17.10.2016

Bewerbungsanalyse: Die 10 wichtigsten Bestandteile

Die detaillierte Bewerbungsanalyse nehmen Sie bei den Kandidaten vor, welche Sie zu einem Vorstellungsgespräch einladen möchten. Welche Bestandteile Sie genau unter die Lupe nehmen, lesen Sie hier.

Von: Thomas Wachter   Drucken Teilen   Kommentieren  

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren im Personalamt des Kantons Luzern. Früher als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, aktuell als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Weitere Tätigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent für Personalmanagement, -administration und -führung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke «PersonalPraxis» und «Praxisleitfaden Personal».

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Bewerbungsanalyse

Bestandteile der Bewerbungsanalyse

Die Bewerbungsanalyse bezieht sich auf folgende Bestandteile:

  • Lebenslauf
  • Schul- und Arbeitszeugnisse 
  • Aus- und Weiterbildungen
  • Gestaltung der Bewerbung
  • evtl. Fotografie

Bewerbungsanalyse: Lebenslauf

Der Lebenslauf ist das Kernstück jeder Bewerbungsanalyse. Eine inhaltliche Überprüfung des Lebenslaufes nehmen Sie in Form von vier unterschiedlichen Analyseschritten vor, wie in der Folge gezeigt wird. Die Lebenslaufanalyse liefert Ihnen die Fragen, welche es später im Interview zu stellen gilt.

1. Zeitfolgeanalyse

Bei der Zeitfolgeanalyse untersuchen Sie,

  • wie lange die einzelnen Arbeitsverhältnisse gedauert haben
  • ob bedeutende Lücken vorhanden sind


Mehrfache Arbeitsplatzwechsel während der Probezeit oder auffällig kurze Betriebszugehörigkeiten sind eher negative Merkmale. Beachten Sie dabei, dass kurze Betriebszugehörigkeiten in jungen Jahren zumeist eine andere Rolle spielen als in späteren Jahren. In einzelnen Berufen oder Branchen sind häufige Arbeitsplatzwechsel üblich.

Auch Lücken sind nicht vorschnell zu interpretieren, insbesondere wenn diese Jahre zurückliegen. Vielmehr sollen Sie mögliche Lücken im Anstellungsinterview ansprechen um die Gründe erfahren können

2. Positionsanalyse

In der Positionsanalyse untersuchen Sie die Frage, welche Verantwortung der Bewerber an den einzelnen Stellen innehatte. Untersuchung der Frage des

  • positionellen Auf- oder Abstiegs
  • Berufswechsels
  • Wechsel des Arbeitsgebietes

Die Interpretation von Entwicklungen kann nicht schematisch erfolgen. Berufswechsel sind zunehmend verlangt und können auf eine breite Erfahrung (so genannte Polyvalenz), Interesse und Flexibilität hinweisen. Es kann sich jedoch genauso gut um ein zielloses Verhalten handeln. Vorsicht ist auch vor einseitig negativer Beurteilung eines positionellen Abstiegs angebracht. Dies könnte bewusst eingeplant worden oder konjunkturell bedingt sein.

3. Firmen- und Branchenanalyse

Untersuchung der Eignung der Bewerberin oder des Bewerbers aufgrund seines Beschäftigungsganges:

  • Firmen, Art und Grösse der Unternehmen
  • Branchen, Branchenwechsel

Für die Interpretation gilt das oben für die Positionsanalyse Gesagte auch in Bezug auf Erfahrungen in verschiedenen Firmen und Branchen.

 4. Kontinuitätsanalyse

Prüfung des sinnvollen Aufbaus der bisherigen beruflichen Entwicklung der Bewerberin oder des Bewerbers aufgrund des

  • Hin- und Herwechselns zwischen zwei oder mehreren unterschiedlichen Berufen
  • Stellenwechsels ausschliesslich unter dem Gesichtspunkt eines höheren Einkommens

Bewerbungsanalyse: Schulzeugnisse

Zeugnisnoten sind meist kein geeignetes Leistungskriterium. In Schulen sind teilweise andere Qualifikationen gefragt als im Beruf (z.B. mehr abstraktes Denken und Wissensreproduktion). Zudem variiert das Niveau von Klassen und Schulen stark.

Es gilt dabei: Je aktueller Schulnoten sind und je näher eine verlangte Qualifikation am Schulwissen ist, desto eher können Schulnoten Hinweise geben. Vorsicht ist auch bei fehlenden Abschlusszeugnissen geboten.

Bewerbungsanalyse: Arbeitszeugnisse

Die Aussagekraft von Arbeitszeugnissen wird unterschiedlich beurteilt. Das Recht schreibt vor, dass Arbeitszeugnisse wohlwollend formuliert sein müssen. Das führt dazu, dass oftmals lediglich positive Hinweise gegeben werden und aus übertriebener Vorsicht sämtliche Negativaussagen vermieden werden. Stattdessen werden folgende Ausweichstrategien praktiziert:

  • Auslassungen
  • Geheimcodes
  • Arbeitsbestätigungen ohne Qualifizierung

Auslassungen

Ein vollständiges Arbeitszeugnis äussert sich u.a. zu

  • Arbeitsleistung und Arbeitsergebnissen
  • Verhalten am Arbeitsplatz, Verhältnis zu Kolleginnen und Kollegen und zu Vorgesetzten
  • Austrittsgrund

Wird eines dieser Elemente weggelassen, so kann sich dahinter eine vermiedene Negativaussage verbergen. Es ist allerdings auch möglich, dass es sich um ein unprofessionelles Zeugnis handelt und die Aussage schlicht vergessen ging.

Geheimcodes

Die Anwendung der so genannten Geheimcodes - obwohl rechtlich problematisch - war in früheren Jahren üblich, werden heute jedoch meist ausdrücklich - z.B. über eine entsprechende Formulierung in der Fusszeile - nicht mehr verwendet.

Zu diesen Code-Formulierungen gehörten etwa

  • bemühte sich stets
  • tat sein Möglichstes
  • erledigte seine Arbeit zur Zufriedenheit

Arbeitsbestätigung

Können sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht auf eine Beurteilung einigen oder will der Arbeitgeber möglichen Konflikten über die Beurteilung aus dem Weg gehen, wird manchmal anstelle eines vollständigen Arbeitszeugnisses lediglich eine kurze Arbeitsbestätigung ausgestellt.

Es können jedoch auch ganz andere Überlegungen hinter dem Ausstellen einer Arbeitsbestätigung stehen:

  • Es ist in der Branche üblich
  • Das Arbeitszeugnis wurde erst Jahre später verlangt
  • Der Arbeitgeber wollte sich die Zeit für ein Vollzeugnis sparen etc.

Praxis-Tipp:  Seien Sie vorsichtig bei der Interpretation von Zeugnissen. Professionelle und vollständige Arbeitszeugnisse können nur erwartet werden, wenn diese von Profis verfasst wurden. Dies ist oft in kleineren Firmen nicht der Fall. Der Bäckermeister, welcher mit seinem Lehrling "zufrieden" war, meint das meist wörtlich. Hüten Sie sich auch vor der Überbewertung eines einzelnen Zeugnisses. Es kann sich um ein Einzelvorkommnis in positiver oder negativer Hinsicht handeln.

Bewerbungsanalyse: Weiterbildungen

Kandidaten, welche sich intensiv aus- und weitergebildet haben, oft dazu viel Freizeit investierten und dies mit einer Fülle von Unterlagen belegen, machen sich auf den ersten Blick interessant.

Genau wie bei der Analyse des Lebenslaufes ist jedoch zu prüfen, ob die absolvierten Aus- und Weiterbildungen eine sinnvolle Kontinuität aufweisen und die berufliche Qualifikation für die angestrebte Position verbessert haben. Hinter Bildungsanstrengungen können sich auch Erwartungen verbergen, welche sich vielleicht an der angestrebten Stelle gar nicht umsetzen lassen. Beispiel: wer sich im Bereich Personalführung weitergebildet hat, möchte früher oder später möglicherweise eine solche Position auch einnehmen können.

Bewerbungsanalyse: Fotografie

Eine Fotografie ist vor allem bei kundenorientierten Positionen als Beurteilungsgrundlage zu verwenden.

Sie hilft mit, die einzelnen Bewerbenden - und späteren Mitarbeitenden vor allem in Grossunternehmen - zu identifizieren.

Wir empfehlen Ihnen dringend, auf Interpretationen in Bezug auf Verhaltenseigenschaften und Charakter zu verzichten. Nichts kann so täuschen wie eine Fotografie. Dies sehen Sie nur schon daran, dass die Bewerber in Wirklichkeit oft ganz anders aussehen, als Sie aufgrund des Fotos erwartet hätten.

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