übersteigen. Diese Subsidiärrente aus der beruflichen Vorsorge (BVG) wird in der Regel ausschliesslich aus dem obligatorischen, nicht aber aus dem überobligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge (BVG) ausgerichtet.

Definition von Invalidität

Erwerbsunfähigkeit

Die Invalidität wird für die Erwerbstätigen als "voraussichtlich bleibende und längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit" umschrieben. "Längere Zeit dauernd" bedeutet, dass die Erwerbsunfähigkeit innerhalb eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% bestanden haben muss.

Diese Definitionen der Begriffe der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität werden im ATSG präzisiert. (Art. 7) Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind:

  • ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
  • eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist.

Eine Invalidität ist nicht gegeben, wenn die Erwerbsunfähigkeit nicht durch einen Gesundheitsschaden, sondern durch andere Faktoren (so genannte invaliditätsfremde Gründe wie z.B. Alter, mangelnde Ausbildung, Verständigungsschwierigkeiten, reines Suchtgeschehen, soziokulturelle Umstände, Aggravation, usw.) verursacht wurde.

Das Zumutbarkeitsprinzip ist zudem auch bei der Beurteilung der Frage, wie die Restarbeitsfähigkeit einer versicherten Person verwertet werden kann, von Bedeutung, wobei ein objektiver Massstab angewendet wird. Art. 7 Abs. 2 ATSG hält fest, dass nur dann von einer Erwerbsunfähigkeit gesprochen werden kann, wenn sie "aus objektiver Sicht nicht überwindbar" ist. Die versicherte Person muss die negativen Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit, die sich aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme ergeben haben, aus objektiver Sicht nicht durch eigene Anstrengungen überwinden können. Das subjektive Empfinden der versicherten Person ist bei der Beurteilung der Zumutbarkeit, eine Arbeitsleistung zu erbringen und damit ein Erwerbseinkommen zu erzielen, nicht massgebend ist. Entscheidend ist einzig, ob der versicherten Person aus objektiver Sicht zugemutet werden kann, trotz der subjektiv erlebten gesundheitlichen Probleme (z.B. Schmerzen) einer Arbeit nachzugehen.

Die Beurteilung, was aus objektiver Sicht zumutbar ist und was nicht, obliegt in erster Linie den IV-Stellen, welche diese gestützt auf die medizinischen Angaben der Regionalärztlichen Dienste (RAD) vornehmen. Dazu werden die Kompetenzen der RAD im Gesetz verdeutlicht.

Die Beurteilung, was aus objektiver Sicht zumutbar ist und was nicht, obliegt in erster Linie den IV-Stellen, welche diese gestützt auf Gutachten bei den medizinischen Abklärungsstellen (MEDAS) und gestützt auf die medizinischen Angaben der Regionalärztlichen Dienste (RAD) vornehmen. Nach Art. 59, Abs. 2 IVG setzen die RAD die für die IV nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Fähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben.

Eine Erwerbsunfähigkeit kann erst angenommen werden, wenn vorab eine zumutbare Behandlung und Eingliederung erfolgt ist. Das Zumutbarkeitsprinzip ist zudem auch bei der Beurteilung der Frage, wie die Restarbeitsfähigkeit einer versicherten Person verwertet werden kann, von Bedeutung. Art. 7 Abs. 2 ATSG hält fest, dass nur dann von einer Erwerbsunfähigkeit gesprochen werden kann, wenn sie "aus objektiver Sicht nicht überwindbar" ist. Die versicherte Person muss die negativen Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit, die sich aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme ergeben haben, aus objektiver Sicht nicht durch eigene Anstrengungen überwinden können. Damit wird im Gesetz ausdrücklich festgehalten werden, dass das subjektive Empfinden der versicherten Person bei der Beurteilung der Zumutbarkeit, eine Arbeitsleistung zu erbringen und damit ein Erwerbseinkommen zu erzielen, nicht massgebend ist. Entscheidend ist einzig, ob der versicherten Person aus objektiver Sicht zugemutet werden kann, trotz der subjektiv erlebten gesundheitlichen Probleme (z.B. Schmerzen) einer Arbeit nachzugehen.

Die Beurteilung, was aus objektiver Sicht zumutbar ist und was nicht, obliegt in erster Linie den IV-Stellen, welche diese gestützt auf die medizinischen Angaben der Regionalärztlichen Dienste (RAD) vornehmen. Dazu werden die Kompetenzen der RAD im Gesetz verdeutlicht.Nach Art. 59, Abs. 2 IVG setzen die RAD die für die IV nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Fähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben.Zumutbar schliesslich ist auch jegliche Willensanstrengung zur Überwindung somatischer Schmerzen, so im Besonderen bei somatoformen Schmerzstörungen, Fibromyalgie, Chronic Fatige Syndrom und bei HWS-Distorsionen ohne bildgebenden Befunde (Schleudertrauma) und assoziativen Störungen. Diese Krankheitsbilder geben grundsätzlich keinen Anspruch auf eine IV-Rente.

* Die Rechtsprechung des Bundesgerichts änderte sich dahingehend, dass bei einem fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Abhängigkeitssyndrom resp. einer Substanzkonsumstörung nicht mehr zum vornherein jegliche IV-rechtliche Relevanz abgesprochen werden kann.

Erwerbstätige

Bei Erwerbstätigen wird eine invaliditätsrelevante Erwerbsunfähigkeit vorausgesetzt.

Nichterwerbstätige

Nichterwerbstätige - also Hausfrauen und Hausmänner, Studenten, Schüler, Klosterinsassen usw. - gelten als invalid, wenn es ihnen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Dies ist z.B. der Fall, wenn eine Hausfrau oder ein Hausmann invaliditätsbedingt nicht mehr in der Lage ist, den Haushalt im bisherigen Rahmen zu führen. Die Einschränkung muss auch bei Nichterwerbstätigen mindestens 40% betragen.

Finale Versicherung

Die IV wird unabhängig davon leistungspflichtig, ob die Invalidität Folge einer Krankheit, eines Geburtsgebrechens oder eines Unfalles ist. Anknüpfpunkt für den Leistungsanspruch ist also nicht die Ursache der Invalidität, sondern die Folgen der Invalidität. Die IV wird deshalb auch als finale Versicherung bezeichnet. Im Gegensatz dazu spricht man bei Versicherungen, welche ihre Leistungspflicht an die Ursache – Unfall oder Krankheit – anknüpfen, von kausalen Versicherungen.

Berechnung und Bemessung der Invalidität

Invalidenrenten werden grundsätzlich nur ausgerichtet, wenn Eingliederungsmassnahmen ihr Ziel nicht oder nur zum Teil erreichen. IV-Renten können frühestens ab dem vollendeten 18. Altersjahr ausgerichtet werden. Der Rentenanspruch wird nach dem Gesichtspunkt der langdauernden Krankheit oder der Dauerinvalidität beurteilt.

Sowohl in der Invaliden- als auch bei der Unfall- und Militärversicherung erfolgt die Invaliditätsbemessung nicht aufgrund einer medizinisch-theoretischen Schätzung, da ja nicht der Gesundheitsschaden einen Rentenanspruch auslösen kann, sondern die Auswirkung des Gesundheitsschadens auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit einer versicherten Person.

  • Arbeitsunfähigkeit (während des Wartejahres massgebend) ist die durch einen Gesundheitsschaden bedingte Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Bereich.
  • Erwerbsunfähigkeit (nach Ablauf des Wartejahres massgebend) ist die Unfähigkeit, die verbleibende Arbeitsfähigkeit nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen auf dem gesamten in Frage kommenden Arbeitsmarkt wirtschaftlich zu verwerten.

Der Rentenanspruch entsteht erst im Zeitpunkt, in welchem durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen voraussichtlich keine Besserung der Erwerbsunfähigkeit mehr angenommen werden kann. Solange Taggelder ausgerichtet werden, wird der Rentenbeginn zudem aufgeschoben.

Rentenarten – IV korrekt berechnen

Die Rente wird nach dem Grad der Invalidität abgestuft. Je nach Invaliditätsgrad (Schwere der Invalidität) werden folgende Rentenarten unterschieden:

Invaliditätsgrad

Rentenart

Ab 40 Prozent

Viertelsrente

Ab 50 Prozent

Halbe Rente

Ab 60 Prozent

Dreiviertelrente

Ab 70 Prozent

Ganze Rente

Produkt-Empfehlungen

  • Newsletter Arbeitsrecht

    Newsletter Arbeitsrecht

    Die neuesten Gerichtsentscheide und Praxisfälle, verständlich kommentiert.

    CHF 98.00

  • Lohn & SozialversicherungsPraxis

    Lohn & SozialversicherungsPraxis

    So wickeln Sie Löhne und Sozialversicherungen effizient und korrekt ab.

    Mehr Infos

  • Der HR-Profi

    Der HR-Profi

    Schritt-für-Schritt Anleitungen. Umsetzungsbeispiele. HR-Kompetenzen.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Sozialversicherungen Refresher I - Grundlagen

    Frischen Sie Ihre Grundkenntnisse auf!

    Nächster Termin: 29. September 2021

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Pensionierung

    Richtig planen und Mitarbeitende sowie Geschäftsleitung kompetent beraten

    Nächster Termin: 23. November 2021

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Schwierige Gespräche erfolgreich führen

    Kommunikationsmodelle, Tipps, Tricks und Hilfsmittel

    Nächster Termin: 21. September 2021

    mehr Infos

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos