29.12.2015

Ordentliche Pensionierung: So wird sie richtig abgewickelt

Das ordentliche Rentenalter erreichen Frauen mit 64, Männer mit 65. Anschliessend erhalten sie die AHV- und Pensionskassenrente, sofern sie nicht einen Vorbezug beantragt haben. Was müssen Sie bei einer ordentlichen Pensionierung beachten? Welche rechtlichen Grundlagen gelten? Wie können Sie die Renten berechnen? Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt auf, wie Sie in Ihrem Unternehmen eine ordentliche Pensionierung abwickeln können.

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Ordentliche Pensionierung

Ausgangslage

In Ihrem Unternehmen erreicht Herr Bachmann am 15. August sein 65. Altersjahr und wird ordentlich in die Pension gehen. Herr Bachmann ist ledig und hat die Beiträge stets bezahlt.

Schritt 1 – Sie informieren sich über die ordentliche Pensionierung

Die Renten werden im Monat nach dem 64. resp. 65. Geburtstag zum ersten Mal ausgerichtet. Es ist üblich, das Arbeitsverhältnis auf Ende des Monats, in welchen der 64. resp. 65. Geburtstag fällt, zu beenden.

In der Praxis besteht oft die falsche Annahme, die Erwerbstätigkeit sei mit Erreichung dieses Alters automatisch aufzugeben. Eine solche Regelung findet sich aber im Gesetz nirgends. Die Arbeitsverhältnisse sind deshalb mit Kündigung oder Vereinbarung zu beenden. Bei Krankheit oder Unfall gelten die Sperrfristen und die Lohnfortzahlung.

Wollen Sie das verhindern, so ist die automatische Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit 64/65 entsprechend vertraglich zu regeln.

Es empfiehlt sich, im Arbeitsvertrag eine Bestimmung aufzunehmen, dass das Arbeitsverhältnis mit dem Pensionsalter endet: «Das ungekündigte Arbeitsverhältnis endet mit der Pensionierung am Ende des Monats, in welchem das zu diesem Zeitpunkt gültige ordentliche AHV-Rentenalter erreicht wird, sofern nicht schriftlich eine anders lautende Vereinbarung getroffen wurde.»

Schritt 2 - Sie kennen die Möglichkeiten zur Berechnung der AHV-Rente

Das ordentliche Rentenalter der AHV ist im Gesetz geregelt. Das AHV-Gesetz sieht für die Frauen das Rentenalter 64 vor, für Männer 65. Die geplante Anhebung des Rentenalters der Frauen auf 65 Jahre ist bisher am Volksmehr gescheitert.

Als Vollrente beträgt die Altersrente minimal CHF 1175.–, maximal CHF 2350.-. Ehepaare erhalten maximal CHF 3‘525.– (Stand 2016).

Bei vollständiger Beitragsdauer erhält der Versicherte eine Vollrente. Vollständig ist die Beitragsdauer, wenn die versicherte Person gleich viele Beitragsjahre aufweist wie ihr Jahrgang. Entscheidend sind die Beitragsjahre zwischen dem 1. Januar nach dem 20. Geburtstag und dem 31. Dezember vor Eintritt des Versicherungsfalles. Bei unvollständiger Beitragsdauer wird nur eine Teilrente ausgerichtet. Je mehr Beitragsjahre fehlen, desto tiefer ist die maximale Teilrente.

Schritt 3 - Sie kennen die Möglichkeiten zum Bezug der beruflichen Vorsorgeleistungen

Das BVG lässt den beruflichen Vorsorgeträgern einen grossen Spielraum bei der Ausgestaltung für die ordentliche Pensionierung. Es sind deshalb die für die Mitarbeitenden geltenden Möglichkeiten im Reglement der Pensionskasse oder der Vorsorgeinstitution massgebend.

Der früheste Pensionierungszeitpunkt nach BVG ist Alter 58. Das ordentliche Pensionsalter ist - sofern das Reglement nichts anderes vorsieht, gleich wie das AHV-Rentenalter. Eine Weiterversicherung nach dem ordentlichen Pensionierungsalter auf Verlangen der versicherten Person ist bis höchstens zum 70. Altersjahr möglich, sofern das Reglement dies vorsieht.

Das BVG baut auf einem Sparprozess auf. Das Altersguthaben bildet dabei die Kerngrösse für die Berechnung der Leistungen nach BVG. Das Altersguthaben wird wie folgt geäufnet:

  • durch jährliche Altersgutschriften. Die minimalen jährlichen Altersgutschriften ab Alter 25 sind durch das BVG in Prozent des koordinierten Einkommens vorgeschrieben, sie steigen mit zunehmendem Lebensalter.
  • durch geleistete Einlagen: Freizügigkeitsleistungen bei Übertritt aus einer andern Vorsorgeeinrichtung, freiwillige Einkaufsbeiträge, soweit diese durch das Reglement ermöglicht werden

Die Altergutschriften sind zu verzinsen, dazu dient der zweijährlich festgelegte Mindestzinssatz.

Schritt 4 – Sie unterstützen Ihre Mitarbeitenden individuell und bereiten Sie auf die ordentliche Pensionierung vor

Sie können Ihre Mitarbeitenden bei den Fragen rund um die flexible Pensionierung wirkungsvoll unterstützen. Dazu gehören die folgenden Punkte:

Finanzielle Aspekte

Die Mitarbeitenden sind oft nicht vertraut mit den verschiedenen Sozialversicherungsfragen. Sie übermitteln den Mitarbeitenden die oben dargelegten Regeln der Sozialversicherungen und zeigen Ihnen die Möglichkeiten zur vertieften Information auf.

Vorbereitungsseminare

Der Übertritt in die Pensionszeit ist unbestritten ein wesentlicher Einschnitt in bisherige Lebensgewohnheiten, welcher Veränderungen und Umstellungen im seelisch-geistigen, körperlichen, sozialen und wirtschaftlichen Bereich mit sich bringt. Unter Fachleuten ist man sich einig, dass eine individuelle und seriöse Vorbereitung auf die ordentliche Pensionierung notwendig ist und diese rechtzeitig erfolgen sollte. Hier können und sollen Arbeitgeber dazu beitragen, dass ihre Mitarbeitenden nach langjährigem beruflichen Einsatz durch gezielte Seminare die Voraussetzungen für eine gute dritte Lebensphase nach der Pensionierung erhalten.

Schritt 5 – Sie wissen wie eine Pensionierung adminstrativ abgewickelt wird

Auflösung des Arbeitsverhältnisses

Das Arbeitsverhältnis endet nicht, wie oft angenommen, «automatisch» mit dem Erreichen des ordentlichen Pensionsalters. Dies hat zur Folge, dass bei einer Pensionierung eine Kündigung erfolgen muss, sofern nicht die Beendigung im Rentenalter vereinbart wurde. Bei Krankheit oder Unfall gelten die Sperrfristen und die Lohnfortzahlung. In der Regel wird der Austritt der Mitarbeitenden vereinbart, also im gegenseitigen Einvernehmen getroffen.

Anmeldung der AHV-Rente

Die AHV-Rente ist bei der Ausgleichskasse anzumelden. Damit es bei der Auszahlung nicht zu Verzögerungen kommt, muss der Bezug zwei bis drei Monate vorher angemeldet werden.

Empfehlen Sie Ihren Mitarbeitenden, die Anmeldung drei bis vier Monate vor der Pensionierung einzureichen. Damit ist sichergestellt, dass die Rente rechtzeitig ausbezahlt wird.

Anmeldung des Leistungsbezugs in der Pensionskasse

In der Regel werden die Altersleistungen als Rente ausgerichtet. Die Anmeldung für die Rente ist im Reglement geregelt.

Zudem ist die Frist für die Anmeldung des Kapitalbezugs bei der Pensionskasse zu beachten, falls ein Teil oder gar das ganze Altersguthaben als Kapitel bezogen werden soll. Für den Barbezug ist eine Mitteilung an die Vorsorgeeinrichtung notwendig, und zwar spätestens drei Jahre vor dem frühestmöglichen (nicht vor dem ordentlichen) Pensionsalter. Wenn das Reglement also eine vorzeitige Pensionierung im Alter 60 zulässt, muss der Kapitalbezug bereits im Alter 57 angemeldet werden. Diese Frist von drei Jahren kann durch das Reglement verkürzt sein.

Unfallversicherung

Mit dem Austritt aus dem Unternehmen fällt die Nichtberufsunfallversicherung weg. Es ist wichtig, dass der Unfallschutz bei der Krankenkasse - sofern dieser sistiert wurde - wieder eingeschlossen wird. Für Nichtberufsunfälle dauert die Nachdeckung der bisherigen Unfallversicherung noch 30 Tage.

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