10.03.2015

Mutterschaftsentschädigung: Anspruch, Höhe und Auszahlung der Entschädigung

Die Mutterschaftsleistung wird ab dem Tag der Niederkunft ausgerichtet, also während der auf Schwangerschaft und Niederkunft folgenden Erholungszeit der Wöchnerin. Wie hoch die Entschädigung ist, welche Bedingungen für den Anspruch erfüllt werden müssen und wie die Mutterschaftsentschädigung geltend gemacht werden kann, erörtert dieser Beitrag.

Von: René Mettler   Drucken Teilen   Kommentieren  

René Mettler, eidg. dipl. Versicherungsfachmann

René Mettler arbeitet nach über zwanzigjähriger Erfahrung in den Schadenabteilungen von Versicherungsgesellschaften und nach seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Schleudertrauma-Verbandes seit 2002 als selbständiger Berater für verunfallte und erkrankte Personen in Versicherungs- und Leistungsfällen. Er ist in den Bereichen Haftpflicht-, Versicherungs- und Sozialversicherungsrecht Dozent an verschiedenen Schulen/Fachhochschulen.

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Mutterschaftsentschädigung

Die Mutterschaftsentschädigung wird während 98 Tagen (= 14 Wochen) ausgerichtet (EO, Art. 16d), sofern sich die Mutter entscheidet, über das achtwöchige Arbeitsverbot hinaus der Arbeit fernzubleiben.

Anspruchsberechtigt sind Mütter, die in den letzten neun Monaten unmittelbar vor der Niederkunft im Sinne des AHVG obligatorisch versichert waren, während dieser Zeit mindestens fünf Monate lang eine Erwerbstätigkeit ausgeübt haben und im Zeitpunkt der Niederkunft als Arbeitnehmerin oder Selbstständigerwerbende gelten (EOG, Art. 16b). Diese drei Voraussetzungen sind kumulativ zu erfüllen. Nicht erwerbstätige Mütter haben keinen Anspruch auf die Mutterschaftsentschädigung.

Arbeitsunfähigkeit und Mutterschaftsentschädigung

Als arbeitsunfähig gelten Mütter, die infolge gesundheitlicher Beeinträchtigung vorübergehend oder gänzlich nicht mehr arbeiten können. Ausschlaggebend für den Anspruch auf die Mutterschaftsentschädigung ist grundsätzlich, dass sie ein Ersatzeinkommen in Form von Taggeldern der Invaliden-, Unfall., Militärversicherung einer Krankentaggeldversicherung haben (EOV, Art. 30, Abs. 1).

Arbeitsunfähige Mütter, die aus gesundheitlichen Gründen während der Schwangerschaft arbeitsunfähig waren und deren Lohnfortzahlungen oder Taggeldbezüge dabei ausgeschöpft wurden, sind den Frauen mit Taggeldbezug gleichgestellt, sofern sie im Zeitpunkt der Niederkunft nach wie vor in einem gültigen Arbeitsverhältnis stehen (EOV, Art. 30, Abs. 2).

Praxisbeispiele
Ich habe bis zum vierten Schwangerschaftsmonat in Frankreich gearbeitet und bin anschliessend zu meinem Ehemann in die Schweiz gezogen. Zwei Monate vor der Niederkunft habe ich eine Arbeitsstelle in der Schweiz angetreten. Habe ich Anspruch auf die Mutterschaftsentschädigung?

Ja. Die Monate Ihrer Erwerbstätigkeit in Frankreich und der Schweiz werden zusammengezählt. Wenn Sie im Zeitpunkt der Niederkunft in einem Arbeitsverhältnis stehen, haben Sie nicht nur die Versicherungszeit, sondern auch die Beschäftigungszeit erfüllt.

Beginn und Ende des Anspruchs

Der Anspruch auf die Mutterschaftsentschädigung entsteht am Tag der Niederkunft (EOG, Art. 16c). Wird das Kind tot geboren oder stirbt es bei der Geburt, so besteht der Anspruch auf die Entschädigung, wenn die Schwangerschaft mindestens 23 Wochen gedauert hat (EOV, Art. 23).

Der Anspruch auf die Mutterschaftsentschädigung endet am 98. Tag nach seinem Beginn. Er endet vorzeitig, wenn die Mutter die Erwerbstätigkeit wieder aufnimmt und zwar unabhängig vom Beschäftigungsgrad und der Beschäftigungsdauer (EOV, Art. 25).

Verstirbt die Mutter bei der Niederkunft oder während des Mutterschaftsurlaubs, so erlischt der Entschädigungsanspruch. Für den Todestag ist die Entschädigung noch geschuldet.

Höhe der Entschädigung

Die Mutterschaftsentschädigung wird als Taggeld ausgerichtet. Das Taggeld beträgt 80 Prozent des durchschnittlichen Erwerbseinkommens, welches unmittelbar vor der Niederkunft erzielt wurde (EOG, Art. 16e).

Zur Mutterschaftsentschädigung werden keine Kinderzulagen, Betriebszulagen und Zulagen für Betreuungskosten gewährt.

Der Höchstbetrag des versicherten Verdienstes beläuft sich auf CHF 88‘200.-.

Geltendmachung des Entschädigungsanspruches

Die Anmeldung für eine Mutterschaftsentschädigung wird in der Regel durch die Mutter ausgefüllt und durch den Arbeitgeber ergänzt und von beiden unterzeichnet. Der Arbeitgeber leitet das Formular an die AHV-Ausgleichskasse weiter. Selbständigerwerbende und arbeitslose Mütter machen den Anspruch direkt bei der AHV-Ausgleichskasse geltend (EOG, Art. 17).

Der Anmeldung sind amtliche Ausweisschriften beizulegen, aus denen die Personalien der Mutter ersichtlich sind, sowie

  • das Familienbüchlein, oder
  • die Geburtsurkunde des Neugeborenen.

Der Arbeitgeber kann den Anspruch selbständig nur geltend machen, sofern die Mutter es unterlässt, den Anspruch via Arbeitgeber geltend zu machen  und er während der Dauer des Entschädigungsanspruchs einen Lohn ausbezahlt. Dieser muss mindestens dem Betrag entsprechen, welcher der Mutter in Form der Entschädigung zusteht.

Auszahlung der Entschädigung

Wenn der Arbeitgeber der Mutter für die Dauer des Anspruchs Lohnfortzahlungen leistet, so zahlt die Ausgleichskasse die Mutterschaftsentschädigung dem Arbeitgeber aus.

Die Mutter kann – bei Differenzen mit dem Arbeitgeber oder wenn besondere Umstände vorliegen – die direkte Auszahlung der Mutterschaftsentschädigung durch die Ausgleichskasse verlangen. In allen übrigen Fällen zahlt die Ausgleichskasse die Mutterschaftsentschädigung direkt an die Mutter oder an die auszahlungsberechtigte Person aus. Die Mutterschaftsentschädigung wird am Ende eines Monats nachschüssig ausbezahlt. Im Kalendermonat, in welchem der Entschädigungsanspruch erlischt (maximale Bezugsdauer, Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit, Tod der Mutter), wird die Entschädigung jedoch für die aufgelaufenen Tage umgehend ausbezahlt. Beträgt sie weniger als CHF 200.— pro Monat, so wird sie am Ende des Mutterschaftsurlaubs ausbezahlt. Die Mutterschaftsentschädigung kann auch ins Ausland ausbezahlt werden, wenn die Mutter nach der Geburt ihren Wohnsitz ins Ausland verlegt.

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