23.03.2018

Ruhestand: Arbeiten im Rentenalter

Für immer mehr ältere Beschäftigte ist mit Eintritt des Rentenalters noch nicht Schluss mit der Erwerbstätigkeit. Doch die Formen der Beschäftigung variieren beträchtlich. Wie sollte die Arbeit gestaltet werden, um Beschäftigten und Unternehmen gleichermassen zu dienen?

Von: Dr. Anne Jansen  DruckenTeilen Kommentieren 

Dr. Anne Jansen

Dr. Anne Jansen ist Dozentin am Institut Personalmanagement und Organisation (PMO) der Fachhochschule Nordwestschweiz. Sie unterrichtet Personalmanagement in Aus- und Weiterbildung und ist in Beratung und Forschung (Thema «Arbeit und Alter») tätig.

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Weiterbeschäftigung nach der Pensionierung

Die AHV-Reform Altersvorsorge 2020, bei der unter anderem auch die schrittweise Anhebung des Rentenalters der Frauen von heute 64 auf 65 Jahre und die Möglichkeit zur flexiblen Pensionierung zwischen 62 und 70 Jahren geschaffen werden sollte, wurde in der Volksabstimmung vom 24. September 2017 abgelehnt. Dessen ungeachtet arbeiten bereits schon jetzt immer mehr Personen nach Erreichen des offiziellen Rentenalters weiter und gehen einer Erwerbstätigkeit nach. Die Erwerbstätigenquote von Personen im Alter von 65-69 Jahren – der Zeitspanne die gemeinhin schon als Ruhestand oder Pension bezeichnet wird – liegt derzeit in der Schweiz bei 12% (BfS, 2017). Da die möglichen Formen der Weiterbeschäftigung allerdings enorm variieren, können Ruhestand und «in Pension gehen» jeweils etwas ganz Unterschiedliches bedeuten.

Formen der Weiterbeschäftigung

Die wesentliche Unterscheidung für Pensionskassen ist, ob jemand bereits ordentlich pensioniert wurde und AHV-Rente bezieht oder ob die Pensionierung und damit der Bezug der Leistungen aufgeschoben wurde. In der Schweiz liegt das ordentliche Rentenalter für Männer bei 65 Jahren und für Frauen bei 64 Jahren und der Bezug der Altersrente kann maximal ein bis zwei Jahre vorbezogen oder ein bis fünf Jahre aufgeschoben werden (AHV/IV, 2018). Abhängig ob die Erwerbstätigkeit nach ordentlicher Pensionierung erfolgt oder bei Aufschub der Pensionierung weitergearbeitet wird, sind damit z.T. sehr unterschiedliche Konsequenzen für z.B. die Höhe der AHV-Rente, allfällige Pensionskassenbeiträge und die Ausgestaltung des Arbeitsvertrags verbunden.

Alte und neue Tätigkeit

Weiterbeschäftigung egal in welchem Modell lässt sich auch danach unterscheiden, ob die gleiche Tätigkeit wie bisher ausgeübt wird oder ob sich die Tätigkeit völlig oder teilweise davon unterscheidet. Eine Versicherungsfachfrau, die nach der Pensionierung nun ihre Expertise in selbständiger Tätigkeit anbietet, übt ihren Beruf weiterhin aus, während ein ehemaliger Lehrer, der nun Gartenarbeit gegen Entgelt entrichtet, einer berufsunspezifischen Tätigkeit nachgeht. Die Erwerbstätigkeit kann ausserdem beim bisherigen Arbeitgeber oder einem oder mehreren neuen Arbeitgebern erfolgen. Mittlerweile bieten einige grosse Unternehmen die Weiterarbeit nach 65 als Modell an und auch manche KMU ermöglichen die Weiterbeschäftigung über das Rentenalter hinaus. Gleichzeitig finden sich eine ganze Reihe von Jobvermittlungen für Pensionierte im Internet (siehe Info-Box), die Jobs unterschiedlicher Grössenordnung vermitteln. Ebenfalls unterscheiden sich die Vertragsverhältnisse, in denen Erwerbstätige nach 65 stehen: diese können von fest angestellt bis selbständig variieren. Schliesslich variiert auch die Anzahl der gearbeiteten Stunden beträchtlich: Manche Personen sind stundenweise und unregelmässig beschäftigt, demgegenüber erfüllen andere ein regelmässiges Pensum von bis zu 100%.

Flexibles Rentenalter ist im Trend

Während sich im deutschen Sprachraum noch keine wirkliche Bezeichnung für Beschäftigungsformen nach Erreichen des offiziellen Rentenalters bzw. der erfolgten Pensionierung etabliert hat, werden die verschiedenen Formen der Beschäftigung der letzten Jahre der Erwerbstätigkeit im anglo-amerikanischen Sprachraum unter dem Begriff «Bridge Employment» zusammengefasst. Sinngemäss wird damit die «überbrückende Beschäftigung» bis zum «tatsächlichen» Ruhestand bezeichnet, in dem zumindest keiner bezahlten Tätigkeit mehr nachgegangen wird. Hierunter fällt dementsprechend auch der Übergang in die Pensionierung, der ähnlich unterschiedlich ausgestaltet werden kann. Denn längst nicht bei allen Personen, die das ordentliche Pensionierungsalter erreichen, erfolgt der Übergang in die Pensionierung abrupt, indem bei Erreichen des offiziellen Rentenalters von einem auf den anderen Tag eine 100% Beschäftigung aufgegeben und danach nur noch Freizeitaktivitäten nachgegangen wird. Der Übergang in die Pensionierung wird flexibel gestaltet, indem das Pensum in den Jahren vor der Pensionierung reduziert wird oder sich die ausgeübten Tätigkeiten verändern, z.B. durch Abgeben von Führungsaufgaben. Schliesslich gehen immerhin noch gut 30% aller Beschäftigten in der Schweiz freiwillig oder unfreiwillig vorzeitig in Rente (BfS, 2016). Allerdings sind diese Personen nicht zwangsläufig untätig, sondern übernehmen wertvolle Familienarbeit, gehen einer Freiwilligenarbeit nach oder sind unter Umständen gleichwohl noch in irgendeiner Form erwerbstätig.

Gründe für Weiterbeschäftigung

Der Wunsch oder der Wille weiterzuarbeiten und sich nicht mit 65 zur Ruhe zu setzen, kann ganz unterschiedlich motiviert sein, wie ein Forschungsprojekt der Fachhochschule Nordwestschweiz kürzlich herausgefunden hat (siehe Info-Box 2). Als grundsätzliche Voraussetzung für eine längere Beschäftigung wird zunächst ein guter Gesundheitszustand angesehen. Nur wenn die Gesundheit es zulässt, ist an Arbeit im Pensionsalter zu denken. Während dann bei manchen Personen finanzielle Überlegungen im Vordergrund stehen, führen jedoch auch häufig die Bedeutung der Arbeit, der Wunsch nach Bestätigung und das Gefühl gebraucht zu sein oder der soziale Austausch zu einer Weiterführung der Beschäftigung.

Auch für Unternehmen gibt es gute Gründe für eine Beschäftigung von Mitarbeitenden über das offizielle Rentenalter hinaus. Geburtenstarke Jahrgänge erreichen in den nächsten Jahren das Rentenalter und der demographische Wandel führt zumindest in einigen Branchen und Berufen zu einem Fachkräftemangel. Ältere Beschäftigte stellen hier ein wichtiges Potential dar, indem sie ihr Wissen und ihre Erfahrung bis und über das Pensionierungsalter hinaus einbringen. Damit stellen sie den Wissenstransfer zwischen den Generationen sicher, fangen durch flexible Besetzung von spezifischen Tätigkeiten Kompetenzlücken und Kapazitätsspitzen auf und entlasten nicht zuletzt die Pensionskassen.

Flexible Gestaltung der Arbeit

Eine notwendige Voraussetzung dafür ist es, die Arbeitstätigkeit so zu gestalten, dass Beschäftigte möglichst lange gesund, motiviert und leistungsfähig sind. Die Flexibilisierung der Arbeit stellt hier einen allfälligen Schlüssel dar. So kann dem Wunsch der älteren Beschäftigten nach weniger Druck und Stress durch flexible Arbeit Rechnung getragen werden, sei es durch veränderte Tätigkeiten, die mit weniger Belastungen verbunden sind, der Möglichkeit Reisezeit durch Home-Office einzusparen oder einer vertraglichen Anstellung auf Stundenbasis. Eine grössere zeitliche Flexibilität in Form eines reduzierten Pensums oder Freiheit in der Wahl der Arbeitstage kann ebenfalls dazu beitragen, indem damit eine verbesserte Vereinbarkeit verschiedener Lebensbereiche erreicht wird. Eine frühzeitige Flexibilisierung der Arbeit kann dazu beitragen, dass Beschäftigte bereitwillig auch über das Rentenalter hinaus im Arbeitsleben verbleiben.

Aufgrund der Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten des Übergangs in die Pensionierung, ist es allerdings nur schwer möglich, die unterschiedlichen Formen der Weiterarbeit hinsichtlich ihrer Bedeutung für Gesundheit und Wohlbefinden der älteren Mitarbeitenden, dem Erreichen unternehmerischer Ziele (z.B. Wissenstransfer) und gesellschaftlicher Interessen (z.B. Entlastung der Rentenkassen) zu vergleichen. So lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt erst eher allgemeinere Empfehlungen geben.

Flexibilisierungspotenzial erkennen

Beschäftigte benötigen einen kontinuierlichen Zugang zu Weiterbildung insbesondere da aufgrund des technologischen Wandels Wissen schneller veraltet. Dazu gehört auch, dass sie über Möglichkeiten und Rahmenbedingungen zur Flexibilisierung der Arbeit und zur Weiterarbeit informiert werden. Gleichzeitig sollten Führungskräfte so qualifiziert werden, dass sie das Flexibilisierungspotential der Tätigkeiten erkennen und frühzeitig mit Beschäftigten 55plus hinsichtlich deren Bedürfnisse und den Möglichkeiten des Unternehmens in den Dialog treten.

Da in Zukunft wahrscheinlich mehr Personen über 65 am Erwerbsleben teilnehmen werden, ist es wichtig zu wissen, welche Formen der Beschäftigung für Arbeitgebende wie auch für ältere Arbeitnehmende am sinnvollsten sind und wie idealerweise der Übergang in den «tatsächlichen» Ruhestand gestaltet werden sollte.

Forschungsprojekt sucht Firmen
In einem Forschungsprojekt im Rahmen der Strategischen Initiative «Alternde Gesellschafft» der Fachhochschule Nordwestschweiz haben Forscherinnen und Forscher der Hochschule für Wirtschaft und der Hochschule für Angewandte Psychologie eine explorative Studie zu Bedürfnissen, Potentialen und Risiken des flexiblen Arbeitens in der späten Erwerbs- und Nacherwerbsphase im wissensintensiven Sektor durchgeführt.

In einem Nachfolge-Projekt soll untersucht werden, welchen Einfluss Faktoren der Person (wie z.B. Beschäftigungsfähigkeit und Art der Tätigkeit) und der Organisation (wie z.B. Altersdiversität und Teamklima) auf die Entscheidung des Pensionierungszeitpunkts und auf die allfällige Form der Weiterarbeit (Arbeitseinsätze nach erfolgter Pensionierung vs. Aufschub der Pensionierung mit Aufschub der Altersleistungen) haben und vice versa.

Unternehmen, die diese Modelle der Weiterbeschäftigung bereits eingeführt haben und diese evaluieren möchten sowie Unternehmen, die planen, solche Modelle einzuführen, sind eingeladen sich an dieser Studie zu beteiligen.

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